Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 250

Sandwichhafen, auch Sandfischhafen genannt, das alte Porto d'Ilheo, eine unter dem Wendekreis südlich vom Gebiet der Walfischbai gelegene Bucht von Deutsch-Südwestafrika. Sie ist, wie manche andere Stelle der südwestafrikanischen Küste, ungemein starken und schnellen Veränderungen unterworfen, die von L. Schultze ausführlich untersucht worden sind. Nach seinen Feststellungen tritt die Tendenz, die Bucht zur Lagune zu schließen und damit völlig vom Meere abzudrängen, in den lebhaften Verschiebungen der Sandmassen klar zutage. S. ist die erste im mittleren Schutzgebiet benutzte Landungsstelle. Ursprünglich kam es wegen der vom Kuiseb dorthinführenden Wege zu Grenzstreitigkeiten mit der Kapregierung. Auch die im Jahre 1889 anlangende erste Verstärkung der Schutztruppe mußte hier gelandet werden, da der britische Resident die Ausschiffung in Walfischbai nicht gestattete. Selbst wirtschaftlich versuchte man diesen Küstenplatz zu benutzen, denn es gab damals dort eine Fischereianlage, auch bestand in jener Zeit ein größeres Schlächtereiunternehmen in der Umgebung des Hafens. Indessen machte sich schon zu jener Zeit die fortschreitende Versandung bemerkbar, und zudem war die Verbindung mit dem Innern über das die Bucht umgebende Dünenland die denkbar schlechteste, so daß der "Hafen" nicht einmal in Wettbewerb mit Walfischbai zu treten vermochte. Als dann im Jahre 1893 Swakopmund in den Verkehr eintrat, geriet die Landungsstelle von S. in Vergessenheit.

Literatur: H. v. Francois, Nama und Damara. Magdebg. - L. Schultze, Aus Namaland und Kalahari. Jena 1907.

Dove.