Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 390

Ssanga, ein rechter Nebenfluß des Kongo. Er ist durch das November - Abkommen von 1911 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien 3) in seiner ganzen Länge deutsch geworden. Die beiden Quellflüsse des S. sind der Nana (s.d.) und der Mambere (s.d.), von denen aber wohl der erstere der größere ist und daher als Quellfluß des S. angesehen werden kann. Beide entspringen auf dem Hochland von Jadé, dem größten Quellknoten Kameruns. Die Hauptrichtung des S. ist eine nordsüdliche. Im Oberlaufe überwindet er die Stufen, mit denen das Hochland von Jadé abfällt, unter Bildung von Schnellen. Bei Carnot beginnt sein Tal sich zu weiten, aber einzelne Schnellen treten immer noch auf. Erst von Nola ab ist eine Schiffahrt möglich. Bei Bajanga verläßt dann der S. das Hochland und tritt in die Ebene ein, die mit den Ablagerungen eines alten Seebeckens bedeckt ist. In vielfach gewundenem und in Arme geteiltem Lauf erreicht er in Sümpfen dahinfließend den Kongo. Die Nebenflüsse des S. sind von links nur spärlich und unbedeutend. Die Wasserscheide zu den anderen Nebenflüssen des Kongo tritt dicht an den S. heran. Zu erwähnen sind der Bara, der oberhalb Carnot mündet und der Ndoki, ein Sumpffluß, der bei Ikelemba dem S. zufließt. Bedeutender sind die Nebenflüsse des S. von rechts. Es sind der Mambere (s.d.), der Ngoaré, der Kadei (s.d.), der mit seinen Nebenflüssen von der Sanagaschwelle herunterkommt, der Njue, der auf dem nördlichen Ende der Kunabembeschwelle entspringt, der Dscha (s.d.), der die Njemplatte entwässert und schon innerhalb des Tieflandes mündet. Die Vegetation ist im Gebiete des unteren S. dichter Urwald und Sumpfwald. Bei Nola etwa liegt die Nordgrenze dieses Urwaldes; es folgt eine Zone, wo Urwald und Grasland sich durchdringen, dann beginnt die Parklandschaft, die allmählich in das Grasland und die Buschsteppe übergeht. - Die Völker, die am S. wohnen, sind im Waldland Bantuneger und am Oberlauf im Grasland Sudanneger. Letztere sind vor allem die Baia (s.d.), und zwar die Unterstämme der Baia Buri, der Baia Baia, sowie die Jangere und eine kleine Abteilung der Ndri. Die Bantuneger des unteren S. sind die Maka, Kaka und Bomome im Kadeigebiet, die Ndsimu, Njem, Kunabembe im Dschagebiet, ferner die SangaSanga, Basanga, Businde, Baloi, Balinga und Bafuru im S.tiefland. Im äußersten Westen sitzen noch Fang im Gebiet des S. (s. die einzelnen Völkerschaften). - Am S. und seinen Nebenflüssen liegen eine Reihe von Siedlungen, die ihre Bedeutung zum Teil der Schiffbarkeit des S. verdanken. Der S. ist vom Kongo an aufwärts bis Nola (s.d.) schiffbar, vielleicht sogar bis eben vor Bania (s.d.), der Dscha bis Dongo, der Kadei in einem Teil seines Oberlaufes, aufwärts bis zur Dumestation. An der Mündung des S. in den Kongo liegt Bonga, nur wichtig wegen seiner Verkehrslage trotz seiner großen Ungesundheit. An der Mündung des Dscha liegt Wesso, das leider französisch geblieben ist, am Dscha Molundu, Ngoila und Dongo, ersteres Schnittpunkt der Straßen von Kribi und von Kunde, am S. Baianga und Nola, letzteres Endpunkt der Schifffahrt bei der Einmündung des Kadei, am letzteren die Dumestation, S. aufwärts kommt erst Bania und dann Carnot am Zusammenfluß von Nana und Mambere.

Passarge - Rathjens.