| Sorghumhirse (s. Tafel 161). Die S. (Durrha,
Dari, Mohrenhirse, Guineakorn, Kaffernkorn, Kisuah.: Mtama), Andropogon
sorghum (L.) Brot., ist das wichtigste Getreide der altweltlichen
Tropenzone.
Ausdauerndes, in der Kultur aber meist nur einjährig gehaltenes,
verhältnismäßig
tief wurzelndes Gras, mit bis nahezu 7 m hohem Halm. Blütenstand eine
terminale,
mehr oder weniger hochgradig zusammengesetzte Rispe. Frucht 4 - 5 m lang,
3 - 5 m breit, gewöhnlich vom Rücken her zusammengedrückt. Einige
Kulturformen
zeichnen sich durch eine, von keinem anderen Getreide der Welt erlangte
Reichfrüchtigkeit der Rispen aus. Die S. hat zahlreiche Kulturvarietäten
mit einem erstaunlichen Reichtum an Formen ausgebildet, die sich u. a. in
Größe und Habitus der Pflanze, in Form und Aufbau der Blüten- bzw.
Fruchtstände,
Spelzenlänge, Farbe der Hüllspelzen, Größe und Farbe der Früchte
unterscheiden
(Hackel, Körnicke, Busse und Pilger). Man unterscheidet je nach Ausbildung
und Größenverhältnis der Hüllspelzen: Bedeckte, halbnackte und nackte
Varietäten,
nach dem Aufbau der Rispe: lockerrispige, gedrängtrispige und
kompaktrispige.
In Deutsch -Ostafrika überwiegen im Küstenlande die lockerrispigen,
langästigen
Formen, im Zentrum und im Seengebiet
die kompaktrispigen. Die Kulturformen Togos sind im allgemeinen durch
verhältnismäßig
schmale und lange Rispen und durchschnittlich große Früchte ausgezeichnet.
Die Kameruner Formen sind noch wenig bekannt. - Die S. wird in erster
Linie
als Mehlgetreide, ferner zur Bierbereitung, drittens zur Zuckergewinnung,
ferner (in Amerika) zur Herstellung von Besen verwendet, sie wird (in
Amerika
und Indien) zur Grünfutterbereitung angebaut und endlich (Togo und Sudan)
zur Darstellung eines roten Farbstoffes. Jedem dieser Zwecke dienen
verschiedene
Kulturvarietäten in wechselnder Zahl. Das Mehl ist wegen zu geringen
Klebergehalts
nicht verbackbar. Die Bierbereitung aus den Samen ist im tropischen Afrika
sehr verbreitet (s. Hirsebier). Die Samen enthalten - je nach
Varietät
- 2 - 5,2 % Fett, 4,5 - 11 % Eiweiß und 63 - 70 % Stärke; als Kraftfutter
können sie nach neueren Untersuchungen eine Bedeutung für den Export nach Deutschland erlangen. Der bei den
zuckerbildenden
Varietäten ("Zuckerhirsen") im Mark des Stengels angehäufte Zucker kristallisiert infolge hohen Dextrosegehalts
nicht aus, eignet sich daher nur zur Sirupbereitung. -Die Verwendung der
Sorghumpflanze, als Grünfutter wird
bisweilen durch das spontane Auftreten von Blausäure, bzw. eines
blausäurehaltigen
Glukosids, in den frischen Blättern, namentlich jüngerer Pflanzen, beeinträchtigt. Eine weitere
bemerkenswerte
Eigentümlichkeit der Sorghumhirse besteht darin, bei der geringsten
Störung
des chemischen Gleichgewichts einen roten Farbstoff zu bilden und zwar am
stärksten in den Blattscheiden (Näheres bei Busse). Besonders
farbstoffreiche
Formen, z.B. var. colorans Pilg. in Togo, zum Färben von Flechtwerk und Geweben benutzt. - Ausbreitung
der Sorghumkultur in den deutschen Kolonien:
Deutsch-Ostafrika, Kameruner Grasland, Mittelund Nordtogo, Norden von Deutsch
- Südwestafrika (Amboland). Anbau. Geht
im tropischen Afrika im allgemeinen nicht über 1500 m hinauf (in Ruanda bis 1800 m). Bezüglich der
Niederschlagsmengen
ist die Sorghumpflanze nicht anspruchsvoll; Übermaß an Nässe bewirkt
gesteigerte
Krautwüchsigkeit und kann Blütenbildung sogar verhindern. Vegetationsdauer
der afrikanischen Formen schwankt zwischen 4 und 9 Monaten. S. ist das
ertragreichste
Getreide der Welt. Exakte zahlenmäßige Ertragsfeststellungen aus den
deutschen
Kolonien fehlen noch, ebenso vergleichende Anbauversuche. (Über die
Methodik
des Anbaus s. Lambrecht, Busse, Fesca,
Gaisser.)
