Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 369 f.

Sokode, Mohammedanerort in der Landschaft Tschaudjo in Nordtogo, bei welcher die Station S., der Sitz der Lokalverwaltung des gleichnamigen Verwaltungsbezirks, errichtet worden ist. 1. Die Station wurde im Jahre 1896 ursprünglich beim Sitz des Oberhäuptlings von Tschaudjo in Paratau gegründet und 1897 nach S. verlegt. Mit der Station ist eine meteorologische Beobachtungsstation höherer Ordnung verbunden. S. ist der Sitz einer vorläufig unter der Leitung eines Farbigen stehenden Regierungsschule und einer Post- und Telegraphenanstalt. Bei S. befinden sich ausgedehnte Regierungsversuchspflanzungen. In S. ist eine Baumwollentkernungsanlage im Betrieb. S. ist wichtiger Durchgangsplatz für den Sudanhandel (s. Togo, 11. Handel). Seehöhe 410 m. Mittlere jährliche Regenmenge 1341 mm (Mittel aus 11 Beobachtungsjahren). -2. Der Verwaltungsbezirk S. umfaßt den nordöstlichsten Teil Togos; er wird begrenzt im Westen vom Otifluß, von einem Stück des Dakpé, eines rechten Zuflusses des Oti, einer in nordwestlicher Richtung fließenden Strecke des Kara, vom Tangbua, einem rechten Nebenfluß des Kara und vom Westfuß des Difále- und Tambermagebirges, im Süden von der Nordgrenze der Landschaften Atjuti, Adele und Kpedji. Im Bezirk S. liegt also der nördlichste Teil des Togogebirges. Außer der Station S. befindet sich im Bezirk noch die Verwaltungszwecken dienende, dauernd von einem Europäer besetzte Nebenstation Bassari (s.d.), welche dem Bezirksleiter in S. unterstellt ist. - Die Zahl der Eingeborenen beträgt 300 000 Köpfe; auf 1 qkm treffen 13,7 Personen. Die wichtigsten Stämme sind die eigentlichen Timleute (s. Tschaudjo), welche das Gebiet von Bo und Fasau im Südwesten bis Dako, Bafilo, Sudu und Kirikiri im Nordosten bewohnen, die Bassari- (s.d.), Bitjem- und Tschamba- (s.d.) Leute, die Kabure (s.d.), die Lósso (s.d.), die Konkomba (s.d.), die Tamberma (s.d.), die Ssola (s. Gurma) und endlich ein Jorubasplitter an der Ostgrenze des Bezirks, der in dem östlich des oberen Ogu gelegenen Gebiet zwischen Gubi und Afem lebt. Die Eingeborenen sind Heiden; doch breitet sich der Islam bei den eigentlichen Timleuten mehr und mehr aus. In zahlreichen Timorten befinden sich Mohammedanerniederlassungen mit einer besonderen Organisation; die wichtigsten sind Sokode, Kirikiri und der Mohammedanerort in Bafilo. Der infolge der Befriedung des Landes zunehmende Verkehr bewirkt, daß sich auch in Bassari der Islam langsam zu verbreiten beginnt. Die Bewohner des Bezirks S. sind tüchtige Ackerbauer; besonders ragen die Kabure als sorgfältige, fleißige Landwirte hervor. Großviehzucht wird fast überall getrieben; der Rinderbestand beträgt rund 22 000 Stück . In der eigentlichen Timbevölkerung steckt ein sehr reger Handelstrieb; recht verbreitet ist bei ihr die Weberei sowie die Herstellung von Flechtwerken. In Bassari (s.d.) und Banjeli (s.d.) ist die Eisenindustrie hoch entwickelt. -Wenn auch die Baumsteppe die vorherrschende Vegetationsform ist, muß der Bezirk S. streckenweise doch als fruchtbar bezeichnet werden; dies geht schon daraus hervor, daß in Tschaudjo die Ölpalme noch ziemlich häufig, im Gebiet von Kabure und Lósso sogar bestandbildend auftritt. Die starken Klimaextreme, ausgesprochene Trocken- und Regenperioden sind freilich vielen tropischen Kulturpflanzen feindlich. - Bei Banjeli (s.d.) befindet sich ein bedeutendes Eisenerzlager (s. Roteisenerz). Im Monu sowie in dessen Quellbächen Bungba und Moon ist Waschgold festgestellt worden. Wahrscheinlich birgt die Sudu - Dako -Hochfläche die Heimat eines Teiles des im Monu vorkommenden Waschgoldes.

Literatur: K. Gaisser, Die Produktion der Eingeborenen des Bezirkes Sokode - Bassari, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1912. - F. Hupfeld, Die Eisenindustrie in Togo, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1899. - Dr. Koert, Das Eisenlager von Banjeli in Toyo, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1906. - Ders., über Goldvorkommen im östlichen Togo.

v. Zech.