Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 406 f.

Steppe (s. farbige Tafeln u. Tafel 37, 189) ist ein ähnlicher Begriff wie der Begriff Heide. Wie diese alles mögliche sein kann, ein Kiefernwald, ein Moor, eine durch das Vorwiegen des Heidekrauts gekennzeichnete Formation, so ist auch die S. bald ein Grasland, bald ein dichter Dornbusch, bald ein Gelände, über das sich Bäume in mehr oder weniger dichtem, im allgemeinen indessen lichtem Bestande verteilen. Immer aber ist ausschlaggebend für den Begriff der Vegetationscharakter eines Gebiets, erst in zweiter Linie dessen klimatische und Bodenverhältnisse, wenn diese ja auch in der Besonderheit der Vegetation ihren Ausdruck finden.' Geht nun durch die Mannigfaltigkeit, in der sich die S., besonders die Afrikas, dem Beschauer darbietet, ein gemeinsamer Zug? Volkens kommt in seinem Buch über den Kilimandscharo zu folgendem Ergebnis. Denkt man sich die verschiedenen Gewächse, welche einen Dornbusch, einen Euphorbienhain, ein Grasland zusammensetzen, etwa wie Soldaten zu einer Reihe aufgepflanzt, so werden sie physiognomisch nichts miteinander gemein haben. Etwas anderes ist es aber, sowie man das Zweckmäßigkeitsprinzip in die Betrachtung hineinträgt. Wenn man von denen absieht, die -.mir während und kurz nach der Regenzeit ein ephemeres Dasein führen, so gibt es kaum eine Steppenpflanze, der man es nicht ansähe, daß sie mit einer feindlichen Natur im Kampfe läge, daß sie Waffen trägt gegen die ihr Leben bedrohende Dürre, dazu häufig auch gegen den Fraß weidender Tiere. Die überwiegende Zahl der S.pflanzen sind Xerophyten (s.d.) und haben damit etwas Starres, der Wind bewegt sie nicht, die geschwungene Linie tritt bei ihrem Aufbau zurück, die Verzweigung ist gerade, eckig, kantig, das Blattwerk fahl, trocken, ledern, unbiegsam. Alle werfen keinen oder nur geringen Schatten, und das macht es wohl in erster Linie mit, daß man wie unter demselben Hauche steht, ob man sich in offener von hohen Gräsern und Strauchwerk bedeckter Flur oder in einer Baumsteppe bewegt, die aus licht verstreuten Palmen, dikotylen Laubbäumen oder blattlosen Euphorbien besteht. Überall umflutet einen das Licht in gleicher Stärke, überall ist es heiß und trocken, überall hört man statt des Säuselns und Rauschens, das der Wind unseren schmiegsamen Pflanzen entlockt, nur ein Knarren, Knacken und Rascheln. Wald und S. sind die großen Gegensätze, die einem in Afrika entgegentreten, aber während der an eine dauernde Feuchtigkeit gebundene Wald im großen und ganzen ein gemeinsames Gepräge aufweist, bietet die unter Trockenheit leidende S. ein ungemein wechselvolles Bild dar. Bedingt ist ihre Verschiedenheit zweifellos durch klimatische und Bodenverhältnisse, wie indessen die einzelnen Faktoren wirken, wie ungleiche Längen der Trockenperioden, ungleiche Höhen des Grundwasserstandes, ungleiche physikalische und chemische Zusammensetzung der Böden hier das Zustandekommen einer Parklandschaft, dort eines fast undurchdringlichen Akazienbusches begünstigen, ist noch so gut wie ungeklärt. Einige wenige Steppenformationen seien herausgegriffen: 1. Das Grasland. In seiner typischen Ausbildung und zur Zeit des Hochstandes der Entwicklung besteht es aus 1 - 2 m hohen Bültengräsern meist den Gattungen Andropogon und Pennisetum angehörig. Jede Bülte ist