| Samoa (s. Tafeln 6 und 173 - 175). 1. Name.
2. Lage und Größe. 3.
Bodengestaltung. 4. Klima. 5. Pflanzenwelt. 6. Tierwelt. 7.
Eingeborenenbevölkerung.
8. Bevölkerungsstatistik. 9. Eingeborenenproduktion., 10. Europäische
Unternehmungen.
11. Handel. 12. Verkehrswesen. 13. Geld- und Bankwesen. 14. Verwaltung und
Rechtsprechung. 15. Kirchen- und Schulwesen. 16. Missionswesen. 17.
Geschichte.
1. Name. Die Ableitung des Namens Samoa (spr. Samóa) ist unsicher, ebenso
wie die Namen Savai'i, Upolu, Tutuila und Manu'a nur vermutungsweise gedeutet
werden können. Daß das Wort Moa in der Bedeutung von
"Erdkern, Huhn" usw. den Kern des Wortes bildet, ist zweifellos die
verbreitetste Ansicht unter den Samoanern und in der Wissenschaft. Dieses Wort
moa wurde von der Königsfamilie auf Tau in Manú'a als Familienname angenommen,
und da dieses Königsgeschlecht im Beginn der samoanischen Geschichte (s. 7.)
seine Herrschaft über die ganzen Inseln bis nach Savai'i hin ausbreitete, so
erhielt die Inselgruppe den Namen Samoa, was am besten mit "Reich des Moa"
übersetzt wird. Solch eine Wortbildung ist durchaus üblich, wie die Ortsnamen
Safotulafai, Sapapali'i, Salelologa, Satupaitea, Safotu, Saleaula, Saleilua usw.
dartun, bei denen zumeist als Grundlage der Name eines Häuptlings nachgewiesen
werden kann. Andere mehr oder weniger vage Vermutungen müssen abgewiesen werden.
Die Möglichkeit einer Zusammenfassung scheint nur noch das Wort sumúa oder sàmoa
abzugeben, das im Malaiischen "alle" bedeutet. Wie dem auch sei, Samoa ist
jedenfalls die einzige unter den polynesischen Inselgruppen, die einen sicher
verbürgten Sammelnamen bei der Entdeckung besaß, wenn auch dieser erst spät
erkannt wurde. Bougainville taufte sie im Jahre 1768 Isles des Navigateurs, d. h.
"Schifferinseln", welche Bezeichnung heute nur noch historischen Wert hat.
2. Lage und Größe. S. liegt mitten im Pazifischen Ozean zwischen 13 1/2 und
14° s. Br. und zwischen 168 und 173° w. L. von Greenwich. Der Archipel gliedert
sich in 4 Teile, nämlich Savai'i, Upolu, Tutuila und Manu'a. Da letztere beiden
nach dem Berliner Vertrag vom 16. Febr. 1900 (s. Erwerbung der deutschen
Kolonien) unter die Schutzherrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
übergegangen sind, bedürfen sie keiner näheren Besprechung. Die genaue Position
von Savai'i und Upolu ist nach den neuesten beiden Karten des Reichs -
Marineamts (bei Dietrich Reimer,
Berlin) die folgende:
Insel Savai'i.
Westkap (Falealupo) . . . . 172° 46' 15''
Nordkap (Puava) . . . . . . . . 13° 25' 45"
Südkap (Tofua) . . . . . . . . . 13° 48' -
Ostkap (Tuasivi) . . . . . . . 172° 6' 30"
Insel Apolima . . . . . . . . . . 172° 6' -
Insel Manono . . . . . . . . . . 172° 4' 30"
Insel Upolu:
Westkap (Fatuosofia) . 172° 2' 45"
Nordkap (Faleula) . . . . .13° 47' 15"
Südkap (Siumu) . . . . . . .14° l' 45"
Ostkap (Mutiatele) . . . . . 171° 22' -
Insel Fanuatapu . . . . . . . 171° 20' 15"

Savai'i ist ohne Nebeninseln, Upolu hat 6 kleine Nebeninseln, am
Westkap
Manono und Apolima (beide bewohnt), am Ostkap Fanuatápu, Namua,
Nu'utele,
Nu'ulua.
Flächeninhalt: Savai'i 1691 qkm, Upolu 868 qkm, Manono 8,5 qkm,
Apolima
4,7 qkm, insgesamt 2572 qkm, so groß wie das Herzogtum Sachsen -
Meiningen.
3. Bodengestaltung. Die Geologie der Inseln bietet nicht viel.
Da alles vulkanisch ist, sind nur Eruptivgesteine vorhanden, und zwar
kennt man bis jetzt nur solche jüngeren Alters und basischer Natur. In
der Regel handelt es sich um meist sehr olivinreiche Plagioklasbasalte,
also Gesteine mit viel Feldspat, die durch ihren Gehalt an Magneteisen
den fruchtbaren, braunroten, tonigen Laterit bilden. Neben den
Feldspatbasalten
kommen seltener auch Tephrite vor, die neben Plagioklas auch viel
Nephelin
und Leucit führen. Alle diese Laven sind teils porphyrartig, teils
anscheinend
dicht und homogen, dunkelgrün bis schwarz; oft auch blasig und
mandelsteinartig.
Wie schon erwähnt, findet man fast immer in denselben die grünen
Olivinkristafle,
oft in großen Haufen. An vielen Plätzen, besonders z. B. auf den Inseln
Manono und Fanuatapu, sind große Tufflager vorhanden. Orographie.
Savai'i
ist von Upolu unterschieden durch Form und Anordnung des Gebirges.
Ersteres
hat eine rhombische Gestalt und ein zentrales Massiv, das, aus der Ferne
gesehen, von ca. 1600 m Höhe langsam nach allen Seiten hin abfällt. Ganz
anders präsentiert sich das langgestreckte Upolu vom Meere aus, dessen
Rückgrat (tuasivi der Eingeborenen) öfters sich hebt und senkt, von S
und von N aus gesehen. Der Unterschied ist aber nur scheinbar. In
Wirklichkeit
streicht der Gebirgszug auf Savai'i vom Ost- bis zum Westkap in der
Richtung
von O z. N nach W z. S, und auf Upolu verhält es sich im großen Ganzen
ebenso, wenigstens bis zur Mitte hin, bis zur Linie Apia - Safata, wo
die größte Höhe von ca. 1000 m erreicht wird; ostwärts hat die nicht
mehr
so dachförmig, sondern zweigartig gestaltete Höhenmasse teilweise eine
westöstliche, ja sogar leicht nördlich neigende Tendenz, indem der etwas
gewundene Grat Strahlen vornehmlich nach der Nordküste absendet.
Merkwürdigerweise
sind in diesem Ostteile von Upolu weniger gut ausgebildete und kleinere,
auch nicht so zahlreiche Kraterbildungen, wie westlich, namentlich auf
Savai'i. Jedem Samoabesucher bleibt der eigenartige Eindruck, den die
Kraterinsel Apolima macht, wo man durch den Einbruch mit dem Boot ins
Innere fahren kann; keiner vergißt den fast isoliert aussehenden Kegel
des Tofua im Westen von Upolu, und wie sich auf dem langsam wieder
ostwärts
ansteigenden Grat die Krater des Sigaele, Lanuto'o, Maugafiamoe und des
Lepue hinter Apia markieren. Die sanfte nördliche Böschung dieses
Teiles,
wo die Landschaften Tuamasaga und Aana aneinander grenzen, ist der reich
besiedeltste von ganz Samoa. War die Böschung hier rein, so schiebt sich
schon bei Apia mitten an der Nordküste ein isolierter Berg an die Küste
vor, und dies wiederholt sich weiter östlich mehrfach, so bei V ailele
- Lauli'i, bei Luatuanu'u, bei Solosolo, bei Saluafata und bei Faleia.
Immer aber bleiben zwischen den Nasen kleinere Niederungen, wo
Siedelungen
Platz finden, namentlich zwischen Saluafata und Falefà, wo die großen
Dörfer Lufilufi, der Hauptort von Atua, und Faleapuna liegen. Weiter
ostwärts
aber beginnt die Steilküste, ausgezeichnet durch das Fehlen jeglicher
Korallenriffanlage. Die Bergwände stürzen steil ins Meer ab. Das
Vorhandensein
einer solchen unnahbaren Küste, welche aber niedrig und im Vergleich mit
den hohen herrlichen Atuafelssen nahezu unschön ist, kennzeichnet fast
ganz Savai'i. Nur die Ostküste hat hier auf ca. 20 km Küstenlinie,
nordwärts
des Ostkaps, ein Strand-, südwärts ein Barrierenriff vorgelagert, und
an den landwärts gelegenen Sandstrandbuchten liegen hier in langer Kette
die Dorfschaften der Landschaft Fa'asaleleaga, welche die Führung auf
Savai'i hat. Hier, vor Salelologa, liegt auch der einzige gute Hafen von
Savai'i, den die Marine um 1900 vermessen hat. Die kleinen Korallenriffe
aber, welche die Buchten von Palauli - Satupaitea im Süden, von Salailua
im Westen, und von Asau - Vaisala nebst Safune -Matautu im Norden
abschließen,
verdienen kaum der Erwähnung. Sie sind winzig klein im Vergleich mit dem
großartigen Riff, das fast ganz West - Upolu wie ein Hufeisen
umschließt.
Reicht es doch von Vailele an der Nordküste bis nach Falelatai an der
Südseite in einer Länge von 60 km; denn der Einbruch bei Apia ist nur
unvollkommen. Ostwärts ein Strandriff, vertieft sich die Lagune (das
Binnenwasser)
bei der Missionsstation Malua, und wird dann bis nach Manono hin,
welches
kleine Eiland völlig umschlossen wird, zum Barrierenriff. -Aber auch
sonst
noch hat Upolu einige recht ansehnliche Riffanlagen, so bei Saluafata
an der Nordküste, am Ostkap in Aleipata, wo die 2 Felseninseln Fanuatapu
und Namua noch mit dem Riff in Fühlung bleiben, während Nu'utele und
Nu'ulua
der freien See preisgegeben sind, ähnlich wie es sich mit Manono und
Apolima
im Westen verhält; das Aleipatariff reicht im Süden sogar noch bis Lepà,
eine Strecke von 8 km. Endlich sind an der Südküste von Upolu noch zwei
Riffstrecken von je ungefähr 20 km Länge, die von Lotofaga nach
Falealili
und die von Siumu bis zur Lefagàbucht, letztere durch die große Bucht
von Safata teilweise unterbrochen. Die Bucht von Safata und von Apia nun
sind ausgezeichnet durch die Bildung von Halbinseln, durch
Sandaufschüttung
im Gefolge der Riffbildung entstanden, die von Vaie'e und Mulinu'u.
Beide,
besonders die von Vaie'e, schließen rückständige Brackwasserlagunen ab.
Kleinere solcher Art befinden sich bei Faleapuna, Falefà, Mutiatele,
Falelatai
usw. auf Upolu, auf Savai'i ist eine hervorstechende Bildung dieser Art
in Safune an der Nordküste, kleinere in Matautu, Palauli usw. Da die
Küste
von Savai'i und Upolu nur wenig gegliedert ist und eigentlich nur
Fagaloa,
"die lange Bucht", in Atua eine fjordähnliche Bildung zeigt, so sind es
die Korallenriffe allein, welche die Häfen für die Schiffe bilden.
Freilich
sind auch diese recht unvollkommen, wie der Taifun des Jahres 1889 an
der Apiabucht gezeigt hat. Ähnliche Häfen sind eigentlich nur noch in
Saluafata, und in Falealili und Safata an der Südküste von Upolu;
Safune,
Matautu und Satupaitea auf Savai'i; Manono, Mulifanua, Vaitele, Vailele,
Falefà usw. sind nur offene Reeden zu nennen, und bei den sonst noch in
Betracht kommenden Plätzen wie Asau, Sapapali'i, Malua usw. sind nur
mehr
oder weniger große Riffeinlässe für kleine Schiffe oder Boote vorhanden.
- Der Schmalheit halber, welche bei Savai'i von N nach S 37 km, bei
Upolu
24 km beträgt, kann von größeren Flüssen keine Rede sein. Auf Savai'i
namentlich ist das jungvulkanische Gestein so porös, daß nur bei großen
Regenfällen in den Flußbetten für einige Stunden oder Tage ein reißendes
Wasser erscheint. Es ist dort eigentlich nur im Süden bei dem Dorfe Pulei'a ein nennenswert fließendes Flüßchen,
dessen
Wasser über die 4 m hohe Steilküste ins Meer fällt. Dagegen tritt an
verschiedenen
Stellen das unterirdische Wasser an der Küste in Quellen zutage oder in
Form eines Siedetopfes wie in Safune. Auch in Aana, im Westen Upolus,
herrscht Wassermangel, dagegen hat das östliche Atua einige ansehnliche Rinnsale, z. B. bei Falefà,
wo ein schöner Wasserfall am Meere ist, und an der Südküste ein bei Salani mündender Bach, der 5 km inlands den hübschen
Wasserfall Fuipisia bildet. Auch der in die Apiabucht mündende Vaisigano stürzt im Gebirge oben über einen
steilen
Hang, vom Meere aus sichtbar, und der "Rutschfels" Papase'ea, hinter Faleata, ist ja weltberühmt geworden. Inlandseen
gibt es gleichfalls nur wenige. Der größte und schönste ist wohl der
Lanuto'o,
südwestlich von Apia, wie der Mataulanu auf Savai'i, einen ausgebrannten
Krater auf den Bergen oben ausfüllend. - Daß die vulkanische Tätigkeit
auf S. wieder neu beginnen könnte, daran dachte im Jahr 1900 nach der
Besitzergreifung niemand ernsthaft. Und doch waren Vorboten nicht
allzulange
vorher vorhanden gewesen. Im September 1866 beobachtete nämlich der
Missionar
Turner zwischen den Manu'ainseln Taù und Olosega
einen submarinen Vulkanausbruch. Die Lotungen mehrerer Kriegsschiffe
stellten
späterhin einen submarinen Krater daselbst fest. Alles blieb fürderhin
ruhig, bis im Jahre 1902, am 30. Okt., ein vulkanischer Ausbruch auf
Savai'i
gemeldet wurde. Es wurde in ungefähr 1450 m Höhe ein tätiger Krater
aufgefunden,
der große Lavamassen nordostwärts zum Meere sandte, die Dorfschaft
Lealatele
zerstörend. Diese Tätigkeit ist zurzeit wieder zum Abschluß gekommen.
Nicht viel weiter westwärts zieht bei dem Dorfe Aopo ein nahezu
vegetationsloses
Blocklavafeld zum Meere, ein Zeuge, daß vor nicht allzulanger Zeit ein
ähnlicher Vorgang stattfand, und auch an anderen Plätzen von S. finden
sich solche Spuren. Endlich sei noch erwähnt, daß Hebungen und Senkungen
für S. in Anspruch genommen wurden. Dem wurde aber von Krämer in
Petermanns
geogr. Mitteil. 1900 widersprochen.
4. Klima. S. liegt im Gebiete des Südostpassats, der indessen häufig in
jener Gegend fast aus Osten bläst, meist aus OSO. Seine Zeit dauert vom April
bis November, ohne daß eine feste Grenze sich aufstellen ließe. Im Januar bis
März treten häufig westliche und nördliche Winde mit viel Regen auf, zeitweise
zu Orkanen ausartend. Von 1890
anhat der Arzt Dr. B. Funk lange Jahre Luftfeuchtigkeit, Barometer-, Temperatur-
und Regenmessungen gemacht, welche die
Deutsche Seewarte in den "Deutschen überseeischen meteorologischen
Beobachtungen" veröffentlicht hat. - Nach der Besitzergreifung wurde dann das S.
- Observatorium von der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen
gegründet, welches die Messungen fortsetzte. 1910 erschien das IV. Heft der
"Ergebnisse der Arbeiten des Samoa -Observatoriums", welches "Das Klima von
Samoa" von Otto Tetens und Franz Linke (Berlin) betitelt ist. Es werden dabei
Funks 17jährige Beobachtungen von 1890 bis 1906 mit den 4jährigen der Station
verwertet, alles in Apia beobachtet. Es wurden als Gesamtmittel von 1890 - 1906
berechnet:
| |
Funk |
Observ |
| Temperatur : |
25,79 |
25,55 |
| Relative Feuchtigkeit: |
84,8 |
84,6 |
| Luftdruck: |
759,03 |
757,57 |
Die Ergebnisse stimmen also recht gut miteinander überein. - Die Mittel
aus den gesamten Beobachtungen von Dr. B. Funk (Januar 1890 bis Dezember
1907 und Januar 1909 bis Oktober 1910) gibt die folgende Tabelle:

Interessant sind die Beobachtungen über Zunahme der Regenmenge mit der
Erhebung des Landes. Es hat nähmlich auf S. eine Station von 550 m
Meereshöhe
die doppelte jährliche Regenmenge, eine solche von 1100 m die dreifache
einer benachbarten Küstensta tion. - Endlich seien noch die Mittel der
vorherrschenden Windrichtungen in Passat und Regenzeit hier
wiedergegeben:
| |
Passatzeit |
Regenzeit |
| Passatwinde: |
48 % |
33% |
| Nordwinde: |
19% |
34 % |
| Süd- und Westwinde: |
28% |
29 % |
| Stillen: |
3 % |
5 % |
Die Orkane, welche S. heimsuchen, fanden
nach Krämer, Über den Bau der Korallenriffe usw., in folgenden Jahren
statt: 29. Dez. 1839, 1840, 15. Dez. 1842, Weihnacht 1848, 4. bis 6.
April
1850, Jan. 1865, Jan. 1870, März 1879, März 1883, dann am 15. bis 16.
März 1889, wobei "Adler" und "Eber" verloren ging. Der Ablauf der
Katastrophe
findet sich genau im ebengenannten Buche angegeben, wie auch in den
Annalen
der Hydrographie 1889 nähere Angaben sich finden.
5. Pflanzenwelt. Alle Berge, Schluchten, Ebenen sind mit einem
hochstämmigen
Urwald bedeckt, soweit das Auge reicht,
alles grüne Wipfel. Am Strande, teilweise auch im Innern, namentlich da,
wo Siedelungen sind, heben sich die blaugrünen, schillernden Kokospalmen
vom Laubwald ab. Einige wenige engbegenzter Flecken an den Berghängen
haben nur niedrigen Farn- und Graswuchs; doch trifft man das Alang-
Alang-
Gras von Neuguinea hier nicht an. Dr.
Reinecke (s.d.) weilte
1893/95 auf S. und schrieb eine Flora der Samoainseln, die im 23. und
25. Band von Englers botanischen Jabrbüchern erschien. Danach gibt es
567 Genera und 1224 Spezies, worunter 142 neu gefunden wurden. Reinecke
hat in Peterm. Mitt. 1903 auch über die pflanzengeographische
Beziehungen
sich ausgelassen. Danach sind rund 150 Phanerogamen endemisch, 250 sind
auch im malaiischen Gebiet heimisch, ca. 40 sind von Fidji bekannt, 13
von Tahiti, 12 von Tonga, 8 von Australien und Melanesien,
7 von Neuguinea, 6 von den Philippinen und Karolinen,
5 von Neukaledonien, 2 von Amerika und 1 von Hawaii. Von 200 Farnen etwa
60 endemisch, 130 malaiisch, 80 auf Fidji, 40 auf Tahiti, 20 auf Tonga,
je 15 auf Hawaii und Australien. Die Schlußworte lauten: "Die Vegetation
der polynesischen Inseln ist unabhängig
von den nächsten kontinentalen Florengebieten Amerikas und Australiens,
sowie Hawaiis, Neuseelands, Neukaledoniens und Neuguineas. - Sie ist
relativ
jung - weist auf einen westlichen bzw. nordwestlichen Ursprung und auf
eine nach O vorschreitende Ausbreitung. - Diese Besiedelung ist in
erster
Linie durch die Luft (Winde), in zweiter Linie durch Vögel vermittelt
worden. - Die Flora hat sich zum Teil durch Anpassung und Variation
schnell
erweitert und ausgebildet." Wie schon erwähnt ist der Laubwald
herrschend,
und besonders erwähnt zu werden verdient, daß das Unterholz fast
allenthalben
so licht ist, daß man unbehindert durch die unendlichen Bergwälder
schweifen
kann. Nur eine Bergpalme (Cyphokentia samoensis Warb.) unterbricht die
Gleichartigkeit des Waldes, und besonders am hübschen See Lanuto'o macht
sich dies angenehm bemerkbar. Blickt man von den Höhen über die Wälder
hin, so heben sich an einzelnen Stellen die mächtigen Ficusriesen
hervor.
Unter den Bäumen namentlich der Strandregion sind zahlreiche Bekannte
zu nennen: Hernandia, Erythrina, Tournefortia, Barringtonia,
Callophyllum,
Cerbera, die Leuchtnuß Aleurites, die Firnisfrucht Parinarium, der Firnisbaum Bischoffia, die
Hibiscusarten,
der Ylangylang Cananga, das Edelholz Afzelia. Orchideen gibt es nur in unscheinbaren Arten, Bambus kommt nur an wenig Stellen vor. Dagegen ist
ein großer Reichtum an Farnen, Moosen, Flechten
usw. Die Nahrungspflanzen sind vornehmlich die Kokospalme, der Taro
(s.Tafel
25), im Sumpf und im Bergwald gepflanzt, die Yamswurzel, der Brotfruchtbaum, die Banane, Apfelsinen und Zitronen, Papaya,
Mango, der Malayapfel, das Zuckerrohr, die Kawapflanze, die Eiche
Inocarpus,
der Mandelbaum Terminalia, die alle angepflanzt werden. Wild im Busch gedeihen eigentlich nur (wenn nicht
Siedelungsreste)
die Liebesäpfel des Spondiasbaums; die Curcumapflanze, die Stärkeknolle
Tacca und die Cordilyne (Dracaena) - Arten, deren Wurzeln genießbar sind.
