Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 201 ff.

Salomoninseln. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5. Bevölkerung. 6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. 7. Mission. 8. Entdeckungsgeschichte.

1. Lage und Bodengestaltung. Die S. es um fassen die in 2 Reihen angeordnete Inselkette zwischen dem Bismarckarchipel und den Neuen Hebriden (1541/2 - 1621/2° 0. L. und 50-110 s. Br .). Über einem Grundgebirge von älteren Eruptivgesteinen haben sich zum Teil mächtige Gebirge von jungeruptiven Gesteinen und deren Tuffen aufgebaut, wozu vielfach geho bene Korallenkalke treten, die häufig in schön entwickelten Terrassen Zeugnis von ruckweisen Hebungen des Gebiets geben; auch foramini ferenreiche rezente Tiefseetone in großen Höhen bekunden das Vorkommen starker Niveauschwankungen in jüngster Zeit. Die zu meist stark bewaldeten, aber doch auch recht gut bevölkerten Inseln wurden 1886 in der Weise zwischen England und Deutschland ver teilt, daß Buka, Bougainville, Choiseul und Ysabel mit ihren Nebeninseln zu Deutschland fielen, den Rest England erhielt. Durch den Samoavertrag 1899 gingen aber leider Choiseul, Ysabel und die Shortlandinseln sowie das Atoll Ongtong - Java in britischen Besitz über. Nähe res über die Bodengestaltung der in deutschem Besitz verbliebenen Inseln s. Bougainville und Buka. S.a. Nissan und Carteretinseln.

Sapper.

2. Klima. Über den deutschen Teil liegen nur wenige Beobachtungen vor. Die S. überhaupt bilden den Übergang vom eigentlichen Gebiet des Nordwestmonsuns zum Südostpassat. Sie haben veränderliche Winde, heftige Böen - jedoch keine Taffune - und starken Niederschlag (3400 mm nach mehr als 4jährigen Beobachtungen von Kieta auf Bougainville). Der Nordwestmonsun weht von Ende November bis Ende März, welche Monate einen etwas höheren Niederschlag als die übrigen besitzen; Ende April bis Anfang November weht der Südost Passat, jedoch unregelmäßig. Nach den Beobachtungen von Fa isi auf Shortland dürfte die Jahrestemperatur an der Küste etwa 27° betragen, im Juli als dem kältesten Monat etwa 26,5°, im August als dem wärmsten etwa ,27,7°; die , Temperaturschwankung beträgt also 1,2°. Wesentlich höhere Werte der letzteren dürften nur im gebirgigen Innern von Bougainville zu erwarten sein. Niederschlagskarte s. Deutsch-Neuguinea.

Heidke.

3. Pflanzenwelt. Die ziemlich niedrige Insel Buka zeigt viele Eingeborenenplantagen mit sekundärem Buschwald abwechselnd. An der Westküste findet sich ausgedehnte Man groveformation, welche auch auf die Nordwest ecke der Insel Bougainville übergeht. An der Nordküste dieser Insel sowie an steilen Hängen finden sich Grasfelder. Von der Vege tation ist noch sehr wenig bekannt. Sekundäre Formationen scheinen große Ausdehnung zu besitzen. Auf die Inselgruppe beschränkt ist die an Flußmündungen wachsende Pandanacee Sararanga sowie die einen wichtigen Ausfuhr artikel liefernde Steinnußpalme Coelococcus salomonensis. Die Gebirge bedeckt dichter Gebirgsregenwald, die Vulkangipfel sollen vege tationslos sein. Gouverneur Hahl fand bei seiner Durchquerung bis zu 900 m Höhe nur sekundären Wald, von 900-1500 m den unter Kaiser-Wilhelmsland geschilderten Moos- oder Nebelwald.

Lauterbach.

