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Schwarzwasserfieber. 1. Definition. 2.
Verbreitung. 3. Ursache. 4. Symptome. 5.
Behandlung und erste Hilfe. 6. Verhütung.
1. Definition. S. (Hämoglobinurie,
Blackwater fever, Febris biliosa haemoglobinurica, fièvre bilieuse
hématurique)
ist eine der gefährlichsten Folgen bzw. Komplikationen der Malaria (s.d.). Das Wesen des S. besteht in einem
akuten Zerfall von roten Blutkörperchen derart, daß Blutfarbstoff (Hämoglobin) im Urin ausgeschieden wird.
2. Verbreitung. S. kommt in vielen, namentlich tropischen
Malarialändern,
besonders bei Europäern vor, allerdings in ungleichmäßiger Verteilung.
Besonders stark ist die Westafrikaküste (Kamerun)
heimgesucht; auch in Deutsch-
Ostafrika,
selbst im Binnenland ist S. häufig. Auch in Neuguinea kommt S., allerdings etwas seltener
vor.
3. Ursache. Die eigentliche Ursache des S. ist noch nicht sicher aufgeklärt.
Die Disposition wird geschaffen durch wiederholte Malariaerkrankung (namentlich
Tropica), insbesondere nach ungenügender
Behandlung. Die Anfälle werden ausgelöst entweder: a) durch ein Medikament, in
der Regel Chinin (s.d.), seltener Antipyrin, Methylenblau, Phenazetin, oder b) durch andere
Gelegenheitsursachen: Erkältung, Überanstrengung, Gemütserregung,
Sonnenbestrahlung, Alkoholexzeß u. dgl.
4. Symptome. Beginn einige Stunden nach Einwirken der Gelegenheitsursache.
Nach intensivem Schüttelfrost steigt die Temperatur schnell hoch. -
Hauptsymptome:
Galliges, mitunter fast unstillbares Erbrechen, Entleerung von blutigrotem bis
schwarzrotem Urin, Angst, Atemnot, Kopfschmerzen, Gelbfärbung der Körperhaut und
der Schleimhäute. Ferner Milz- und Leberschwellung, ev. mit Schmerzen. -
Verlauf: a) entweder günstig: unter Schweißausbruch fällt die Temperatur, der
Urin hellt sich auf, das Allgemeinbefinden bessert sich langsam. Blutarmut bleibt aber oft noch lange bestehen; b)
oder ungünstig: in schweren Fällen kommt es zu Urinverhaltung infolge von
Nierenverstopfung durch zerfallene Blutbestandteile. Das bedeutet stets eine
Lebensgefahr, namentlich wenn die Urinabsonderung nicht in 24 - 48 Stunden
wieder in Gang kommt. Unter schnellem Verfall tritt dann der Tod ein. Die Sterblichkeit ist in manchen Gegenden eine
hohe (10 - 30 %).
5. Behandlung und erste Hilfe. Wenn irgend möglich,
muß sofort ärztliche Hilfe hinzugezogen werden. Ist
solche erst nach einiger
Zeit oder überhaupt nicht zu erreichen, dann
kommen folgende Maßnahmen in Betracht:
Aussetzen mit Chiningaben, Ruhelage,
Diät, reichliche Flüssigkeitszufuhr zum
Durchspülen der Nieren (bei fortwährendem
Erbrechen durch Darmeinläufe, durch Arzt
Kochsalzinfusionen unter die Haut oder
in die Blutadern). Gegen heftiges Erbrechen
gibt man 5 Tropfen Jodtinktur in 1 Glas
Wasser, schluckweise zu trinken, oder man
läßt Eispillen schlucken oder (nach französischer
Vorschrift) von folgender Mischung
eßlöffelweise bis zu leichter Betäubung trinken:
Chloroform 6,0 g, Gummi arab. 8,0 g, Zuckerwasser
250,0 g. - Zur Verstärkung der Herztätigkeit gibt
man Digitalis, eventuell Kampher,
heißen Kaffee oder Tee. Längere Zeit nach Ablauf
des Anfalls hat eine Chiningewöhnungskur unter
ärztlicher Kontrolle, in der Regel
mit 0,01 g beginnend und langsam steigend
bis auf 1,0 g zu folgen. Diese Kuren lassen sich
nur im Krankenhaus unter dauernder Urinkontrolle
sicher durchführen.
6. Verhütung. Die S.disposition, die auch nach Verlassen der Fiebergegend
noch lange bestehen bleiben kann, wird am ehesten durch eine regelrechte
Malariabehandlung und -Prophylaxe verhütet (s. Chininprophylaxe). Die unregelmäßige
Chininprophylaxe, namentlich die mit kleinen ungenügenden Dosen dagegen schafft
die Disposition. Regelmäßige Chininprophylaktiker erkranken viel seltener und,
wenn doch, dann weniger heftig an S.
Literatur: R. Ruge, Malariakrankheiten. Jena
1906, G. Fischer. Mühlens.
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