Die Pandanusbohnen werden nicht gegessen, dagegen einzelne Arten von
Seetang,
der im übrigen nicht allzureichlich vorhanden ist. Die Eingeborenennamen
der Pflanzen finden sich bei A. Krämer, Die
Samoainseln,
II. Bd., S. 366, zusammengestellt. Was die Zeit vor Reinecke betrifft,
so haben sich die Expeditionen von
d'Urville und Wilkes besonders um die Erforschung der Fauna und Flora
verdient gemacht (s. 13. Entdeckungsgeschichte). Später waren es die
Missionare,
die sich um die weitere Erschließung bemühten, z.B. Pratt und Whitmee.
Endlich haben in der Godeffroyschen Ära Gräffe, Kubary
und Storck gesammelt und unsere Kenntnisse vermehrt.
6. Tierwelt. Betreffs der Nahrungsquelle nicht domestizierter Tiere an Land
steht es günstiger als in der Pflanzenwelt. Denn außer dem Schwein kommt nur
noch das Huhn in Betracht, dessen Eier aber verschmäht werden. Dagegen spendet
der Busch eine Käferlarve, den fliegenden Hund (3 Arten) und die Tauben, von
denen die Globicera pacifica Finsch- Hartl.
(lupe) ehedem von den Häuptlingen mit Netzen, im Wettspiel gefangen wurde. Auch
die Columba castaneiceps Peale (fiaui), und die eigenartige, berühmte Zahntaube
Didunculus strigirostris Peale (manumea) wird gelegentlich verzehrt.
Erwähnenswert sind noch wegen ihrer Schönheit mehrere Arten kleiner Ptilopus -
Täubchen. Gegessen werden auch Seevögel, besonders der Seetölpel. Dysporus sula
L. (f'ua'ó). Von Landvögeln sind 34 bekannt, wovon 16 eigentümlich. Der
seltenste ist der Pareudiastes pacificus Hartl. (puna'e), der in Erdlöchern auf
Savai'i lebte und ausgerottet zu sein scheint. Neben dem kleinen
Sperlingspapagei (sega) Coriphilus fringillaceus Bon., welcher die roten Federn
für den Kopfschmuck der Vornehmen beim Tanze liefert, soll noch ein großer
vorkommen, wie Kotzebue berichtete.
Wahrscheinlich ist er ein Phantasiegebilde. Von Vögeln seien noch genannt
Kuckuck, Star, Eule, Honigsauger, Würger,
Finken, Drossel, Eisvogel, Schwalbe, Wildente, Sultanshuhn, Wachtelkönig,
Sumpfläufer, Reiher usw. Außer Hund, Katze, Ratte, Maus, Fledermaus, einigen Eidechsen und dem Gecko, gibt es an Wirbeltieren
an Land noch Schlangen, die jedoch harmlos
sind. Auch der Tausendfuß und Skorpion ist so selten sichtbar, daß er kaum
Beachtung verdient. Dagegen können die Blutegel
im Busch bei Regen zuweilen recht lästig werden. Endlich kommt das eingeführte
Rindvieh und das seit alters auf den Inseln befindliche Schwein auch verwildert
im Busch vor. Viel reicher als das Land ist das Meer. Die Riffe und ihre Umgebung sind reich an Fischen und
niederen Tieren. Schildkröten sind selten
geworden. Fast alles wird gegessen. Eine gewisse Ausnahme bilden nur die sog.
giftigen Fische, als der (iliù)
Schmetterlingsfisch Acanthurus xanthurus Blyth, der (unavau) Hering Clupea atricanda Bleck., die Equulaarten
(mù), der Kofferfisch Ostracion punctatus Bl. Schn., der (gaito)
Gelbstachelschwanz, die (maoa'e) Riesenmuräne (M. tesselata Rich.), der (sue)
Vierzahn (Tetrodon sp. sp.) usw. Aber auch diese werden zeit- und teilweise
verzehrt. Von niederen Tieren verdient noch der Palolo Erwähnung, ein
Borstenwurm, Eunice viridis Gray, dessen hintere, dünne, lange Enden 8 Tage nach
dem Vollmond im November aus dem Riffe zu Apia in
den ersten Morgenstunden vor Sonnenaufgang in Massen an der Wasseroberfläche
schwärmen, von den Samoanern geschöpft und gegessen werden. Das dicke vordere
Ende fanden nach langem Suchen Friedländer 1897 und Krämer 1898 unabhängig von
einander. - Über die ganze Tierwelt: Krämer, Die Samoainseln, II. Bd., wo alles
Bekannte zusammengestellt ist. Ein neueres Werk, D. S. Jordan und A. Seale, The
Fishes of Samoa, Washington 1906, ist leider unvollständig und durch seine
Nomenklatur verwirrend.
Krämer.
7. Eingeborenenbevölkerung. (Hierzu die Tafeln 29, 173 - 175.)
a)Anthropologie. Die Samoaner sind Polynesier (s.d.), und zwar die edelste Form
dieses
Völkerbegriffes. Am nächsten verwandt sind sie mit den Bewohnern von
Tonga,
Rarotonga, Tahiti, Hawaii und Neuseeland. Nach Norden hin haben sie die
Tokelau- und Guilbertinseln im mikronesischen Bereich stark beeinflußt,
nach Südwesten hin den melanesischen Fidschiarchipel. Die Männer sind
häufig von ansehnlicher Körpergröße. Maße von 190 - 200 cm kommen nicht
allzu selten vor. Körper muskulös, mit gutem Fettpolster, Waden stark
entwickelt. Farbe mittel- bis hellbraun, bei Häuptlingstöchtern dem
Südeuropäer
sich nähernd. Haare kurzwellig bis langwellig, niemals schlicht, in der
Regel schwarz. Glatze selten. Bärte kommen vor. Backenknochen ein wenig
hervortretend, Nase breit, im Sattel tiefliegend, Lippen rot, breit.
Gesicht
schönes Oval. Kopfform brachykephal nach Messungen an Lebenden.
Geburtsflecken
sind beobachtet. Die äußeren Leisten der Ohren sind häufig verstrichen,
Läppchen oft geheftet (werden nicht durchbohrt).
b) Sprache. Die gleichmäßig über alle Inseln ohne Sonderdialekte
verbreitete
Hochsprache gehört als polynesisch zu den austronesischen Sprachen (s.
Polynesische Sprachen). Am nächsten
verwandt ist sie mit dem Malaiischen, während das Tonganische,
Hawaiische,
Tahitische und Maorische nur als dialektische Verschiedenheit
angesprochen
werden darf. Wie innerhalb der Samoagruppe der Gebrauch einzelner Worte
im polynesischen Sprachschatz wechselt, so gleich im großen
Sprachgebiet.
So sagt man auf Manu'a im Osten von Upolu für "tanzen" sa'a, ein Wort,
das im Westen ganz ungebräuchlich ist; aber auf Neuseeland ist das Wort
haka herrschend. Ebenso sagt man auf Samoa für "fertig" 'uma; das Wort
pau wird selten gebraucht, ist aber auf Hawaii im Schwange usw. Der
Akzent
ist zumeist auf der zweitletzten Silbe, so Apía, Samóa, Upólu usw.,
selten
auf der drittletzten: tamàlo'a Knabe, áiga Familie, sóia laß es, oder
auf der letzten: avà Frau, mamà rein, tina Mutter usw. Viele Worte haben
einen Stimmbruch am Anfang oder in der Mitte, wo Tonga und Maori ein k
hat: so 'ai "essen" hier, dort kai, hier i'a "Fisch", ika dort. - Noch
deutlicher ins Ohr fallend ist die Verwandlung von l in r und f in h,
wie beim Worte al of a "Liebe' , das die Maori scharf ar'oha sprechen.
Wer sich für diese Wandlungen und Beziehungen interessiert, greife zu
Edward Tregears Maori - Polynesian Comparative Dictionary (Wellington 1891), während das treffliche
Prattsche
Samoa - Diktionär bei der Missionsgeschichte (siehe Samoa 3) erwähnt
ist.
Diesem Werke ist auch eine Grammatik beigegeben, die aber für Anfänger
nicht klar genug ist. So einfach nämlich diese in Übereinstimmung mit
dem Malaiischen ist, so schwierig ist die volle Beherrschung der
S.sprache
wegen ihrer Unbeholfenheit. Schon der sog. Artikel im Nominativ und
Genitiv
als 'o le und o le ist kaum unterscheidbar. Nur ein wenig besser steht
es mit dem Besitzwort Lo'u und Lou, das
immer
vor dem Hauptwort steht, wenn man nicht das artikulierte
Personalpronomen
hintansetzen will, wie z.B. 'o le tamà 'o a'u "mein Vater" für lo'u
tamà,
'o le tam'à 'o 'oe "dein Vater" für lou tamà, 'o le tamà 'o ia "sein
Vater"
für lona tamà, wo der Melanesier
einfach
in größter Kürze sein Possessivsuffix setzt tamák, tamám, tamál "mein,
dein, sein Vater". Plural, Deklination, Konjugation usw. alles hat keine
hervorstechenden scharfen Regeln; die Haupt- sowohl als die Zeitwörter
werden nicht verändert, nicht gebrochen, Hilfszeitwörter fehlen, kurzum
es herrscht eine Armut an grammatikalischen Formen. Nur die
Partizipbildung
zeigt eine gewisse Mannigfaltigkeit, die sich auf malaiische Urformen
zurückführen läßt, wie z. B. inu "trinken" nach dem malaiischen inum das
Partizip inumia bildet, tagi "weinen" nach tangis die Form tagisia usw.,
was F. W. K . Müller in Berlin feststellte. Weiter hat das Samoanische
aus dem Altmalaiischen das s bewahrt, und die Höflichkeitsrede, beides
den übrigen polynesischen Dialekten nur bedingt eigen. - Es sei noch
erwähnt,
daß g nach der eingebürgerten Orthographie wie ng gesprochen wird. Wer
samoanisch gut sprechen will, muß nicht allein über einen großen
Wortschatz
verfügen, sondern er muß auch die samoanische Geschichte kennen, die
häufig
in Schlag- oder Sprichwörtern gipfelt, deren Kenntnis durchaus
erforderlich
ist. Gouverneur Dr. E. Schultz (s.d.), der hervorragende Kenner der
S.sprache
und Sitten, hat 1906 im Verlag der "Samoanischen Zeitung" zu Apia ein
Buch, Sprichwörtliche Redensarten der Samoaner, erscheinen lassen, dem
zwei Nachträge gefolgt sind. Sie sind prächtige Studien für Vorgerückte,
während für Anfänger die Anleitungen von Dr. Funk (Berlin 1893,
Mittler),
O. Sierich (Hamburg, A. Ebert), Valesca Schulze (Apia 1901), H. Neffgen
(Leipzig, Hartleben) in Frage kommen.
c) Politische Einteilung der Eingeborenen. Es sind nur die Landschaften und
die Dorfschaften, nicht die Dorfteile, Sprengel usw. aufgeführt; solche in
Krämer, Die Samoainseln, Bd. I.
I. Upolu. Ostteil: Landschaft Atua, Nordseite (itu Anoama'a): Dorfschaften,
Luatuanu'u (Grenzort), Solosolo, Saluafata, Lufilufi (Vorort), Faleapuna, Falefà, Fagaloa, Uafato; Ostseite (Aleipata): Ti'avea, Amaile, Samusu, Saleaaumua (Vorort), Mutiatele (Ostkap),
Satitoa, Ulutogia, Vailoa, Lalomanu; Südseite (itu o Salefao): Lepà, Lotofaga, Falealili (Grenzort). -
Mittelteil: Landschaft Le Tuamasaga:
Nordseite: Vaimau (Grenzort im O), Faleata, Fale'ula, Malie, Afega (Vorort),
Tuana'i, Sale'imoa; Südseite: Siumu (Ostgrenze), Safata (Alataua) - Westteil: Landschaft Aana. Nordseite
(itu Alofi): Tufulele (Ostgrenze), Faleasiu,
Fasito'outa, Nofoalili, Leulumoega (Vorort), Fasito'otai, Faleatiu, Satapuala,
Sagafili, Mulifanua (Westkap); Südseite (itu Tuafanua): Samatau, Falelatai, Faleaselelä, Lefagà (Ostgrenze).
II. Insel Manono (zu Aana gehörig):
Saleataua, Salua, Apolima (Dorf und Insel).
III. Savai'i. Ostdistrikt (Fa'aseleleaga): Amoa (Nordgrenze), Faga, Safotulafai (Vorort), Sapapali'i, Iva, Salelologa, Tafúa;
Südseite (itu o Fa'otoafe): Palauli (Vorort), (Satupaitea s. 3), Papa, Pulei'a,
Tufa Gautavai, Tufu Gataivai, Taga, Salailua (Westküste), Gaga'emalae (Westküste)
(Nordgrenze); Westseite (itu o Salega): Satupáitea (Vorort) liegt an der
Südseite zwischen Palauli und Papa; es ist also hier die Hauptstadt durch eine
ansehnliche Gebietsstrecke von ihren Unterplätzen an der Westküste getrennt;
Sagone (Südgrenze), Vaipu'a, Fai'a'ai, Samata (Nordgrenze); Nordwestseite (itu o
Asau): Falelima (Westküste), Ne'iafu (Westküste), Tufutafo'e (Westküste) (diese
3 Dorfschaften zusammen haben als alataua "Kriegsberater" wie Satupaitea einen
gewissen Vorrang), Falealupo (Nordwestkap), Sataua (Nordküste), Vaisala (Nordküste), Asau (Vorort) (Ostgrenze);
Nordseite (Gagai'fomauga): Aopo Inlanddorf
(Westgrenze), Sasina, Safune, Samauga, Safotu, (Vorort) (Ostgrenze);
Nordostseite (Gaga'emauga): Matautu, Sato'alepai, Saleaula (Vorort), Lealatele.
Jeder Distrikt hat also einen Vorort, wo der Oberhäuptling residiert und die
einflußreichsten
Sprecher (Tulafale) wohnen, welche die
Landschaft regieren. Da Aana auf Upolu immer
sehr volkreich und mächtig war, so erlangte sein Vorort Leulumoega den
Ruhm
einer Hauptstadt von ganz Samoa. Sein nächster Rivale liegt in dem mit
Aana
verbündeten Atua, dessen Vorort Lufilufi immer von hoher Bedeutung war.
Zwischen beiden liegt die Landschaft Le Tuamasaga, der seit alters
Waffenbrüderschaft
mit dem Ostdistrikt von Savai'i, Le Fa'asaleleaga, unterhielt, und auch
mit Manono,
obwohl dieses eigentlich zu Aana gehört. Afega ist der Vorort von Le
Tuamasaga
und Safotulafai von Le Fa'asaleleaga. Da nun dieser Distrikt der
wichtigste
von Savai'i ist, so herrschen die Sprecher, der Rat von Safotulafai, in
gewissem Sinn über ganz Savai'i. - Die Gemeinschaft Aana - Atua, welche
sich Tumua nennt, richtiger die der Sprechergemeinschaften von Leulumoega
und Lufilufi, stand in fast allen Kriegen der alten Zeit im Gegensatz zu
Safotulafai, das als Pule, "Herrscherin", zuerst auf Versammlungen, die
ganz Samoa betreffen, begrüßt wird. Af ega, der Vorort von Le Tuamasaga
mit dem Ehrennamen Tuisamáu (s. d.), hat im alten Samoa nie besondere
Bedeutung
gehabt, und wurde deshalb auch nie besonders begrüßt. Erst neuerdings,
durch
die Malietoawirren, hat man ihn als Laumua
von den Tumua unterschieden. - Dagegen haben Safata und Faleata im
Mitteldistrikt
die Ehre, besonders begrüßt zu werden, ebenso Manono, und die beiden
Ortschaften
Faleapuna und Fagaloa in Atua. Das sind
alte Vorrechte, die in der Geschichte begründet sind.
- Diese Begrüßung ist im politischen Leben von hoher Wichtigkeit. Wenn
nämlich
ganz Samoa zu einer Beratung, einem Fono, auf
dem Dorfplatz, dem malae, z.B. von Leulumoega versammelt ist, wird eine
Begrüßung, eine sog. Fa'alupéga ausgerufen folgenden Wortlauts:
Tulouga 'oe Pule, Gegrüßt, du P.
Tulouga a Tumua, Gegrüßt T.
Tulouga àigailetái, Gegrüßt du Familie im Meere (Manono).
Tulouga alataua ma itu'au, Gegrüßt du Safata und Faleata.
Tulouga va'a o Fonoti, Gegrüßt du Schiff des
Fonoti (Faleapuna und Fagaloa).
Das ist eine der merkwürdigsten Erseheinungen im Leben eines Naturvolks, daß
die Sprecher von Samoa, die tulafale, die Macht der Regierung und Verwaltung an
sich gerissen haben, wie die gesetzgebenden Körperschaften unserer modernen
Kulturstaaten. Ja sie bestellen durch Titelverleihung das Oberhaupt eines
Distrikts oder von ganz Samoa. Die Kenntnis dieser Organisationen ist notwendig,
um den folgenden kurzen Abriß der samoanischen Geschichte zu verstehen.
d) Politische Geschichte. Über den Ursprung der samoanischen
Verfassung
ist wenig Zuverlässiges bekannt. Es sind in ältester Zeit schon 3
Großhäuptlinge
vorhanden, die auf die Geschichte von Samoa eingewirkt haben. Diese
älteste
Zeit liegt 500 - 700 Jahre zurück. Es ist beispiellos auf dem Erdenrund,
daß die mündliche Überlieferung bei gänzlichem Mangel einer Schrift über
500 Jahre weit mit Sicherheit einen Rückblick gestattet (Krämer, Die
Samoainseln,
Bd. I S. 17). Was das heißen will, wird erst dadurch klar, daß man sich
vergegenwärtigt, daß die Melanesier kaum ihren Großvater, sehr selten
noch ihren Urgroßvater anzugeben vermögen. In Polynesien,
besonders auf S., werden die Genealogien der Häuptlingsfamilien bis zu
20 Ahnen aufwärts mit so hinreichender Sicherheit überliefert, daß
namentlich
durch die Zwischenheiraten ein genauer Zeitvergleich möglich ist. In der
Zeit vor 20 Generationen gab es schon einen Tuiaána, einen Tuiatua und
einen Tuimanu'a, die Beherrscher der Landschaften, die ihren Titel
ausmachen.
Vom Tuimanu'a i st beider Besprechung des Namen Samoa die Rede (s. 1.
Name). Es ist in der Tat Grund vorhanden, zu glauben, daß das östliche
kleine Manu'a, das die ältesten Sagen von den Göttern und
der Schöpfung bewahrte, wenigstens eine gewisse kurze Zeit Tutuila,
Upolu
und Savai'i beherrschte, wenn vielleicht auch nur durch mana, durch
königliches
Ansehen. Bald aber schon erstarkte Upolu, namentlich das östliche Atua,
das Tutuila sich unterwarf, welches immer ohne besondere Bedeutung
geblieben
ist. Es heißt, daß der Gottmensch, der aitutagata Pili von Manu'a, dem
Westen den Taro brachte. Er heiratete die Tochter des Tuiaána
Tava'etele,
und seine Söhne Tua, Ana, Saga und Tolufale seien die Begründer des
Machtbegriffs
von Atua, Aana, Tuamasaga und Manono geworden. Dies ist nur Sage. Es ist
gänzlich unsicher, wann das Haus der neun Sprecher von Leulumoega sich
gebildet hat, das den Titel Tuiaana verleiht, und ebenso steht es mit dem Haus
der Sechs in Lufilufi, das den Titel Tuiatua vergibt, sicher früher als
im Jahre 1200. Übertrugen die beiden genannten Sprecherhäuser die beiden
genannten großen Titel, die ao tetele, in der Zeit vor den Tongakriegen
auf einen einzigen Häuptling, so war eser König von Samoa, denn
Tuamasaga
und Savai'i hörten nur auf Lufilufi und Leulumooga. Dies änderte sich
durch die Tongakriege. Um das Jahr 1200, wahrscheinlich weit nach
deinselben,
hatte der Tuitonga mit seiner Flotte S. heimgesucht und unterjocht. Die
Befreiung wurde durch die Söhne Tuna und Fata des Häuptlings Atiogie von
Faleata in Tuamasaga eingeleitet, denen der scheidende vertriebene
Tongakönig
zurief: málie tau, málie tóa! "Herrlich gefochten, herrliche Krieger!''
Dadurch gewann die Familie" des Atiogie den Titel Malietoa und dadurch
entstand ein neuer Machtfaktor zwischen Aana und Atua, in Tuamasaga, das
der neuen Häuptlingsfamilie Heeresfolge leistete. Es heißt, daß der
älteste
Sohn des Atiogie mit Namen Savea den neuen Titel erhielt, daß Fata Sa
- Fata gründete als, alataua, "Kriegsberaterin", und Tuna Faleata zur
itu'au, zur "Kriegseite" d. h. Schutzgarde machte. Malie (s. Auimatagi) erhielt das. Recht, später mit Manono
und Safotulafai zusammen, den Malietoa -Titel zu vergeben, und Afega
wurde
unter den Sprecherhäuptlingen Fata und Maulolo Regierungssitz (s.
Tuisamáu),
und als Laumua von den Tumna, Lufilufi und Leulumoega unterschieden.
Wenige
Generationen später war eine sehr ereignisvolle Zeit für die politische
Organisation. Der Urenkel des ersten Malietoa, des Savea, mit Namen M.
La'auli hatte zwei Töchter; Gatoaitele
hieß, eine von beiden, deren Name wichtig ist. - Beide lebten mit einem
Enkel des Tuitoga, Sanalala von Safata, und bekamen wiederum zwei
Töchter,
von denen der Name der einen Vae o Tamaso àli'i wiederum zu merken ist.
