Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 403

Stechmücken (Culiciden), mit Stechapparat versehenen Mückenarten (s. Tafel 172) im Gegensatz zu den nicht stechenden Mücken (z.B. Chironomus; s. Tafel 172). Der Stechrüssel (Stilet) liegt in einer sog. Rüsselscheide. Beim Stich knickt die Rüsselscheide ein, während das Stilet in die Haut eindringt. Beim Mückenstich gelangt Saft aus den am Kopf sitzenden dreilappigen Speicheldrüsen der Mücke in die Haut, der einen chemischen bzw. toxischen Reiz ausübt, dessen Folgen die Quaddelbildung mit heftigem Jucken ist. Beim Stechen saugen die weiblichen Mücken gleichzeitig Blut. - In vielen Gegenden bilden die Mücken (vielfach in Deutschland auch "Schnaken" und in den Tropen "Moskiten" genannt) eine lästige Plage. - Die Mücken können aber auch Krankheiten übertragen, nicht nur bakterielle, z.B. Erreger von Entzündungen, sog. Blutvergiftungen, Furunkeln u. dgl., sondern insbesondere sind bestimmte Stechmückenarten, nur die Weibchen, als Überträger von tropischen Infektionskrankheiten bekannt, z.B. Anopheles (s. Anophelesmoskiten) als Malariaüberträger (s.a. Malaria), Stegomyia (s.d.) als Gelbfieberüberträger (s.a. Gelbfieber), Culex als Dengue- und Filarienüberträger (s.a. Denguefieber und Filarien). - Bei den Mücken unterscheidet man ein geflügeltes und ein Larven - Stadium. Die geflügelten S. legen ihre Eier auf der Wasseroberfläche ab. Aus den Eiern entstehen in einigen Tagen Larven und aus den Larven je nach der Temperatur nach 2-4 Wochen Puppen; aus diesen kriechen dann nach einigen Tagen die geflügelten Insekten aus. - Die innere Anatomie der Mücken, die bei den Tropenkrankheiten eine Rolle spielen, ist ziemlich einfach. An die Speiseröhre schließt sich der sackartig erweiterte Magen an und an diesen der Darm. Am Kopfteil sitzen die beiden Speicheldrüsen (je 3 Lappen) mit gemeinsamem Ausführungsgang. Am Beginn des Darmrohres setzen die sog. Malpighischen Schläuche (Exkretionsorgane) an. Außerdem liegen bei den weiblichen Mücken im Leib die Eierstöcke. - Mückenbekämpfung s. Malaria. -Unterschiede zwischen Anopheles- und Culex -Mücken s. Anophelesmoskiten..

Literatur: Theobald, Monograph of Culicidae. London 1901 - 1907. - Eysell, Die Steckmücken. In Mense: Handb. d. Tropenkrankheiten. Lpz. 1905, J. A. Barth.

Mühlens.