4. Tierwelt. Die Tierwelt ist arm an Säugetieren (s. Deutsch-Neuguinea, 10. Tierwelt, und Bismarckarchipel 4).

5. Bevölkerung. Die Bevölkerung des deutschen Anteils ist nicht einheitlich. Die Unterschiede machen sich in der Somatologie, Sprache und Kultur der Eingeborenen bemerkbar. Die Urschicht bilden Amelanesier (s.d.), die sich zum Teil in den Bergen Bougainvilles rein erhalten haben. Sie sind klein, schwächlich, kurzbeinig, rundschädelig, breitgesichtig und breitnasig; sie haben kräftige Augenbrauenwülste und sind stark behaart. Das braunschwarze Haar ist kraus, wollig, die Hautfarbe dunkelbraun. Die Amelanesier wurden durch die von Süden her vordrängenden, an Intelligenz und Kulturgüternüberlegeneren kriegerischen Melanesier (s.d).in die Berge zurückgedrängt. Der Norden Bougainvilles, Buka, ferner Nissan und Carteret werden heute von der rein melanesischen Bevölkerung - den sog. Salo moniern - eingenommen. Nissan und Carteret hatten vor nicht langer Zeit polynesische Bevölkerung, die jedoch der Eroberungslust der Salomonier erlag und heute verschwunden ist. Die Siedelungsnamen und einige Kulturelemente erinnern hier noch an die polynesische Zeit. Dieser melanesische Typus ist sehr dunkel, last schwarz. Es sind verhältnismäßig große, schlanke Leute, langschädelig mit zuweilen auffallend langen, schmalen Gesichtern, feinen Nasen und wenig eingedrückten Nasenwurzeln. Das Haar ist kraus, wollig. Als drittes Element, das diesen genannten recht untergeordnet ist, erscheint das polynesische, das sich vereinzelt an der Ostküste von Buka und Bougainville Eingang verschaffte. Die dadurch beeinflußte Bevölkerung besitzt gelegentlich hellere, braune Individuen, auch fehlt es nicht an schlichthaarigen oder solchen mit gewelltem Haar. In der Sprache findet sich eine ganze Anzahl polynesischer Lehnworte. Aus allen drei Elementen haben sich Mischvölker herausgebildet, von denen das von Buin (Amelanesier - Melanesier) am besten bekannt geworden ist. Obwohl das melanesische Element hier in der Bevölkerung und in den Kulturgütern überwiegt, steht ihre Sprache doch der amelanesischen näher. In ihrer Grammatik herrschen Suffixe vor; sie hat eine Fülle von Verbalformen, die ebenso schwierig zu analysieren wie zu deuten sind. Wie in anderen Teilen der Salomoninseln hat sich auch hier der Verlust der Eroberersprache durch Heiraten mit Frauen der amelanesischen Bergbevölkerung vollzogen, die ihre Kinder in der Mutter-, nicht in der Vatersprache aufzogen (s.a. Papuasprachen und Melanesische Sprachen). Nach den Frizzischen Untersuchungen bevölkern folgende Stämme, nach ihren Eigennamen oder Gauen benannt, die Inseln. 1. Buka - Nissan, Carteret, Buka, Norden von Bougainville. 2. Upi - mittlerer Teil des Kaisergebirges und zugehörige Küsten. 3. Numanuma - Ostküste zwischen Kaiserund Kronprinzengebirge. 4. Nasioi - östlicher Abhang des Kronprinzengebirges und Südostküste. 5. Alu -Küstenkolonien im Südwesten, Süden und Südosten von Bougainville. 6. Telei - Süden von Bougainville. 