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Salomoninseln. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4.
Tierwelt. 5. Bevölkerung.
6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. 7. Mission. 8.
Entdeckungsgeschichte.
1. Lage und Bodengestaltung. Die S. es um fassen die in 2 Reihen
angeordnete
Inselkette zwischen dem Bismarckarchipel und den Neuen Hebriden (1541/2
- 1621/2° 0. L. und 50-110 s. Br .). Über einem Grundgebirge von älteren
Eruptivgesteinen haben sich zum Teil mächtige Gebirge von jungeruptiven
Gesteinen und deren Tuffen aufgebaut, wozu vielfach geho bene
Korallenkalke
treten, die häufig in schön entwickelten Terrassen Zeugnis von
ruckweisen
Hebungen des Gebiets geben; auch foramini ferenreiche rezente
Tiefseetone
in großen Höhen bekunden das Vorkommen starker Niveauschwankungen in
jüngster
Zeit. Die zu meist stark bewaldeten, aber doch auch recht gut
bevölkerten
Inseln wurden 1886 in der Weise zwischen England und Deutschland ver
teilt,
daß Buka, Bougainville, Choiseul und
Ysabel mit ihren Nebeninseln zu Deutschland fielen, den Rest England
erhielt.
Durch den Samoavertrag 1899 gingen
aber leider Choiseul, Ysabel und die Shortlandinseln
sowie das Atoll Ongtong - Java in britischen Besitz über. Nähe res über
die Bodengestaltung der in deutschem Besitz verbliebenen Inseln s.
Bougainville
und Buka. S.a. Nissan
und Carteretinseln.
Sapper.
2. Klima. Über den deutschen Teil liegen nur wenige Beobachtungen vor.
Die S. überhaupt bilden den Übergang vom eigentlichen Gebiet des
Nordwestmonsuns
zum Südostpassat. Sie haben veränderliche Winde,
heftige Böen - jedoch keine Taffune - und starken Niederschlag (3400 mm
nach mehr als 4jährigen Beobachtungen von Kieta auf Bougainville). Der
Nordwestmonsun weht von Ende November bis
Ende März, welche Monate einen etwas höheren Niederschlag als die
übrigen
besitzen; Ende April bis Anfang November weht der Südost Passat,
jedoch unregelmäßig. Nach den Beobachtungen von Fa isi auf Shortland
dürfte
die Jahrestemperatur an der Küste etwa 27° betragen, im Juli als dem
kältesten
Monat etwa 26,5°, im August als dem wärmsten etwa ,27,7°; die ,
Temperaturschwankung
beträgt also 1,2°. Wesentlich höhere Werte der letzteren dürften nur im
gebirgigen Innern von Bougainville zu erwarten sein. Niederschlagskarte
s.
Deutsch-Neuguinea.
Heidke.
3. Pflanzenwelt. Die ziemlich niedrige Insel Buka zeigt viele
Eingeborenenplantagen
mit sekundärem Buschwald abwechselnd. An der Westküste findet sich
ausgedehnte
Man groveformation, welche auch auf die Nordwest ecke der Insel
Bougainville
übergeht. An der Nordküste dieser Insel sowie an steilen Hängen finden
sich Grasfelder. Von der Vege tation ist noch sehr wenig bekannt.
Sekundäre
Formationen scheinen große Ausdehnung zu besitzen. Auf die Inselgruppe
beschränkt ist die an Flußmündungen wachsende Pandanacee Sararanga sowie
die einen wichtigen Ausfuhr artikel liefernde Steinnußpalme Coelococcus
salomonensis. Die Gebirge bedeckt dichter Gebirgsregenwald, die
Vulkangipfel
sollen vege tationslos sein. Gouverneur
Hahl fand bei seiner Durchquerung bis zu 900 m Höhe
nur sekundären Wald, von 900-1500 m den unter
Kaiser-Wilhelmsland
geschilderten Moos-
oder Nebelwald.
Lauterbach.
4. Tierwelt. Die Tierwelt ist arm an Säugetieren (s. Deutsch-Neuguinea, 10. Tierwelt, und Bismarckarchipel 4).
5. Bevölkerung. Die Bevölkerung des deutschen Anteils ist nicht
einheitlich.
