Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 385 f.

Spinnentiere oder Arachniden, Gliederfüßer, welche außer einem Paar scheren- oder zangenförmiger Mundwerkzeuge und einem Paar Taster oder Greifscheren vier Beinpaare besitzen (s. Tafel 191/92, Abb. 13 - 19). Das erste oder zweite Beinpaar ist bisweilen tasterartig entwickelt. Die S. sind meist Raubtiere, und viele sind mit Giftdrüsen ausgestattet, die für den Menschen aber nur bei wenigen Tieren gefährlich sind. Die in unsern Kolonien vertretenen wichtigeren Ordnungen unterscheiden sich etwa folgendermaßen: Ein mächtiges Greiforgan statt der Taster besitzen die Skorpione (s.d.), Afterskorpione (s.d.) und Geißelskorpione (s. Tafel 191/92 Abb. 17- 18). Von diesen sind die Skorpione durch den Giftstachel am Ende des Schwanzes (s. Tafel 191/92 Abb. 17) ausgezeichnet, die Geißelskorpione oder Pedipalpen durch die fühlerartige Verlängerung des ersten Beinpaars (s. Tafel 191/92 Abb. 18). Bei den Afteroder Pseudoskorpionen fehlt sowohl der Schwanz als auch die Fußgeißel. - Bei den Walzenspinnen oder Solifugen (s.d.) sind die Taster dicker als das ebenfalls als Tastorgan dienende erste Beinpaar, und die Mandibeln sind mächtige Scheren (s. Tafel 191/92 Abb. 19). - Bei den echten Spinnen (s. Tafel 191/92 Abb. 15) hängt der Vorderkörper mit dem Hinterkörper durch einen dünnen Stiel zusammen. -Außerdem sind noch die Afterspinnen und Milben zu nennen, die sich dadurch voneinander unterscheiden, daß bei den Afterspinnen oder Phalangiden (s. Tafel 191/92 Abb. 16) das zweite Beinpaar lang und tasterartig entwickelt ist, während bei den Milben sich allenfalls das erste oder vierte Beinpaar durch seine Länge auszeichnet. - Die Afterskorpione (s.d.) sind im Gegensatz zu den Skorpionen (s.d.) stets kleine Tierchen, die sich in engen Spalten verbergen und in keiner unserer Kolonien fehlen. - Die Geißelskorpione (s. Tafel 191/92 Abb. 18, Charon grayi aus Neuguinea) leben verborgen und kommen nur nächtlich aus ihrem Schlupfwinkel hervor. Man findet sie in Neuguinea, dem Bismarckarchipel, Ost- und W Westafrika. Die Afterspinnen (s.d.), Weberknechte oder Kanker sind meist langbeinige, tastend Insektenleichen suchende Tiere. Sie kommen in Neuguinea, Deutsch - China und in unsern afrikanischen Kolonien vor. Zum Teil sind es kurzbeinige, erdfarbige, augenlose, nur aus dem tropischen Afrika (Ostafrika, Kamerun, Togo) und Amerika bekannte Tiere (s. Tafel 191/92 Abb. 16, Cryptostemma westermanni aus Togo). Die Walzenspinnen (s. Solifugen) sind sehr behende, in Wüstengegenden und deshalb besonders in Deutsch-Südwestafrika unter Steinen bzw. im Boden vorkommende Tiere (s. Tafel 191/92 Abb. 19, Solpuga lethalis aus Südwestafrika). Sie sind nicht giftig, bringen aber mit ihren mächtigen Kiefern unangenehme Wunden hervor. - Die überall in unsern Kolonien vorkommenden echten Spinnen oder Araneiden sind am Hinterleibsende mit zwei bis acht Spinnwarzen versehen, auf denen bis 1000 Spinndrüsen je in einem Röhrchen ausmünden, um je einen feinen Faden zu liefern (s. Tafel 191/92 Abb. 15, Nephila maculata aus dem Bismarckarchipel). Die Fäden werden teils zum Einhüllen der Eier, teils zum Fesseln der Beute, teils auch zur Herstellung eines Fangnetzes und zum Nachziehen eines Sicherbeitsfadens benutzt. Der Kokon wird entweder irgendwo angeheftet oder auch dauernd umhergetragen (Wolfspinnen, Heteropoda). Das Fangnetz ist entweder radförmig (Aranea) oder deckenförmig (Linyphia usw.) oder trichterförmig (Tegenaria usw.) oder büschelförmig (Theridium usw.). Viele Spinnen stellen kein Fangnetz her. Sie langen ihre Beute, indem sie umherlaufend wenig bewegliche Insekten aufsuchen (Wolfspinnen) oder ihre Beute beschleichen (Springspinnen). oder indem sie stillsitzend auf Beute lauern (Krabbenspinnen) oder endlich, indem sie nachts auf Beute ausgehen (Röhrenspinnen). Die Krabbenspinnen täuschen ihre Beute, indem sie entweder Rinde oder Blüten, auf denen sie sitzen oder gar Vogelkot gleichen. Manche Spinnen gleichen auch Ameisen zum Verwechseln (Mimikry). Manche besitzen eine feste Haut mit Dornen (s. Tafel 191/92 Abb. 13, Aranoethra cambridgei aus Westafrika und Abb. 14 Gasteracantha formosa aus Ostafrika). Die großen Vogelspinnen (s.d.) pflegen Bäume zu ersteigen und sollen gelegentlich auch junge Nestvögel aussaugen. Die kleineren zu den Vogelspinnen gehörenden Arten bauen eine Wohnröhre mit Falltür. Alle echten Spinnen besitzen Giftdrüsen, die vor der Spitze der Kieferklauen ausmünden. Einige große Arten und eine in den Tropen und Subtropen verbreitete, in unsern afrikanischen Kolonien und Neuguinea vertretene Gattung mit kugeligem Hinterleib und meist lebhaften Farben (Latrodectus) sollen auch dem Menschen gefährlich werden.

Dahl.