7. Buin - Süden und Südosten von Botigainville (D.N.G.8). - Die Eingeborenen von Bougainville wohnen in Gauen, die ihre Grenzen seit alter Zeit bewahrt haben und dieselbstinden Kriegszügen nicht verändert wurden. Sie werden von gut gepflegten Pfaden durchzogen, welche die Häuptlingshäuser der einzelnen Siedelungen miteinander verbinden. Von dem Hauptpfade führen Seitgnwege zu den einzelnen Wohngehöften,die kein geschlossenes Ganzes bilden, obschon sie einander oft nahe benachbart sind, und zu den Pflanzungen. In den Alukolonien, ferner auf Buka und Nissan wohnt man in geschlossenen Siedelungen. Eine oder zwei parallele Straßen führen hier durch das Dorf, an der die Häuser mit ihren Giebel- und Tiergarten schnurgerade ausgerichtet sind. Die Grundlage der Verfassung bilden die zwischen den Häuptlingen abgeschlossenen Treubündnisse, die zur Blutrache und kriegerischen Unternehmungen verpflichten. Die Bündnisse sind rein persönlich, nicht vererbbar und werden durch besondere Zeremonien geschlossen. Unter den Häuptlingen gibt es drei Arten: die Hausväter der freien Familien mit geringer Gefolgschaft; die Hundertschaftshäuptlinge mit 60 -100 Gefolgsleuten, aus Freien und überwiegend Hörigen bestehend, von denen sich eine Anzahl zum Treubündnis zusammentut; die Großhäuptlinge, die nur wenigen, besonders angesehenen Familien entnommen werden. Sie stehen mit den oben erwähnten Häuptlingen mehrerer Gaue im Treubündnis und können damit eine große, fast autokratische Macht ausüben. Die Häuptlingswürde wird vom Vater auf den Sohn vererbt. Als äußeres Machtzeichen gilt die Befugnis, eine Häuptlingshalle zu erbauen. An sich ist der Häuptling unter seinen Mannen der primus inter pares, der jedoch unter Umständen auch einen böswillig Unbotmäßigen d es Landes verweisen kann. Die rechtlichen Entscheidungen werden in der Männerversammlung unter Vorsitz des Häuptlings getroffen. Sein Einfluß hängt von seiner Persönlichkeit ab. Die rechtlichen Verhältnisse sind gut ausgebildet. Es gibt Grund und bewegliches Eigentum, Erbrecht, Strafrecht, Asylrecht; Handel, Verkehr, Pacht, Schuldverhältnis, Dienstleistungen werden durch ein seit langer Zeit eingebürgertes Gewohnheitsrecht geordnet. Unabhängig von dieser sozialen Organisation gruppiert sich die Bevölkerung nach Klassen, von denen jede in der Art des Totem zu irgendeinem Tiere in besonderer mystischer Beziehung steht (s. Totemismus). Die Totemtiere gelten nicht als Ahnen. Heiraten in derselben Klasse sind verboten. Das Totem vererbt sich mütterlicherseits, doch wird auch das väterliche respektiert. Sämtliche Totemtiere unterliegen dem Jagdbann und dürfen nicht erlegt werden. Zu bestimmten Zeiten treten außerdem für die einzelnen Klassen noch Sonderspeiseverbote hinzu. Die Ehe ist eine Kaufehe. Vater und Sippe des Ehegatten kaufen die Braut von ihrem Vater und ihrer Sippe. Eine Verlobung geht der Heirat oft schon im Kindesalter voraus. Monogamie ist die Regel, Häuptlinge pflegen mehrere Frauen zu haben. Unfruchtbare Frauen werden den Eltern wieder zurückgegeben, oder man nimmt sich eine Nebenfrau. Die Ehe wird in dem Augenblick begonnen, wo das künftige Wohn- und Schlafhaus und die Anlage einer Taropflanzung fertiggestellt sind. Ehebruch wird vom Ehebrecher durch Zahlung von Muschelgeld gesühnt, oder er wird zum Duell gefordert, wenn man ihn nicht meuchlings tötet. Die Leviratsehe ist selten, meist kehrt die Witwe zur eigenen Sippe zurück. Die Kinder nehmen schon sehr früh eine selbständige Stellung ein; sie haben eigene Fruchtbäume und Pflanzungen; die Knaben dürfen sich an den Männerversammlungen beteiligen. Der Tod wird der Zauberei zugeschrieben. Selten werden die Toten bestattet; auf Nissan und Carteret werden sie in die Lagune versenkt. Die meist ausgeübte Bestattungsart ist die Leichenverbrennung, die unter großen Festlichkeiten abgehalten wird. Die Pflanzungen der Toten werden häufig vernichtet, die bewegliche Habe gelegentlich nach dem Totenfeste verbrannt. Im übrigen fällt das Haupterbe an die männlichen Kinder der