Diese heiratete einen Sprossen der Tuiaána - Familie von Leulumoega und
wurde Mutter des berühmten Tuiaana Tamálelagi. Ihre Schwester aber
verband
sich mit einem Mitglied der hohen Häuptlingsfamilie der Tonumaipe'a von
Savai'i, deren Dämonin Nafanua, im Besitze besonderer Kriegszauber war.
Die Regierungsplätze auf Upolu hatten sich entzweit, und eine der beiden
Parteien rief an jedem Ort den Priester der Nafanua um Hilfe an. Nafanua
verhalf allen Hilfesuchenden zum Sie genahm aber als Entgelt die Titel
mit fort, namentlich die beiden neugeschaffenen Gatoaitele von Afega und
Tamasòàli'i von Safata, deren Besitz fürderhin die Gefolgschaft von
Tuamasaga
bedeutete, während Malietoa nur ein Lokaltitel von Malie blieb, ebenso
wie Mata'afa einer von Faleata, Tonumaipe'a von Satupaitea und Ne'iafu
usw. - Alle die vier Titel, die großen, Tuiaana und Tuiatua,
und die beiden kleinen, Gatoaitele und Tamasoàli'i, waren also bei
Nafanua
auf Savai'i vereint, was besagen will, daß niemand für würdig befunden
worden war sie alle zu besitzen. Erst auf das "Kind vieler Familien",
das gemäß seiner großen Beziehungen auch die zahlreichen feinen Matten
als Bezahlung für die titelverleihenden Sprecherhäuptlinge aufbringen
konnte, den Sproß aller Fürstengeschlechter, wurden die vier Titel
insgesamt
gelegt, auf die Frau Salamasina, welche als die erste vierbetitelte,
tafa'ifà die erste volle Königin von S. war. Dies war ums Jahr 1500. Nun
beginnt die glorreiche Zeit der Tuiaanalinie. Zwar erhielten die
nächsten
3 Generationen, die Frauen Fofoaivao'ese und Taufau, sowie der Faumuinà
die kleinen Titel von Tuamasaga nicht, aber die folgenden fünf waren
alle
tafa'ifà. - Ihre Namen sind berühmt in der Geschichte, denn sie warfen
im Kampfe um den Thron alle ihre Gegner nieder, trafen wichtige
Bestimmungen
und gründeten oder festigten die großen Familien. Sie heißen Fonoti, Muagututi'a Tupúa, Galumalemána und
J'amafána.
- Fonoti kämpfte gegen seine Schwester Samalaulu, welche die Familie
Tuimaleali'ifano
von Falelatai gründete, und gegen seinen Bruder Vaafusuaga Toleafoa.
Letzterer
wurde trotz der Übermacht geschlagen und mit Alipia, dem ersten Sprecher
von Leulumoega nach Tutuila verbannt. Der Krieg wurde durch die
Tapferkeit
der Kriegsboote von Faleapuna und Fagaloa in Atua gewonnen, die hierfür
den Ehrentitel Va'a o Fonoti "Flotte des Fonoti" erhielten. Nach seiner
Rückkehr erhielt Toleafoa den Titel der Tonumaipe'a - Familie auf
Savai'i
zur Besänftigung, während Fonoti die Königschaft für seine eigenen
Nachkommen
durch Vermächtnis (mavaega) festlegte. Sein Sohn Muagututi'a regierte
in der Tat fast ohne Kämpfe. Er heiligte die großen Familien Salevalási (siehe oben die Gründerin Levalasi
im Stammbaum) in Atua, und die Satuala in Aana von Tuala, dem Sohn des
Tuiaana T amalelagl (im Stammbaum) stammend. Ebenso starb Tupua in Frieden, dessen Nachkommen Satupua sich
nennen.
Während seiner Regierungszeit fand wahrscheinlich die Entdeckung von S.
statt (1722). Er hatte von drei Frauen drei Söhne: Afoafouvale, Galumalemana und Luafalemana, von welch
letzterem
Mata'afa, der Ali'i sili der deutschen
Regierung, direkt abstammt, weshalb er sich auch Mata'afa Tupua nannte.
Afoafouvale sollte König werden, aber Galumalemana hatte viel Anhang.
Darüber wurde der erstere zornig; aber auch als sich sein Bruder völlig
unterwarf, hörte er nicht auf böse zu sein. So kam es zum Krieg, worin
Galumalemana als Sieger hervorging. Er erhielt alle Titel und regierte
lange Zeit. Als er starb, machte er das berühmte Vermächtnis, nach dem
das Kind im Leibe seiner letzten Frau ihn in den Titeln beerbte. - Seine
übrigen Kinder sollten alle alo a ali'i "Kinder des Häuptlings" sein,
wie in der Tat heute noch alle seine Nachkommen benannt werden. Da
Galumalemana
5 Frauen aus den mächtigsten Familien gefreit hatte, und diese ihm viel
Nachkommen gebaren, so gibt es zahlreiche aloàli'i, die zusammenhaltend
einen großen Machtfaktor bilden. Daß die übrigen Kinder das Vermächtnis
ihres Vaters nicht anerkennen wollten, ist in diesem Falle leicht zu
begreifen.
Besonders der älteste Sohn Nofoasaefà, der an Savai'i durch seine Mutter
einen starken Rückhalt hatte, trachtete nach der Königschaft. Nachdem
er den Tuiaanatitel erhalten hatte, zog er gegen den Mata'ala
Fa'asuamaleaúi
zu Felde, welcher seinen Onkel Paitomaleífi im Kampf um den Tuiatuatitel
überwunden hatte. Denn diese beiden waren direkte Abkömmlinge (Sohn und
Enkel) des Luafalemana, und Notoasaefà ihr Vetter, der nun hinwiederum
den Mata'afa schlug und Tuiatua wurde. Als er aber auch den
Tonumaipe'atitel
bekommen wollte, wurde er auf Savai'i ermordet. Erst hiernach erfüllte
sich das Vermächtnis des Galumalemana, indem der nun aufgewachsene
J'amafana
alle vier Titel bekam, freilich erst, nachdem er seinen Bruder Tupo
niedergezwungen
hatte. Dann regierte er lange in Frieden. Er starb um 1800. - Bis zu
dieser
Zeit hatte nie ein Malietoa einen großen Titel inne, es war also nie
einer
König geworden. Im 18. Jahrh. kam es aber mehrfach vor, daß Heiraten
zwischen
der Malietoaund Tuimalealilifanofamilie in Aana stattfanden. Besonders
war es eine Malietoatochter Tuitofà, die zur Zeit des J'amafana den
Tuimaleali'ifano
Suatipatipa heiratete. Sie ist die Tante des Malietoa Vaiinupó, der
hauptsächlich
in Sapapali'i an der Ostküste von Savai'i wohnte. Als eines Tages seine
Leute die Kawakauerschar des Königs J'amafana mißhandelten, fuhr
Vaiinupò
mit Macht dazwischen. Zum Dank bestimmte ihn J'amafana zu seinem
Nachfolger.
In erster Linie waren es sicher Verwandtschaftsgründe. Vaiinupò hatte
es aber nicht leicht, die vier Titel zu bekommen. Es dauerte ein
Menschenalter,
bis es ihm geglückt war, nachdem er den christlichen Namen Tavita
angenommen,
hatte (s. 16. Missionswesen). 1839 hatte er noch nicht alle, 1842 starb
er. Nach Vaiinupó glückte es nur einem Häuptling noch alle vier Titel
auf sich zu vereinigen, unserem Mata'afa. Da er aus der Tuiatuafamilie
stammt, so ist also auch die Ehre dieser Familie in der Geschichte
gerettet;
denn es ist anzunehmen, daß die neue Zeit mit dem feudalen Titelwesen
endgültig gebrochen hat. Die neuere Zeit beginnt mit dem Jahre 1830, dem
Einzug der Mission (s. 16. Missionswesen). Eingehend geschildert findet
sie sich vornehmlich bei Pritchard, Churchward, B. v. Werner, R. L.
Stevenson,
Reinecke (Samoa), Moritz Schanz und in Krämers Monographie. Nur
die wichtigsten Ereignisse und Daten seien hier hervorgehoben. Der Hafen
von Pagopago wurde um 1830 schon von zahlreichen Walfängern aufgesucht,
und als J. Williams (s.d.) 1882 den
Hafen
von Apia gefunden hatte, ging es auf Upolu mit Riesenschritten vorwärts.
- 1836 erlaubte der Kapitän Drinkwater -Bethune dem Häuptling von Apia,
einen Hafenzoll von 2 Doll. zu erheben, den freilich Kapitän Dumont d'Urville kurze Zeit nachher bestimmt ablehnte. - Als
Kommodore Wilkes 1839 die Inseln besucht und fliegend vermessen hatte,
gab es in Apia schon einen englischen und amerikanischen Konsul. - Dazu
kam ein deutscher ungefähr 20 Jahre später, wenigstens ein solcher von
Hamburg nach der Gründung des Godeffroyschen Handelsunternehmens. In der
Zwischenzeit hatten nach dem Tode des Malietoa Vaiinupo
im Jahre 1842, der in den letzten Jahren alle 4 Königstitel auf sich
vereint
hatte, die Kämpfe um die Oberherrschaft wieder begonnen. - Im Jahre 1847
begann ein neunjähriger Krieg, der viel Blut kostete, und in welchem
Manono
um die Vorherrschaft kämpfte. Dank seinen, den Europäerbooten
nachgeformten
Kriegsfahrzeugen brachte es die kleine Insel tatsächlich dahin, daß die
großen fono von S. eine Zeitlang von Leulumoega nach ihrem Platz verlegt
wurden. In diesem Kriege kämpfte auch der Großvater des jetzigen Tamasese,
Moegagogo, dessen Grab in Faleata sich befindet. Von den Malietoa war
es insbesondere Pe'a, auch Talavou genannt, der hervortrat, während
dessen
Stiefbruder Moli, der Vater Laupepas, nicht einmal den Malietoatitel
besaß.
Als im Jahre 1856 zuerst Manono, dann Atua und Aana Frieden geschlossen
hatten, trat kurz danach (1857) ein neues Ereignis ein, das von größter
Bedeutung für die weitere Geschichte von S. werden sollte, die schon
erwähnte
Gründung der Hamburger Handelsfiliale. Zu den zwei rivalisierenden
Konsuln
von England und Amerika kam ein dritter, erst ein hamburgischer, der
1868
in einen solchen des Norddeutschen Bundes, 1872 des Deutschen R eiches
umgewandelt würde. Nach dem Tode des ersten Direktors der Firma J. C.
Godeffroy, Unshelm, im Jahre 1864, war es der erst 20jährige Theodor
Weber,
der mit sicherer Hand das Geschäft vergrößerte und, in enger Fühlung mit
den Samoanern, einen großen Einfluß auf diese ausübte, durch Güte und
Klugheit. Sein Name ist unauslöschlich mit Samoa verbunden. 1868 war
Malietoa
Talavou (s. oben) zum König ausgerufen worden von dem Vorort von
Tuamasaga.
Es war gar kein Zweifel, daß der Sohn des Vaiinupò in der
Malietoafamilie
der geeignetste war. Der englische Konsul Williams aber, ein Sohn des
Südseeapostels, hatte dessen Neffen Laupepa sozusagen adoptiert, und als
Maluazögling wurde er von dem Missionar Turner vorgeschoben, die beide
ihn als Gegenkönig ausrufen ließen. Hieraus entstanden die politischen
Wirren, die 32 Jahre lang die Diplomatie in Unruhe versetzten und nicht
zum mindesten Samoa selbst. Tuisamau beantragte wegen dieser Unbill bei der
englischen Regierung die Abberufung von Williams und griff unter
Talavous
Führung den zu Apia verschanzten Laupepa an, wobei die englischen
Konsulatsgebäude
in Mitleidenschaft gezogen wurden, was zu einer Schadenersatzforderung
und zu einem der vielen Annektionsversuche führen sollte, die in den
folgenden
Jahrzehnten an der Tagesordnung waren. Diese Vorgänge zogen
amerikanische
und deutsche Kriegsschiffe herbei, die ein wachsames Auge auf die
Gelüste
der Engländer hatten. Da England die Hände gebunden waren, versuchte es
1872 Neuseeland mit der Annektion, weshalb die Vereinigten Staaten am
17. Febr. dieses Jahres durch die "Narranganset" den Hafen von Pagopago
auf Tutuila durch einen Vertrag an sich zu bringen
trachteten.
Zugleich kam der berüchtigte "Colonel" Steinberger, der als
Premierminister
des Königs Talavou eine moderne Verfassung, ein Ober- und Unterhaus,
Taimua
und Faipule, organisierte, aber bald durch Übergriffe sich mit seinem
Herrscher entzweite, den er stürzen wollte. S. M. S. Gazelle 1875 war
Zeuge jener Gewalttätigkeiten. Durch die Macht der von ihm geschaffenen
Körperschaften hielt er sich noch eine Zeitlang. Aber Englands
Eifersucht
duldete ihn nicht. H. M. S. "Barracouta" hob ihn am 13. März 1876 nach
einem harten Kampf, wobei mehrere englische Matrosen fielen, auf, und
brachte ihn nach Amerika zurück. Er hatte sich allgemein unbeliebt
gemacht;
nur die Taimua und Faipule ließen ihn nicht gern ziehen und setzten den
Talavou als König ab, weil er für Steinbergers Entfernung gewesen war.
Die Folge war, daß 1877 die Vereinigten Staaten von Amerika und England
auf einmal annektieren wollten. Als der englische Konsul Liardet hohe
Schadenersatzansprüche stellte, schlug die Stimmung für Amerika um. Er
hißte deshalb am 24. Mai die Flagge, was aber sofort von Konsul Weber
und Kapitän "Hassenpflug" von S. M. S. "Augusta" beanstandet wurde. Als
die Augusta aber am 11. Aug. abgesegelt war, begann der Kampf. Die
Taimuapartei,
also die amerikanische Sache, kam in Vorteil, was zu neuem englischen
Vorgehen führte. Dies veranlaßte die Amerikaner, den des Englischen
mächtigen
Schreiber Mamea zwecks Abschluß eines "Handelsund
Freundschaftsvertrages"
nach den Vereinigten Staaten zu nehmen, wo ein solcher am 12. Jan. 1878
auch tatsächlich abgeschlossen wurde. Am 29. Juni kehrte Mamea mit einem
neuen Minister, Bartlett, dem er 24000 M Gehalt zugesagt hatte, zurück;
auch sollte jetzt Pagopago den Vereinigten Staaten als Kohlenstation
zufallen.
Dies veranlaßte den Kapitän v. Werner (s.d.) mit S. M. S. "Ariadne" am
16. Juli (1878) Saluafata und Falealili
für Deutschland zu besetzen, und diese Besitzergreifung wurde erst
wieder
im folgenden Jahre (1879) aufgehoben, als die Taimua sich herbeigelassen
hatten, mit Deutschland einen Gleichberechtigungsvertrag zu schließen.
Nun wandten sich die Taimualeute den Tuiaana zu und wollten Tamasese zum
König machen. Bartlett agitierte gegen Malietoa. Dessen Anhängerschaft
vertrieb mit Hilfe des inzwischen eingetroffenen "Bismarck" unter
Kapitän
Deinhard (s.d.) die in Apia verschanzten Taimualeute. Talavou wurde
König,
Laupepa Vizekönig. Aber wenige Wochen später wurde der König, der den
deutschen Vertrag nicht anerkennen wollte, von den "Taimua" an Bord des
deutschen Schuner "Apia" gefangen genommen. Da der deutsche Konsul diese
Gefangennahme auf deutschem Boden nicht duldete, zeigte sich Malietoa
entgegenkommend und war bereit zur Anerkennung. So kam am 2. Sept. 1879
der Vertrag zustande, nach welchem Apia als neutrales Gebiet unter dem
Schutze der 3 Konsuln stehen sollte. Apia als neutrales Gebiet und
Gleichberechtigung
der drei Mächte waren die beiden Hauptergebnisse des Jahres 1879. Der
Berliner Vertrag 10 Jahre später w ar im Grunde nur eine Erneuerung der
Abmachungen von 1879. - Im Jahre 1880 starb Malietoa Talavou. Am 27.
April
selben Jahres lehnte der Reichstag die Besitzergreifung Samoas seitens des
Deutschen Reichs ab, die allein Ordnung hätte bringen können und von den
beiden andern Mächten in Anbetracht unserer überwiegenden Interessen
sicher
gutgeheißen worden wäre. -Bambergers unglückselige Rede war mit Schuld.
-Am 19. März 1881 wurde Malietoa Laupepa als König ausgerufen, Tamasese
als Vizekönig. Am 12. Juli folgte die Anerkennung seitens der drei
Mächte.
Zembsch war damals deutscher Berufskonsul, nachdem Weber zurückgetreten
war. - Trotz des Wohlwollens Deutschlands kam Laupepa aber bald wieder
durch Wühlereien in englisches Fahrwasser. Annektionsgesuche folgten nun
wieder reihenweise. Malietoa vergaß so sehr seine Zugeständnisse und
Verträge,
daß Konsul Stübel (s.d.) am 23. Jan. 1885 die deutsche Flagge
in Mulinuu hißte, um zu zeigen, daß wir
auch noch da waren. Tamasese dankte ab und erklärte den Krieg gegen
Malietoa,
dessen Fahne im neutralen Apiagebiet unser Konsul durch Mannschaften S.
M. S. "Albatros" entfernen lassen mußte. 1886 kam das
deutsche
Geschwader unter Admiral Knorr (s.d.). -
Die Amerikaner hißten als Gegenmaßregel ihre Flagge zu Apia und setzten
die Malietoas darunter. Dies machte Malietoa so unverschämt, daß Konsul
Becker ihn mit Hilfe unserer Kriegsschiffe 17. Juli 1887 gefangen setzen
ließ. Seine Deportation über Kamerun, Hamburg nach Jaluit ist bekannt. Beim Abschied übergab er seine
Rechte an Mata'afa. Durch deutschen Einfluß wurde aber jetzt Tamasese
zum König gewählt. So sammelte Mata'afa langsam seinen und Malietoas
Anhang,
um ihn zu stürzen. Die Amerikaner unterstützten Mata'afa. Am 9. Sept.
1888 wurde er zum König ausgerufen. Tamasese hatte sich in Mulinu'u
verschanzt,
wurde aber von dort verjagt und ebenso von Luatuanu'u, wo er ein zweites
festes Lager bezogen hatte. Als sich nun aber die Mata'afaleute
anläßlich
ihrer Erfolge große Frechheiten gegen die Deutschen zuschulden kommen
ließen, requirierte Konsul Knappe (s.d.) die Mannschaften des deutschen
Geschwaders
S.M.S. "Adler", "Olga" und "Eber"
(Kommodore
Fritze), um die S. zu entwaffnen. Am 18. Dez. (1888) erfolgte dann die
Landung bei Fagali'i und Vailele, unter
Führung des Kapitänleutnants Jaeckel, die den Leutnants Sieger und
Spengler,
sowie 15 Matrosen das Leben kostete; 37 waren verwundet. Der Plan
mißlang,
die Feindseligkeiten hielten an. Am 9. Jan. des folgenden Jahres (1889)
brannten die Mata'afaleute das deutsche Konsulat nebst 12 andern
Gebäuden
nieder. Diese Vorgänge, welche in England und Amerika große Erregung
hervorriefen,
führten zur Abberufung des Konsuls Knappe; und dann trat ein Ereignis
ein, welches durch seine Ungeheuerlichkeit die aufgetürmten
Leidenschaften
rasch vollends in sich zusammenbrechen ließ: der Orkan vom 15. - 17.
März,
der Apia heimsuchte. Die schon genannten deutschen Kriegsschiffe
"Adler",
"Olga" und "Eber" lagen im Hafen, von den Amerikanern "Trenton",
"Vandalia"
und "Nipsic", und am weitesten außen die zuletzt eingetroffene englische
"Calliope" und die Deutsche Bark "Peter Godeffroy". Am 1. Tag flaute der
Südwind allmählich ab, bis zur Windstille 4 Uhr nachmittags, Minimum 742
mm. Darauf folgten die Nordstürme, die eine ungeheure See in den nach
Norden offenen Hafen hineintrieben, besonders am 16. März. Bis nach
Mittag
hielten die Schiffe Stand. Dann trieb zuerst die Bark aufs Riff. Darauf
stießen "Olga" und "Nipsic" zusammen, und es ist merkwürdig, daß die
beiden
durch ihre Bewegung in dem engen Raum alle übrigen (außer "Calliope",
die außen lag und hinausdampfen konnte) zugrunde richteten, aber selbst
nicht untergingen: "Eber" zerbrach am Mittelriff , Kommandant Wallis und
93 Mann ertranken, "Adler" wurde auf dasselbe Riff hinaufgeworfen, wo
sein Eisengerippe heute noch weithin sichtbar liegt; "Trenton" und
"Vandalia"
scheiterten gleichfalls. Nur die beiden Störer liefen auf den Strand und
konnten wieder abgeschleppt werden. In Berlin trat auf diese
Unglücksnachrichten
hin am 14. Juni die bekannte Konferenz zusammen, die zwar in der
Hauptsache
nur die Gleichberechtigungs- und Neutralitätsverträge von 1879
erneuerte,
aber durch die Einführung eines Oberrichters und eines
Munizipalitätspräsidenten
neue Momente hinzu brachte. Daß Englisch Gerichtssprache wurde und australisches
Recht
galt, dient zur Charakterisierung. In der Tat sollte am Schluß des
Jahrhunderts
alles bis dahin an politischer Terrorisierung Geschehene überboten
werden.
Im September wurde Malietoa Laupepa aus der Verbannung heimgebracht und von den drei
Signaturmächten
zum König eingesetzt. Erster Oberrichter
war der Schwede Baron v. Cedernkrantz, erster Präsident Senfft v.
Pilsach.
