Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 337

Seilbahnen, insbesondere Drahtseilschwebebahnen, kommen in den Schutzgebieten in Betracht zur Beförderung regelmäßiger Frachten (in nicht zu großen Gewichten) auf beschränkte Entfernungen, wo wegen großer Höhenunterschiede Eisenbahnen zu kostspielig sein würden. Das wichtigste Beispiel einer solchen Ausführung ist die 9 km lange S. nach Bleichertscher Bauart der Firma Wilkins & Wiese zur Ausbeutung der Hölzer des Schumewaldes, die von der Station Mkumbara der Usambarabahn auf die Höhe, von Westusambara in Ostafrika nach dem Sägewerk von Neu - Hornow hinaufführt. Der Höhenunterschied von 1700 m wird in drei, durch zwei Winkelstationen getrennten Seilstrecken überwunden. Die Bahn mit ihren bis zu 33 m hohen Turmbauten (für die Seilstützen) und bis zu 900 m weit gespannten Seilstrecken ist seit Juli 1909 im Betriebe. Das Eigengewicht der zu Tal geförderten Holzstämme treibt die Bahn und liefert durch seinen Überschuß die erforderliche Energie zum Betriebe einer elektrischen Beleuchtung für das Sägewerk in Neu - Hornow. Für den Antrieb des Sägewerks und der ersten S.strecke dient eine Wolfsche Lokomobile von 75 PS, deren Beförderung an Ort und Stelle über das unwegsame Gebirge seinerzeit mit unendlichen Mühen und großen, Kosten verknüpft war. Die steilste Neigung der Bahn beträgt 41° = 1 : 1,15 oder 86,9 %. Zwei Wagen zusammen fördern Stämme bis zu 14 m Länge und 1000 kg Gewicht, die Zugseilgeschwindigkeit beträgt bis etwa 2,5 m in der Sekunde. Das Tragseil für die Talstrecke hat 30, das für die Bergstrecke 26 mm Durchmesser. Wegen der Termitengefahr sind alle Seilstützen in Eisen, die Masten des Bahnfernsprechers aus Mannesmann - Rohr hergestellt. Die ganze Strecke von 9 km Länge wird in etwa einer Stunde zurückgelegt. Diese S. darf als eine technische Sehenswürdigkeit und Leistung ersten Ranges bezeichnet werden, deren Anlagekosten allerdings die anfänglichen Erwartungen erheblich überstiegen haben sollen.

Baltzer.