Die Unterschiede machen sich in der Somatologie, Sprache und Kultur der
Eingeborenen bemerkbar. Die Urschicht bilden Amelanesier (s.d.), die sich zum Teil in den
Bergen Bougainvilles rein erhalten haben. Sie sind klein, schwächlich,
kurzbeinig, rundschädelig, breitgesichtig und breitnasig; sie haben
kräftige
Augenbrauenwülste und sind stark behaart. Das braunschwarze Haar ist
kraus,
wollig, die Hautfarbe dunkelbraun. Die Amelanesier wurden durch die von
Süden her vordrängenden, an Intelligenz und Kulturgüternüberlegeneren
kriegerischen Melanesier (s.d).in die Berge zurückgedrängt.
Der Norden Bougainvilles, Buka, ferner Nissan und Carteret werden heute
von der rein melanesischen Bevölkerung - den sog. Salo moniern -
eingenommen.
Nissan und Carteret hatten vor nicht langer Zeit polynesische
Bevölkerung,
die jedoch der Eroberungslust der Salomonier
erlag und heute verschwunden ist. Die Siedelungsnamen und einige
Kulturelemente
erinnern hier noch an die polynesische Zeit. Dieser melanesische Typus
ist sehr dunkel, last schwarz. Es sind verhältnismäßig große, schlanke
Leute, langschädelig mit zuweilen auffallend langen, schmalen
Gesichtern,
feinen Nasen und wenig eingedrückten Nasenwurzeln. Das Haar ist kraus,
wollig. Als drittes Element, das diesen genannten recht untergeordnet
ist, erscheint das polynesische, das sich vereinzelt an der Ostküste von
Buka und Bougainville Eingang verschaffte. Die dadurch beeinflußte
Bevölkerung
besitzt gelegentlich hellere, braune Individuen, auch fehlt es nicht an
schlichthaarigen oder solchen mit gewelltem Haar. In der Sprache findet
sich eine ganze Anzahl polynesischer Lehnworte. Aus allen drei Elementen
haben sich Mischvölker herausgebildet, von denen das von Buin
(Amelanesier
- Melanesier) am besten bekannt geworden ist. Obwohl das melanesische
Element hier in der Bevölkerung und in den Kulturgütern überwiegt, steht
ihre Sprache doch der amelanesischen näher. In ihrer Grammatik herrschen
Suffixe vor; sie hat eine Fülle von Verbalformen, die ebenso schwierig
zu analysieren wie zu deuten sind. Wie in anderen Teilen der
Salomoninseln
hat sich auch hier der Verlust der Eroberersprache durch Heiraten mit
Frauen der amelanesischen Bergbevölkerung vollzogen, die ihre Kinder in
der Mutter-, nicht in der Vatersprache aufzogen (s.a. Papuasprachen und Melanesische Sprachen). Nach den
Frizzischen
Untersuchungen bevölkern folgende Stämme, nach ihren Eigennamen oder
Gauen
benannt, die Inseln. 1. Buka - Nissan, Carteret, Buka, Norden von
Bougainville.
2. Upi - mittlerer Teil des Kaisergebirges und zugehörige Küsten. 3.
Numanuma
- Ostküste zwischen Kaiserund Kronprinzengebirge. 4. Nasioi - östlicher Abhang des Kronprinzengebirges
und Südostküste. 5. Alu -Küstenkolonien im Südwesten, Süden und Südosten
von Bougainville. 6. Telei - Süden von Bougainville. 7. Buin - Süden und
Südosten von Botigainville (D.N.G.8). - Die Eingeborenen von
Bougainville
wohnen in Gauen, die ihre Grenzen seit alter Zeit bewahrt haben und
dieselbstinden
Kriegszügen nicht verändert wurden. Sie werden von gut gepflegten Pfaden
durchzogen, welche die Häuptlingshäuser der einzelnen Siedelungen
miteinander
verbinden. Von dem Hauptpfade führen Seitgnwege zu den einzelnen
Wohngehöften,die
kein geschlossenes Ganzes bilden, obschon sie einander oft nahe
benachbart
sind, und zu den Pflanzungen. In den Alukolonien, ferner auf Buka und
Nissan wohnt man in geschlossenen Siedelungen. Eine oder zwei parallele
Straßen führen hier durch das Dorf, an der die Häuser mit ihren Giebel-
und Tiergarten schnurgerade ausgerichtet sind. Die Grundlage der
Verfassung
bilden die zwischen den Häuptlingen abgeschlossenen Treubündnisse, die
zur Blutrache und kriegerischen Unternehmungen
verpflichten.