Die Ruhe dauerte nicht lange. Laupepa hatte ja bei seiner Abreise alle
seine Rechte auf Mata'afa übertragen, und nach seiner Rückkehr hielt er
dies aufrecht. Als aber der Beschluß der Mächte durchgeführt worden war,
zog sich Mata'afa beleidigt nach Malie zurück, um eine Nebenregierung
zu gründen. Im April 1891 starb der ältere Tamasese zu Lufilufi und
hinterließ
das Vermächtnis, daß seine Anhänger gemäß dem Beschluß der Mächte zu
Malietoa
stoßen sollten. So lehnte Saluafata Mata'afas Einladung ab, und viele
folgten diesem Beispiel. Trotzdem war Mata'afas Partei nicht schwach;
ein Teil von Atua, Aana, Savai'i und ganz Manono hielt zu ihm. Am 7.
Juli
1893 kam es zum Kampfe bei Vaitele, wo die Malietoapartei 13 Köpfe
erbeutete.
Mata'afa zog sich nach Aana, dann nach Manono zurück. Als ihm aber der
Fa'asaleleagadistrikt auf Savai'i seine Hilfe versagte, ihm sogar eine
Landung verweigerte, und die Kriegsschiffe Manono blockierten, blieb ihm
nichts anderes übrig als sich mit 20 Häuptlingen zu ergeben. Im
September
wurde er dann an Bord S. M. S. "Sperber" nach Jaluit in die Verbannung
geschickt. 1894 versuchte dann noch einmal der jüngere Tamasese die
Gewalt
an sich zu reißen. Er wurde aber im Aug. durch das Bombardement der
Kriegsschiffe
und die Malietoatruppen aus seinem befestigten Lager in Luatuanu'u
vertrieben,
und als er nach Lufilufi sich zurückzog, folgte ihm die Regierung
dorthin,
von neuem den Angriff beginnend. Tamasese zog sich darauf nach Aana
zurück,
wo nach einigen Scharmützeln bei Mulifanua wieder Ruhe eintrat. Die
Gegensätze
blieben erhalten. Laupepa hatte aber wenigstens noch das Glück, die
letzten
vier Jahre seines Lebens in Frieden zu genießen. Er war Vertragskönig,
aber nicht Vierbetitelter. Er starb am 22. Aug. 1898 in Mulinú'u. Gerade
als er beerdigt wurde, traf die Nachricht mit dem Postdampfer ein, daß
ein deutsches Kriegsschiff den Mata'afa, mit dem man allmählich zu
Hause,
Mitleid bekommen hatte, zurückholen solle. Alsbald taten der englische
Konsul Maxse und der amerikanische Vertreter alles, um dies zu
verhindern.
Aber die militärischen Befehle sind strikt. S.M.S. "Bussard" brachte ihn
am 19. Sept. Er wurde verpflichtet, ruhig in Mulinu'u zu leben. Es
handelte
sich nun darum, wer der Nachfolger Laupepas werden solle. Die Berliner
Akte sahen im Art. I vor: "sein Nachfolger soll geziemend erwählt werden
nach den Gesetzen und Sitten von Samoa". Erst ließ man die Samoaner
gewähren.
Am 12. Nov. war ein großer fono in Mulinu'u, der Mata'afa zum König
wählte.
Da war aber schon die englische Mission an der Arbeit, denen der
Katholik
nicht genehm war. Am 15. Nov. erklärten 11 beliebige Häuptlinge ohne
Rechte
und Befugnisse, die Wahl sei ungültig, und am 27. Nov. stellten
dieselben
den Sohn des Laupepa, den jungen Tanumafili ihrerseits als
Königskandidaten
auf, zur Entscheidung für den Oberrichter Chambers. In der Folge erhielt
Mata'afa alle 4 Königstitel verliehen, soweit er sie schon besaß zum
zweiten
Mal, und zwar durch die befugten Rednerschaften der Hauptorte; dem
Tanumafili
verlieh der junge Tamasese, der aus Ärger über Deutschland zu den
Engländern
übergegangen war, alle vier Titel auf einmal, wozu er natürlich nicht
die geringste Berechtigung hatte. Selbst den Titel Malietoa erhielt
Mata'afa,
zum Ärger des Laupepasohnes. Der Oberrichter ließ sich durch dies in
seiner
vorgefaßten Meinung nicht beirren; selbst einer Zählung der Gefolgschaft
beider Kandidaten, die 5/6 für den Alten, 1/6 für den Jungen ergab,
verschloß
er zwar nicht seine Augen, aber seine Seele. Am 19. Dez. begann die
Gerichtsverhandlung
in der Königsfrage. Die 2 englischen Rechtsanwälte waren auf seiten des
Tanumafili,
Mata'afa hatte keinen. Das Urteil fiel am 31. Dez. wie erwartet:
Tanumafili
ist rechtmäßiger König. Am folgenden Tage, am 1. Jan. 1899 schloß die
beleidigte Mata'afapartei Apia ein; nach kurzem Kampfe war die ganze
Partei
des Tanu gefangen, er selbst saß mit
Tamasese
sicher auf dem englischen Kriegsschiff. Schwere Zerwürfnisse zwischen
den Konsuln folgten; denn der Engländer und Amerikaner wollte die
provisorische
Regierung mit dem Munizipalpräsidenten, Raffaels an der Spitze nicht
anerkennen.
An Stelle der Deutschen von 1889 traten Amerikaner, und Engländer im
Jahre
1899, von denen am 23. März bei der Beschießung Apias und späterhin
mehrere
im Kampfe gegen Mata'afa fielen. Darauf kam wieder die Ruhe nach dem
Sturm.
Die heimische Diplomatie setzte ein und diesmal mit einem positiven
Ergebnis.
Am 25. Nov. traf die Nachricht in Apia ein, daß Deutschland Upolu und
Savai'i, die Vereinigten Staaten von Amerika Tutuila und Manu'a unter
ihren Schutz nehmen solle. Am 1. März 1900 erfolgte die Flaggenhissung
auf Mulinu'u. (S.a. 17. Geschichte.)
e) Sitten und Gebräuche (hierzu die Tafeln 173 -75). Die Frau kommt
im Hause ihrer Eltern nieder. Während der Schwangerschaft und nach der
Niederkunft erhält die Frau gelegentlich Geschenke von der Familie ihres
Gemahls. Der Name des Kindes wurde meist zuerst nach dem Schutzpatron
der Familie gewählt, später gab irgendein Vorfall das Wort. Während der
Schwangerschaft ist der Verkehr nicht verboten, aber während des
Stillens
sehr streng. Stillen beginnt nicht sofort, meist nach 3 Tagen, dann ist
die Frau auch wieder auf. Milchprobe. Abtreiben durch Kneten. Formen des
Schädels der Neugeborenen durch Steine und Pressen. Feste für das
Sitzen,
das Kriechen, Stehen des Kindes usw. Heiliges Verhältnis zwischen Bruder
und Schwester. Adoption unter Verwandten sehr verbreitet. Mutterrecht. Nachfolger des Vaters ist der
Schwestersohn.
Ungefähr im 12. Jahr Beschneidung durch Einschnitt. Tätowierung, richtiger Tatauierung, gegen das 16. Jahr. Tätowieren ist
englische Verstümmelung von tatau eigentlich tà tatau "schlagen richtig"
und sollte nicht mehr gebraucht worden. Die Form der Tatauierung ist die
einer Kniehose bei Männern, bei Frauen einzelne Sternchen und Zeichen
an Oberschenkel, Kniekehle und Händen. Das dazu verwendete Werkzeug ist
in Tafel 175 Abb. 18
zusammengestellt. Es besteht 1. aus den Tatauierinstrumenten
selbst, meist 4 recht winklig gestielten Knochenkämmchen von
verschiedener
Breite, deren scharfe Spitzenreihen mittels eines etwa 40 cm langen
Stäbchens
in die Haut eingeschlagen werden; 2. dem Behälter für diese Kämme in
Form
eines bodenlosen Holzbechers (rechts auf dem Korb); 3. dem Farbentopf
mit dem Stößel zum Anrühren der Farbe, die aus dem Ruß von
Aleuritesnüssen
hergestellt wird; 4. dem Korb aus Pandanusblättern, in dem alle Geräte
aufbewahrt werden. Die Arbeit teilt sich folgendermaßen: Männer machen
Haus, Boot, Holzschüsseln, Trommeln,
Schmucksachen, Keulen, Speere, Netze, Fischhaken, tatauieren, beschneiden,
kämpfen, ja sie kochen und pflanzen und züchten die Tiere. Frauen
flechten
Matten, Fächer, machen Rindenstoffe
(s. Tapa), Stärke, Curcumagelb, Lampenruß, halten Haus und
Hof in Ordnung. Unter den in den Formen außerordentlich mannigfaltigen
Keulen gibt es drei alteinheimische Arten, die in den Abb. 1 - 3
wiedergegeben
sind. Die einfachste ist die stockförmige Keule
(Abb. 2). Etwa die Form eines Ruders zeigt die Keulenart Abb. 3.
Vielzinkig
(ursprünglich achtzinkig) ist die Art Abb. 1. Sie besitzt einen
Fangzahn,
um einen gefallenen Feind aus dem Gedränge herauszuholen. Mit den
gegenüberstehenden
Zähnen soll man ihm dann den Kopf abgeschnitten haben. Eine höchst
saubere
Arbeit sind sodann die vielzinkigen Speere (Abb. 9). Sie sind im
Querschnitt
stets dreieckig. Die Widerhaken stehen einander zugerichtet. Die
Samoaner
nennen diese kurze Art Rednerstäbe wie die eigentlichen, vollkommen
glatten
Rednerstäbe auch, doch sind sie in Wirklichkeit Prunkspeere, die man bei
Tanz und Festen mit sich trägt. - Sind schon die Keulen und Speere
Schnitzwerke
von musterhafter Sauberkeit, so gilt das noch mehr von den aus Pauholz
gefertigten Fächern (Abb. 5) und Kämmen (Abb. 6 - 8) und den
Kawaschüsseln
(Abb. 19). Diese werden hauptsächlich aus dem Holz von Afzelia bijuga
hergestellt, am meisterhaftesten auf Savaii, wo sie von besonderen
Handwerkern
aus dem Vollen gearbeitet werden. Die Zahl der Beine beträgt 4 - 14 und
mehr; sie steigt stets in gerader Zahl an. Besondern Wert erreichen die
Schalen wie auch die dazu gehörigen Kokosbecher (Abb. 20) durch den sog.
Kawaspiegel, einen gelbweißen, matten, perlenähnlichen Glanz auf dem
Boden,
der erst durch langen Gebrauch der Stücke erzeugt wird. - Bei anderen
Stücken geht die Technik über das Herausarbeiten aus dem Vollen hinaus.
So bei den Nackenstützen (Abb. 17), wo die hölzernen Beine mit dem
Bambusrohr
durch Schnüre verbunden si nd. Die Nackenstützen sind ein- bis
vierschläfrig,
indem die etwas unbequeme Kopfunterlage in der Länge zwischen 30 cm und
mehreren Metern schwankt. So auch bei den Schab schemeln für Kokosnüsse
(Abb. 15), wo das wirksame Prinzip in der Gestalt eines muschelähnlichen
Stückes Kokosnußschale ebenfalls mit Schnüren am Bock selbst
festgebunden
wird. Auf dem Sattel sitzend, schabt der Koch - Kochen ist Männersache
- den Kern der Nuß in ein untergestelltes Gefäß oder auf ein Blatt.
Statt
des Kokosschabers verwendet man auch solche aus Spondylusmuschel. -
Hübsche
Arbeiten sind auch die Fliegenwedel (Abb. 14), deren bis 40 cm langer
Behang fast immer aus zusammengeflochtenen Kokosfasern
besteht. Sie werden von den Sprechern als Zeichen ihrer Würde getragen,
von den Häuptlingen nur dann, wenn sie als Sprecher auftreten. Als
Abwehrmittel
gegen Fliegen kommen nur kleinere Formen
in Betracht. - Zum Handwerkszeug der Männer gehört außer schneidenden
Muscheln und Steinen und Steinaxten
auch
der Drillbohrer (Abb. 16). Heute mit eiserner Spitze versehen, trug er
früher eine solche aus spitzen Schneckenschalen oder einen Dorn des
Seeigels.
Die Bohrmethode ist bekannt: man dreht das Schwungrad mit der Linken,
während die Rechte den Querstab hält. Dann rollen auch die beiden
Schnüre,
von denen die eine oben vorn, die andere gegenüber befestigt ist, am
Längsstab
auf. Ein Zug mit der Rechten nach unten bringt das Rad so sehr in
Schwung,
daß die Schnüre nach der Abwicklung von selbst nach der anderen Richtung
aufrollen, usf. - In der Wirtschaft der Samoaner spielt die Fischerei
die größte Rolle. Krämer unterscheidet die kleine Fischerei, die Korb-
und Netzfischerei und die Angelfischerei. Die kleine Fischerei wird
mit dem Stock zum Suchen der Tiere, der Hand zum Ausräumen der
Felsenlöcher,
dem Vergiften, dem Speeren, durch Schießen mit Pfeil und Bogen
betrieben. Die Korb- oder Reusenfischerei
tritt gegen die mit Netzen betriebene sehr zurück. Die Form und Größe
der Netze ist sehr bedeutend, je nach dem Fangobjekt und den
Wasserverhältnissen.
Einen Fischhaken stellt Abb. 4 dar. Der Blänker ist meist aus
Perlmutterschale,
zuweilen auch aus der Schale der braungetupften Konusschnecke
geschnitten,
der widerhakenlose Haken aus Schildkrötenschale. Für sehr große Fische,
auch Haie, fertigt man derbe Haken aus
festem
Holz. - Für den von Tintenfischen bedient man sich der Fanggeräte von
der Form des in Abb. 10 wiedergegebenen. Der Körper des Geräts besteht
aus einem Stück Kalkspat, das einem
Fischkopf
ähnlich sieht, zumal es auch noch einen augenähnlichen Fleck auf der
Seite
trägt. Darauf festgebunden sind zwei Stücke der Cypraea tigrina. Nach
hinten endet der Körper in einen Schwanz in der Gestalt eines biegsamen
Stabes, der mit Fransen aus Hibiscusfasern versehen wird. Vor dem
Gebrauch
fügt man dem Ganzen noch etliche rote Ti - Blätter hinzu, die durch ihr
Hin- und Herflottieren den Tintenfisch besonders zu reizen geeignet
sind.
Der Fang geschieht in der Weise, daß der Mann in kleinem Auslegerboot
aufs Riff hinausfährt. Mit der Linken hält er das Ruder; mit der Rechten
fährt er, alle Sekunden zuckend, die Angel
an den Riffhöhlen vorbei. Hat sich der Octopus festgesaugt, so trägt ihn
die Hand des Fischers schnell ins Boot. Bereits mehr zum Sport als zur
eigentlichen Wirtschaft gehört der Fang etlicher Taubenarten. Abb. 11
stellt das Fangnetz für die große Fruchttaube (lupe) dar. Deren Fang war
früher der Hauptsport der samoanischen Großen. Er geschah in der Zeit
vom Juni bis Oktober auf bestimmten Fangplätzen, die freigeholzt waren
und in deren nächster Nähe sich die Laubhütten für die Jäger befanden.
Die Jäger selbst bedeckten sich obendrein noch ganz mit
Schlinggewächsen,
um möglichst einem Busch zu gleichen. Jeder hatte seine gezähmte Taube
bei sich, deren eines Bein an einem dünnen Bindfaden festgebunden war.
Auf ein Zeichen des Führers ließen alle Jäger ihre Tauben fliegen, und zwar so hoch, daß alle höher als
die Wipfel der Waldbäume über der Lichtung flatterten. Gewahrten die
wilden
Tauben diese Ansammlung, so kamen sie in der Annahme, daß hier viel Futter sei, herangeflogen. Dadurch entwickelte sich
bald ein Streit zwischen den zahmen und den wilden Tieren. Die Jäger
holten
mit einem Ruck an der Leine ihre Tauben ein; die wilden stürzten im
Kampfeseifer
nach und wurden von den Jägern mit großer Geschicklichkeit in den Netzen
gefangen. - Leichter, aber im Prinzip ähnlich, ist der Fang der kleinen
Taube manutagi (Ptilopus fasciatus). Dieser Vogel
ist sehr streitsüchtig. Darauf bauend, setzt man im Walde Käfige von der
Form der in Abb. 12 wiedergegebenen aus. Auch hier ist der zahme
Lockvogel
an einer Leine gefesselt, jedoch so kurz, daß er den Korb nicht
verlassen
kann. Der Korb selbst hängt auf einer Querstange frei beweglich an einer
mit Gegengewicht versehenen Schnur. Der Jäger beobachtet von einem aus
Bananenblättern rasch hergestellten Häuschen seinen Lockvogel. Ruft
dieser,
so kommen bald wilde Vögel. Von der Querstange aus stürzen sie sich
schließlich
in den Korb, den der Fänger rasch mit einem Bananenblatt zudeckt. Dann
nimmt er den gefangenen Vogel heraus und wartet auf den nächsten. Die
Tierchen werden nicht gegessen, sondern verschenkt oder zum Fang selbst
abgerichtet. - Eine ganz besondere Spezialität des samoanischen
Wirtschaftslebens
ist schließlich der Fang des Palolowurms. Dieser (Eunice viridis Gray)
ist ein Borstenwurm von etwa 2 - 3 Fuß Länge, wovon ungefähr ein Viertel
auf den stärkeren Vorderteil, drei Viertel auf den nur 1 - 1 1/2 mm
starken
Hinterteil kommen. Um den Fang dieses Hinterteils handelt es sich, wenn
der Wurm zu seiner Hochzeitsfahrt aus dem toten Korallenfels in der Nähe
der Brandungszone an die Oberfläche kommt. Das geschieht nur einmal im
Jahr, acht Tage nach dem Oktobervollmond auf Savaii, einen Monat später
auf Upolu. Die mit Eiern gefüllten grünen Weibchen wie die mit Samen
gefüllten
braunen Männchen stoßen dann bestimmte Körperglieder ab, die die
Befruchtung
vermitteln. Man fischt diese Körperglieder vom Boot aus mit Fangkörben
von der. Art der Abb. 13 oder solchen aus Kokosblattscheide in großen
Mengen, allerdings nur 3 Tage lang. - Wenn Geschenke gemacht werden,
bringen
die Männer 'oloa, d. h. alles was sie anfertigen und hervorbringen,
während
man unter dem tònga der Frauen alle ihre Erzeugmisse versteht,
insbesondere
die feinen. Matten 'ie tòga. Die Herstellung dieser aus einer
pandanusähnlichen
Blattpflanze nimmt oft viele Jahre in Anspruch, wenn die Matte sehr fein
geflochten wird. Der Regierungsbeamte J. Henniger in Apia hat 1912 in
der Samoanischen Zeitung einen "Beitrag zur Kenntnis der
Herstellungsweise
der feinen Matten in S." gebracht, der recht ausführlich den Gang der
Arbeit und die Feste, "das Baden der Matte" usw. beschreibt. Diese
Matten
sind von größter Bedeutung im Leben. Die Braut trägt und gibt sie als
Hochzeitsgabe, der Häuptling beschenkt damit seine Diener, der
Großhäuptling
bezahlt durch sie die ihm zuteil gewordenen Titel, und nach seinem Tode
schenkt sie seine Familie an seine treuesten Untertanen. Auch die weißen
Zottenmatten 'ie sina sind wertvoll. Geringen Wert dagegen haben die
Rindenstoffe
siapo, die aus dem Bast des
Papiermaulbeerbaums
geklopft, mit Stärke geklebt und bemalt werden, mit Matrizen oder aus
freier Hand. Von großer Bedeutung ist auch die Kawa
(sam. 'ava). Schon beim täglichen Genuß wird Feierlichkeit beobachtet,
besonders aber bei hohen Gästen und bei Festen. Die Titelhäuptlinge
hatten
ehedem eine eigene Kawakauerschar 'aumaga, aus Jünglingen bestehend,
welche
die Wurzel des Piper methysticum kauten. Es ist aber unrichtig, wenn
angegeben
wird, daß die gekaute Kawa in die Kawaschüssel gespuckt werde. Es ist
eine besondere Kunst, im ausgespülten Mund möglichst speichellos zu
kauen;
eine rollbare Kugel soll das Ergebnis sein. Bei kleineren Festlichkeiten
wird die Kawa von der Dorfjungfer (taupou [s. Tafel 174]) bereitet. Sie
sitzt vor der Schüssel, rechts und links ein Mädchen, eine Wasser
zugießend,
die andere den Seiher ausschlagend, mit dem die Rückstände der Wurzel
aus der gelblich trüben Flüssigkeit gehoben werden. Ist das Getränk
fertig,
wird in die Hände geklatscht und dann wird mit dem Seiher, der wie ein
voller Schwamm über die Schüssel gehoben wird, der Kokosbecher ipu
gefüllt.
Ein Jüngling oder ein Mädchen bietet ihn mit graziösem Schwung dem an,
den ein Sprecher feierlich ausruft. Bei den großen Häuptlingen sind
besondere
Bechernamen und Zeremonien im Gebrauch. An den Zeremonien und Festen
beteiligt
sich die Dorfjungfer, meist als Staatsperson; sie bereitet Kawa,
empfängt
die Gäste, führt den Tanz an oder die Essenshuldigung, dabei geschmückt
mit dem Kopfputz aus gebleichten Haaren und Trauben von roten
Papageifedern,
welche durch einen Dreistab zurückgehalten werden; darunter schimmert
auf der Stirn das mit Nautilusschalstücken besetzte Band, und um den
Hals
reiht sich wie ein Strahlenstern die Walzahnkette. Der mit duftendem Öl
gesalbte Körper glänzt, und in den Händen wirbelt eine Keule. Als
Tochter
des Häuptlings (in wahrem oder adoptiertem Sinn) wird die Dorfjungfrau
wie eine Königin in ihrem Dorf, wo sie die erste der Mädchengemeinschaft
(aualuma) ist, und bei hoher Abkunft in weiterem Umkreis gehegt und
gepflegt.
