Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 197 f.

Sagopalmen. Die S. sind im asiatischaustralischen Tropengebiet zuhause und liefern in verschiedenen Arten den Eingeborenen ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Gattung Metroxylon (früher Sagus genannt) umfaßt eine größere Anzahl von Arten, von denen eine Gruppe nur einmal während ihres Lebensganges Frucht trägt, während die anderen häufiger blühen und Früchte ansetzen. Zu der ersten Gruppe gehören die eigentlichen S., M. rumphii, M. sagus oder laeve, M. silvestre, M. longispinum und M. micracantum. Von diesen ist M. laeve die wichtigste Palme für die Sagogewinnung im westlichen Gebiete, M. rumphii für die östlichen Teile. Die Produkte der ersteren kommen meist über Singapur in den Handel, diejenigen der letzteren über Holländisch - Indien. Während im ganzen Gebiete die verschiedenen S.arten von den Eingeborenen meist in primitiver Kultur genutzt werden, finden sich geordnete Pflanzungen auf Java, Sumatra, West- und Ostborneo, auf verschiedenen kleinen Inseln des Archipels, auf der Halbinsel Malakka und in Siam. Außerdem liefern noch einige Palmen aus anderen Gattungen in denselben Gebieten ein wie Sago verwendetes Stärkemehl. Die Anzucht der S. kann aus Samen oder aus Wurzelschößlingen erfolgen. Da die Palme vor der Fruchtbildung abgeerntet wird, so ist die Beschaffung von Saatgut schwierig und deshalb die ungeschlechtliche Vermehrung das Gebräuchlichste. Bei der Anzucht aus Samen ist für genügende Feuchtigkeit in erster Linie Sorge zu tragen. Die S. gedeihen am besten auf einem feuchten, leicht schlickigen Boden, auf trockenem versagt sie vollständig, auf zu nassem leidet die Qualität des Stärkemehls. Die jungen Pflanzen oder Wurzelschößlinge werden an Ort und Stelle gebracht, wenn sie 45 - 60 cm groß sind, und gewöhnlich im Abstande von 3,4 zu 3,4 m in den wohl vorbereiteten Boden gebracht. Es empfiehlt sich aber, einen viel weiteren Abstand 8,5 m zu wählen, da die übliche Pflanzweite für eine günstige Entwicklung der Palmen viel zu eng erscheint. - Nach drei Jahren haben die S. bereits einen kleinen Stamm entwickelt und erreichen bei guten Wachstumsbedingungen in 10 - 12 Jahren ihre volle Größe. Verwildert oder unter ungünstigen Bedingungen sind dazu 15 - 20 Jahre erforderlich. Die S. haben etwa eine Höhe von 10 m und einen Durchmesser von 60 cm. Der Stamm besteht aus einem etwa 5 cm starken, festen Außenzylinder und dem weißen, schwammigen, das Stärkemehl führenden Mark. Die gefiederten Blätter bilden eine leichte Krone, sind 6 m lang und haben 60 - 160 cm lange Fiedern. Der Blütenstand ist verzweigt, 2 m lang und trägt mittelgroße, runde, von einem Schuppenpanzer bedeckte Früchte. Die S. sind erntereif kurz vor dem Beginn der. Blüte. Dieser Zustand tritt meist im 10. bis 15. Jahre ein und ist an dem Weißwerden der Blattstiele zu erkennen. Die Eingeborenen prüfen auch wohl durch Anbohren des Stammes das Mark auf Stärkegehalt, um dadurch den Reifegrad der Palme festzustellen. Bei der Ernte werden die Palmen umgeschlagen, die Blätter entfernt, der Stamm in zwei Längshälften zerlegt und das Mark herausgeschabt. Die Masse wird dann mit Wasser ausgeschlemmt und durch ein aus den Fasern der Blattstiele der Kokospalme gefertigtes Sieb gegeben. Dieses hält die größeren Gewebsteile zurück und läßt nur das Stärkemehl mit feineren Zellelementen hindurch. In einem Bottich aufgefangen, setzt sich das Sagomehl aus dem Wasser auf dem Boden des Gefäßes ab und kann nach Abziehen des Wassers herausgenommen und getrocknet werden. Das so erhaltene Produkt ist der Rohsago (s. Sago), der für den europäischen Markt von den Chinesen in Singapur noch besonders aufbereitet wird. Der von den verschiedensten Teilen des Archipels von den Chinesen aufgekaufte Rohsago ist meist eine weiche, grauweiße, in Palmblätter eingewickelte Masse. Diese wird nun zunächst durch mehrfaches Waschen gereinigt. Das durch Absetzen gewonnene Stärkemehl wird etwas angetrocknet, durch Siebe gegeben, so daß kleine Brocken entstehen, die dann durch Rollen in horizontal sackartig aufgespannten Tüchern abgerundet werden. Diese Kügelchen kommen dann für kurze Zeit auf heiße Platten, damit sie außen verkleistern und so die Eigenart des Handelssagos erhalten. Die Sagokultur ist bis heute auf die ursprünglichen Verbreitungsgebiete dieser Palmen beschränkt geblieben. Dies hängt zum Teil mit. den klimatischen Bedingungen zusammen, ist zum Teil aber auch darin begründet, daß die lange Frist bis zur Ernte, der 10 - 15jährige Umtrieb, eine Neuanlage recht erheblich erschwert. Niederländisch - Indien produzierte 1909 rund 6000 t Rohsago, der im wesentlichen nach Singapur ging. An Handelssago wurden rund 8000 t produziert. Von diesen gingen etwa 400 nach den Niederlanden, 1500 nach Deutschland und der Rest nach Singapur. Der Wert dieser Erzeugnisse beläuft sich auf etwa 1,5 Mill. M. In Singapur wird der eingeführte Sago zu Perlsago und Sagomehl verarbeitet. Der Wert der von dort ausgeführten Produkte beläuft sich auf rund 11 Mill. M. Eine genauere Statistik besonders über die Einfuhr Ham burgs ist schwer zu geben, da die feineren Stärkemehle in der Einfuhr nicht getrennt gehalten werden und Sago und Tapioka sich vielfach je nach der Marktlage ersetzen (s.a. Maniok).

Literatur: J. J. Paerels, Sago, in: Van Gorkoms oost -indische cultures, Bd. III, 555/80, Amsterdam 1913 (Bussy). - Sagoe en Sagoepalmen, Bulletin des Kolonial - Museums Haarlem, Nr. 44. 120 S. 9 Taf. 1909. - Sagogewinnung in Niederländisch - Indien, Nachrichten aus dem Reichsamte des Innern, 1910, Nr. 17 und Tropenpflanzer 1910, XI V, 313/14.

Voigt.