isoliert, so daß Räume frei bleiben, die anfangs, oft bevor noch die ersten Regen nach langer Trockenheit Fallen, von winzigen, schnell vergänglichen Kräutern und den Blütenschäften im Boden verborgener Knollenund Zwiebelpflanzen (Orchideen, Liliaceen, Amarylhdaceen) ausgefüllt werden. Sind diese abgestorben, so schießen unter dem Einfluß wachsender Regenmengen zugleich mit den Gräsern und mit diesen Schritt haltend andere mehr ausdauernde Kräuter auf, Leguminosen vor allem, dann Konvolvulaceen, Malvaceen, Asklepiadaceen, Amarantaceen, auch Kompositen, die bald ihre bunten Blumen leuchten lassen. Wir wandeln jetzt, in einem Grasmeer, dessen gewöhnlich rötlich gefärbte Rispen über unserem Haupte zusammenschlagen, und das durchsetzt ist von allerlei blühenden dikotylen Gewächsen, die die Monotonie des Bildes erheblich mildern. Die Regen lassen nach, die Kräuter reifen ihre Früchte und verdorren, die Gräser werden auf dem Halm zu Stroh. Ein aus Nachlässigkeit oder mit Bedacht angefachtes Feuer entflammt sie, es breitet sich meilenweit aus, und nun liegt eine schwarzgebrannte, mit Asche überdeckte Fläche vor uns, aus der nur die Reste der Bülten als verkohlte Stoppelpolster hervorragen. - Abwandlungen des reinen Graslandes sind die Baum- und Buschgrasst., bei denen über den weiten Raum vereinzelte Bäume oder Sträucher mehr oder weniger licht verteilt sind, ferner auch die besonders in Südwestafrika verbreiteten Niedergrasst., deren Komponenten unter 1 m Höhe bleiben. - 2. Der Dornbusch (s. farbige Tafel ). Wo er besonders charakteristisch auftritt, kann man ihn als einen Urwald im kleinen bezeichnen. Wie dieser mitunter durch die Lianen zu einer geschlossenen Stamm-, Zweig- und Laubmasse verknüpft wird, so ist auch der typische Dornbusch ein undurchdringliches Gewirr durcheinandergeschobener Äste und Dornen, das ohne Haumesser kaum zu passieren ist. Er wird 2 - 4 m hoch und setzt sich aus bald immergrünen, bald laubabwerfenden Sträuchern und kleinen Bäumen zusammen, unter denen die niederen Akazien, Dichrostachys nutans, Euphorbien, Commiphoraarten und Capparidaceen eine Hauptrolle spielen. Im Dornbusch Ostafrikas kommen häufig auch zwei Pflanzen vor, die allen Reisenden auffallen, die durch einen gewaltigen, in Breite und Höhe einen Meter erreichenden Knollenstamm ausgezeichnete Icacinacee Pyrenacantha malvifolia, und die Passifloracee Adenia globosa. - 3. Die Busch - S. Sie erreicht die Höhe wie der Dornbusch, aber die Strauchund Baumgehölze, die sie bilden, lassen von Gräsern und Kräutern erfüllte Räume zwischen sich, so daß man auch pfadlos hindurchgelangen kann. Dornenpflanzen treten nicht so in den Vordergrund, wenn sie gleich nicht fehlen. Terminalien und Combreten, Grewia-, Commiphora- und Anonaarten, ferner einige aus dem Heer der Akazien sind ihr verbreitet. - 4. Obstgarten - S. Der von Hans Meyer zuerst gebrauchte Name will nicht etwa sagen, daß wir es hier mit Obstbäumen zu tun hätten, er soll nur den Eindruck wiedergeben, den die Formation macht. Man wird an einen Obstgarten erinnert, weil 4 - 6 m hohe, breitkronige, einem knorrigen Apfelbaum gleichende Bäume vorwalten. Sie sind in ziemlich regelmäßige und weite Abstände gestellt, man wandelt nicht unter, sondern zwischen ihren Kronen. Höchstens brusthohe Gräser, untermischt mit anderen Sträuchern, bedecken vor