Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 335 f.

Segler, Macropterygidae, in ihrer Gesamterscheinung den Schwalben gleichend, aber mit sehr abweichender Fußbildung. 2. bis 4. Zehe sind ziemlich gleichlang (bei den Schwalben 3. wesentlich länger als 2. und 4.) und mit auffallend starken Krallen bewehrt. Die Kralle der Hinterzehe ist die kleinste (bei den Schwalben die größte). Die Hinterzehe ist bisweilen nach vorn gewendet. Der Schwanz besteht aus nur 10 Schwanzfedern, bei den Schwalben aus 12; im Flügel sind 10 Handschwingen und 8 Armschwingen vorhanden, bei den Schwalben je 9. Die S. sind über die tropischen und gemäßigten Striche der ganzen Erde verbreitet. Sie sind Luftvögel im wahrsten Sinne des Wortes. Den ganzen Tag über, von Sonnenaufgang bis in die Dämmerung hinein, eilen sie reißenden Fluges, bald mit schneller zitternder Flügelbewegung, bald mit ausgebreiteten Flügeln gleitend, durch die Luft, um ihre Nahrung, kleine Insekten, insbesondere winzige Käferchen, zu erhaschen. Auf die Erde herab kommen sie niemals, weil sie ihrer kurzen schwachen Füße wegen nicht zu laufen vermögen und auch nicht vom Erdboden sich in die Luft erheben können. Selbst die zum Nisten nötigen Stoffe fangen sie in der Luft oder nehmen sie im Fluge von den Bäumen. Zur Ruhe klammern sie sich an Ästen oder Felswänden an oder schlüpfen in ihre Nester. Nur einige Baumsegler (Macropteryx) vermögen wie andere Vögel auf Baumzweigen zu sitzen. Sie nisten gesellig teils in Fels- oder Baumlöchern, in denen sie aus Halmen und Federn mit Hilfe ihres klebrigen Speichels eine Nistunterlage zusammenfilzen, teils bauen sie aus kurzen Stückchen von Blattstengeln, Pflanzenwolle und Federn kleine Nester, die sie mit ihrem Speichel an Baumzweige und Palmblätter ankleben, oder sie mauern ihre napfförmigen Nester ganz aus dem zähen, zur Brutzeit in reichlicher Menge sich absondernden und an der Luft schnell erhärtenden Speichel an Felswänden oder an Baumzweigen (Salanganen). Die Eier sind verhältnismäßig groß, von Walzenform und weißer Farbe. Die Stimme der S. besteht in schrillen Tönen. - In Afrika ist neben der typischen GattungApus die Gattung Stachelschwanzsegler, Chaetura, vertreten, bei der die kahlen Spitzen der starren Schäfte der Schwanzfedern die Fahne stachelartig überragen, ferner eine Gattung Baumsegler, Tachornis, bei der die Zehen in zwei gegeneinander gerichteten Paaren geordnet sind, die beiden äußeren Zehen nach innen, die beiden inneren nach außen gewendet. - Auf Neuguinea und den Bismarckinseln lebt ein schöner Baumsegler, auf Neupommern "Ju" genannt, Macropteryx mystacea. Das Gefieder ist grau mit breitem, aus langen weißen Federn gebildeten Augenbrauen- und Bartstreif. Sein Nest ist ein flaches Näpfchen, aus kurzen Zweigstückchen mit dem Speichel zusammengeklebt und auf einem wagrechten Zweig angeleimt. Es ist so klein, daß es von dem einen, verhältnismäßig großen Ei fast ausgefüllt wird. Der Vogel bedeckt beim Brü ten das Nest nur mit der Mitte des Körpers. - Außer dem Baumsegler leben auf Neuguinea mehrere Arten Salanganen (Collocalia). - Auf den polynesischen Inseln sind die S. nur durch Salanganen vertreten: Collocalia spodiopygia auf Samoa, C. vanicorensis auf den Karolinen, Marianen und Palauinseln. Bekanntlich sind die Salanganennester (eßbare Vogelnester) als Delikatesse besonders in China sehr geschätzt, wo sie namentlich von den Sundainseln eingeführt werden.

Reichenow.