ältesten Schwester des Verstorbenen; die eigenen Kinder erhalten nur einen geringen Anteil. Die Toten begeben sich in ein auf den Bergen gedachtes Totenreich; am Meere leben die Seelen auf Landzungen und den Riffen fort. Aus dem Totenreich kehren die Seelen nach ihrem Belieben zurück, um fördernd oder hemmend in das Leben der Menschen einzugreifen. So stehen die religiösen Vorstellungen in enger Beziehung mit manistischen Ideen, hinzutritt die Verehrung der Dämonen, der Natur- und Himmelsgeister. Der Kultus liegt in den Händen besonderer Priester, die gleichzeitig die Rolle von Ärzten und Zauberern verkörpern. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind geordnet. Taro und Yams werden auf dem Felde gebaut; die Felder werden von den Männern angelegt, die eigentliche Feldarbeit aber von den Frauen besorgt. Nach der Ernte bleibt ein Feld gewöhnlich mehrere Jahre brach liegen. In den Bergen ist diese Brachwirtschaft nicht selten mit einem Siedelungswechsel verbunden. Angebaut wird weiter die Banane, Kokosnuß- und Arekapalme und Tabak, die letzten drei nur von den Männern. In der Sammelwirtschaft werden Sago, Mandeln und Brotfrüchte geerntet. Fische, Schweine, Opossum, Fledermäuse, Hühner und Menschen liefern Fleisch. Zur Beschaffung des Menschenfleisches wurden früher regelrechte Jagdzüge unternommen, das Fleisch auch marktmäßig verhandelt. Die Zubereitung der Speisen, mit Ausnahme des Menschenfleisches, ist Weibersache. Man kocht am offenen Feuer oder im Erdofen. Das Feuer wird durch Hobeln oder Bohren hergestellt. Eine Arbeitstrennung ist nach Geschlechtern in derselben Weise durchgeführt wie bei anderen melanesischen Völkern (s. Admiralitätsinseln). Der Handel liegt in den Händen der Männer. Er ist nur gering und beschränkt sich auf einen Güteraustausch, der häufig die Form eines Geschenkaustausches angenommen hat. Der Besitz an gewissen Naturschätzen - Basalt zur Herstellung der Steinbeilklingen, Muscheln zur Herstellung des Geldes - oder die Fertigkeit .in der Herstellung von Gebrauchsgeräten, Pfeilen, Töpfen usw. führt den Güteraustausch herbei. Hierbei und im Verkehr der Eingeborenen untereinander spielt das Geld als Wertmesser eine große Rolle. Am meisten sind Konusscheiben, aufgereihte Delphinzähne und Tridacnaarmringe als Geld im Umlauf. Unter den Häusern der Eingeborenen sind drei Arten zu unterscheiden; das Häuptlingshaus, das Schlaf- und Wohnhaus. Zwischen den Bukahäusern und denen der übrigen Salomonier gibt es wichtige Unterschiede. Beide Formen haben allerdings rechtekigen Grundriß und sind sehr geräumig. Das Bukahaus liegt jedoch zu ebener Erde und besitzt ein über die Seitenwände greifendes Tonnendach, während die Häuser der übrigen Salomonier einen geraden, an der Giebelseite gelegentlich etwas überhängenden First mit schrägen Dachseiten besitzen. Das Schlafhaus wird hier zur Sicherung gegen feindliche Überfälle auf hohen Pfählen errichtet, Treppen führen in die Häuser. Das Wohn- oder richtiger Werkhaus ist wie das Schlafhaus erbaut, nur fehlt der Pfahlrost. In ihm werden die Vorräte aufbewahrt und die täglichen Arbeiten vorgenommen. Das Dach besteht bei beiden Häusern aus Sagoblättern, die Wände aus Planken oder Baumstämmen. Beide Hausformen sind bei den Amelanesiern allein gebräuchlich, während die Melanesier für ihre Häuptlinge noch besondere große Hallen bauen, die jede einen den Besucher abschreckenden Eigennamen erhalten. Diese Hallen, die nichts anderes als ein auf 8-10 Pfählen ruhendes Dach sind, haben sehr verschiedene