Die Bündnisse sind rein persönlich, nicht vererbbar und werden durch
besondere
Zeremonien geschlossen. Unter den Häuptlingen gibt es drei Arten: die
Hausväter der freien Familien mit geringer Gefolgschaft; die
Hundertschaftshäuptlinge
mit 60 -100 Gefolgsleuten, aus Freien und überwiegend Hörigen bestehend,
von denen sich eine Anzahl zum Treubündnis zusammentut; die
Großhäuptlinge,
die nur wenigen, besonders angesehenen Familien entnommen werden. Sie
stehen mit den oben erwähnten Häuptlingen mehrerer Gaue im Treubündnis
und können damit eine große, fast autokratische Macht ausüben. Die
Häuptlingswürde
wird vom Vater auf den Sohn vererbt. Als äußeres Machtzeichen gilt die
Befugnis, eine Häuptlingshalle zu erbauen. An sich ist der Häuptling
unter
seinen Mannen der primus inter pares, der jedoch unter Umständen auch
einen böswillig Unbotmäßigen d es Landes verweisen kann. Die rechtlichen
Entscheidungen werden in der Männerversammlung unter Vorsitz des
Häuptlings
getroffen. Sein Einfluß hängt von seiner Persönlichkeit ab. Die
rechtlichen
Verhältnisse sind gut ausgebildet. Es gibt Grund und bewegliches
Eigentum, Erbrecht, Strafrecht, Asylrecht; Handel,
Verkehr, Pacht, Schuldverhältnis, Dienstleistungen werden
durch ein seit langer Zeit eingebürgertes Gewohnheitsrecht geordnet. Unabhängig von
dieser sozialen Organisation gruppiert sich die Bevölkerung nach
Klassen,
von denen jede in der Art des Totem zu
irgendeinem
Tiere in besonderer mystischer Beziehung steht (s. Totemismus). Die Totemtiere gelten nicht als
Ahnen.
Heiraten in derselben Klasse sind verboten. Das Totem vererbt sich
mütterlicherseits,
doch wird auch das väterliche respektiert. Sämtliche Totemtiere
unterliegen
dem Jagdbann und dürfen nicht erlegt werden. Zu bestimmten Zeiten treten
außerdem für die einzelnen Klassen noch Sonderspeiseverbote hinzu. Die
Ehe ist eine Kaufehe. Vater und Sippe des Ehegatten kaufen die
Braut von ihrem Vater und ihrer Sippe. Eine Verlobung geht der Heirat
oft schon im Kindesalter voraus. Monogamie
ist die Regel, Häuptlinge pflegen mehrere Frauen zu haben. Unfruchtbare
Frauen werden den Eltern wieder zurückgegeben, oder man nimmt sich eine
Nebenfrau. Die Ehe wird in dem Augenblick begonnen, wo das künftige
Wohn-
und Schlafhaus und die Anlage einer Taropflanzung fertiggestellt sind.
Ehebruch wird vom Ehebrecher durch Zahlung von Muschelgeld
gesühnt, oder er wird zum Duell gefordert, wenn man ihn nicht meuchlings
tötet. Die Leviratsehe ist selten, meist kehrt die Witwe zur eigenen
Sippe
zurück. Die Kinder nehmen schon sehr früh eine selbständige Stellung
ein;
sie haben eigene Fruchtbäume und Pflanzungen; die Knaben dürfen sich an
den Männerversammlungen beteiligen. Der Tod wird der Zauberei
zugeschrieben. Selten werden die Toten bestattet; auf Nissan und
Carteret
werden sie in die Lagune versenkt. Die meist ausgeübte Bestattungsart
ist die Leichenverbrennung, die unter großen Festlichkeiten abgehalten
wird. Die Pflanzungen der Toten werden häufig vernichtet, die bewegliche
Habe gelegentlich nach dem Totenfeste verbrannt. Im übrigen fällt das
Haupterbe an die männlichen Kinder der ältesten Schwester des
Verstorbenen;
die eigenen Kinder erhalten nur einen geringen Anteil. Die Toten begeben
sich in ein auf den Bergen gedachtes Totenreich; am Meere leben die
Seelen
auf Landzungen und den Riffen fort. Aus dem Totenreich kehren die Seelen
nach ihrem Belieben zurück, um fördernd oder hemmend in das Leben der
Menschen einzugreifen. So stehen die religiösen Vorstellungen in enger
Beziehung mit manistischen Ideen, hinzutritt die Verehrung der Dämonen,
der Natur- und Himmelsgeister. Der Kultus liegt in den Händen besonderer Priester, die gleichzeitig die Rolle von Ärzten
und Zauberern verkörpern. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind
geordnet.
