Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 428

Straußenfedern. Für die Verwertung kommen Flügelfedern, Flügeldeckfedern und Schwanzfedern in Betracht. Diese werden heute nicht mehr wie früher dem lebenden oder toten Vogel ausgerissen oder, wie besonders in Nordafrika, in ganzen Bälgen auf den Markt gebracht, sondern geschnitten, wenn sie reif sind, was bei nahrhafter und reichlicher Fütterung der Tiere in der Regel mit ca. 6 Monaten zum erstenmal der Fall ist. Nach zwei weiteren Monaten können die inzwischen ausgereiften Kielenden gezogen werden, und nach weiteren 6 Monaten sind die neuen Federn schon wieder schnittreif. Die Federn der ersten Gefieder sind nicht so wertvoll, wie die der ausgewachsenen Tiere. Als wertvollste Federn gelten, bei sonst fehlerfreier Beschaffenheit, die "Primes" oder Flügelfedern des Hahnes. Im Handel verlangt man von einer guten Feder einen dünnen aber kräftigen Schaft, eine dichte, volle, geschlossene Fahne mit möglichst langen Bärten, die auf beiden Seiten des Schaftes von der Basis bis etwa 10 - 12 cm unter der Spitze der Feder gleichlang sein sollen. Die Dichtigkeit der Fahne wird bestimmt durch den dichten Stand der Bärte und Bärtchen und die Länge der letzteren. Die Fahne soll außerdem "sich selbst tragen" (selfsupporting of flue), d.h. die Bärte dürfen nicht weich sein und schlapp am Schaft herunterhängen, sondern müssen kräftig genug sein, um unter einem Winkel von ungefähr 90° vom Schaft abzuzweigen und erst ganz an den Spitzen leicht abzufallen. Der Kopf oder die Spitze der Feder soll voll und schön abgerundet und gefällig nach rückwärts gebogen sein. Als einer der wichtigsten Punkte gilt, daß die Feder einen schönen natürlichen Glanz (gloss) besitzt. Federn ohne Glanz werden im Handel als "tot" bezeichnet und erzielen selbst bei sonst fehlerfreier Beschaffenheit nur niedrige Preise, da sie auch durch das Waschen und Färben keinen Glanz, vielmehr ein mattes, wolliges Aussehen annehmen und nur als Stütz- oder Unterfedern verwendet werden können. Das gleiche ist der Fall bei Federn mit "Fehlstreifen" (s. Bars u. Tafel 14). Die Produktion von S. in den Kolonien ist noch sehr gering, da die Straußenzucht (s.d.) noch im Anfangsstadium steckt. Bisher wurden hauptsächlich S. von wilden Vögeln in den Handel gebracht, ohne daß auch dieser eine nennenswerte Bedeutung erlangt hat. Die Ausfuhr von S. betrug 1912 / 13 aus D. - S. 547 kg im Werte von 97 012 M.

Neumann.