Sie hat zum Schutze ihrer Jungfrauschaft ein Gefolge von älteren Frauen,
und wenn ihre Eltern und der Dorfrat gemeinsam einen passenden Jüngling
von Geblüt finden, der sie freit, so wird sie auf öffentlichem malae,
dem Dorfplatz, vor versammeltem Volke defloriert, und die mit Blut
getränkte
weiße Zottenmatte bildet den Stolz der Familie. Mißlang die Probe, so
wurde das Mädchen oft erschlagen. - Jede Familie hat einen Ältesten,
matai,
der den Familiennamen besitzt; alle übrigen haben nur kleine Namen. Der
Älteste sitzt im Rundteil des großen Hauses; hinzukommende Leute gehen
gebückt ins Haus und lassen sich sofort nieder in kreuzbeinige
Sitzstellung.
Der Älteste begrüßt zuerst. Er ißt für sich und z uerst. Die Jugend ißt
hinterher, sozusagen was übrig bleibt. Es ist Sitte, den andern etwas
abzugeben, besonders Gästen. Man ißt nie etwas für sich allein. Bei
Reisegesellschaften
gilt dreitägiges Gastrecht. Man macht nicht Lärm in der Nähe des
Häuptlinghauses,
singt nicht im Vorübergehen, nimmt eine Last von den Schultern und eine
Kopfbedeckung ab, Kinder werden vom Rücken genommen usw. Hai,
Schildkröte,
Bonito, Flußaale sind die 4 "heiligen
Fische" der Häuptlinge, die zuerst vor sie gebracht werden.
Achtungsverletzungen
ziehen je nach dem Grade Prügel bis Totschlag nach sich. Rechtlich gibt
es keinen Schutz, aber es sind Zufluchtsstätten, Asyle, vorhanden, deren
Erreichung rettet; besonders sind solche einige Häuser berühmter
Häuptlinge,
gelegentlich auch ein Baum. Gottesurteile waren im Schwang, z. B. das
Beißen in eine giftige Frucht, Auffangen giftstacheliger Esche usw. Strafen
durch Zauber bei Bruch von Tabù (tapui) waren Krankheit, Dämonenbiß,
Hornhechtangriff
und unzählige andere. -Selbstmord geschieht fast immer durch Erhängen.
Todesstrafe bei Mord durch Festschnüren an eine
Kokospalme. - Als Testament gelten
die Abschiedsworte (mavaega), die bei den großen Titelhäuptlingen sehr
beachtet wurden, namentlich innerhallb der Groß - Familien, von denen
die Salevalasi und Safenunuivao in Atua und die Satuala und Taulagi in
Aana die bekanntesten sind. Das Erbrecht ist agnatisch. Erbberechtigt
sind in erster Linie nicht die eigenen Kinder, sondern der Bruder oder
dessen Kinder (Dr. Schultz). Das heilige Verhältnis zur Schwester und
zum Schwestersohn (tamasà) wurde schon berührt.Bei Tod von Häuptlingen
wird das Haus von Gästen nicht mehr besucht, und die Dorfstraße wird
nicht
mehr begangen; ebenso war, die Lagune tabù. Die Trauernden schnitten die
Haare kurz, schlugen sich blutig, brannten sich Wunden und schnitten
Fingerglieder
ab. Aufbahrung auf Mattenthron. Früher Einbalsamierung. Leichenfeuer,
Spiele, Tänze, Essen, Demolierung von Dorfgut durch die Leibgarde.
Danach
Austeilung von leinen Matten an die Diener und Häuptlinge, vor allen
Dingen
an die Schwester. -Die Seele von Unbeerdigten oder Verlorengegangenen
wurde sinnbildlich in Tieren gefangen, die auf ein ausgebreitetes Stück
Zeug flogen, um dann mit diesem beerdigt zu werden. Nachher wanderte sie
nach dem Westkap von Savai'i, wo bei Falealupo der Eingang im Meere zur
Totenwelt, zum Pulotu, ist, zum Elysium oder in den Tartarus Salefe'e.
f) Boot und Haus (s. Tafel
29, 174). Beide weisen für S. eigenartige Typen
auf. Das Auslegerboot wechselt an Größe. Der Bug ist immer vorne vierkant,
achtern spitzig, also nicht an beiden Enden gleich. Ausleger an Backbord. Für
Lagunenfahrzeuge ist der
Raum völlig offen; die Hochseeboote zwecks Bonitofang werden an beiden Enden
gedeckt. Kleine Decke gleichsinnig haben auch die "Zweibug"boote taumualua, weil
sie nämlich vorn und achtern gleich sind. Diese Zweibug haben aber keinen
Ausleger. Es ist durch Literaturangaben belegt, daß sie Nachbildungen
europäischer Walboote sind. Es waren Schlachtschiffe, zuerst im Neunjährigen
Kriege um 1850 verwendet. Dagegen gehört das große Doppelboot alia zu den
Auslegerbooten; denn an Stelle des Schwimmers ist hier ein Bootsleib, nahezu von
gleicher Größe wie das Hauptboot. Beide sind verbunden durch ein viereckiges
Deck, das ein Haus trägt. Mit dem alia wurde in alter Zeit der Verkehr zwischen
S., Fidji und Tonga vermittelt, es ist also diesen
drei Inselgruppen gemeinsam in der Form. Das Segel ist dreieckig und bietet
nichts Besonderes. - Das Haus hat man mit einem umgekehrten Kahn, auf Pfosten
liegend, verglichen. Es sind zwei Hauptarten vorhanden: das rundliche "Große
Haus" für Gäste und das mehr in die Länge gezogene Schlafhaus. Bei beiden ist
mitten ein im Grundriß viereckiges Satteldach, an das sich beiderseits
halbkreisförmig ein Rundteil anschließt. Beim "Großen Haus" ist der Mittelteil
immer nur sehr schmal; der Firstbalken ruht deshalb auf 3 hohen, nahe
beieinander stehenden Säulen. Beim Langhaus wird der Mittelteil von einem
inneren Rahmen mit Stuhlsäulen getragen, der auf Pfosten ruht, wie bei jedem
Haus. Dadurch nur, daß der überstehende Dachrand auf Außenpfosten ruht, wie beim
Großen Haus, sieht es äußerlich diesem in der Konstruktion ähnlich. Der äußere
Pfostenkreis ist unbekleidet, so daß der Wind frei
durchs Haus kann; es sind allerdings Matten vorhanden, die jalousienähnlich
herabgelassen werden können, aber das richtet sich ganz nach dem Belieben der
Insassen. Der Hausboden besteht aus kleinen Korallenkieseln, auf denen die
Matten zum kreuzbeinigen Sitzen und Schlafen ausgelegt werden. Kochhäuser sind
kleine Dächer auf 4 Pfählen. Boothäuser fehlen, sind höchstens für Doppelboote
vorhanden.
g) Krankheiten. Der Gesundheitszustand ist ein sehr guter. Lepra (s.d.) ist selten. Nur Elephantiasis (s. Filarien) tritt hervor namentlich an den
Gliedmaßen,
an den Genitalien, Brüsten usw. Filarien sind häufig im Blute auch von
Weißen, ohne daß Gewebsverdickungen bestehen. Framboesie (s. d.) ist als Kinderkrankheit
verbreitet,
aber nur von geringer Bedeutung; ebenso die Hautkrankheiten, Pityriasisversicolor; der
Schuppenringwurm Tinea imbricata, und der
Borkenringwurm Tinea ircinata (s. Ringwurm).
Von Infektionskrankheiten
kommt nur die Ruhr (s. Dysenterie) nach
Hungersnot
in Betracht; sie trat auch schon nach einer Masernepidemie auf, die
eingeschleppt
worden war. Typhus scheint nur
eingeschleppt
vorzukommen. Malaria fehlt völlig.
Dagegen
kommt gelegentlich Tetanus (s. Starrkrampf) vor, und die Tuberkulose (s.d.)
scheint durch unvernünftiges Kleidertragen befördert worden zu sein.
Näheres
bei Krämer, Die Samoainseln, II. Bd., S. 111 und Anhang dazu: Die
wichtigsten
Hautkrankheiten der Südsee.
Krämer.
8. Bevölkerungsstatistik.
Die Zahl der im Schutzgebiet S. lebenden Weißen beläuft sich nach der letzten
Aufstellung (1. Jan. 1913) auf 415 männliche und 142 weibliche, zusammen 557
Personen. Unter ihnen befinden sich 73 Kinder. Der Nationalität nach sind
darunter 329 Deutsche, 132 Engländer (meist Kolonial - Engländer), 35
Nordamerikaner, 25 Franzosen, 8 Dänen, 5 Schweden, 1 Luxemburger, 1
Österreicher, 9 Schweizer und 1 Japaner. - Die
Mischlingsbevölkerung hat im Jahre 1912 1025 Personen, und zwar 504 männliche
und 521 weibliche betragen. - Die samoanische Bevölkerung beläuft sieh nach der
letzten Statistik (Ende 1912) auf 34 432, 1906 wurden 33 478 Eingeborene
gezählt; es ist also seitdem eine Zunahme von 78 Personen eingetreten. - Die
fremde Farbige Bevölkerung, abgesehen von den
chinesischen und melanesischen Kontraktarbeitern, beläuft sieh nach der letzten
Zählung vom 1. Okt. 1911 auf 507 Köpfe, die ausnahmslos in der Südsee beheimatet
sind. Melanesische Kontraktarbeiter (s. Melanesier und Arbeiter) waren am 1. Jan. 1913 im ganzen 786 im
Schutzgebiet tätig mit 100 Frauen und 20 Kindern. Die Zahl der Chinesen beträgt 2355 Personen, von denen 2343
Kontraktarbeiter (s. Kuli) und 13 freie Chinesen
sind. - Die Bevölkerungsdichtigkeit, alle auf S. lebenden Weißen und Farbigen
inbegriffen, beträgt auf 1 qkm 14,7 Einwohner.
9. Eingeborenenproduktion. Unter den Eingeborenenkulturen nimmt die Anlage
von Kokospalmenpflanzungen den weitaus größten Raum ein. Eine genaue Statistik,
entsprechend der von Europäern angelegten Plantagen, kann bei der
Regellosigkeit, mit der die Bäume im allgemeinen bisher gepflanzt worden sind,
nicht gegeben werden.
Nach den vorhandenen Schätzungen wird man
aber den Bestand an Kokospalmen, die von
Eingeborenen angepflanzt worden sind, auf
rund 850 000 Bäume veranschlagen dürfen.
Soweit die Nüsse nicht unmittelbar als
Nahrungsmittel Verwendung finden, wird der
getrocknete Kern der Kokosnuß als Kopra
(s. Kokospalme) an die zahlreich bestehenden
Handelsstationen verkauft und von
den Kaufleuten exportiert. Der Gesamtanteil der
Eingeborenen an der Kopraausfuhr (s. 11. Handel)
betrug 1912 rund 7700 t.
Pailmwein wie in anderen tropischen Gegenden,
wird von. den Samoanern nicht hergestellt. Dagegen
bereiten sie aus dem Kern
der Kokosnüsse Öl, das sie zu kosmetischen
Zwecken verwenden. Eine Ausfuhr dieses Öls
findet jedoch nicht statt. Die Blätter der Palme
werden außer zu Bedachungszwecken vor allem zur
Anfertigung von Körben, Fächern und Matten
verwendet. Soweit diese Gegenstände nicht zum
eigenen Gebrauch bestimmt sind, werden sie von
den Samoanern meist an die Passagiere der in Apia
anlaufenden Dampfer verkauft. Nennenswert ist
jedoch dieser Handel mit einheimischen
Erzeugnissen nicht. - Die Anpflanzung von Kakao
durch die Eingeborenen ist im Verhältnis zur
Kokospalmenkultur nur sehr gering. Auf der Insel
Upolu sind keine nennenswerten Bestände
vorhanden. Dagegen wurden auf der Insel Savai'i
1910 ca. 21 000 tragende und 7588 noch keinen
Ertrag liefernde Kakaobäume gezählt. Ein
beträchtlicher Teil der von den Eingeborenen in
Savaii im sog. Lealatele - Distrikt angelegten
Kakaopflanzungen sind durch den im Jahre 1905
dort ausgebrochenen Vulkan leider zerstört
worden.
Eine weitere Ausdehnung der Kakaokultur steht
nicht zu erwarten, da die Eingeborenen im
allgemeinen der Anpflanzung der einfacheren und
reichen Nutzen abwerfenden Kokospalme den
Vorzug geben. - Der Ertrag der Kawa - Pflanzungen
(s. Kawa) war eine Zeitlang infolge Raubbaues
ziemlich zurückgegangen. Im letzten Berichtsjahr
(1912/13) betrug die Ausfuhr jedoch wieder nahezu
18 t. - Außer Kopra und Kakao sind noch in kaum
nennenswerten Mengen (s. 11. Handel) Tabak und
Kaffee ausgeführt worden. Die sonstigen
Erzeugnisse samoanisehen Ackerbaues, wie Taro,
Yams, Brotfrucht, Bananen und Bataten, werden
von den Eingeborenen lediglich für den Bedarf im
Lande selbst angepflanzt. - Unternehmungen
europäischen Stils werden von den Samoanern nicht
betrieben, doch befinden sich unter ihnen gute
Bootbauer und Zimmermeister. - Die Viehzucht
der
Eingeborenen erstreckt sich der Hauptsache nach
nur auf Schweine und Hühner. Daneben wird noch
etwas Pferdezucht betrieben, doch ist das
Material
zurzeit noch ziemlich minderwertig. Die Regierung
hat, um die Pferdezucht zu heben, die Einfuhr
von
Hengsten aus der benachbarten Tongagruppe
verboten und neuerdings selbst einen geeigneten
Deckhengst sowie Zuchtstuten aus Neuseeland
eingeführt. - Die Aufzucht von Rindvieh und
Schafen ist bis jetzt von den Eingeborenen so gut
wie noch gar nicht betrieben worden.
10. Europäische Unternehmungen. Eigentliche europäische
Unternehmungen
datieren auf S., wenn man von den Niederlassungen der Missionen absieht,
erst aus dem Ende der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Damals
gründete
(1857) das Hamburger Haus Job. Caesar Godeffroy & Sohn (s.d. u. 11.
Handel)
die erste Handelsniederlassung auf Samoa. Ihr folgten später auch
englische
und amerikanische Unternehmungen. Regelrechte Pflanzungen wurden von
Europäern
erst Ende der 60er Jahre angelegt und zwar zunächst auch wieder von der
ebengenannten Hamburger Firma. Ursprünglich wurde fast nur Baumwolle angepflanzt. Die großen
Arbeiterschwierigkeiten
und wohl auch die für die Baumwolle ungünstige Regenverteilung auf den
Inseln bestimmten die Firma später, die Baumwollkultur ganz aufzugeben
und dafür Kokosnußplantagen anzulegen. Auch die Nachfolgerin der Firma
Godelfroy & Sohn, die Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der
Südseeinseln zu Hamburg (s.d.), die 1879 das gesamte Geschäft der Firma
übernahm, legte den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit auf die Kultur der
Kokosnußpalme.
- Außer den Plantagen der eben
genannten
Gesellschaft sind nennenswerte Palmpflanzungen von Europäern. im
Schutzgebiet
früher nicht angelegt worden, vielmehr befassen sich die Pflanzer seit
der Flaggenhissung hauptsächlich
mit der Kultur des Kakao, neuerdings aber auch mit der Anpflanzung von
gummiliefernden Bäumen, namentlich der Hevea brasiliensis, sowie endlich von
Ananas. - Im Schutzgebiet sind im ganzen 109
Kaufleute
und Händler tätig, welche sich auf 10
größere Handelsgesellschaften
und 27 kleinere Handelsbetriebe verteilen. - An Pflanzungsbetrieben
befanden
sich nach der Statistik von 1912 im ganzen 35 im Schutzgebiet, darunter
sind 9 größere Pflanzungsgesellschaften und unter diesen wieder 2
Kolonial
- Gesellschaften. 82 weiße Beamte, ca.
2600 chinesische und 786 melanesische Arbeiter sind in diesen tätig. Der
Bestand an Palmen bedeckt 4888,6 ha mit
545 647 Bäumen; mit Kakao und 3613 ha bepflanzt. Die Zahl der Kakaobäume
beträgt (1912) 1 162 400. Ertragsfähig sind 3878 ha Palmen mit 398 163
Bäumen und 1513 ha Kakao mit 636 000 Bäumen. Die mit Kautschuk
bepflanzte Fläche beträgt 1160 ha mit 438 167 Bäumen, wovon 413 511 auf
Hevea entfallen. - An gewerblichen Unternehmungen und sonstigen Berufen
sind bis 1912 zu verzeichnen: 10 Bäckereien,
49 Tischler und Zimmerleute, 12 Schmiede und Stellmacher, 3 Wirtschaften
und 2 Erholungsheime, 1 Photograph, 1 Apotheke, 1 Mineralwasserfabrik,
1 Buchdruckerei, 1 Reederei, 1 Baugeschäft, 1 Druckerei, 1 Uhrmacher und
noch einige Schlosser, 2 Sattler und 1 Schneider,
4 Anstreicher und ein Mechaniker und ein Barbier. -Ärzte sind in S.,
einschließlich
der 2 Regierungsärzte, 4 tätig, daneben
befinden
sich daselbst 2 Zahnärzte.
Rechtsanwälte
sind zurzeit in Samoa nicht tätig, dagegen übt daselbst 1 Rechtsagent
seine Tätigkeit aus. Auktionatoren und Agenten sind im ganzen 3 im
Schutzgebiet
ansässig. - Die Viehzucht erstreckt sich in der Hauptsache auf die
Haltung
und Aufzucht von Rindvieh. Daneben wird etwas Pferde-, Schweine- und Geflügelzucht betrieben. Die Deutsche
Handels
-und Plantagen - Gesellschaft hat auch mit Erfolg Maultiere gezüchtet.
- Der Bestand an Rindvieh betrug nach der letzten Zählung (1911) 5456
Stück. Krauß.
11. Handel.
a) Der Handel folgte der Mission (s. 16. Missionswesen). Es waren
allerdings
bei der Ankunft der ersten Missionare im Jahre 1830 schon mehrere Weiße
unter den Eingeborenen ansässig, aber einen nennenswerten Handel dürften
diese Leute kaum getrieben haben. Es waren meist entwichene Sträflinge
von Australien oder weggelaufene Matrosen. Namentlich die Schiffe der
Walfänger waren es ja, welche um jene Zeit vorzüglich den Hafen von
Pagopago
auf Tatuila heimsuchten. Sehr früh wurde auch der Hafen von Apia schon
besucht. Wie die Engländer die kommerzielle Lust der Eingeborenen
weckten,
geht daraus hervor, daß der Kapitän Drinkwater -Bethune vom H. M. S. "Conway"
1838 den Häuptling Pea Pongui zu Apia ermächtigte, einen Hafenzoll zu
erheben, was freilich von D'Urville
nicht anerkannt wurde. Die Engländer setzten um jene Zeit schon einen
Landsmann namens Cunningham zum Konsul ein, und Wilkes schuf einen
Vertreter
der U. S. im Jahre 1839, so daß also 7 Jahre nach der Entdeckung Apia
schon zwei Konsuln hatte. Den dritten, deutschen, Konsul gab es erst 20
Jahre später. Im Jahre 1857 beschloß nämlich das Handelshaus J. C.
Godeffroy
(s.d.) in Hamburg, seine Interessen, die von Indien nach Südamerika
hinüberreichten,
auf S. zu zentralisieren. Die treibende Kraft scheint der Agent August
Unshelm zu Valparaiso gewesen zu sein, der denn auch bald darauf in Apia
sich niederließ, um die Kokosölbereitung zu überwachen und zu fördern.
Im Jahre 1864 ging er aber bei einem Schiffbruch im Fidjiarchipel
zugrunde,
und nur die schwimmenden Ölfässer gaben Kunde von dem Vorfall. Theodor
Weber trat an seine Stelle, welcher statt der Ölbereitung die Trocknung
des Kokoskerns einführte, die jetzt den Weltmarkt beherrscht. Er war
1862
achtzehnjährig nach Apia gekommen und übernahm nach Unshelms Tod
provisorisch
die Leitung der Firma und die Hamburger Konsulatsgeschäfte, beides mit
solchem Geschick, daß er schon nach einem Jahre definitiv damit betraut
wurde. 1868 wurde er Konsul des Norddeutschen Bundes, und 1872 Konsul
des Deutschen Reichs für S. und Tonga. Ab er aber die Handelsbeziehungen
über die ganzen Südseeinseln ausgebreitet hatte und so die Arbeit ins
Ungemessene wuchs, überdies die politischen Gegensätze sich steigerten,
mußten in den achtziger Jahren Berufskonsuln an seine Stelle treten. - Wie
groß der deutsche Handel, wie übermächtig er schon vor 1970 war, zeigt
am deutlichsten ein Aufsatz eines Franzosen, Aube im Tour du monde 1871,
der 1869 mehrere Wochen auf den Inseln weilte. Seit jener Zeit hat die
Firma stetig sich vergrößert, namentlich nachdem sie unter der
Initiative
Webers zur Anlage von Pflanzungen übergegangen und 1879 in eine
Aktiengesellschaft
"Die deutsche Handels -und Plantagen - Gesellschaft der Südseeinseln zu
Hamburg" (s.d.) umgewandelt. worden war. Alle andern geschäftlichen
Unternehmungen
blieben daneben geringfügig und in Abhängigkeit, zumal da die meisten
Handeltreibenden und Ansiedler ehedem zuerst Angestellte der Firma waren
oder sonst in näherer Beziehung zu ihr gestanden hatten. Erst nach der
Besitzergreifung begann ein Wandel sich anzubahnen. - Die
Hauptkonsumenten
für den Handel sind die Eingeborenen, und zwar sind die gangbarsten
Artikel:
Salzfleisch, Fleisch und Fische in Dosen, Hartbrot, Manufakturwaren,
Nähmaschinen,
Lampen, Petroleum und Eisenwaren. -
b) Die gesamte Einfuhr belief sich 1912 auf 4 994 401 M Davon entfallen auf
Verzehrungsgegenstände 1 874 658 M, auf Gewebe und Bekleidungsgegenstände 986
618 M; Metalle und Eisenwaren 184 761 M, auf Spirituosen rund 211 249 M, Tabak und Zigarren
83 326 M. Einen verhältnismäßig großen Betrag macht auch noch das Holz- und
Baumaterial aus, das 1912 im Werte von 563 250 M eingeführt wurde. - Bezüglich
der Einfuhr steht Australien mit den benachbarten englischen Kolonien mit 3 122 186 M noch an erster Stelle. Er
erklärt sich dies aus der Zeit- und Frachtersparnis, bei manchen Waren, wie
namentlich Verzehrungsgegenständen auch daraus, daß sie die lange Reise von
Deutschland nicht vertragen könnten. In zweiter Linie kommt für die Einfuhr
Deutschland in Frage, das 1912 für 986 016 M Waren nach S. verkauft hat. Aus den
Vereinigten Staaten von Amerika gingen Artikel im Gesamtwerte von 459 090 M und
aus England im Betrage von 163 010 M ein. - Der Hauptartikel für die Ausfuhr ist
die Kopra (s. 9. Eingeborenenproduktion), deren Ausfuhrwert 1912 4 069 919 M für
11 201 t betrug. Der Ankauf erfolgt teils in Apia, teils von den über die ganzen
Inseln zerstreuten Handelsstationen.