Taro und Yams werden auf
dem Felde gebaut; die Felder werden von den Männern angelegt, die
eigentliche
Feldarbeit aber von den Frauen besorgt. Nach der Ernte bleibt ein Feld
gewöhnlich mehrere Jahre brach liegen. In den Bergen ist diese
Brachwirtschaft
nicht selten mit einem Siedelungswechsel verbunden. Angebaut wird weiter
die Banane, Kokosnuß- und Arekapalme und Tabak,
die letzten drei nur von den Männern. In der Sammelwirtschaft werden Sago, Mandeln und Brotfrüchte geerntet. Fische, Schweine,
Opossum, Fledermäuse, Hühner und Menschen liefern Fleisch. Zur
Beschaffung
des Menschenfleisches wurden früher regelrechte Jagdzüge unternommen,
das Fleisch auch marktmäßig verhandelt. Die Zubereitung der Speisen, mit Ausnahme des Menschenfleisches, ist
Weibersache. Man kocht am offenen Feuer
oder im Erdofen. Das Feuer wird durch Hobeln oder Bohren hergestellt.
Eine Arbeitstrennung ist nach Geschlechtern in derselben Weise
durchgeführt
wie bei anderen melanesischen Völkern (s. Admiralitätsinseln). Der Handel liegt
in den Händen der Männer. Er ist nur gering und beschränkt sich auf
einen
Güteraustausch, der häufig die Form eines Geschenkaustausches angenommen
hat. Der Besitz an gewissen Naturschätzen - Basalt
zur Herstellung der Steinbeilklingen, Muscheln
zur Herstellung des Geldes - oder die Fertigkeit .in der Herstellung von
Gebrauchsgeräten, Pfeilen, Töpfen usw. führt den Güteraustausch herbei.
Hierbei und im Verkehr der Eingeborenen untereinander spielt das Geld
als Wertmesser eine große Rolle. Am meisten sind Konusscheiben,
aufgereihte
Delphinzähne und Tridacnaarmringe als Geld im Umlauf. Unter den Häusern
der Eingeborenen sind drei Arten zu unterscheiden; das Häuptlingshaus,
das Schlaf- und Wohnhaus. Zwischen den Bukahäusern und denen der übrigen
Salomonier gibt es wichtige Unterschiede. Beide Formen haben allerdings
rechtekigen Grundriß und sind sehr geräumig. Das Bukahaus liegt jedoch
zu ebener Erde und besitzt ein über die Seitenwände greifendes
Tonnendach,
während die Häuser der übrigen Salomonier einen geraden, an der
Giebelseite
gelegentlich etwas überhängenden First mit schrägen Dachseiten besitzen.
Das Schlafhaus wird hier zur Sicherung gegen feindliche Überfälle auf
hohen Pfählen errichtet, Treppen führen in die Häuser. Das Wohn- oder
richtiger Werkhaus ist wie das Schlafhaus erbaut, nur fehlt der
Pfahlrost.
In ihm werden die Vorräte aufbewahrt und die täglichen Arbeiten
vorgenommen.
Das Dach besteht bei beiden Häusern aus Sagoblättern, die Wände aus
Planken
oder Baumstämmen. Beide Hausformen sind bei den Amelanesiern allein
gebräuchlich,
während die Melanesier für ihre Häuptlinge noch besondere große Hallen
bauen, die jede einen den Besucher abschreckenden Eigennamen erhalten.
