Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 381 ff.

Sparkassen. Seitens der Westafrikanischen Bank ist eine Sparkasse mit dem Sitze in Lome (Togo) gebildet worden. Ihr Zweck ist, der farbigen Bevölkerung Gelegenheit zu bieten, Ersparnisse sicher und nutzbar anzulegen und so den wirtschaftlichen Sinn der Eingeborenen zu wecken und zu fördern. Sie soll ferner Europäern die Möglichkeit eröffnen, Ersparnisse, welche sie im Schutzgebiet zur jederzeitigen Verfügung zurückbehalten wollen, verzinslich und sicher anzulegen. Die Sparkasse bildet einen Geschäftszweig der Deutsch - Westafrikaischen Bank, welche sie auch nach außen hin vertritt. Die Aufsicht wird von dem Gouverneur ausgeübt. Einlagen werden im Mindestbetrage von 1 M angenommen. Eine höhere Einlage als 5000 M ist nur mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde zulässig. Der Zinsfuß der Einlagen beträgt 4 %, wobei nur volle Markbeträge in Höhe von 5 M ab verzinst werden. Beträge bis zu 100 M können ohne vorherige Kündigung jederzeit abgehoben werden. Bei einem Betrage von 100 - 500 M ist eine 6 wöchige, darüber 1/4 jährige Kündigung vorgesehen. Die Einlagen der Sparkasse dürfen zu anderen als den in der Satzung der Deutsch - Westafrikanischen Bank vorgesehenen Geschäften nicht verwendet werden. Die letztere haftet für alle Spareinlagen und die angefallenen Zinsen. Für diese Haftpflicht hat die Dresdener Bank in Berlin selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen. Die Sparkasse ist am 1. Juli 1910 eröffnet worden. Ende November 1913 hatten bei der Sparkasse 350 Einleger, von denen 299 Farbige sind, ein Gesamtguthaben von 100 000 M. Die Einlagen auf die Konten der Farbigen verteilen sich wie folgt:

Die Bezirkssparkasse in Daressalam besteht als selbständiges Kommunalinstitut unter Garantie des Bezirks Daressalam (Deutsch - Ostafrika). Sie hat den Zweck, insbesondere der farbigen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, Ersparnisse sicher anzulegen, um so den wirtschaftlichen Sinn der Eingeborenen zu fördern. Sie soll aber auch den Weißen die Möglichkeit, eröffnen, solche Ersparnisse, die sie im Schutzgebiet zu jeder Zeit zur Verfügung zurückbehalten wollen, nicht ohne Zinsgenuß und dabei sicher aufzubewahren. Die Sparkasse nimmt von allen Angehörigen des Bezirks Daressalam Einlagen von 1 Rupie bis 5000 Rupien, von Nichtangehörigen des Bezirks bis zu 2000 Rupien an. Die Annahme höherer Einlagen hängt von dem Ermessen des Kuratoriums der Sparkasse ab. Verzinst werden sämtliche Einlagen von mindestens 1 Rupie ab. Ohne vorherige Kündigung können im ganzen nicht mehr als 100 Rupien zurückgefordert werden. Die Auszahlung größerer Beträge bis zu 300 Rupien erfordert einmonatige, bis zu 1000 Rupien zweimonatige, von 1000 - 2000 Rupien dreimonatige und die Auszahlung eines 2000 Rupien betragenden Satzes sechsmonatige Kündigung. Die Gelder der Sparkasse werden durch das Kuratorium zinsbar angelegt. Sie können ausgeliehen werden gegen hypothekarische Verpfändung von ländlichen und städtischen Grundstücken und Gebäuden, soweit solche Sicherheit bieten, ferner an die Kommune Daressalam gegen ordnungsmäßige Schuldverschreibungen und schließlich an die Deutsch - Ostafrikanische Bank. - Die hypothekarischen Darlehen sollen grundsätzlich nicht mehr als 2/3 des Gesamteinkommens der Sparkasse betragen, wobei vorzugsweise kleine Hypotheken mit einer im allgemeinen auf 3 Monate festgesetzten Kündigungsfrist gegeben werden. -Am 31. März 1913 waren 1239 Sparer, darunter 556 Farbige vorhanden. Das Guthaben der Sparer betrug insgesamt 767 536 Rupien, hiervon entfielen auf Farbige 99 560 Rupien. Die Einlagen der Farbigen verteilen sich wie folgt:

Die Einrichtung von Postsparkassen in Deutsch -Ostafrika ist beabsichtigt. Sparkassenabteilungen der Südwestafrikanischen Bodenkredit - Gesellschaft bestehen bei den Filialen der Gesellschaft in Swakopmund, Windhuk und Lüderitzbucht. Die Spareinlagen betragen mindestens 10 M. Die Spargelder werden angenommen a) mit täglicher Kündigung, b) mit dreimonatiger Kündigung, c) mit sechsmonatiger Kündigung. Die Verzinsung der Einlagen beginnt bei Einzahlungen in der 1. Hälfte eines Monats (l. bis 15.) mit dem ersten des nächsten Monats, bei Einzahlungen in der 2. Hälfte eines Monats mit dem 16. des der Einlage folgenden Monats. Die Verzinsung endet bei Rückzahlungen in der 1. Hälfte des Monats mit dem 15., bei Rückzahlungen Inder 2. Hälfte des Monats mit dem letzten des der Rückzahlung vorausgehenden Monats. Die Zinssätze für volle Mark betragen a) 2% bei täglicher Kündigung, b) 3 % bei dreimonatiger Kündigung, c) 4% bei sechsmonatiger Kündigung. Jeder Inhaber eines Sparkassenbuches darf bei Einlagen mit täglicher Kündigungsfrist in demselben Kalendermonat nicht mehr als 300 M, bei Einlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist nicht mehr als 1500 M in demselben Quartal und bei Einlagen mit sechsmonatiger Kündigungsfrist nicht mehr als 4000 M in demselben Quartal kündigen. Werden auf ein Sparkassenbuch während 30 Jahren weder Ein- noch Auszahlungen geleistet, so ist der Anspruch auf Verzinsung und Auszahlung des Guthabens erloschen. Die Spareinlagen betrugen

in Swakopmund am 31. Dez. 1913 108 369 M in Windhuk am 31. Dez. 1913. . . . . . . . . . . . . . . . . 2590 M

in Lüderitzbucht am 30. Nov. 1913. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77694 M

Summa: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .188 653 M

In Swakopmund waren am 30. Sept. 1913 ausgegeben 93 Bücher mit folgenden Einlagen: 7270 M mit 2 %, 1530 M mit 3 % und 87 353 M mit 4 % Verzinsung; in Windhuk waren am 31. Dez. 1913 ausgegeben 18 Bücher mit 2590 M (Einlagen: 1000 M mit 2 %, 1590 M mit 4 %). In Lüderitzbucht waren am 30. Sept. 1913 55 Bücher ausgegeben, davon 27 937 M mit 2%, 2206 M mit 3% und 70 621 M mit 4%. Auch die Eingeborenen haben sieh in einzelnen Fällen dieser Einrichtung bedient.

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