Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 428 f.

Straußenkrankheiten spielen eine große Rolle bei der Straußenzucht (s.d.), da durch sie die Rentabilität derselben vollkommen in Frage gestellt werden kann. Die wichtigsten S. werden durch tierische Schmarotzer hervorgerufen. Hierzu gehören die Magenwurm (s.d.) und Bandwurmseuche der Strauße (s.d.). Ferner ist von Bedeutung das Schmarotzertum der Läuse bei den Straußen, weil die Strauße dadurch veranlaßt werden, die Federn zu beschädigen und auszuziehen. Die Behandlung der Straußenläuse geschieht dadurch, daß man den Tieren die Möglichkeit gibt, sich in Asche zu wälzen, außerdem sind besondere Straußenbäder konstruiert worden, in denen die Tiere in petroleumhaltigem Wasser gebadet werden (s. Tafel 184); ferner wäre graue Quecksilbersalbe als Mittel zur Vertreibung der Straußenläuse zu versuchen. Von geringerer Bedeutung ist der im Bindegewebe in Knäueln schmarotzende Fadenwurm des Straußes (s. Tafel 185). Eine weitere Erkrankung des Straußes ist der Milzbrand (s.d.). Ferner kommt bei Straußen neuerdings in einigen Zuchten Südafrikas die Lähme (s. Tafel 185) vor. Sie tritt in bestimmten Farmen gehäuft auf, ist angeblich ansteckend, geht mit einer Lähmung der Beine einher und führt unter fortschreitender Lähmung zum Tode. Die Tiere werden plötzlich unvermögend aufzustehen, sie machen vergebliche Anstrengungen, sich zu erheben, und schieben sich dabei, auf den Sprungegelenken hockend, vorwärts. Mit Rücksicht auf die große Bedeutung der S. für die Entwicklung der Straußenzucht ist die tierärztliche Untersuchung sämtlicher erkrankten und gestorbenen Tiere unbedingtes Erfordernis, um sich zeigende Krankheiten im Keime ersticken zu können.

Literatur: Robertson, Abhandlungen über Straußenkrankheiten im früheren Kapschen Journal für Landwirtschaft. - v. Ostertag, Das Veterindrwesen und Fragen der Tierzucht in Deutsch-Südwestafrika, Jena 1912.

v. Ostertag.