Eintritt der größten Trockenheit den Boden. Es ist niemals nur eine Baumart, die diese S. bildet, sondern in bunter Mischung zum wenigsten immer ein Dutzend verschiedener, aber es herrscht doch bald diese bald jene vor, so die Gardenia Thunbergii, Stereospermum-, Gymnosporia-, Cicyphus- und Bauhiniaarten, in Westafrika besonders Terminalien und Combreten. - 5. B aum - S. Sie wirken sehr verschieden auf den Beschauer, einmal je nach den Arten, die sie zusammensetzen, dann auch je nach der Zahl und der räumlichen Anordnung der Baumindividuen, die sich über eine bestimmte Fläche verteilen. Man spricht von Dum- oder Borassus - St., wenn es die Palmen Hyphaene coriacea bzw. Borassus flabelliformis sind, die vornehmlich ins Auge fallen, man nennt das Gelände eine Parklandschaft, wenn die Bäume nicht einzeln stehen, sondern größere und kleinere Gruppen bilden, die sich wohl auch zu einem engumschriebenen Wäldchen zusammenschließen können. Sind die Bäume, wie häufig, hochstämmige Akazien oder andere Leguminosen mit breiten Schirmkronen, wird man an lichte, italienische Pinienhaine gemahnt, mischen sich Sträucher ein, kommt das Bild eines Busches heraus, den die von schlanken Stämmen getragenen Kronen der Bäume überragen. Hundertfältige Abweichungen bestehen da, und schwer ist es darum meist, eine besondere Art von Baumst. mit wenigen Worten zu charakterisieren. Ost-, west- und südwestafrikanische Baumst. unterscheiden sich wesentlich schon nach den Arten der Bäume. Im Osten und Südwesten herrschen die Akazienst. vor, im Westen, besonders in Togo und Adamaua, die Parklandschaften. - 6. Salz - S. und Salzwüsten (s. Farbige Tafel ). Sie haben nur eine lokale Bedeutung, denn sie sind an einen hohen Salzgehalt des Bodens gebunden. In Westafrika kommen sie kaum vor, in Ost- und Zentralafrika beschränken sie sich auf ausgetrocknete Seebecken (Wembäre - Graben, Njarasa S., Manjara- und Natronsee), im Süden, wie namentlich in der Kalahari, umgürten sie die sog. Salzpfannen (s.d.) oder Überziehen sie ganz, wenn deren Wasser verdunstet ist. Die Salz - S. berührt sich mit der hier und da auftretenden Sukkulenten - S. insofern, als es meist niedere, mit dichfleischigen Blättern oder Stengeln ausgestattete Kräuter und Sträucher, hier aber aus den Familien der Chenopodiaceen, Aizoaceen und Zygophyllaceen sind, die sich an ihrer Vegetation beteiligen. - Einiges Wenige noch über die ausdauernden St.Pflanzen im allgemeinen. Sie zeichnen sich aus durch tiefgehende Wurzeln, die vielfach zu Wasserspeicherknollen angeschwollen sind, ihre gewöhnlich hinfälligen Blätter sind klein, spärlich an den Zweigen verteilt, oft grau behaart oder mit dicker Cuticula versehen. Werden sie größer, haben sie mitunter die Fähigkeit, bei größtem Sonnenbrand ihre Ränder zenitwärts zu stellen, oder, wenn sie gefiedert sind, Schlafstellung anzunehmen. Die Triebe bleiben kurz, wodurch bei den Holzgewächsen ein knorrigästiger Wuchs zustandekommt, der durch die S.feuer in seiner Bizarrheit noch vermehrt wird. In ihrer ganzen Ausbildung stößt man auf die Absicht, die Transpiration möglichst herabzumindern. Dornen und milchige, für das Vieh giftige Säfte zielen darauf hin, dem Fraß weidender Tiere entgegenzutreten.

Literatur: A. Engler, Die Pflanzenwelt Afrikas insbesondere seiner tropischen Gebiete. Lpz. 1910.

Volkens.