Außer Kopra wird vor allen Dingen noch Kakao ausgeführt. Die Menge des
ausgeführten Kakaos belief sich im Jahre 1912 auf 733 718 t im Werte von 839 654
M. - Die Ausfuhr von Kautschuk (s. 10. Europäische Unternehmungen) belief sich
1912 auf 12 168 t im Werte von 110 750 M. - Die vierte Stelle im Ausfuhrhandel
nimmt die Kawawurzel ein (s. 9. Eingeborenenproduktion). Dieselbe wurde früher
meist nach den Fidschiinseln, verschifft, neuerdings aber auch zu medizinischen
Zwecken nach Deutschland ausgeführt. Der Ausfuhrwert belief sich im Jahre 1911
auf 22 596 M. Die Menge der ausgeführten Kawawurzeln betrug 12 912 t. Der Rest
der Ausfuhr verteilte sich auf etwas Kaffee und Eingeborenentabak. Im ganzen
betrug die Ausfuhr des Jahres 1912 5 044 485 M, wovon allein auf die Kopra 4 069
919 M entfallen. Hauptausfuhrländer für S. sind Deutschland mit 2 535 768 M und
Australien mit 2 044 477 M.
Im übrigen verteilt sich die Ausfuhr auf die Vereinigten Staaten von Amerika,
sowie in geringem Maße auch auf, andere Länder, wie Rußland und Frankreich. -
Der Gesamthandel belief sich 1912 auf 10 338 860 M, während er im Jahre 1899 vor
der Flaggenhissung nur 3 439 830 M betrug. - An gesetzlichen Bestimmungen über
den Handel ist zu nennen die GouvV. vom Jan. 1911 (Samoan. Gouv. - Bl. Bd. IV
Nr. 2 S. 718), wonach der Handel mit Kopra an eine besondere Erlaubnis geknüpft
ist, und Kopra nur aus abgefallenen reifen Kokosnüssen hergestellt werden darf.
Sodann ist noch geregelt der Kleinverkauf alkoholischer Getränke (GouvV. v. 2.
März 1903, Samoan. Gouv. - Bl. Bd. III Nr. 20 S. 64 ff und Bek. v. 14. April
1907, Samoan. Gouv. -Bl. Bd. III Nr. 54 S. 174). Der Verkauf von alkoholischen
Getränken in Flaschen ist hiernach lediglich den konzessionierten Gastwirten
gestattet. Gänzlich verboten ist im Schutzgebiet der Handel im Umherziehen,
soweit es sich nicht um den Verkauf von
Landesprodukten handelt (GouvV. v. 18. Jan. 1911, Samoan. Gouv. - Bl. Bd. IV
Nr. 2 S. 8/9). Polizeiliche Bestimmungen über die Zeiten, in denen die
öffentlichen Läden geschlossen zu halten sind, enthalten die GouvV. v. 25. Mai
1903 (Samoan. Gouv. - Bl. Bd. III Nr. 24 S. 75) und vom 21. Okt. 1907 (Samoan.
Gouv. - Bl. Bd. III Nr. 58 S. 186). Krämer, Krauß.
12. Verkehrswesen. Das Schutzgebiet hat durch die Dampfer der
Neuseeländischen Dampfschiffahrts - Gesellschaft, Union Steamship Co.,
vierwöchentliche Verbindung mit Neuseeland (Auckland) und Australien (Sydney).
Unterwegs berühren diese Dampfer noch die Tonga- sowie die Fidschi-Inseln, so
daß auch mit diesen britischen Kolonien ein direkter vierwöchentlicher Verkehr
besteht. Seit Juli 1912 hat Samoa auch
wieder Verbindung mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika, und zwar durch
die Schiffe der Oceanie Steamship Company in San Francisco, deren Dampfer gleichfalls
vierwöchentlich zwischen San Francisco und Sydney expediert werden, und dabei
unterwegs Honolulu und die in amerikanischem Besitz befindliche Samoainsel
Tutuila (Pagopago) anlaufen. Von dem letzteren Hafen vermittelt ein
Lokaldampfer in ca. 6-8 Stunden den Verkehr mit Apia. Die Fahrt mit dem Dampfer
der Union Steamship Company nach Apia dauert von Sydney ca. 12 Tage, von
Auckland ca. 8 Tage, von den Tongainseln ca. 2 Tage und v on den Fidschi -
Inseln
ca. 3 Tage. Von San Francisco wird Pagopago
(Apia) in rund 14 Tagen, und von Honolulu in
einer Woche erreicht. Der schnellste Verkehr
mit der Heimat geht über die Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Bei direktem An
schluß ist es auf dieser Route möglich, Apia
von Deutschland aus in ca. 25 - 26 Tagen zu
erreichen, während die Fahrt durch den Suezkanal
via Australien infolge der ungünstigen
Anschlüsse zurzeit nahezu 60 Tage dauert. Vom
Oktober 1914 ab erhält Samoa auch noch
Verbindung mit Deutsch - Neuiguinea und
Niederländisch - Indien durch acht wöchentlich
verkehrende Dampfer des Norddeutschen Lloyd.
Der Schiffsverkehr im Hafen von Apia hat sich
nach der letzten Statistik (1912) auf rund
80 902 t, die Kriegsschiffe nicht mit einbegriffen,
mit 86 Dampfern und 32 Segelschiffen, belaufen.
Nur 5 Segelschiffe waren
deutscher Nationalität, dagegen 85 englischer
und 28 amerikanischer Herkunft. - Der
Lokalverkehr zwischen den einzelnen Inseln
der Samoagruppe wird nach Bedarf durch kleine
Küstendampfer unterhalten. Daneben lassen
die Handelsfirm en zur Bedienung ihrer
Außenstationen Motorboote und Segelkutter
verkehren. - Der Inlandverkehr vollzieht sich,
soweit Fahrstraßen und Reitwege vorhanden
sind, zu Wagen oder Pferd, im übrigen unter
Benutzung der die Insel durchziehenden zahlreichen
Fußpfade. Eisenbahnen, mit Ausnahme einiger
kleiner Feldbahnen, sind bis
jetzt auf den Inseln nicht vorhanden. Flußschiffahrt
kommt. bei dem gebirgsbachartigen
Charakter der meist kurzen Wasserläufe nicht
in Frage. - Fahrbare Straßen befinden sich
in der Hauptsache im Stadt- und Pflanzungsbezirk
Apia und zwar in einer Länge von ca.
76 km. Sodann ist ein fahrbarer Weg an der
Nordwestküste entlang bis an die westlichste
Spitze der Insel Upolu (Mulifanua und Fatuosofia)
angelegt. - An der Nordost- sowie der
Südküste Upolus sind nur geringe Strecken
fahrbar, da hier der Wegebau infolge der Boden
und Küstenverhältnisse (Steilküste) mit erheblichen
Kosten und Schwierigkeiten verbunden ist. - Auch
die Insel Savaii hat einen
sich rings um die Küste ziehenden Weg, der
auf einzelnen kleineren Strecken fahrbar ist.
Der Wagen- und Fahrradverkehr unterliegt in Samoa einer Steuer, die für jeden
4rädrigen Wagen 20 M, für jeden 2rädrigen Wagen 10 M, für jedes Fahrrad 6 M
beträgt (GouvV., betr. die Erhebung einer Wagen- und Fahrradsteuer, vom 17.
Sept. 1908, Sam. GouvBl. Bd. 3, Nr. 69, S. 221 und KolBl. XIX Nr. 23 S. 1146). -
Das Mietsfuhrwesen ist geregelt durch die GouvV., betr. das Mietsfuhrwesen für
den Personenverkehr, vom 31. Dez. 1907 (Sam. GouvBl. Bd. 3, Nr. 64, S. 201 und
KolBl. XIX, 1908, Nr. 6, S. 278). -Polizeiliche Bestimmungen über den Verkehr
auf den öffentlichen Wegen des Schutzgebiets enthält eine unter dem 17. Febr.
1912 erlassene GouvV., die durch Bekanntmachung vom gleichen Tage zunächst für
die Insel Upolu in Kraft gesetzt ist, und unter Berücksichtigung der einfacheren
Verhältnisse im wesentlichen den heimischen, Vorschriften entspricht (Sam.
GouvB1. Bd. 4, Nr. 25, S. 106 und 107 und KolBl. XXIII, 1912, Nr. 11, S.
477/78).
13. Geld- und Bankwesen. In S. war bis zum Jahre 1891
hauptsächlich
der chilenische Silberdollar in Umlauf. Daneben kursierte aber auch
englisches
und amerikanisches Geld. Amtlich wurde
gemäß
Artikel VI, Sektion 4 der Generalakte der Londoner Konferenz vom 14.
Juli
1889 nach Dollars und Cents in der in den Vereinigten Staaten von
Nordamerikm
gültigen Währung gerechnet. Anderes fremdes Geld war aber
nach der ebenerwähnten, Bestimmung der Generalakte noch ausdrücklich
zugelassen.
Der chilenische Dollar war im allgemeinen nicht beliebt, weil er zu sehr
den Schwankungen des Silberwertes auf dem Weltmarkte ausgesetzt war und
somit den Kaufleuten zu sehr die Kalkulation der Warenpreise erschwerte.
Es versuchte deshalb z.B.. die deutschen Handels- und Plantagen -
Gesellschaften
der Südseeinseln, als im Jahre 1891 infolge des Steigens des
Silberwertes
viel Silber außer Landes ging und damit
Geldknappheit eintrat, deutsches Geld in Samoa einzuführen. Allein
dieser
Versuch schlug fehl, denn es gelang nicht, das Geld dem Lande zu
erhalten.
Das Gold ging meistens nach Australien und
St. Francisco, das Silber nach den benachbarten Tongainseln, da es dort
mit dem englischen Silber im Kurse gleichstand. So war zur Zeit der
Flaggenhissung
in Samoa fast nur englisches und amerikanisches Geld im Umlauf. Das
Wertverhältnis
schwankte, im allgemeinen wurden aber 1 L = 4,86 Dollar, 20 M = 4,76
Dollar,
7 chilenische Dollar = 5 Dollar berechnet. Nach der Übernahme der
deutschen
Schutzherrschaft ließ die Verwaltung zunächst, um Schädigungen der
Interessenten
zu vermeiden, den alten Zustand bestehen. Durch GouvV. vom 15. Juni 1901
(KolGG. Bd. 6 S. 345) wurde sodann mit Wirkung vom 1. Juli 1901 ab die
deutsche Reichsmarkwährung im Schutzgebiet eingeführt. Von da ab galten
als gesetzliches Zahlungsmittel die 20 M - Stücke, 10 M - Stücke, 2 M
- Stücke 1 M -Stücke, 50M - Stücke sowie das in Deutschland geltende
Nickel
und Kupfer. Die deutschen 5 M -Stücke und 3 M - Stücke, sowie 1000 M -
Scheine wurden vom Umlauf, weil für die Verhältnisse des Schutzgebiets
nicht geeignet, ausgeschlossen. Dagegen wurden noch die folgenden
nichtdeutschen
Goldmünzen als gesetzliches Zahlungsmittel angenommen und zwar 1 Pfund
Sterling englisch = 20,42 M; 10 Shilling = 10,21 M; 20 Dollar der
Vereinigten
Staaten von Amerika = 83,80 M; 10 Dollar 41,90 M; 5 Dollar = 20,95 M;
2 1/2 Dollar = 10,45 M. Weiter war in obiger Verordnung bestimmt, daß
die öffentlichen Kassen des Schutzgebiets noch auf die Dauer von 2
Jahren
englisches und amerikanisches Silbergeld in Zahlung nehmen sollten,
jedoch
mit der Maßgabe, daß der Shilling nur einer Reichsmark und der Silberdollar
= 4 Reichsmark angerechnet wurde. Mehr als 20 Shilling oder 5
Silberdollar
waren jedoch die öffentlichen Kassen nicht verpflichtet anzunehmen. Das
fremde Silbergeld floß infolge dieser Maßnahmen verhältnismäßig rasch
aus der Kolonie ab, während fremdes Gold sich noch in größeren
Beständen in Umlauf hielt. Bei diesem Zustand verblieb es bis zum 1.
Aug.
1911. Mit Wirkung von diesem Tage wurde sodann durch Bekanntmachung des
Gouverneurs vom 5. Juli 1911 (Sam. GouvBl. Bd. IV Nr. 11 S. 41; KolBl.
Bd. XXII 1911 Nr. 19 S. 704) die V. des RK., betr. das Geldwesen der
deutschen
Schutzgebiete außer Deutsch-Ostafrika und Kiautschou, vom 1. Febr. 1905 (KolBl.
1905 S. 103) in Kraft gesetzt. Seitdem sind gesetzliche Zahlungsmittel
die sämtlichen Münzen, die auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmung im
Reichsgebiet zugelassen sind, jedoch mit der Maßgabe, daß neben den
Reichsgoldmünzen
und den Talern auch die Reichs - Silbermünzen für jeden Betrag in
Zahlung
genommen werden müssen und daß die Nickel- und Kupfermünzen sowohl im
Privatverkehr wie mit den amtlichen Kassen gesetzliches Zahlungsmittel
bis zum Betrage von 5 M sind. Die fremden Goldmünzen dürfen von den
amtlichen
Kassen bis auf weiteres noch zu dem bereits oben erwähnten Kurse in
Zahlung
genommen werden. - Bankinstitute bestehen zurzeit in S. noch nicht. Die
größeren Firmen, namentlich die Deutsche Handels- und
Plantagengesellschaft,
besorgen jedoch gegen entsprechende Provision einzelne Bankgeschäfte,
wie z. B. Geldüberweisungen, Annahme von Depots u. dgl.
14. Verwaltung und Rechtsprechung. An der Spitze der gesamten Verwaltung
steht ein vom Kaiser ernannter Gouverneur. Seit
der Übernahme der deutschen Schutzherrschaft über die S.inseln, d. h. seit dem
1. März 1900, bekleidete dieses Amt der frühere Munizipalitäts - Präsident von
Apia und jetzige Staatssekretär Dr. Solf. Zu seinem
Nachfolger ist im Juli 1912 der bisherige Oberrichter und erste Referent von S.
Dr. Schultz ernannt worden. - Der Sitz des Gouvernements ist Apia auf der Insel
Upolu. Die verschiedenen Dienstzweige, in die das Gouvernement gegliedert ist,
sind das eigentliche Gouvernementsbureau, die Gouvernements - Hauptkasse, das
Ksl. Zoll- und Steueramt, die Dienststelle für Öffentliche Arbeiten, die
Pflanzenuntersuchunggstelle und die Hospitalverwaltung. Als beratende
Körperschaft ist dem Gouvernement ein sog. Gouvernementsrat (s. d.) beigegeben
worden, der aus mehreren amtlichen und außeramtlichen vom Gouverneur benannten
Mitgliedern besteht und in wichtigeren Angelegenheiten, namentlich bei den
Beratungen des Haushaltsvoranschlages, gehört wird. Die Lokalverwaltung für die
Inseln Upolu, mit Ausnahme des Südens der Insel, für Manono und Apolima ist dem
im Jahre 1911 errichteten Bezirksamt in Apia übertragen, Die
Verwaltungsgeschäfte für die Südküste von Upolu sind. einem Stationsleiter mit dem Sitze in Falealili
übertragen. Für die Insel Savai'i besorgt gleichfalls ein Stationsleiter, der
seinen Sitz in Matautu im Nordosten der Insel
hat, die Geschäfte. - Die standesamtlichen Befugnisse werden durch den Ksl.
Bezirksrichter wahrgenommen. Die oberste Stelle der Eingeborenen -
Selbstverwaltung hat bis zu seinem im Februar 1912 erfolgten Tod der frühere
König von Samoa Mataafa, unter dem Titel Alili
Sili (hoher Häuptling), innegehabt. Seine Hauptaufgabe bestand darin, das
Gouvernement in samoanisehen Angelegenheiten zu beraten und dessen Befehle und
Wünsche dem samoanischen Volk zu übermitteln. Nach dem Ableben Mataafas ist
dieser Posten indessen nicht wieder besetzt worden. Der Gouverneur hat vielmehr
im Juni d. Js. auf Grund einer ihm erteilten Allerhöchsten Ermächtigung die
förmliche Abschaffung der Ali'i Sili -
Würde verkündet und 2 Häuptlinge der beiden
einflußreichsten Parteien auf Samoa, nämlich der Tamasese- und Tanu - Partei, zu
Ratgebern (Fautua) der Regierung ernannt. - Entsprechend dem Gouvernementsrat
für die Angelegenheiten der Weißen besteht für die samoanische Selbstverwaltung
ein Rat von 27 Mitgliedern (Faipule), die aus den 14 Distrikten, in die Samoa
eingeteilt ist, vom Gouverneur ernannt sind und jährlich zweimal in Apia tagen.
Während der Zeit, in der keine Beratungen stattfinden, wohnen diese Räte in
ihren Distrikten und sind dort ihrerseits wieder die Vermittler, durch die die
Anordnungen der Regierung an die einzelnen Dorfschaften gelangen. Die Vorsteher
der einzelnen Dörfer (Dorfschulzen) sind die sog. Pulenu'u, denen die nötigen
Ortspolizisten (Leoléo) und Schreiber (Failautusi) beigegeben sind. - Die
Überwachung und Einhaltung der Vorschriften über die samoanischen Pflanzungen
wird von besonders hierfür ernannten samoanischen Pflanzungsinspektoren besorgt.
- Die Aufsicht über die chinesischen Kontraktarbeiter wird von einem durch den
Gouverneur hierzu besonders bestellten Kommissar ausgeübt, der im übrigen dem
Ksl. Bezirksamtmann in Apia unterstellt
ist (GouvV., betr. die chinesischen Arbeiter, vom 6. Jan. 1912; Sam. GouvBl. Bd.
IV Nr. 21 S. 72 ff). Die Gerichtsbarkeit über Weiße und Chinesen wird durch den
Bezirksrichter, das Bezirksgericht und das Obergericht ausgeübt, die sämtlich
ihren Sitz in Apia haben. Die Zuständigkeit dieser Behörden, die mit den
heimischen Verhältnissen verglichen, etwa der des Amtsgerichts, Landgerichts und
Reichsgerichts entspricht (s. Gerichte und
Gerichtsverfassung), erstreckt sich auf die sämtlichen deutschen S.inseln. -
Eine Staatsanwaltschaft im Sinne der heimischen Organisation besteht nicht. Die
Mitwirkung des Staatsanwalts, der diese Funktionen im Nebenamt versieht,
beschränkt sich in Strafsachen auf das eigentliche Hauptverfahren (s. Staatsanwalt). - Die Rechtsprechung in
samoanischen Angelegenheiten ist je nach dem Gegenstand verschiedenen Behörden
übertragen. - Die Freiwillige und streitige
Gerichtsbarkeit in Land-, Namens- und
ähnlichen Angelegenheiten des samoanischen Immobiliar-, Familien- und Erbrechts
obliegt für die Inseln Upolu, Manono und Apolima dem Bezirksamtmann in Apia und
für die Insel Savaii dem Stationsleiter daselbst. Doch hat sich der Gouverneur
vorbehalten, die Verhandlung und Entscheidung auch bereits anhängiger Sachen
selbst zu übernehmen und ergangene Entscheidungen abzuändern. Für den Fall, daß
er diese Befugnisse nicht selbst ausüben will, kann er sie einer für diesen
Zweck besonders eingesetzten Kommission übertragen, die aus dem Gouverneur oder
dem von ihm bestimmten Beamten als Vorsitzenden und einer Anzahl vom Gouverneur
ernannter Weißen und samoanischer Beisitzer
besteht (GouvV. vom 15. Juli 1913, betr. die Landund Namensstreitigkeiten der
Samoaner; GouvB1. IV Nr. 45 S. 209). - Die Zuständigkeit für Ehesachen, die
früher in den Händen der eingeborenen Richter
lag, ist seit 1904 dem Ksl. Referenten und
Oberrichter beim Gouvernement übertragen. - Soweit in einem Zivilrechtsstreite
oder in einer Strafsache Eingeborene und
Weiße beteiligt sind, unterstehen die Eingeborenen der gleichen Gerichtsbarkeit
wie die Weißen. - Die Aburteilung von Verbrechen und Vergehen Eingeborener liegt
in erster Instanz gleichfalls dem Bezirksgericht ob. -Im übrigen sind für die
Rechtsprechung in rein samoanischen Angelegenheiten mit den oben gemachten
Einschränkungen besondere Eingeborenenrichter (Fa'amasino) in einzelnen
Distrikten bestellt. Gegen deren Entscheidungen ist die Berufung an den Bezirksrichter, gegebenenfalls auch an den
Gouverneur zulässig. Daneben können die Samoauer in wichtigen Fällen auch
unmittelbar den Bezirksrichter anrufen.