Diese Hallen, die nichts anderes als ein auf 8-10 Pfählen ruhendes Dach
sind, haben sehr verschiedene Abmessungen. Sie richten sich nach der
Macht
und dem Reichtum der Häuptlinge. Die Pfähle sind häufig mit prächtigen
Malereien und Schnitzereien bedeckt. Die Hallen dienen gleichzeitig als
Lokalheiligtum. In ihnen werden vor dem Hauptpfeiler Opfer dargebracht,
die. siegreichen Waffen niedergelegt, die Schädel der erschlagenen
Feinde
ausgestellt und die Signaltrommeln aufbewahrt. Gleichzeitig dienen sie
als täglicher Sammel- und Verkehrsplatz der Männer, die hier auch die
Versammlungen abhalten. Der Hausrat der Wohnhäuser
besteht in niedrigen Schlafpritschen aus Bambus,
dem Herde, Werkzeug, Küchengerät, Waffen, Fanggerät. Die Männer gehen
durchweg nackt; erst in der jüngsten Zeit bürgert sich das europäische
Kattunlavalava ein. Die Frauen tragen ein kleines Faserbüschelchen oder
hüllen sich in eine aus Pandanusblättern fächerartig oft mit bunten
Mustern
bestickte Schürze ein. Im Regen trägt man das Regendach. Beide
Geschlechter
tatauieren sich, vor allem das Gesicht, mit zarten, geschmackvollen,
geschnittenen
Ornamenten. Schmuck wird sehr geschätzt. Die Männer tragen auf dem
wulstigen
Haar vielfach eigentümliche Haartüten und Mützen aus Pandanus, Häuptlinge als Abzeichen eine
Ovumschnecke
auf der Stirn. Als Kämme sind Platten- und Stäbchenkämme, die mit
hübschen
eingeschnittenen oder geflochtenen Ornamenten versehen sind, beliebt.
Das Nasenseptum wird durchbohrt und darin ein Muschel- oder Holzstab,
auch eine PerIkette getragen. Ebenso hängt man in das durchbohrte und
aufgeweitete Ohrläppchen verschiedenen Schmuck ein. Um den Hals legt man
Ketten aus Muschelscheiben, Hunde- und Delphinzähnen, auch Perlen, auf die Brust hängt der Kapkapschmuck herab,
um die Arme bindet man geflochtene oder auf dem Weberahmen hergestellte
Armbänder, auch Trochusabschnitte.
Als kostbarster Schmuck gelten die aus fossiler Tridacna gebohrten,
geriffelten
oder glatten Armringe. Frauen und
Männer
tragen Leibgürtel. Der Beinschmuck entspricht dem Armschmuck. Unter den
Küchengeräten stehen die in Klopftechnik hergestellten konischen
Kochtöpfe
am meisten im Gebrauch. Ferner verwendet man Eßschüsseln aus
Blattscheiden
und Holz, aus Blättern oder Rotan
geflochtene
Teller und Körbe, Messer werden aus Schildpatt und Perlmutter
hergestellt, die Löffel sind zusammengesetzt. Der Kokosschaber ist
brettförmig
mit angebundener Reibemuschel. Tabakpleifen worden nach dem Muster
holländischer
Pfeifen hergestellt, der Betelkalk wird in verzierten Kürbis- und
Kokos schalen aufbewahrt; die Kalkspatel sind einfache, schmucklos
zugerichtete
Holzstäbe oder Schweineknochen. Die Werkzeuge bestehen aus Holz, Stein,
Muschel und Knochen; heute bürgern sich immer mehr europäische Geräte
ein. Beim Beil ist die Klinge aus Stein oder Muschel fest auf den Stiel
aufgebunden; eine besondere Form bildet das Steinbeil, dessen Schaft aus
einem um die Mitte der Klinge ge legten Rotanseil besteht. Der
Drillbohrer
ist bekannt. Vorzüglich ist die Waffenausrüstung der Eingeborenen.