Abmessungen. Sie richten sich nach der Macht und dem Reichtum der Häuptlinge. Die Pfähle sind häufig mit prächtigen Malereien und Schnitzereien bedeckt. Die Hallen dienen gleichzeitig als Lokalheiligtum. In ihnen werden vor dem Hauptpfeiler Opfer dargebracht, die. siegreichen Waffen niedergelegt, die Schädel der erschlagenen Feinde ausgestellt und die Signaltrommeln aufbewahrt. Gleichzeitig dienen sie als täglicher Sammel- und Verkehrsplatz der Männer, die hier auch die Versammlungen abhalten. Der Hausrat der Wohnhäuser besteht in niedrigen Schlafpritschen aus Bambus, dem Herde, Werkzeug, Küchengerät, Waffen, Fanggerät. Die Männer gehen durchweg nackt; erst in der jüngsten Zeit bürgert sich das europäische Kattunlavalava ein. Die Frauen tragen ein kleines Faserbüschelchen oder hüllen sich in eine aus Pandanusblättern fächerartig oft mit bunten Mustern bestickte Schürze ein. Im Regen trägt man das Regendach. Beide Geschlechter tatauieren sich, vor allem das Gesicht, mit zarten, geschmackvollen, geschnittenen Ornamenten. Schmuck wird sehr geschätzt. Die Männer tragen auf dem wulstigen Haar vielfach eigentümliche Haartüten und Mützen aus Pandanus, Häuptlinge als Abzeichen eine Ovumschnecke auf der Stirn. Als Kämme sind Platten- und Stäbchenkämme, die mit hübschen eingeschnittenen oder geflochtenen Ornamenten versehen sind, beliebt. Das Nasenseptum wird durchbohrt und darin ein Muschel- oder Holzstab, auch eine PerIkette getragen. Ebenso hängt man in das durchbohrte und aufgeweitete Ohrläppchen verschiedenen Schmuck ein. Um den Hals legt man Ketten aus Muschelscheiben, Hunde- und Delphinzähnen, auch Perlen, auf die Brust hängt der Kapkapschmuck herab, um die Arme bindet man geflochtene oder auf dem Weberahmen hergestellte Armbänder, auch Trochusabschnitte. Als kostbarster Schmuck gelten die aus fossiler Tridacna gebohrten, geriffelten oder glatten Armringe. Frauen und Männer tragen Leibgürtel. Der Beinschmuck entspricht dem Armschmuck. Unter den Küchengeräten stehen die in Klopftechnik hergestellten konischen Kochtöpfe am meisten im Gebrauch. Ferner verwendet man Eßschüsseln aus Blattscheiden und Holz, aus Blättern oder Rotan geflochtene Teller und Körbe, Messer werden aus Schildpatt und Perlmutter hergestellt, die Löffel sind zusammengesetzt. Der Kokosschaber ist brettförmig mit angebundener Reibemuschel. Tabakpleifen worden nach dem Muster holländischer Pfeifen hergestellt, der Betelkalk wird in verzierten Kürbis- und Kokos schalen aufbewahrt; die Kalkspatel sind einfache, schmucklos zugerichtete Holzstäbe oder Schweineknochen. Die Werkzeuge bestehen aus Holz, Stein, Muschel und Knochen; heute bürgern sich immer mehr europäische Geräte ein. Beim Beil ist die Klinge aus Stein oder Muschel fest auf den Stiel aufgebunden; eine besondere Form bildet das Steinbeil, dessen Schaft aus einem um die Mitte der Klinge ge legten Rotanseil besteht. Der Drillbohrer ist bekannt. Vorzüglich ist die Waffenausrüstung der Eingeborenen. Speer, Bogen und Pfeil, Schleuder werden als Fern-, Axt und Keule als Nahwaffe verwendet. Die Speere sind glatt, gezähnt oder mit Rochenstacheln bewehrt. Am verbreitetsten sind die Hartholzspeere, deren Klingenteil in Rosetten angeordnete Fischgräten oder Knochenspitzen besitzt. Dieser Klingenteil ist reich ornamentiert und trägt unten ein menschenähnliches Ornament, das als Darstellung des Speergeistes gilt, welcher in der unterhalb dieses Ornamentes angebrachten Bastkugel wohnt. Der Bogen ist glatt, von flachkonvexem Quer schnitte; an der Innenseite