-Schädlinge und Krankheiten. A. Pflanzliche Parasiten: u.a. Brandpilze
(Ustilago-
und Tolyposporium -Arten), teilweise weit verbreitet, befallen entweder
einzelne Blüten oder alle Blüten eines Blütenstandes oder zerstören auch
(wie U. Reiliana Kühn) die gesamten Blatt- und Blütenanlagen im
Sproßgipfel
und können, unter Bildung ungeheurer Mengen von Sporen,
ganze Felder verwüsten; Rostpilze, insbesondere Puccinia purpurea Cooke,
ein sehr verbreiteter Pilz, der aber nur stellenweise zu bösartigen
Schädigungen
führt. - B. Tierische Schädlinge. Blattläuse,
deren zuckerhaltige Ausscheidungen ("Honigtau") in Ostafrika ehedem zur
Bildung des Begriffs der "Mafuta" - oder "Assali" -Krankheit führten. Das
Auftreten der Blattlauskrankheit ist stets an Dürreperioden gebunden (in
geringerem Umfange sind diese Insekten
in jedem Jahr bemerkbar); die Stengelbohrer,
Larven der Schmetterlinge (Noktuiden): Sesamia nonagrioides Lef., Busseola
sorghicida Thurau und Diatraea orichalcociliella Strand. Sie höhlen die
Stengelglieder aus, verhindern die Ausreifung des Korns und führen dadurch
zu empfindlicher Herabsetzung des Ernteertrags; namentlich gilt das für
Busseola, die zu Anfang des Jahrh. im Bez. Lindi
(Deutsch - Ostafrika) große Verheerungen anrichtete. Nasse Witterung
begünstigt das Auftreten der Bohrer.
Literatur: Botanisches: Hackel in Englers Botan. Jahrb. VII (1886)
S. 118
ff. - F. Körnicke in O. Baumann, Usambara, 1891
S. 315 ff. - Ders. in O. Baumann, Massailand, 1894 S. 295 ff. - K. Schumann in
Englers Pflanzenwelt Ostafrikas, Teil B S. 35 ff. Busse u. Pilger in Englers
Bot. Jahrb. -II, 1902 S. 182 ff. - Pilger in Not. - Blatt Botan. Gartens Berl.
IV, 1904 S. 139 ff; 2. Anbau, Züchtung, Krankheiten: Körnicke u. Werner,
Handbuch des Getreidebaus Bd. II (1885). - Lambrecht in Ber. über Land- u.
Forstwirtsch. Deutsch - Ostafrika, Bd. I (1903) Heft 6. - Fesca, Pflanzenbau i.
d. Tropen Bd. I, 1904 S. 140 ff. - Busse in Arb.
a. d. Biolog. Abt. d. Ksl. Gesundk. - Amts IV, 1904 S. 319 ff. - Ders., KolBl.
1907 Nr. 10. Stuhlmann, Beitr. Kulturgesch.
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Kulturpflanzen Bd. V S. 55 ff. - Gaisser
in Mitt. a. d. d. Schutzgeb. Bd. 25, 1913 S. 250 ff. - 3. Chemisches: Brünnich
in Chem. Zentralbl. 1903, (II) S. 61. - Dunstan u. Henry in Proceed. Royal Soc.
LXX, 1904 S. 153. - Crawford, The poisonous action of Johnson grass (U. S.
Departm. of Agricult., Wash. 1906. - König, Nahrungs- u. Genußmittel Bd. I S.
568 ff. - Hansen in
Mitt. d. D. L. G. 1912, Stück 24 S. 342. - Honcamp in Landw. Versuchstationen
Bd. 77 S. 305 ff. Busse.
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