Speer,
Bogen und Pfeil, Schleuder werden als
Fern-,
Axt und Keule als Nahwaffe verwendet. Die
Speere sind glatt, gezähnt oder mit
Rochenstacheln
bewehrt. Am verbreitetsten sind die Hartholzspeere, deren Klingenteil
in Rosetten angeordnete Fischgräten oder Knochenspitzen besitzt. Dieser
Klingenteil ist reich ornamentiert und trägt unten ein menschenähnliches
Ornament, das als Darstellung des Speergeistes gilt, welcher in der
unterhalb
dieses Ornamentes angebrachten Bastkugel wohnt. Der Bogen ist glatt, von
flachkonvexem Quer schnitte; an der Innenseite befindet sich häufig eine
schwarze Visierlinie. Die Sehne besteht aus zusammengedrehtem Bast,
der stellenweise mit feinen schwarzen oder gelben Palmblattstreifen
umwickelt
ist. Beim Schuß wird der Bogen senkrecht gehalten. Um den linken Arm vor
Verletzungen der rückschnellenden Sehne zu schützen, wird er in eine am
Feuer getrocknete Liane eingehüllt. Die Pfeile
werden vorzüglich auf Nissan und in Nord - Bougainville
hergestellt und von" dort aus in den Handel gebracht. Der Pfeil besteht
aus einem Rohrschafte, der unten eingekerbt ist, und der Hartholzspitze,
die entweder glatt oder mit Zacken, die entweder aus dem Holz selbst
herausgeschnitten
oder mit aufgebundenen Widerhaken aus Holz oder Knochen bewehrt wird.
Der Klingenteil ist meist farbig ornamentiert; die Bindungen zwischen
Spitze und Schaft und die Umwicklung des unteren Schaftendes werden
besonders
dauerhaft gemacht. Jeder Schaft trägt eine eingeritzte Marke. Die Pfeile
werden bündelweise mit in den Kampf genommen. Köcher gibt es nicht. Die
Schleuder besteht aus einem Bastlager mit angebundenen
Schleuderstricken.
Die Keulen werden aus schwerem Hartholz
angefertigt, sie haben eine langgestreckte, elliptische Form mit
scharfen
Rändern. Als Streitaxt wird eine europäische Axt benutzt. Schilde
sind unbekannt. Die Häuptlingswaffen pflegen besonders sorgfältig
hergestellt
zu werden. Bogen, Speer, Keule, Streitaxt werden vollständig mit einem
feinen Geflecht aus roten, eingefärbten und hellen Palmblattfasern in
prächtigen Ornamenten überzogen. Die Kriege und Kämpfe entstehen meist
aus der Blutrache; Morde und Totschlag, deren Ursache vielfach Frauenraub
und Ehebruch bilden, werden nicht am Missetäter, sondern an der ganzen
Sippe gerächt. Eroberungskriege sind seltener. Einzelne Ortschaften,
weniger
mehrere Gaue, führen Kämpfe miteinander; zum Handgemenge kommt es
selten.
Überfälle und Plünderungen, Niederbrennen der feindlichen Dörfer sind
die beliebtesten Kampfmethoden. Der Friede wird durch Zahlen des
Wehrgeldes
der Gefallenen beider Parteien eingeleitet und durch den Austausch der
Betelnuß zwischen den feindlichen Häuptlingen
abgeschlossen. Tänze werden bei Ernte- und Kultfesten zu Ehren der
Ahnen,
der Himmelsgeister und bei Verbrüderungen abgehalten. Besondere
Bemalungen,
Masken, Tanzschilde, Tanzkeulen mit charakteristischen Emblemen bilden
die Utensilien. Als Musikinstrumente werden Brummrohr, Panflöte, Maultrommel und Schlitztrommel benutzt. Die
letztere
dient zusammen mit dem Tritonshorn als Signalinstrument. Die Kundu hat
sich erst in letzter Zeit eingebürgert. Gejagt werden Schweine, Opossum,
Vögel und Menschen. Für Schweine und Menschen gräbt der Eingeborene
richtige
Fallen, tiefe Löcher, in die man die
Opfer
hineinlockt. Die Fischerei wird mit Pfeilen, Speeren, Haken, Netzen, in
Wehren betrieben (s. Fischerei). Als
Verkehrsmittel verwendet man Floß, Ausleger- und Plankenkanu (s. Schifffahrt
der Eingeborenen). Segel sind unbekannt. Die Technik der Salomoleute
steht auf einer höheren Stufe als im übrigen deutschen Mela nesien. Alle
Gebrauchsgegenstände, Waffen, Schmuck, werden mit besonderer Sorgfalt
und entwickeltem Geschmack in der Form und dem Aussehen hergestellt.
