Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 208

Salz (Kochsalz NaCl) kommt sowohl in Form von Soolquellen in Deutsch - Ostafrika am unteren Mlagarassi (s.d.) am Tanganjikasee und in Kamerun im Bezirk. Ossidinge (s.d.) am Kreuzfluß (s.d.) vor als auch (zusammen mit anderen Salzen) in einzelnen abflußlosen Seen im Gebiet der ostafrikanischen Bruchstufe sowie als Ausblühung in gewissen Steppengebieten. Das wichtigste Vorkommen sind die von der Saline Gottorp (Zentralafrikanische Seengesellschaft, s.d. u. Bergbau) am unteren Mlagarassi und am Rudschugi auf der Insel Ndole ausgebeuteten Solquellen (6 stärkere und 10 schwächere Quellen). Sie entspringen aus Klüften im Diabas - also in einem Eruptivgestein - unter den roten Sandsteinen, die in mächtigen Schichten jenes Gebiet bedecken; ihre Herkunft ist völlig rätselhaft. Die Quellen fließen spärlicher, sind aber konzentrierter (19%) in Trockenzeiten, reichlicher, aber mehr verdünnt (15%) in Regenzeiten. Sie enthalten 17,467 % NaCl, 0,498 % MgSO4, 0,544 % NaSO4, 0,032% MgH2(CO3)2, 0,450% MgCl2, 0,475% KCl, haben einen schwachen Geruch nach. Schwefelwasserstoff und enthalten keine Spur von Brom und Jod. Im Jahre 1910 wurden rund 2000t im Werte von 200000 M produziert; im Jahre 1911 betrug die Produktion nur wenig über 1800 t, 1912 etwa 1700 t; es werden pro Tag etwa 60 cbm Soole verarbeitet. Die Solquellen im Ossidingebezirk in Kamerun treten in Sandsteinen auf, da, wo diese von undurchlässigen Schiefertonen unterlagert und von Verwerfungen (und Basaltgängen) durchsetzt werden. Die Sölquellen liegen in einem Kreise von etwa 10 km Radius um den Totensee bei Nssakpé auf 3 SO/NW verlaufenden Störungslinien; sie treten in Erosionstälern zutage und sind deshalb bei Regenzeit überflutet; sie enthalten 2,4 - 4,6 ja bis 8% fast reines Salz, Spuren von Eisen, Kalk, Magnesia, aber kein Brom und Jod; die ergiebigste Quelle liefert 2 1/2 Sekundenliter; die andern 50, 80, 90 Minutenliter. Das Salz hat dort etwa einen Wert von 3 M pro Kilo. Am Balangidasee (s.d.) in Deutsch-Ostafrika im Bereich, der großen Bruchstufe sind ziemlich mächtige Salzlager vorhanden, auch ist das Seewasser selbst reichlich salzig. Das Salz besteht aus 72,52% Kochsalz, 1,19% Soda, 14,89% doppelkohlensaurem Natron, 9,82% Glaubersalz und 2,81% schwefelsaurem Kali. Das Wasser des Balangidasees enthält 14,4% Kochsalz, 9,4% Soda, 4,1% Glaubersalz und 0,35 % K2SO4. Die Asche der Steppenpflanzen in der Nähe des Sees enthält bis 14% Kochsalz und wird von den Negern auf Kochsalz verarbeitet. Ebenso wird in dem südlich von Tabora gelegenen Steppengebiet Mongo gwa Muschu sowie östlich von Tabora in der Landschaft Makena die Asche der ausgebrannten Steppenpflanzen auf S. verarbeitet, wobei allerdings ein sehr unreines und viel Chlorkalium enthaltendes Produkt gewonnen wird. Dieses "Salz" besteht aus 66,4% NaCl, 16,29% KCl, 8,71% MgCl2, 2,77% K2SO4, 2,72% CaSO4 und 0,02% SiO2 und wird pro Zentner mit 2 Rupies (= 4 M) bezahlt. Dagegen bestehen die großen S.lager (Salzkrusten), die sich am Nordende des Manjarasees (s. Lawa ja Mweri) ausgeschieden haben, aus 59,5% Kochsalz, 22,7% Glaubersalz, 13,1% Soda und Spuren von phosphorsaurem Natron, sind also wegen des hohen Gehalts an Glaubersalz unbenutzbar.

Gagel.