befindet sich häufig eine schwarze Visierlinie. Die Sehne besteht aus zusammengedrehtem Bast, der stellenweise mit feinen schwarzen oder gelben Palmblattstreifen umwickelt ist. Beim Schuß wird der Bogen senkrecht gehalten. Um den linken Arm vor Verletzungen der rückschnellenden Sehne zu schützen, wird er in eine am Feuer getrocknete Liane eingehüllt. Die Pfeile werden vorzüglich auf Nissan und in Nord - Bougainville hergestellt und von" dort aus in den Handel gebracht. Der Pfeil besteht aus einem Rohrschafte, der unten eingekerbt ist, und der Hartholzspitze, die entweder glatt oder mit Zacken, die entweder aus dem Holz selbst herausgeschnitten oder mit aufgebundenen Widerhaken aus Holz oder Knochen bewehrt wird. Der Klingenteil ist meist farbig ornamentiert; die Bindungen zwischen Spitze und Schaft und die Umwicklung des unteren Schaftendes werden besonders dauerhaft gemacht. Jeder Schaft trägt eine eingeritzte Marke. Die Pfeile werden bündelweise mit in den Kampf genommen. Köcher gibt es nicht. Die Schleuder besteht aus einem Bastlager mit angebundenen Schleuderstricken. Die Keulen werden aus schwerem Hartholz angefertigt, sie haben eine langgestreckte, elliptische Form mit scharfen Rändern. Als Streitaxt wird eine europäische Axt benutzt. Schilde sind unbekannt. Die Häuptlingswaffen pflegen besonders sorgfältig hergestellt zu werden. Bogen, Speer, Keule, Streitaxt werden vollständig mit einem feinen Geflecht aus roten, eingefärbten und hellen Palmblattfasern in prächtigen Ornamenten überzogen. Die Kriege und Kämpfe entstehen meist aus der Blutrache; Morde und Totschlag, deren Ursache vielfach Frauenraub und Ehebruch bilden, werden nicht am Missetäter, sondern an der ganzen Sippe gerächt. Eroberungskriege sind seltener. Einzelne Ortschaften, weniger mehrere Gaue, führen Kämpfe miteinander; zum Handgemenge kommt es selten. Überfälle und Plünderungen, Niederbrennen der feindlichen Dörfer sind die beliebtesten Kampfmethoden. Der Friede wird durch Zahlen des Wehrgeldes der Gefallenen beider Parteien eingeleitet und durch den Austausch der Betelnuß zwischen den feindlichen Häuptlingen abgeschlossen. Tänze werden bei Ernte- und Kultfesten zu Ehren der Ahnen, der Himmelsgeister und bei Verbrüderungen abgehalten. Besondere Bemalungen, Masken, Tanzschilde, Tanzkeulen mit charakteristischen Emblemen bilden die Utensilien. Als Musikinstrumente werden Brummrohr, Panflöte, Maultrommel und Schlitztrommel benutzt. Die letztere dient zusammen mit dem Tritonshorn als Signalinstrument. Die Kundu hat sich erst in letzter Zeit eingebürgert. Gejagt werden Schweine, Opossum, Vögel und Menschen. Für Schweine und Menschen gräbt der Eingeborene richtige Fallen, tiefe Löcher, in die man die Opfer hineinlockt. Die Fischerei wird mit Pfeilen, Speeren, Haken, Netzen, in Wehren betrieben (s. Fischerei). Als Verkehrsmittel verwendet man Floß, Ausleger- und Plankenkanu (s. Schifffahrt der Eingeborenen). Segel sind unbekannt. Die Technik der Salomoleute steht auf einer höheren Stufe als im übrigen deutschen Mela nesien. Alle Gebrauchsgegenstände, Waffen, Schmuck, werden mit besonderer Sorgfalt und entwickeltem Geschmack in der Form und dem Aussehen hergestellt. Besondere Erwäh nung verdient der Weberahmen. Als Arbeiter sind die Eingeborenen in europäischen Betrieben wegen ihres Fleißes, Anstelligkeit und Intelligenz sehr beliebt. Die letzte kommt vorzüglich in den Erzeugnissen ihrer allerdings ungeschriebenen Literatur zur Geltung, die namentlich durch Thurnwald vermittelt wurde.