Besondere
Erwäh nung verdient der Weberahmen. Als Arbeiter sind die Eingeborenen
in europäischen Betrieben wegen ihres Fleißes, Anstelligkeit und
Intelligenz
sehr beliebt. Die letzte kommt vorzüglich in den Erzeugnissen ihrer
allerdings
ungeschriebenen Literatur zur Geltung, die namentlich durch Thurnwald
vermittelt wurde.
Thilenius, Hambruch.
6. Europäische Unternehmungen und Verwaltung s. Bougainville und Buka.
7. Mission. Die Mission (Apostolische Präfektur der S.) liegt seit 1899
in
den Händen der deutschen Maristen
(s.d.),
die hier wegen der Wildheit und Grausamkeit der Bewohner mit besonderen
Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Unter vielleicht 100000 Bewohnern
haben
die Missionare (Präfekt ist P. Forestier)
nunmehr (1912) 480 Getaufte und 649 Katechumenen;
die anderen sind Heiden. 12 Priester mit
4 Brüdern und 11 Schwestern leisten
die Arbeit; dazu kommen noch 4 Katechisten. In 12 Schulen
werden 443 Kinder unterrichtet. Es ist eine im niedern Kulturstand der
Eingeborenen mitbegründete Praxis der Patres,
zuerst Plantagen und dann erst Schulen anzulegen. Mit
der Hebung der Kultur wird das Christentum auch mehr Fortschritte
machen.
Hauptstationen sind Kieta, Buin, Koromira,
St. Bonifaz und Bainoni.
Schmidlin.
8. Entdeckungsgeschichte. Die S. wurden 1568 von Alvaro de Mendana de
Neyra (s.d.) entdeckt (7. Febr. Ysabel)
und wegen ihres vermuteten Goldreichtums mit ihrem heutigen Namen
belegt.
Eine 1595 unter Mendana zur Wiederauffindung der S. ausgesandte
Expedition
erreichte ihr Ziel nicht. Erst 1767 wurde eine der S. (Buka) von
Carteret
(s.d.) wiedergesehen und 1768 von Bougainville (s.d.) die nach ihm benannte
Straße und Insel nebst Buka kennengelernt, 1769 von J. F. de Surville
Port Praslin auf Ysabel entdeckt. 1788 durchfuhr
J. Shortland wieder die Bougainville
- Straße, und 1792 machte d'Entrecasteaux
(s.d.) Aufnahmen in dem Archipel, die 1838 von Dumont D'Urville und später von englischen, neuerdings
auch deutschen Kriegsschiffen vervollständigt wurden.
Sapper.
Literatur: Zu 1: H. B. Guppy, The Solomon Islands
and their Natives, 2 vol. London 1887. - Ders., The
Solomon Islands, Geology. London 1887. - B.
Hagen, Les îles Salomon. XIII. Congris National
des
sociétés de Géographie, Lille. - Sapper, "Buka", und
"Eine Durchquerung Bougainvilles", Mitt. a.
d. d. Schutzgeb. 1910. - Zu 2 und 3: S. Deutsch -
Neuguinea. - Zu 4: W. Bothschild and E. Hartert,
Further contributions to our knowledge of Ihe
ornis of the Solomons Islands in Novit. Zool.
XII, 1905, 273 ff. - Zu 5: Thurnwald, Forschungen
au/ den Salomoinseln und im Bismarckarchipel. Berl.
1912. - Schnee, Bilder aus der Südsee. Berl.
1904. -
Ribbe, Zwei Jahre unter den Kannibalen der
Salomoinseln. Dresden 1903. - Krause, Zur
Ethnographie der Insel Nissan. (Jahrbuch.)
Lpz.
1907. -
Zu 7: Kreuz u. Charitas. Meppen, fortlaufend,
besonders 1912, 60. - Weißbuch, Missionsberichte. -
Schmidlin, Die Kath. Missionen in den deutschen
Schutzgebieten. Münster 1913, 188ff. - Huch, Bis an
die Enden der Erde II, 1 ff. Frankenstein 1903. -
Mirbt, Mission u.
Kolonialpolitik, 62. Tübingen 1910.
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