Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 295

Schlangen (Ophidia), Ordnung der Reptilien, gekennzeichnet durch den sehr gestreckten, in der Regel "wurmförmigen", mit Schuppen bedeckten Körper. Gliedmaßen sind nur bei den Riesenschlangen (s.d.) in Gestalt winziger Rudimente der Hinterbeine sichtbar; die Augen hegen unter einer durchsichtigen Kapsel, ein äußeres Gehörorgan fehlt. Die meisten S. zeichnen sich durch eine außerordentliche Beweglichkeit der Gesichtsknochen besonders aus. - Die S. bewohnen in mehr als 2000 Arten sämtliche tropischen und gemäßigten Zonen der Erde und verstehen es, sich den verschiedensten Lebensbedingungen vorzüglich anzupassen. Sie sind im Urwalde ebensogut zu Hause wie in der Steppe und selbst der eigentlichen Sandwüste, im Gezweige der Bäume sowohl wie am Boden, ja, die Blindschlangen (s.d.) im Boden selbst und die Seeschlangen (s.d.) auf offenem Ozean. Wohl sämtliche Schlangen sind Raubtiere und nähren sich für gewöhnlich nur von selbst erlegter Beute. Diese besteht ganz überwiegend aus Wirbeltieren aller Klassen, seltener aus Insekten und selbst Mollusken. Giftlose S. ergreifen das betreffende Tier mit den Kiefern, deren spitze, nach hinten gerichtete Zähne ein Entkommen sehr erschweren, und würgen es, unterstützt durch die große Dehnbarkeit ihres Kiefergerüstes, einfach lebendig hinunter, oder sie ersticken ihr Opfer durch Umwindung mit den Schlingen ihres muskelkräftigen Leibes. Riesenschlangen vermögen auf diese Weise selbst mittelgroße Säugetiere zu bewältigen. - Giftschlangen töten das Beutetier regelmäßig durch ihren äußerst wirksamen Biß. Die Verteilung der S.arten innerhalb des Verbreitungsgebietes ist sehr ungleichmäßig. Die Tropen sind natürlich ganz besonders reich. An der Spitze steht Südasien mit seiner Inselwelt, dann folgen Südamerika und Afrika, während Australien und besonders Europa verhältnismäßig arm an Arten sind. So finden sich beispielsweise im Deutschen Reiche nur 6 verschiedene S., darunter zwei giftige. Deutsch-Südwestafrika dagegen beherbergt an 70 Arten (etwa 20 giftige), Kamerun etwa 90 (17 giftige), Deutsch- Ostafrika 118 (24 giftige) und selbst das kleine Togo noch 75 Arten (14 giftige). S. Brillenschlangen, Giftnattern, Giftschlangen, Seeschlangen, Vipern.

Sternfeld -Tornier.