15. Kirchen- und Schulwesen. Besondere
Kirchengemeinden im heimischen Sinne
bestehen
in S. noch nicht. Seelsorge und Gottesdienst
werden auch hinsichtlich der in S. lebenden
Fremden ausschließlich von den, dort tätigen
Missionsgesellschaften (s.
16. Missionswesen)
ausgeübt. Regelmäßige Gottesdienste, die von
Europäern besucht werden, läßt die Londoner
Missionsgesellschaft in Apia in der sog.
Fremdenkirche und die Katholische
Mission ebenda
in ihrer Kathedrale abhalten. Eingeborenen -
Gotteshäuser, meist in einfacher Weise aus
Stein im europäischen Stile, zum Teil aber auch
im Stile der samoanischen Häuser gebaut, bestehen
fast in sämtlichen Dorfschaften S.s. -
Das gesamte Schulwesen in S. mit Ausnahme
der Regierun gsschulen ist auf das engste mit
den verschiedenen auf den Inseln tätigen Missionen
verknüpft. Die ältesten Schulen auf S.
sind die im Jahre 1830 von der Londoner
Missionsgesellschaft gegründeten 4 Schulen auf der
Insel Savai'i, denen bald weitere Lehranstalten
auch seitens der beiden anderen
Missionsgesellschaften, nämlich der Wesleyaner
und der katholischen Maristenmission, folgten. So
errichtete die Londoner Mission 1844 ein
theologisches Institut für die Erziehung eingeborener
Priester und Lehrer in Malua. 1875 gründeten die
Maristenbrüder eine von Ordensschwestern
geleitete Schule in Apia, und 1890 wurde von der Londoner Mission eine höhere
Schule für eingeborene Mädchen in Papauta bei
Apia ins Leben gerufen. Bis zur Flaggenhissung war in diesen Missionsschulen der
englische Einfluß vorwiegend. Es bestand zwar auch bereits vor der Übernahme S.s
durch Deutschland eine deutsche Privatschule in Apia, die sich indessen im
allgemeinen, obwohl sie technisch als eine der besten Schulen gelten konnte, nur
geringen Zuspruchs erfreute, weil das englische Element dort nicht genügend
Berücksichtigung fand. Nachdem S. deutsch geworden war, ließ das Gouvernement,
um den Missionen zunächst Zeit
zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse zu geben, den alten Zustand
vorläufig bestehen. Durch Rundschreiben vom 15. Mai 1901 (Sam. Gouv. - Bl. Bd.
III Nr. 9 S. 29) wurde aber dann angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. Juli 1901 ab
die Unterrichtssprache in den Schulen für ingeborene das Samoanische sei, und
daß im übrigen außer der deutschen eine andere europäische Sprache in den
Lehrplan dieser Schulen nicht aufgenommen werden dürfe. Im Jahre 1903 wurde
sodann die deutsche Privatschule in eine Ksl. Regierungsschule für weiße und
Mischlingskinder umgewandelt und mit 2 Lehrern, 1 Lehrerin und 1 Kindergärtnerin
mit 50 Schülern eröffnet. Am 1. Mai 1909 wurde auch noch eine Regierungssehule
für Eingeborene ins Leben gerufen, in der 60 befähigtere Schüler aus anderen
Schulen Aufnahme fanden. - Im ganzen bestehen heute in S. ca. 320 Schulen mit
ungefähr 470 Lehrern und 9- bis 10 000 Schülern. Der Schulbesuch umfaßt ungefähr
33 % der gesamten Bevölkerung, und man kann wohl sagen, daß die gesamte heutige
samoanische Jugend Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Mit Ausnahme der
Regierungsschule für weiße und Mischlingskinder und der beiden Brüder- und
Schwesternschulen der Maristenmission in Apia sind sämtliche Schulen Eingeborenenschulen, die sich in
Dorfschulen, gehobene Schulen und Predigerseminare gliedern.
Ein Schulgeld wird, abgesehen von den Missionsschulen für Nichteingeborene, mit
wenigen Ausnahmen nicht erhoben. Der Lehrplan umfaßt in der Hauptsache die
Elementarlächer, entsprechend dem Unterricht in den deutschen Volksschulen,
daneben Handfertigkeitsunterricht, Anweisung im Ackerbau und an den gehobenen Schulen auch fremde
Sprachen. Deutscher Unterricht wird, abgesehen
von den Regierungsschulen, in 18
Missionsanstalten erteilt. Von den Schulen standen nach der letzten Statistik
167 mit 6843 Schülern im Eigentum der Londoner
Missions - Gesellschaft, 69 mit 1741 Schülern im Eigentum der Wesleyaner
Mission und 80 Schulen mit 1353 Schülern wurden von der katholischen Mission
unterhalten. Daneben besteht noch eine Schule, die von der Amerikanischen
Mormonenmission geleitet wird. Für die Regierungsschule für weiße und
Mischlingskinder ist unter dem 18. Febr. 1904 eine Schulordnung, sowie am
gleichen Tage eine Bekanntmachung über die Unterrichtsgegenstände und die
Stundenzahl erlassen worden (Samoan. Gouv. - Bl. Bd. III Nr. 35 S. 109 -111).
Schulgeld wird seit 1909 in der Regierungsschule für weiße und Mischlingskinder
nicht mehr erhoben. Dagegen ist die Beschaffung der notwendigen Lehrund
Lernbücher sowie der Schreibmaterialien Sache der Eltern und Vormünder. Die
Regierungssehule für Weiße wurde 1912 von 89 Kindern, darunter 45 deutschen,
besucht. Es wirken an ihr 3 Lehrer und 1 Lehrerin. An der Regierungsschule für
Eingeborene ist ein fachmännischer Lehrer für die allgemeinen Unterrichtsfächer
tätig; daneben erteilt ein Handwerkermeister Unterricht an der ihr
angegliederten Handwerkerschule, und ein
Pflanzungssachverständiger unterweist die Schüler
in der Anlage von Kulturen. Im ganzen ist der
Kursus für die Schüler auf 5 Jahre berechnet. Der
Zweck der Schule ist in erster Linie, brauchbare
eingeborene Gehilfen für die Regierung (Dolmetscher,
Sekretäre, Heilgehilfen u. dgl.) heranzubilden. Krauß.
16. Missionswesen (s. Tafel 131, 133 u. 135). Die
Geschichte der Missionierung
S.s ist mit dem Südseeapostel John Williams (s.d.) aufs engste
verknüpft.
Schon daß er im Jahre 1796 geboren war, im selben. Jahr, als die London Missionary Society (s.
Londoner
Missionsgesellschaft)
begründet wurde, erschien als segenverheißend. Zuerst ein
Eisenhandlungslehrling,
wandte er sich bald der Mission zu und trat mit 20 Jahren die Reise nach
Tahiti an, wo damals der Hauptplatz genannter Gesellschaft war. Williams
widmete sich bald den Herveyinseln. Er entdeckte das Eiland Rarotonga,
wo er, weil es an einem brauchbaren Fahrzeuge mangelte, weitblickend
einen
großen Schoner baute, den "Messenger of Peace". Mit diesem Schiffe, das
mangels eines Experten schief und krumm war, fuhr er dann in Begleitung
des Missionars Barff im Jahre 1830 nach den Samoainseln, nachdem er
vorber
Tonga angelaufen und einen dort weilenden Samoaner, Faula, mitgenommen
hatte. Im August selben Jahres lief das Schiff Matautu auf Savai'i an,
und sie wandten sich zu Fuß dann nach Sapapali'i,
der Residenz des Malietoa Vaiinupò, der
bald darauf in der Taufe den Namen Tavita (David) annahm. Der Tyrann
Tamalaigà
von Manono war wenige Tage vorher in Aana erschlagen worden, und nun
raste
dort der Rachekrieg der Malietoapartei. Williams und Barff ließen 8
farbige
Lehrer an Land und segelten dann wieder fort. Im Oktober 1832 kehrte
Williams
wieder, diesmal zuerst Manu'a anlaufend, wo durch einen im Sturm
vertriebenen
Tahitier das Christentum schon bekannt geworden war. Die Südseite von
Tutuila wurde dann berührt und dort ein Weißer William Gray gefunden,
der schon 3 Jahre unter den Eingeborenen lebte. Auf Upolu waren gar
schon
zwei Weiße. Die Fahrt ging nach Sapapali'i, und dann fand Williams auf
der Suche nach einem guten Hafen die Bucht von Apia, die er als erster
gegen Ende des Jahres 1832 mit dem "Messenger of Peace" besuchte. Über
Manono verließ er dann den Archipel, um erst im Jahre 1838
wiederzukehren.
Er weilte 4 Jahre in England, um eine Bibel in Tahitisprache drucken zu
lassen und um Geld für ein neues Missionsschiff zu sammeln, was ihm
durch
die Begeisterung, welche sein daselbst verfaßtes Buch "Missionary
enterprises
in the South -Seaislands" erweckte, in reichem Maße gelang. Mit der
"Camden",
unter der Führung des Kapitäns Morgan, kam er im November 1838 nach
Tutuila
und Upolu, wo er in Fasito'otai weiterhin zu bleiben gedachte. Eine
Fahrt
nach den Neu - Hebriden im November 1839 sollte nun die dortige
Missionierung
anbahnen. Die Unternehmung endete aber mit der Ermordung des Apostels
auf Erromanga. Während der Abwesenheit des John Williams von 1832/38
ging
das Missionswerk mit Riesenschritten weiter. - 1833 besuchten die
Missionare
Barff und Buzacott auf einem gecharteten Schoner die Samoainseln
vorübergehend,
und 1835 kamen Platt und Wilson von Raiatea und Tahiti, um an Land zu
bleiben. - Im Juni 1836 kam dann die "Dunnottar Castle", welche die 6
weißen Missionare brachte: Buzacott, Heath für Manono, Mills für Apia,
Hardie für Sapapali'i, Barnden und A. W. Murray für Tutuila, wo in Pagopago
schon damals viele Walfänger einliefen. Letzterer war der Verfasser des
Buches: Forty years mission work in Polynesia and New Guinea from 1835
-1875 (London 1876). Bald darauf folgte M'Donald. Barnden nahm das von
Platt und Wilson übersetzte Matthäusevangelium nach Tahiti, und schon
im Jahre 1837 war er mit 2000 gedruckten Exemplaren zurück. Er ertrank
1838 im Vaisigano zu Apia beim Baden. Im Jahre 1838 kam Stair, der eine
Presse brachte, der Verfasser des Buchs: Old Samoa (London 1897). 1839
folgte Pratt, welcher während eines 45jährigen Aufenthaltes, vorzüglich
in Matautu auf Savai'i, das berühmte Werk: Grammar and
Dietionary
of the Samoan language schuf, das 1912 in vierter Auflage, von Newell
neu bearbeitet, herausgegeben wurde. Ein wichtiges Ereignis in der
Geschichte
der London Mission war die Gründung der Station Malua in Aana am 24.
Sept.
1844 durch Hardie und den neu hinzugekommenen Rev. George Turner,
welcher
auch medizinische Kenntnisse besaß und 1861 sein bekannt gewordenes
Buch:
Nineteen Years in Polynesia usw. herausgab. Er war im ganzen 41 Jahre
auf Samoa und Nisbet, der mit ihm gekommen war, 35. Malua wuchs mehr und
mehr zum Hochstift der Eingeborenenlehrer und -prediger heran. Nach
25jährigem
Bestehen hatte es 543 Zöglinge auf das Arbeitsfeld gesandt, nach der
üblichen
Schulzeit von 4 Jahren. Späterhin kamen jährlich ungefähr 25 zur
Entlassung.
Die erste samoanische Bibelausgabe wurde 1862 in einer Auflage von 10
000 gedruckt von der British and Foreign Bible, Soeiety in London. Sie
wurde um 9 Shilling verkauft. 1870 war diese Ausgabe vergriffen, so daß
ein Nachdruck erforderlich wurde. 1894 feierte Malua sein
fünfzigjähriges
Bestehen in Anwesenheit der drei Konsuln und der Kommandanten der
Kriegsschiffe. Es
war der Zentralpunkt der Londoner Missionare in der Südsee, und über 30
Bände waren dort gedruckt worden. - Heute (1912) unterhält diese
Missionsgesellschaft
in Deutsch - Samoa außer Malua noch 6 Stationen: auf Upolu Apia, Papauta
(Mädchenstift),
Falealili, Leulumoega, auf Savai'i
Matantu und Safotulafai (Tuasivi), außerdem 161 kleine Plätze. Es sind
6 weiße Missionare mit 5 Frauen-vorhanden, 2 unverheiratete
Missionarinnen
und 185 farbige Gehilfen. In 167 Schulen werden 3400 Knaben und 3000
Mädchen
unterrichtet. Die gesamte Gemeinde wird auf 23 770 Seelen berechnet. -Im
selben Jahre, 1835, als nach 5jähriger Vorarbeit durch farbige Lehrer
die ersten zwei London - Missionare auf S. sich ansiedelten, kam auch
der erste Wesleyaner, Peter Turner, von Tonga aus hin, und M. Wilson
folgte
ihm bald als zweiter. Sie siedelten sich auf Manono und auf Savai'i in
Satupaitea an, welch letzterer Platz Vorort dieser Mission wurde. Das
war natürlich den London - Missionaren durchaus nicht angenehm, und da
John Williams, der schon 1830 bei seinem Besuch in Tonga vor seiner
Ankunft
in Samoa auf Interessentrennung hingewirkt hatte, zu jener Zeit gerade
in London weilte, dem Sitz der Leitung beider Missionen, so setzte er
einen Vertrag durch, nach dem seiner eigenen Gesellschaft S. vorbehalten
bleiben sollte, während die Wesleyaner sich auf Tonga und Fidji
beschränken
sollten. Die Weisungen an die beiden Wesleysendlinge wurden indessen
nicht
ausgeführt, und Williams vermochte dieselben nur durch die persönliche
Überreichung ihres Reisebefehls am 1. Dez. 1838 zum Abzug zu bewegen,
den anscheinend ihre Anhänger auf S. nur sehr ungern zuließen. In der
Tat behaupten die Wesleyaner, schon vor Ankunft des John Williams Be
ziehungen
zu S. gehabt zu haben. Ihn Jahre 1828 sei ein tonganischer
Eingeborenenmissionar
vorübergehend auf S. gewesen; und die in Tonga weilenden Samoaner hätten
längst den Ruf des Christentums in ihre Heimat getragen. - Den großen
und raschen Erfolg, den die Wesleyaner auf S. hatten, kann man in der
Tat nur so erklären, daß die kirchlichen Fäden schon sehr bald übers
Meer
von Tonga aus gesponnen wurden, das immer über S. zu dominieren
getrachtet
hat. So war denn auch der Abzug von Turner und Wilson im Jahre 1839 nur
ein erzwungener; sollen sie doch nach 4 Jah ren 3000 Mitglieder und 13
000 Anhänger für ihre Kirche gewonnen gehabt haben, denen sie die
Weisung
gegeben haben sollen, der London - Mission sich anzuschließen. Aber
trotzdem
ließen sie einen tonganischen Katechisten, Barnabas Ahogalu auf Manono
zurück, und 1841 sandte König Georg von Tonga, angeblich aus eigenem
Antriebe,
mehrere tonganische Familien unter Führung des Eingeborenenpriesters
Benjamin
Latuselu, ja im folgenden Jahre kam der König selbst, weitere 10
Familien
selbst geleitend. Barnabas Ahogalu kehrte im Jahre 1852, nach 13 Jahren,
in seine Heimat zurück, kehrte aber 1857 wieder, um dann bis zu seinem
Tode im Jahre 1881 sein neues Wirkungsfeld nicht mehr zu verlassen. -
Im Jahre 1857 nämlich sandte die Wesleyanische
Mission, die nun von Sydney aus die Südseemission zu leiten
beschlossen
hatte und sich The Methodist Missionary Society of Australia nannte (s.
Australische Methodisten),
unbekümmert
um die alten Abmachungen wieder einen weißen Priester, M. Dyson, nach
S., und 1860 folgte ihm G. Brown, der segensreich wirkend bis 1874 in
Satupaitea blieb und dann die Leitung der Gesellschaft in Sydney
übernahm.
Mit Begeisterung wurde die Rückkehr der weißen Missionare gefeiert, und
eine neue Blütezeit begann, Aber sie hielt der energischen
festeingesessenen
Londoner Mission nicht die Wage. Es gibt heute nur noch 3 wesleyanische
Stationen: eine in Lufilufi (Atua, Upolu) und zwei auf Savai'i, nämlich
in Gaga'emalae und Satupaitea. Sie haben, 3 weiße Missionare, 4
eingeborene
Pastoren und 140 farbige Gehilfen. Gemeinde ca. 6400 Mitglieder. In 82
Schulen werden gegen 1900 Kinder unterrichtet. - Von amerikanischen
Missionen
sind zu erwähnen The Mission Board of the Seventh Day Adventists von
Washingt
on (s. Adventisten), die in Apia ein
Sanatorium unterhält, und die Mormonen
von Salt Lake City, The Samoan Mission of the Church of Jesus
Christ (s. Mormonen), die 1912 fünf Stationen besaß, auf Upolu, in
Pesega
im Dorf Faleata bei Apia, in Mutiatele (Ort Malaelà) und Mulifanua (Ort
Lalovi), auf Savai'i in Falelima und
Sauniatu. Es sind 12 weiße und ein eingeborener Missionar tätig.
Gemeinde
wird auf 960 Mitglieder angegeben, was viel zu hoch ist. - Endlich hat
sich auf S. die katholische Mission der Väter der Gesellschaft
Mariens (s. Maristen)
niedergelassen,
die in Meppen (Hannover) beheimatet ist.
Der Bischof Bataillon sandte im Jahre 1845 von der nahen Insel U é a
(Wallisinsel)
die Patres Raudaire, der die Station zu
Apia begründete, und Violette, der sich in Lealatele auf Savai'i
niederließ,
der Schöpfer eines guten Dictionnaires, das nur durch Pratts Werk nicht
aufzukommen vermochte. Wahrscheinlich der Großvater Mata'afas war es,
der im Jahre 1835 auf Uea strandete und bei den katholischen Priestern
freundliche Aufnahme fand. Raudaire brachte eine Empfehlung des
Oberhäuptlings
der Wallisinsel und ein dort bekehrtes Ehepaar für seinen Einzug mit,
und der alte Mata'ala nahm ihn denn auch freundlich auf, ließ sich aber
erst 1859 taufen, während seine Nichte und sein Sprecher bald Katholiken
wurden. - 1846 kamen 2 Patres zur Verstärkung, und auch der Bischof
machte
eine pompöse Besuchsreise über die Inseln, blieb sogar später einige
Jahre
(52 - 56) in Apia, wo er dem englischen Konsul W. T. Pritchard, dem
Autor
des wertvollen Buches: Polynesian Reminiscences (Lond. 1866), das
Grundstück
am Mulivaifluß 1852 abkaufte, auf dem heute die große Steinkirche und
die Missionsgebäude stehen. Im Jahre 1856 kam der Pater, der spätere
Bischof
Elloy, dem als Bischöfe Lamare und Broyer folgten, denn Apia
ist seit 1851 der Sitz des apostolischen Vikars über ganz S. und die
Tokelauinseln.
1865 wurde Pagopago auf Tutuila besetzt. 1812 hatte die katholische
Mission,
deren französische Mitglieder jetzt durch deutsche ersetzt sind,
folgende
Stationen inne: auf Upolu: Apia, Aleipata, Falefà, Moamoa, Leulumoega, Lotofaga,
Safata; die Station Manono; auf Savai'i: Falealupo, Palauli, Safotu, Safotulafai und
Sataua.
Außerdem noch 63 Nebenstationen. Es sind vorhanden 17 weiße und 4
eingeborene
Priester, 2 Laienbrüder, 13 weiße
und 10 farbige Schwestern, außerdem
78 eingeborene Katecheten, Gemeinde ca. 7900 Seelen und 170 Katechumenen. Das Apostolische Vikariat der
Schifferinseln, wie die
katholische
Kirche ihr Missionsgebiet nennt, umfaßt neben Deutsch - S. a.
Amerikanisch
- S. - Die Summe der Gemeindemitglieder aller Missionen ist höher als
39 000, während die amtliche Zählung für Eingeborene 33 550, für
Eingeborene
und Weiße etwas über 34 000 angibt. Dies muß man bei der Beurteilung
berücksichtigen.
Krämer.
17. Geschichte (Politische Geschichte bis zur Flaggenhissung
s.u. 7d).
a) Entdeckungsgeschichte. Der holländische Admiral Arend Roggeveen (s.d.) entdeckte die 3 Inseln von
Manu'a
am 14. Juni 1722, die er insgesamt Boumanns Eylanden nannte, nach dem
Kapitän des zweiten Schiffes "Thienhoven", (das Admiralschiff hieß
"Arend").
Als am folgenden Tage Tutuila gesichtet wurde, erhielt dieses den Namen
"Thienhoven", und Upolu wurde "Groeningen" getauft., Niemand landete.