Thilenius, Hambruch.

6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung s. Bougainville und Buka.

7. Mission. Die Mission (Apostolische Präfektur der S.) liegt seit 1899 in den Händen der deutschen Maristen (s.d.), die hier wegen der Wildheit und Grausamkeit der Bewohner mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Unter vielleicht 100000 Bewohnern haben die Missionare (Präfekt ist P. Forestier) nunmehr (1912) 480 Getaufte und 649 Katechumenen; die anderen sind Heiden. 12 Priester mit 4 Brüdern und 11 Schwestern leisten die Arbeit; dazu kommen noch 4 Katechisten. In 12 Schulen werden 443 Kinder unterrichtet. Es ist eine im niedern Kulturstand der Eingeborenen mitbegründete Praxis der Patres, zuerst Plantagen und dann erst Schulen anzulegen. Mit der Hebung der Kultur wird das Christentum auch mehr Fortschritte machen. Hauptstationen sind Kieta, Buin, Koromira, St. Bonifaz und Bainoni.

Schmidlin.

8. Entdeckungsgeschichte. Die S. wurden 1568 von Alvaro de Mendana de Neyra (s.d.) entdeckt (7. Febr. Ysabel) und wegen ihres vermuteten Goldreichtums mit ihrem heutigen Namen belegt. Eine 1595 unter Mendana zur Wiederauffindung der S. ausgesandte Expedition erreichte ihr Ziel nicht. Erst 1767 wurde eine der S. (Buka) von Carteret (s.d.) wiedergesehen und 1768 von Bougainville (s.d.) die nach ihm benannte Straße und Insel nebst Buka kennengelernt, 1769 von J. F. de Surville Port Praslin auf Ysabel entdeckt. 1788 durchfuhr J. Shortland wieder die Bougainville - Straße, und 1792 machte d'Entrecasteaux (s.d.) Aufnahmen in dem Archipel, die 1838 von Dumont D'Urville und später von englischen, neuerdings auch deutschen Kriegsschiffen vervollständigt wurden.

Sapper.

Literatur: Zu 1: H. B. Guppy, The Solomon Islands and their Natives, 2 vol. London 1887. - Ders., The Solomon Islands, Geology. London 1887. - B. Hagen, Les îles Salomon. XIII. Congris National des sociétés de Géographie, Lille. - Sapper, "Buka", und "Eine Durchquerung Bougainvilles", Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1910. - Zu 2 und 3: S. Deutsch - Neuguinea. - Zu 4: W. Bothschild and E. Hartert, Further contributions to our knowledge of Ihe ornis of the Solomons Islands in Novit. Zool. XII, 1905, 273 ff. - Zu 5: Thurnwald, Forschungen au/ den Salomoinseln und im Bismarckarchipel. Berl. 1912. - Schnee, Bilder aus der Südsee. Berl. 1904. - Ribbe, Zwei Jahre unter den Kannibalen der Salomoinseln. Dresden 1903. - Krause, Zur Ethnographie der Insel Nissan. (Jahrbuch.) Lpz. 1907. - Zu 7: Kreuz u. Charitas. Meppen, fortlaufend, besonders 1912, 60. - Weißbuch, Missionsberichte. - Schmidlin, Die Kath. Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Münster 1913, 188ff. - Huch, Bis an die Enden der Erde II, 1 ff. Frankenstein 1903. - Mirbt, Mission u. Kolonialpolitik, 62. Tübingen 1910.