|
Sansibar (s. Tafel 183),
Insel, Stadt und Sultanat in Ostafrika.
1. Die Insel S. ist die größte Insel des S.archipels (s.d.); sie hat
1522 qkm (nach engl. Quelle 1658), die eng benachbarten kleinen Inseln
mitgerechnet. Über ihre Entstehung s. Deutsch-Ostafrika 2. Trotz ihrer
vielgerühmten Fruchtbarkeit ist die größere Hälfte Ödland, gehobener
pleistozäner
Riffkalk mit steiniger, Verkarstung zeigender Oberfläche: auf dem außer
Kräutern, Gräsern und dünnem Busch nichts gedeiht. Das durch eine
Nordsüdsenkung
gut abgetrennte sö. Drittel von S. gehört diesem Ödland mit Ausnahme
weniger
Flecken ganz an, vom Nordteil nur die kleinere Hälfte. Der wertvolle
Teil
der Insel ist also das Land an ihrer Westküste. Auch hier treten in den
Tälern und in der Anordnung der Höhen, die sich zu 135 m erheben,
nordsüdliche
Linien hervor. Alles ist mit üppiger Vegetation bedeckt; ist doch auch
die Regenmenge der Stadt S., die mitten an der Westküste liegt, 1530 mm
(29jähr. Mittel); im Durchschnitt haben nur 2 Monate des Jahres weniger
als 30 mm Regen, regenlose scheinen zu fehlen. Und in Bunga, genau in
der Mitte der Insel, regnet es im Durchschnitt 20 % mehr als in der
Stadt
S. Ganz S. gehört nach Regen- und Temperaturverteilung noch zum Gebiet
des Monsunklimas. Kokospalme und
Mangobaum,
weiter landeinwärts der Gewürznelkenbaum in unabsehbaren Beständen sind
die Gewächse, die im Landschaftsbild am meisten hervortreten. Dazwischen
liegen sorgfältig angebaute Felder. Die Nelken sind nicht so wichtig wie
auf Pemba (s.d.); im Durchschnitt (1893 - 1905) wurden
jährlich 1508 t geerntet, d. h. nur 24 1/2 % der Gesamternte des
Sultanats
S. Demnächst wird Kopra erzeugt, viele
Agrumenarten
usw. Die Bevölkerung betrug im Jahr 1911: 115 477, also die Dichte 76
oder, wenn man die Stadt S. mit ihren 35 000 Einwohnern ausscheidet, 53.
2. Die Stadt S. besitzt eine von nirgendher ganz leicht zugängliche Reede;
die eine nach NW gelegene Hälfte wird bei Süd-, die nach SW offene bei
Nordmonsun benutzt. Der Kern der Stadt, ein
malerisches Gewirr enger Straßen, liegt auf einer Halbinsel, die eine bei
Niedrigwasser trocken fallende Lagune umschließt. Sechs Dampferlinien, drei
englische, je eine deutsche, französische und italienische verkehren in S. 1911
wurden einlaufend 710 418 Reg. - t gezählt. Ein britisches Kabel geht über Aden
(s. auch Deutsch-Ostafrika, 13.
Verkehrswesen)
3. Das heutige Sultanat S., das britische Zanzibar Protectorate, ist
nur ein kleiner Teil des einstigen Machtbereichs. Außer der Insel S. mit
ihren Nebeninseln und Pemba (s.d.) gehört dem Namen nach noch der an
Britisch
- Ostafrika verpachtete Küstenstreifen dieser Kolonie sowie der Lamu-
(s.d.)
archipel und Kismaju dazu. Einst, nach
dem Rückzug Portugals, dehnte sich die S.küste während, des 18. und 19.
Jahrh. von Uarscheik (2 1/2 ° n.Br.) bis etwas über Kap Delgado (10 1/2 ° s.B.) aus. Das Gebiet S.s wurde
1886 sehr willkürlich auf einen Streifen von 10 Seemeilen Breite vom Kap
Delgado bis Kipini (2 1/2 °s. Br.) festgesetzt, wozu noch Lamu (s.d.), Kismaju, Brava, Merka, Mogadischo und
Uarscheik
mit Umgebungen kamen. - In manchen Teilen dieses Streifens hatte S.s
Herrschaft
nie gegolten; andererseits reichte sein Einfluß vor 1890 bis tief in das
Kongobecken. Noch viel weiter geht die ursprüngliche Bedeutung des
Namens;
S. = Zendj - bar ist bisher, am besten als Negerland erklärt worden. -
Derzeitiger Sultan, nur dem Namen nach
Herrscher, ist Seyyid Khalifa bin Harub, erster Minister ist ein
Engländer;
Großbritannien übt seine Herrschaft durch einen Genetalkonsul aus; S.
untersteht jetzt dem Colonial Office. - Unter der Gesamtbevölkerung der
Inseln S. und Pemba (s. d.) waren 1910 230 Europäer, wovon 121
Engländer,
35 Deutsche, ferner etwa je 10 000 Araber
(s.d.) und Inder (s.d. u. Ibaditen). Drei Missionen waren tätig. - Die
Einfuhr
der beiden Inseln weitete 1911: 24,11, die Ausfuhr 24,38 Mill. M. Unter
letzterer waren 9190 t Nelken für 8,93 Mill. M der größte Posten. Von
dem Gesamthandel, der fast ausnahmslos über die Stadt S. ging, betrug.
der Anteil Englands und seiner Kolonien die Hälfte, der mit D. -O. 6,53,
der mit dem Deutschen Reich 3,19 Mill M (zur Bedeutung des Jahres 1905
s. Daressalam). - Die Zolleinnahmen betrugen 1911:
2,24 Mill. M.
Literatur: K. W. Schmidt, Sansibar, Lpz. 1888. - 0. Baumann, Der
Sansibararchipel. Wissensch. Veröff. d.
Vereins f. Erdk. zu Lei pzig III, 1896/9. - J. Strandes, Die Portugiesenzeit von
Deutsch- und
Englisch -Ostafrika, Berl. 1899. - W. Bornhardt, Zur Oberflächengestaltung und
Geologie D. - O.s, Berl. 1900. E. Werth, Die
Vegetation der Insel Sansibar, Mitteil. des Semin. f. Oriental. Sprachen,
Berlin, III. Abt., 1901. - Ders.,
Lebende und jungto88iie Korallenriffe in
Ostafrika, Z. Ges. f. Erdk. Berlin -VI, 1901. - Handbook for East Africa, Uganda
und Zanzibar 1904 ff. Mombasa. - R. N. Lyne, Zanzibar in contemporary
times, Lond. 1905. - F. Stuhlmann, Beiträge
zur Kulturgesch. von Ostafrika, Berl. 1909. -
H. Schwarze, Die wirtschaftl. Verhältnisse des Sultanats Sansibar. Berl. 1912. -
J. S. Keltie, The Statesmans Year - Book, Lond. 1913. - E. Werth, Streitfragen
zur Morphologie der Küsten, Mitt. des F. von Richthofen - Tages 1913. Berl.
1914.
Karten: Map of Zanzibar Island from surveys made
by Iman Sheril Khan Bahadra (amtlich) 1 : 31 680,
10 Blatt. - Einfahrt nach Zanzibarhafen 1: 50 000. D. Admiral. -K. No. 185 (auch
andere) 1904. - Zanzibar harbour 1: 12 000, Admiralty Chart No. 3211, London
1911 (und andere). Uhlig.
|