Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 349 f.

Sesam (s. Abb.), Sesamum indicum, ist eine alte Kulturpflanze und liefert noch heute Millionen von Menschen von China bis nach Afrika und zum Teil noch in Südamerika ein tägliches Nahrungsmittel. Außerdem ist sie einer der wichtigsten Rohstoffe für die europäische Speiseölindustrie. S. ist eine kleine, einjährige, 60 -120 cm hohe, flach wurzelnde Pflanze. Der krautige Stengel ist wenig verzweigt, trägt abwechselnd gestellte, eiförmige, etwas zugespitzte, nach der Spitze des Stengels hin schmälere Blätter und in den Blattwinkeln dieser Blätter mittelgroße, etwas schiefe, 5 zipflige, röhrenförmige Blüten. Die Früchte sind mehrere Zentimeter lange, schmale, mit zwei Klappen aufspringende Kapseln. In 4 Fächern liegen die kleinen, flachen, eiförmig zugespitzten, verschiedenfarbigen Samen. Diese enthalten je nach der Herkunft 35 - 45 % fettes Öl. Man hat je nach der Farbe der Samen, der Kantigkeit des Stengels und der Form der Blätter verschiedene Arten unterschieden, die aber heute als Varietäten von Sesamum indicum angesehen. werden. Die Kultur des S. erfordert keine besondere Fürsorge, doch ist die Pflanze für gute Bestellung und Düngung dankbar. Sie bedarf im ersten Monat etwas Regen, nachher sagt ihr Trockenheit mehr zu. Die ganze Entwicklung der Pflanze verläuft sehr schnell, in drei bis vier Monaten ist sie erntefähig. Die meist mit Asche gemischten Samen werden entweder gedrillt oder mit der Hand in Reihen von etwa 1/2 m Abstand ausgesät und die jungen Pflanzen später ausgedünnt. In Niederländisch - Indien pflanzt man etwa 35 cm im Geviert. Da die Samen sehr klein sind, genügen etwa 5 - 10 kg für den Hektar. Die Samen keimen in wenigen Tagen, die Pflanzen blühen in zwei bis drei Monaten, und nach 4 - 5 Monaten sind reife Früchte vorhanden. Für die Ernte werden die Pflanzen ganz abgeschnitten, in Bündel gebunden und getrocknet. Durch Dreschen wird dann die Saat gewonnen. Die Handelsware besteht entweder aus gleichfarbigen Saaten oder aber aus gemischtfarbigen. Diese werden im Handel als "Bigare" bezeichnet. Die chinesischen Saaten sind meist rein weiß und kleinkörnig. Manchmal haben sie auch einen Stich ins Rotgelbe wie die kleinasiatischen Saaten. Aus Indien und Ostafrika kommen meist Mischungen von schwarzen, braunen und weißen Körnern. Der Handel legt besonderen Wert auf die Reinheit und die Frische der Saat. Für die Reinheit ist eine Latitüde von 1 % bei chinesischen Saaten, bei andern Provenienzen von 3 % festgesetzt. Die Frische ist für die Herstellung von Speiseöl unbedingt erforderlich, da schon die geringste Muffigkeit den Geschmack wesentlich beeinflußt. Hellere Saaten werden in der Regel dunkleren vorgezogen, in erster Linie wohl mit Rücksicht auf die Farbe der Ölkuchen, die ein wertvolles Kraftfuttermittel darstellen. Es scheint aber die Meinung in verschiedenen Ländern verschieden zu sein. In Deutschland finden helle Ölkuchen willigeren Absatz als dunkle. Die Extraktionskuchen aus schwarzer Saat werden in Frankreich vielfach als Dünger verkauft. Die schwarze Saat soll nach manchen Angaben die ölreichste sein. Nach Marseille kamen 1909 rund 1700 tons aus der Levante, 41 000 tons aus Vorder- und Hinterindien, 20 000 tons aus China und 1000 tons aus Afrika. Deutschland importierte 1912 rund 100 000 tons für 35 Mill. M, davon kamen aus Britisch - Indien etwa 20 000 tons und aus China 76 000 tons. Deutsch - Ostafrika lieferte 660 tons. Dagegen kamen aus dem übrigen Ostafrika gut 2000 tons. Die Sesamkultur ist in Deutsch - Ostafrika und im Hinterlande von Kamerun ziemlich weit verbreitet, so daß ein lebhafterer Export mit der Entwicklung der Bahnen erwartet werden kann.

Literatur: J. J. A. Wijs, De Sesam, in: Fan Gorkom'e Oost - indische Cultures, S. 247/51. Amsterdam 1913 (Bussy). - Ph. Eberhardt, Le Sésame de l'extreme - Orient. Paris 1911 (Challamel). - A. Zimmermann, Über Sesam, Pflanzer, 1910, VI, Flugbl. 6, 2 S.

Voigt.