Rotz, ansteckende, durch den R.bazillus verursachte, in der
Regel
schleichend, seltener schnell verlaufende Krankheit des Pferdes und der
übrigen Einhufer (Esel,
Maultiere und Maulesel). Die Ansteckung
geschieht unmittelbar von kranken Tieren auf gesunde oder durch
Zwischenträger
(Stallgeräte, Zaumzeuge, Bespannungsgeschirre, Sättel, Putzzeuge, Futter, Streu usw.). Außer auf Einhufer kann der R.
auf Katzen und auf die zu den Katzen
gehörigen
Raubtiere, ferner auf Hunde und Ziegen übertragen werden. Auch der Mensch
ist beim Umgang mit rotzigen Tieren der Gefahr der Ansteckung ausgesetzt.
Beim schleichend verlaufenden R. können die Tiere wochen-, monateund
jahrelang
mit der Krankheit behaftet sein, ohne daß auffällige
Krankheitserscheinungen
hervortreten. Im übrigen sind die Krankheitserscheinungen verschieden,
jenachdem
es sich um Nasen- oder Haut - R. handelt. Zu den Merkmalen des Nasen - R.
gehören: Nasenausfluß, Knötchen und Geschwüre der Nasenschleimhaut und
derbe,
schmerzlose Schwellung der im Kehlgang gelegenen Lymphdrüsen. Der
Nasenausfluß
ist entweder einseitig oder doppelseitig, anfangs schleimig und grau oder
weiß, später mehr eitrig und gelbgrünlich oder mißfarbig. Zeitweise kann
der Nasenausfluß auch eine blutige Beschaffenheit haben. Beim Haut - R.
treten Knötchen und Geschwüre in der Haut, häufiger aber bis walnußgroße
und größere Knoten und Beulen unter der Haut auf, die nach kurzer Zeit
erweichen,
nach außen durchbrechen und Geschwüre bilden, aus denen sich eine zähe,
dünne, mißfarbige, häufig blutige Flüssigkeit entleert. Die Ränder der
Geschwüre
sind aufgewulstet und ausgenagt und zeigen keine Neigung zur Heilung. Von
den Geschwüren verlaufen strangförmige Anschwellungen (entzündete
Lymphgefäße)
bis zu den nächstgelegenen Lymphdrüsen, die vergrößert und hart sind.
Außerdem
können schmerzlose und sehr derbe Anschwellungen der Haut auftreten (sog.
Elefantiasis, s. Filarien) und Husten sowie Atembeschwerden
(Kehlkopf-
und Lungen - R.), ferner zeitweiliges Nasenbluten bestehen. Bei längerer
Dauer der Krankheit magern die Tiere ab, ermüden rasch beim Gebrauch und
lassen eine rauhe, wie aufgebürstete Beschaffenheit des Haarkleides
erkennen.
Beim akuten R. zeigen die Tiere das Bild einer schweren, fieberhaften
Erkrankung.
Die Krankheit beginnt mit Schüttelfrost und hohem Fieber. Sodann zeigen die erkrankten Tiere
schleimigen,
eitrigen, später blutigen oder jauchigen Nasenausfluß, Knötchen oder
Geschwüre
in der Nasenschleimhaut, angestrengtes und geräuschvolles Atmen,
Anschwellung,
Knoten- und Geschwürbildung der Haut mit Schwellung und Verdickung der
Lymphgefäße
und Lymphdrüsen. Beim akuten R. sterben die Tiere durchschnittlich nach
Verlauf von 3 - 14 Tagen. Als Hilfsmittel zur Erkennung des schleichend
verlaufenden R. dienen das Mallein, die
Agglutination und Komplementbindung (s.d.). Der R.
unterliegt
im Deutschen Reiche und in den Kolonien der Anzeigepflicht und
veterinärpolizeilichen
Bekämpfung. - Besondere Beachtung verdient der R. dadurch, daß er auf den
Menschen übertragbar ist. Menschen, bei denen Absonderungen rotziger Tiere
in verletzte Hautstellen, in das Auge, in die Schleimhaut der Nase oder
des Mundes gelangen, können an R. erkranken. Die Krankheit äußert sich
bereits
nach 3 - 5 Tagen durch Anschwellung der angesteckten Stelle und der in der
Nähe gelegenen Lymphgefäße und Lymphdrüsen. Personen, die sich mit R.
infiziert
haben, müssen sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.