Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 255

Säugetiere sind warmblütige, während des ganzen Lebens durch Lungen atmende Tiere mit Knochengerüst und Milchdrüsen; sie haben mit wenigen Ausnahmen einen behaarten Körper; nur einige sind nackt oder mit Hornschuppen bedeckt. Fast alle haben vier Gliedmaßen, nur den Seesäugetieren fehlen sichtbare hintere Gliedmaßen. Keine andere Tierklasse ist vorläufig besser für Untersuchungen über die bezeichnenden, Unterschiede der Tierwelt in den verschiedenen Teilen der Schutzgebiete geeignet. Es darf jetzt schon als sicherer Befund unterstellt werden, daß jede Säugetierart in eine mehr oder weniger große Anzahl von Rassen zerfällt, je nach dem Umlange des Verbreitungsgebietes dieser Art, daß die Ausbreitung dieser Rassen für alle Arten im wesentlichen die gleiche und auf eine größere Anzahl von Rassengebieten (s.d.) beschränkt ist, und daß jedes Schutz gebiet in eine gewisse Menge solcher Rassengebiete eingeteilt werden muß. Die Unterschiede, welche in derselben Gegend bei eine und derselben Art wahrgenommen werden sind entweder auf verschiedenes Geschlecht und Alter zurückzuführen oder erklären sich dadurch, daß der Fundort an der Grenze zweier verschiedener Rassengebiete liegt. Di meisten zoologischen Stationen, wo Sammlungen von S. vorgenommen worden sind liegen begreifficherweise auf den gesundesten Punkten des Landes, und das sind gemeiniglich die Wasserscheiden zwischen verschiedenen Rassengebieten. Dort kommen gewöhnlich mindestens zwei Rassen jeder Ar vor, und dort wird der Laie am ehesten an eine große Abänderung innerhalb der Ar glauben, weil er es mit mehreren verschiedener Rassen jeder Art und mit den dort vielleichl nicht seltenen Mischlingen zu tun hat. Über die S. der einzelnen Schutzgebiete liegen verhältnismäßig sehr wenige, allgemein brauchbare Arbeiten vor; die große Menge der in wissenschaftlichen Zeitschriften zerstreuten Ab. handlungen ist für denjenigen, der sich draußen einen Überblick über die Tierwelt verschaffen will, wenig nutzbar. Man unterscheidet ungefähr ein Dutzend größerer Ordnungen mit mehr als 10 000 Arten und Rassen. - Für die deutschen Schutzgebiete sind viele Säugetiere von großer Wichtigkeit, entweder weil ihre Felle oder ihre Hörner und Zähne Gegenstände des Handels sind, oder weil sie durch ihr Fleisch und durch die aus ihrer Jagd erzielten Einnahmen Bedeutung haben. Viele wirken schädlich durch Verzehren brauchbarer Pflanzen oder durch Räubereien an Wild oder Haustieren oder als Überträger von Krankheitserregern, sollten aber nur dort, wo man sich ihrer erwehren muß, vertrieben oder vernichtet werden, solange wir nicht wissen, welchen Zweck sie vielleicht zur Erhaltung des Gleichgewichts in der belebten Welt zu erfüllen haben. S. a. Tierwelt der deutschen Schutzgebiete, Zoologie und Jagd der Eingeborenen.

Matschie.