Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 306

Schrift. Die Schreibkunst ist in Afrika seit Jahrtausenden im Gebrauch. Die älteste S.art, die wir hier kennen, ist die ägyptische, die sich aus Bilderund Buchstabenschrift (ein oder mehrere Buchstaben) zusammensetzt. Aus der ägyptischen S. haben sich einige Formen der koptischen S. entwickelt, während diese im übrigen auf dem griechischen Alphabet beruht. Ähnlich steht es mit der altnubischen S. Außerdem gab es bei den Libyern noch eine alte Schreibart, die vielleicht mit südarabischer S. zusammenhängt. Sie findet sich schon in karthagischen Inschriften und ist heute noch bei den Tuareg im Gebrauch. Mit den Karthagern drang phönizische, mit den Griechen und Römern griechische und lateinische S. in Afrika ein. Die abessinischen Semiten brachten von Südarabien die ihnen eigentümliche äthiopische S. mit, die auch den modernen abessinischen S.systemen zugrunde liegt. Schließlich verbreiteten die Araber ihr S.system über Nordafrika und die Küsten Ostafrikas, bis dann christliche Mission und europäische Regierung lateinische S. auch bei den bisher schriftlosen Völkern von Zentral- und Südafrika einführten. Sehr instruktiv ist für die Entstehung der S., daß bei den schriftlosen Völkern sich noch heute allerlei Ansätze zur S. finden, die in vielen Fällen zunächst magischen Zwecken dienen, aber dann auch im Dienste der Gedächtnisunterstützung stehen. In den vierziger Jahren entstand eine moderne Silben - S. bei den Vei in Oberguinea, und erst kürzlich erfand der Häuptling Ndschoya in Bamum (Kamerun) eine Art Silben - S., deren er sich gern bedient.

Literatur: C. Meinhof, Zur Entstehung der Schrift. Zeitschr. für ägypt. Spr. u. Altertumskunde, 49. Bd., 1 -14. - Th. W. Danzel, Die Anfänge der Schrift. Lpz. 1912. H. Schaler u. K. Schmidt, Die altnubischen christlichen Handschriften der Kgl. Bibliothek zu Berlin. Berl. 1907.

Meinhof.