Der zweite Besucher S.s war Louis Antoine de Bougainville (s.d.) mit den beiden Schiffen
"La Boudeuse" und "L'Étoile". Auch
er lief, von Osten kommend, zuerst Manu'a an, wo er am 3. u. 4. Mai 1768
weilte, ohne daß irgend jemand an Land gekommen wäre. Am 5. Mai wurde
Tutuila gesichtet. Bougainville (s.d.), dessen Namen ja die deutsche
Salomonsinsel
trägt, galt lange als Entdecker S.s, bis Roggeveens Tagebuch bekannt
wurde.
Die dritte Expedition unter dem unglücksreichen französischen Grafen La
P érouse (s.d.) mit den Schiffen "L'Astrolabe" und "Boussole" betrat
zuerst
auf Tutuila am 9. Dez. 1787 samoanischen Boden, nachdem sie vorher
Manu'a
passiert hatte. Der Verkehr war erst freundlich, nahm aber allmählich
schroffere Formen an, bis am 11. Dez. der berüchtigte Überfall einiger
Schiffsboote in der Bucht von Asu stattfand, dem der Kapitän de Langle
und der Arzt de Lamanon zum Opfer fielen nebst 10 Mann von der
Besatzung.
Tutuila wurde Maouna getauft, Upolu sollte Oyolava, Apolima Calinassé
und Savai'i Pola heißen. - Im. Jahre 1790 wurde, zum erstenmal der Hafen
Pagopago an der Südseite von Tutaila durch den englischen Kapig, tän
Edwards
besucht mit der "Pandora". Auch hierbei kam es zu einem Zusammenstoß mit
den Eingeborenen, aber ohne schlimme Folgen. Endlich stattete der
russische
Kapitän Otto von Kotzebue (s.d.) 1824 an Bord der "Predpriatie" dem
Archipel
einen Besuch ab, alle Inseln von Ost nach West berührend. Bald danach,
wenn nicht schon früher, haben sich die ersten Weißen unter den Samoanem
niedergelassen. Sicher waren solche um 1830 schon auf einer oder der
andern
Insel, als die ersten Missionare (s. 16. Mission) nach S. gelangten. Nun
wurden plötzlich die richtigen Inselnamen bekannt, vor allem auch die
Grundzüge der Fauna, Flora und Anthropologie, besonders durch die,
Expedition
des Kapitän Dumont d'Urville (s.d.), der mit den Schiffen "l'Astrolabe"
und "La Zelée" und den Naturforschern Hombron und Jacquinot im Jahre
1836
eine Woche im Hafen von Apia blieb. Endlich führte der amerikanische
Kommodore
Charles Wilkes mit 4 Schiffen, die 7 Gelehrte an Bord hatten, im Jahre
1839 eine fliegende Vermessung des Archipels aus, so daß also ums Jahr
1840 Samoa als bekannt gelten durfte, freilich vielfach noch recht
ungenügend.
Über die Tätigkeit der Missionare, namentlich auch in wissenschaftlicher
Hinsicht, s. den vorhergehenden Abschnitt. Hier seien die Forschungen
durch vorübergehende Besucher weiter verfolgt. Zwischen 1830 und 1840
hatten zweifellos mehrere Walfänger, Handels- und Kriegsschiffe die neu
erschlossenen Inseln angelaufen, so von letzteren H. M. S. "Conway"
1838,
dessen Kommandant Drinkwater -Bethune einiges über S. veröffentlicht
hat.
Diese Besuche mehrten sich nach 1840 zusehends, nachdem auch ein
englisches
und amerikanisches Konsulat dort eingerichtet worden war (s. 8. Handel).
Nur wenige sind bekannt. 1843 brachte H. M. S. "Daphne" den Konsul
Pritchard
von Tahiti nach S., dessen Buch "Polynesian Reminiscences usw." sehr
viel
des Interessanten aus dem alten S. brachte; 1848 kam H. M. S.
"Collingwood",
dessen Fahrt Walpole beschrieb, 1849 "Havannah", durch Erskine bekannt
geworden und 1862 "Fawn", worüber uns der Geologe Hood wertvolle
Aufzeichnungen
hinterließ. Um diese Zeit hatte das Godeffroysche Handelshaus von
Hamburg
auf S. festen Fuß gefaßt, und es ist eine bekannte Tatsache, daß der.
Senior des Hauses, Johann Cesar, zwecks naturwissenschaftlicher und
völkerkundlicher
Sammlungen geeignete Leute nach der Südsee sandte, unter denen nur
Graeffe,
Kubary (s.d.) und Storck genannt seien. Auch späterhin hat die Firma zu
Apia den Forschern häufig Hilfe und Hausung gewährt. Aus der letzten
Zeit,
zu Ende des 19. Jahrh., sei der Botaniker Dr. Reinecke (s.d.) noch genannt, welcher, 1893/95
draußen
weilte, zur selben Zeit, wie an Bord S. M. S. Kreuzer "Bussard" der
Marinearzt
Dr. Augustin Krämer (s. d.), der 1897/99 ein zweites Mal beurlaubt, auf
den Inseln weilte, zwecks Ausarbeitung einer Monographie: Die
Samoainseln,
die 1902 und 1903 bei Schweizerbart in Stuttgart erschien.
b) Geschichte Samoas seit der Flaggenhissung. Nach der am 1. März 1900
erfolgten Hissung der deutschen Flagge war es die wichtigste Aufgabe des
Gouverneurs, den dauernden Unruhen und Fehden unter den S.nern ein Ende zu
machen und damit die Grundlage zu einer friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung
des Schutzgebiets zu schaffen. Dazu war aber vor allen Dingen die endgültige
Beseitigung der samoanischen Königswürde nötig, denn um sie stritten sich seit
Jahren die zwei mächtigsten Parteien, die sog. Malietoa- und die Mataafa -
Partei (s. unter 7 d). Die Malietoaleute hatten ihre Hoffnung auf eine Übernahme
der Insel durch England gesetzt, die Mataafapartei wünschte die Besitzergreifung
durch Deutschland, um. unter dem Schutz der deutschen Flagge Mataafa auf den
Königsthron zu erheben. Die letztere Partei war die mächtigere, sie betrug
ungefähr 5/6 der ganzen Bevölkerung, und sie verlangte von dem Gouverneur
nachdrücklichst, daß er den Häuptling Mataafa als König einsetze und anerkenne.
Diesem Verlangen konnte indessen der Gouverneur nicht nachgeben, da dann mit
Sicherheit nach kurzer Zeit Unruhen seitens der in diesem Falle unterlegenen
Malietoapartei zu erwarten gewesen wären. Der Gouverneur mußte somit auf einen
Ausweg sinnen, der beiden Parteien einigermaßen gerecht wurde, denn mit Gewalt
hätte er gegenüber der über 30 000 Köpfe starken samoanischen Bevölkerung
mangels jeglicher Militärischer Machtmittel nichts ausrichten können. Es gelang
ihm dann auch nach langwierigen mühevollen Verhandlungen einen Kompromiß
zustande zu bringen, mit dem sich, wenn auch widerstrebend, beide Parteien
abfanden. Mataafa verzichtete endgültig auf die Königswürde, und als
Gegenleistung hierfür wurde ihm der Titel Ali'i - Sili, d.h. hoher Häuptling,
zugestanden. Auch die Einrichtung einer samoanischen Selbstverwaltung gelang im
Anschluß daran
nach weiteren langwierigen Verhandlungen. In einer feierlichen Versammlung
vereidigte der Gouverneur unter Mitwirkung der verschiedenen Missionen den zum
Ali'i - Sili eingesetzten Mataafa und die übrigen eingeborenen Beamten auf die
deutsche Flagge und händigte ihnen ihre Anstellungsurkunden aus. Da. bei erließ
er eine Proklamation in samoanischer Sprache, in der die Grundzüge der
samoanischen Selbstverwaltung, sowie die Einsetzung des Ali'i - Sili und die
Betrauung der übrigen Häuptlinge mit den einzelnen Ämtern feierlich verkündet
wurden. Nachdem auf diese Weise Ruhe und Frieden im Lande hergestellt und die
Grundlagen zu einer geordneten Verwaltung geschaffen waren, war es die nächste
Aufgabe des Gouverneurs, durch dauernde Fühlungnahme mit den Eingeborenen für
die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen, und dazu gehörte vor allen Dingen
auch die bereits zur Zeit der Dreiherrschaft angestrebte Entwaffnung der S.ner.
Bei dem Verlangen, die Waffen abzuliefern, konnte sich der Gouverneur auf ein
bereits der internationalen Kommission gegebenes Versprechen beziehen, und
nachdem die Auszahlung der von den drei Mächten seinerzeit zugesagten
Entschädigung für die abgelieferten Feuerwaffen geschehen war, erließ der
Gouverneur Ende 1900 eine Proklamation, in der er die Herausgabe sämtlicher
Waffen verlangte. Noch vor Ablauf der festgesetzten Frist wurden am 27. Jan.
1901, also zu Kaisers Geburtstag, über 1500 Gewehre und eine beträchtliche Menge Munition abgeliefert. Bei dieser Sachlage konnte
der Gouverneur einen Schritt weitergehen und versuchen, die S.ner zur
Entrichtung von Steuern heranzuziehen. Er erließ
eine Proklamation, in der er die Eingeborenen aufforderte, per Kopf der
männlichen Bevölkerung 4 M Steuern zu zahlen. Als Zweck der Steuer wurde
Verwendung der eingehenden Gelder für die Gehälter der samoanischen Beamten und
für sonstige Zwecke der Eingeborenenverwaltung angegeben. Auch dieser Versuch
gelang wider Erwarten gut, denn die Kopfsteuer ging pünktlich ein, und wurde, wie
zugesagt, für die erwähnten samoanischen Zwecke verwendet. - Neben diesen
Maßnahmen für die Eingeborenenverwaltung mußten sodann auch die erforderlichen
Anordnungen für die Verwaltung der Angelegenheiten der fremden Bevölkerung in
Samoa getroffen werden. Dem Gouvernement wurde diese Aufgabe dadurch
erleichtert, daß in Apia in dem sog. Munizipal - Couneil bereits vor der
Flaggenhissung eine geordnete Verwaltung bestanden hatte, die es sich zur
Aufgabe gemacht hatte, in der Niederlassung der Fremden ein geordnetes
Kommunalwesen einzuführen. Dieser Munizipalitätsrat konnte natürlich mit der
Übernahme der deutschen Herrschaft in der bisherigen Form nicht weiter bestehen,
der Gouverneur ließ aber die damit in Wegfall
gekommene gesetzgebende Körperschaft unter dem Namen Gouvernementsrat (s. d.)
wieder als beratenden Bügerausschuß, ins Leben treten. Um die nationalen
Gegensätze auszugleichen, wurden in den aus 7 Mitgliedern bestehenden Rat auch 2
Engländer gewählt. Außerdem traf sodann der Gouverneur im Verordnungswege die
nötigen Anordnungen wegen Einrichtung einer geordneten Rechtspflege, der
Neuordnung der Zoll- und Finanzverwaltung sowie der Regelung des Grundbesitzes,
von denen namentlich die letztere mit besonderen Schwierigkeiten v erbunden war.
- In den nächsten Jahren wurde sodann die Organisation der Verwaltung sowohl
hinsichtlich der Weißen wie auch der Eingeborenen weiter ausgebaut. Auch auf der
Insel Savaii wurde ein weißer Beamter ernannt, dem die Aufgabe zufiel, für die
Durchführung der Anordnungen auf dem Gebiete der samoanischen Selbstverwaltung
Sorge zu traggen. - Eine erhebliche Rolle im Leben der Eingeborenen spielten
noch in den nächsten Jahren die Land- und Titelstreitigkeiten. Um auch diese in
geordnete Bahnen zu lenken, setzte der Gouverneur
am 28. Febr. 1903 eine Land- und Titelkommission ein, die aus dem Kaiserlichen
Richter als Vorsitzenden und mehreren, teils weißen, teils eingeborenen
Beisitzern bestand (s. 14. Verwaltung u. Rechtsprechung). - Die Einrichtung hat
sich bewährt und hat bis heute zur Zufriedenheit der beteiligten Eingeborenen
gearbeitet. Bei dem unruhigen Charakter der Samoaner, die bis zur Flaggenhissung
infolge ihrer Parteistreitigkeiten last dauernd in gegenseitiger Fehde lagen,
war vorauszusehen, daß auch nach Herstellung geordneter Zustände Rückschläge
nicht ausbleiben und da und dort Versuche gemacht würden, sich gegen die
bestehenden Gesetze und Verordnungen
aufzulehnen. So kam es einmal im Jahre 1904 anläßlich der wegen Unbotmäßigkeit
erfolgten Verhaftung eines Häuptlings zu Ausschreitungen, indem die Anhänger des
Häuptlings diesen mit Gewalt aus dem Gefängnis befreiten, doch gelang es auch
hier der Geschicklichkeit des Gouverneurs, die Gemüter bald wieder zu beruhigen,
und die unbotmäßigen Eingeborenen brachten den befreiten Häuptling wieder selbst
zurück. - Zu einer weiteren Störung im politischen Leben der Eingeborenen gab
1904 der niedrige Stand der Kopra auf dem Weltmarkt Anlaß. Den Samoanern
erschien der damals gezahlte Preis von 5 M pro Pfund so außerordentlich niedrig,
daß sie glaubten, zur Selbsthilfe greifen zu müssen. Sie erörterten in
zahlreichen aufgeregten Versammlungen den von dritter Seite ihnen zugebrachten
Gedanken, das Kopra- und Warengeschäft selbst in die Hand zu nehmen und nach Art
eines Konsumvereins eine Gesellschaft, "Oloa" genannt, zum Verkauf von Kopra und
Einkauf von Waren zu gründen. Da sich die Gemüter über den gefaßten Plan immer
mehr erhitzten und im übrigen angesichts der großen geschäftlichen
Unerfahrenheit und Unzuverlässigkeit der S.ner die Gründung. eines derartigen
Unternehmens als völlig aussichtslos erschien, so bemühte sich der Gouverneur
mit allen Kräften, die Bewegung zugunsten dieser "Oloa" zu ersticken. Die von
ihm angewandten Maßregeln hatten auch, zumal die Koprapreise wieder stiegen, den
Erfolg, daß die Samoaner den Gedanken an die Gründung der Gesellschaft
allmählich wieder fallen< ließen. Einige
Häuptlinge, die den Ermahnungen des Gouverneurs am längsten Widerstand geleistet
hatten, wurden durch Verbannung bestraft, und auch diese Maßregel wurde von den
Samoanern ruhig hingenommen. - Dem Gouverneur gab der Vorfall einen willkommenen
Anlaß, die samoanische Selbstverwaltung auf Grund der gewonnenen Erfahrungen
umzugestalten. Er schaffte die Zentralvertretung, die die Samoaner bis dahin in
dem ständig in Mulinuu bei Apia tagenden, aus Taimua (Oberhaus) und Faipule
bestehenden Parlament, dem sog. "Maló", gehabt hatten, ab. Desgleichen hob er
auch die Einrichtung der Distriktshäuptlinge auf und verlegte den Schwerpunkt
der Lokalverwaltung in die einzelnen Ortschaften. An Stelle des alten "Maló"
wurde ein neues, nur aus "Faipule" bestehende Körperschaft eingesetzt, die
lediglich zweimal im Jahre zu Beratungen vom Gouverneur einberufen wurde. In
dieser Form besteht das "Malò" bis heute fort und hat sich gleichfalls gut
bewährt. - Die nächsten Jahre brachten eine ruhige Weiterentwicklung in der
gesamten Verwaltung des Schutzgebiets. Zu
erwähnen ist aus dieser Zeit die Einführung chinesischer Kontraktarbeiter, die
erstmals im Jahre 1903 erfolgte und die erst die richtige Ausbeutung des in
hohem Maße fruchtbaren Landes gestattete, sowie ferner die Regelung der Land-
und Kreditfrage, die der Gouverneur im Jahre 1907 zum Schutze der Eingeborenen
vornahm. Der Übergang samoanischen Landes an Nichteingeborene, sei es durch
Verkauf, Verpfändung, Verpachtung oder auf andere Weise, wurde mit wenigen
Ausnahmen verboten (die an Stelle der früheren Bestimmungen getretene V. vom 1.
Nov. 1911, Samoan. Gouv. - Bl. Nr. 18 S. 61). Auch das Schuldenmachen wurde bei
Strafandrohung verboten (Bek. vom 10. Jan. 1908, Samoan. Gouv. - Bl. Nr. 3 S.
208). - Im Jahre 1909 kam es nochmals zu einer Bewegung unter den Eingeborenen.
Ein ehrgeiziger Häuptling aus Savai'i, namens Lauati, stellte sich an die Spitze einer reaktionär
- samoanischen P artei, die von dem Gouverneur und zwar im Wege einer
friedlichen Massendemonstration die Wiedereinsetzung des samoanischen Königtums
mit seinen gesetzgebenden Körperschaften, "Tumua"
und "Pule", verlangte. Diese Partei wollte damit
den alten Einfluß, den sie infolge der Aufrichtung der deutschen Herrschaft
verloren hatte, wiedergewinnen. Sie beabsichtigte zwar nicht die Abschaffung der
deutschen Herrschaft, aber sie wollte Samoa nicht als Schutzgebiet, sondern als
Königreich weiterbestehen sehen. Aber auch hier gelang es dem Gouverneur, ohne
daß ein Einschreiten mit Gewalt erforderlich geworden wäre, nach langwierigen
Verhandlungen eine Spaltung zwischen den beiden Parteien "Tumua" und "Pule"
herbeizuführen und damit der Bewegung einen rein samoanischen Charakter zu
geben. Den nunmehr sich entspinnenden politischen Kampf zwischen "Tumua" und
"Pule" vermochte der Gouverneur gleichfalls friedlich beizulegen, und
unterstützt durch das Gewicht einer Flottendemonstration von mehreren großen
Kriegsschiffen, konnte er schließlich die ganze Bewegung unterdrücken und den
Hauptstörenfried Lauati mit 10 seiner Anhänger nach der Marianeninsel Saipan verbannen. Diese Bestrafung der Lauatipartei
und die im Zusammenhang damit erfolgte Flottendemonstration hatte einen
nachhaltigen Erfolg, denn es ist seitdem zu Ausschreitungen auf S. nicht mehr
gekommen. Die Beziehungen zu den Eingeborenen blieben vielmehr gute, und es
gelang ohne Schwierigkeiten im Jahre 1910 eine Verdopplung der Kopfsteuer
herbeizuführen. Daß die Beruhigung eine nachhaltige war, zeigt am besten, daß
das am 6. Februar 1912 erfolgte Ableben des "Ali'i - Sili" (Oberhäuptling Mata'afa) keine Störung der Ruhe unter den
Eingeborenen zur Folge hatte, während früher ein derartiges Ereignis nicht ohne
schwere politische Erschütterungen vor sich gegangen wäre. Ja der Gouverneur
konnte sogar bei diesem Anlaß in der Befestigung der deutschen Herrschaft einen
Schritt weiter gehen, und den doch immer noch etwas an die Königswürde
erinnernden Posten eines "Ali'i - Sili" ganz aufheben. Er erließ auf Grund einer
zuvor eingeholten Allerhöchsten, Ermächtigung eine Proklamation, wonach die
Stelle eines Oberhäuptlings endgültig aufgehoben wurde und statt dessen zwei
einflußreiche Häuptlinge zu Ratgebern der Regierung ernannt wurden, ohne daß
jedoch der Gouverneur an ihren Rat oder ihre Vorschläge gebunden wäre. Auch
diese so einschneidenden Änderungen im politischen Leben der Samoaner, die für
die Festigung der deutschen Herrschaft von der größten Bedeutung waren, wurden
von den Eingeborenen ruhig hingenommen. -Was die wirtschaftliche Entwicklung des
Schutzgebietes seit der Flaggenbissung anbelangt, so war diese dank der
Einführung einer geordneten Verwaltung eine wider Erwarten günstige (s. 10.
Europäische Unternehmungen und 11. Handel); und daß die Einrichtung der
deutschen Herrschaft auch für die Eingeborenen selbst von segensreichster
Wirkung war, geht aus der
erfreulichen Tatsache hervor, daß die
samoanische Bevölkerung seit einigen Jahren,
wenn auch in langsamem, so doch stetigem
Zunehmen begriffen ist. Krämer, Krauß.
Literatur: Augustin Krämer, Die Samoainseln,
2 Bde. Stuttg. 190213, Schweizerbart (E. Nägele). -
Ders., Hawaii, Ostmikronesien und
Samoa. Stuttg. 1906, Strecker & Schröder.
- Nach dieser Zeit ist besonders erwähnenswert die
Sammlung "Sprichwörtliche Redensarten der
Samoaner" von, dem Oberrichter,
jetzigen Gouverneur Dr. Schultz, Apia
1906,
im Verlag von E. Luebke, mit einem besonderen
zweiten Nachtrag 1912, sowie "Samoanisches
Familien-, Immobiliar- und Erbrecht". Apia
1911.
Von demselben. - Ein
neues amerikanisches Buch über "The fishes
of Samoa" erschien im Bulletin of Fisheries.
Vol. XXV. Washington, 1906. - Die neuen
Arbeiten des Samoa -
Observatoriums S. 4, Klima.
Endlich sei nicht vergessen das neue
Südsee - Handbuch des Reichs -
Marineamts, Berl.
1911, sowie die jüngsten 2 Admiralitätskarten,
über Savai'i und Upolu, die auch der Oro.
graphie Rechnung tragen, nur einige unrichtige
Distriktsbezeichnungen aufweisen. -
W. T. Pritchard, Polynesian Reminiscenses.
Lond. 1866. - W. B. Churchward, My consulate in
Samoa. Lond. 1887. - B. v. Werner,
Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee.
1889. - R. L. Stevenson, A footnote to history.
Eight years of trouble in S. (1883 bis 1892).
Neuyork, Scribner, 1893. - F. Reinecke, Samoa.
Berl. 1902. - Moritz Schanz, Australien und
die Südsee. Berl. 1901.
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