Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 357 f.

Silberdollar. Der S., zuerst von den Spaniern nach dem Muster des deutschen Reichstalers geprägt, als Acht - Realenstück, Piaster, Peso bezeichnet, wurde infolge der großen Silbergewinnung im spanischen Amerika seit dem 17. Jahrh. die allgemein gebräuchliche Welthandels- und vor allem Kolonialmünze, und behauptete diese Stellung im 19. Jahrh. in Ostasien. Im Handel mit China wurden vor allem die unter Karl IV. geprägten S. (Carolustaler, auch Säulenpiaster genannt) verwendet. Um die Mitte des 19. Jahrh. trat daneben. und mehr und mehr an seine Stelle der mexikanische S. (Adlerdollar) als die Handelsmünze Ostasiens, seit 1869 in Japan unter dem Namen Yen geprägt und zur Währungsmünze erhoben. In China dagegen läuft der S. nur in den offenen Häfen wirklich als Münze um, während er im inneren Verkehr, vielfach durch die Stempel der Wechsler (chop) verstümmelt, nach dem Gewicht umläuft. Zu den mexikanischen kamen japanische, Hongkong-, französische S.; seit 1898 prägten auch chinesische Provinzialmünzen S. Doch nahm, weil daran nichts zu gewinnen war, die Prägung von ganzen S. nur geringen Umfang an , während die nach japanischem und Hongkongvorbild geprägten unterwertigen Teilstücke von 10 und 20 cents (zu 800 fein) in solchen Massen in Umlauf gesetzt wurden, daß sie ihren Nominalwert nicht behaupten konnten. Bald folgte auch die massenhafte Prägung von kupfernen Cents (10 - cash - Stücken), die nur den Metallwert von 4 cash hatten und daher gleichfalls im Werte sanken. Durch Edikt vom 24. Mai 1910 ist der S. mit einem Feingehalt von 0,648 Kuping-Taels unter dem Namen Yüan zur chinesischen Währungsmünze erklärt, unter Aufhebung aller provinzialen Prägungen. Der mexikanische S. enthält 24,433 g Feinsilber. Man setzt ihn gleich rund 72 Schanghai - Taels. Doch schwankt das Verhältnis je nach der örtlichen Nachfrage nach Zahlungsmitteln. Ebenso schwankt das Wertverhältnis zur Kupfermünze. Das chinesische Zollamt in Tsingtau berechnet den Haikwan-Tael zu 1,52 S., das sind 65,8 Haikwan - Taels = 100 S. Der S. ist das allgemeine Zahlungsmittel im Schutzgebiete Kiautschou. Sein Goldwert war nach dem Verhältnis 1: 15,5 gleich 4,40 M. Mit dem Silberwert ist er erheblich gesunken. Der monatliche Durchschnittskurs in Tsingtau hat sich vom August 1898 bis August 1911 zwischen 1,70 und 2,39 M bewegt, der Jahreskurs zwischen 1,78 M (1910) und 2,23 M (1906); im Berichtsjahr 1911/12 stand er auf 2,05 M. - S. Geld und Geldwirtschaft 6 und Tael.

Rathgen.