Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 429 f.

Straußenzucht (s. Tafel 88, 184). Wenn auch in einer Anzahl von Ländern Straußenzuchtfarmen eingerichtet sind und Versuche mit S. gemacht werden, so sind doch mit Ausnahme der Kapkolonie und von Ägypten die Zuchten und die Federproduktion zu unbedeutend, um auf dem Weltmarkt eine Rolle zu spielen. Im Jahre 1911 betrug in Britisch - Südafrika die Zahl der Strauße 746 736, während sich die Federausfuhr auf 744 292 Pfund im Werte von 46 Mill. M belief. In allen unseren afrikanischen Schutzgebieten kommen wilde Strauße vor, teilweise in beträchtlicher Anzahl, eine Zucht im eigentlichen Sinne besteht bis jetzt aber nur in Deutsch-Südwestafrika, wo im Jahre 1913 1507 zahme Strauße gezählt wurden. Da die Bedingungen für eine S. in Deutsch - Südwestafrika günstige sind, läßt das Gouvernement sich ihre Förderung angelegen sein. So werden Prämien für die Einzäunung zu Zwecken der S. gewährt. Da die Beschaffung guten Zuchtmaterials - und nur solches kann für eine lohnende S. in Frage kommen - kostspielig ist, hat das Gouvernement Ende 1911 auf Otjituesu am Weißen Nossob eine Straußenzucht - Musterfarm eingerichtet, um Zuchtstrauße an Farmer abgeben zu können und diese durch den dort wohnenden Sachverständigen in der Zucht der Strauße praktisch und theoretisch unterrichten zu lassen. Von den aus der Kapkolonie nach Otjituesu eingeführten Straußen befinden sich Zuchtvögel aus bekannten Straußenfarmen, z. B. aus der Stammzucht des Farmers Kingwill, Colonies - Plaats, Graaf Reinet district. Auch von einzelnen Farmern wurden schon Zuchttiere aus wertvollen Zuchten erworben, wie aus der Züchterei von Hilton Barber im Cradockdistrikt, auf der der berühmteste Strauß der Kapkolonie "Old Jack" stand, ferner aus Rabies Zucht im Worcesterdistrikt und Whites Zucht im Grahamstowndistrikt. Zum Schutze der Straußenzucht hat das Gouvernement allgemein durch V. vom 15. Febr. 1909, betr. Ausübung der Jagd (KolBl. 1909 S. 376), das Fangen und Schießen von wilden Straußen und das Wegnehmen von Straußeneiern verboten, gibt aber in einzelnen Fällen an Farmer Straußenfangscheine unentgeltlich ab. Auch ist durch Ksl. V. vom 15. Febr. 1909 (KolBl. 1909 S. 768) die Ausfuhr von Straußen und Straußeneiern aus dem Schutzgebiete verboten mit Ausnahme nach allen britischen Besitzungen Südafrikas, von denen im Wege der Gegenseitigkeit die Ausfuhr von Straußen und Straußeneiern nach Deutsch-Südwestafrika ebenfalls gestattet ist (KolBl. 1910 S. 493). Wenn hiernach in Deutsch - Südwestafrika auch die ersten Anfänge zur Einrichtung rationeller S. gemacht sind, so wird doch auf eine baldige schnelle Vermehrung nicht zu rechnen sein, da auf den Straußenfarmen erst hinreichend Erfahrungen gesammelt werden müssen und hohe Anforderungen an das Betriebskapital des Farmers (Einzäunung der Farm, Wassererschließung und Beschaffung hinreichenden Futters während des ganzen Jahres) gestellt werden. Hinsichtlich der Futterbeschaffung können die Kosten allerdings durch den Anbau von gegen die Dürre widerstandsfähigen Pflanzen, wie Opuntia Ficus indicus, Agave americana, Kaffermelonen, Narras, Tsamas, australischen Salzbüschen, wesentlich verringert werden. Alle diese Pflanzen gedeihen schon bei 200 mm Regenfall und darunter und werden von den Straußen gerne gefressen. In Deutsch- Ostafrika kommt der Strauß zahlreich wild vor. Mit dem Fang und der Aufzucht des Straußes beschäftigte sich seit Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts eine eigene für diesen und ähnliche Zwecke gegründete Gesellschaft, ohne indes Erfolge zu erzielen. Auch haben Versuche, die von einzelnen Farmern und auf den Stationen Moschi und Kilimatinde mit Straußenaufzucht gemacht sind, bisher günstige Ergebnisse nicht gehabt, da die Kücken fast alle eingehen und die Tiere in der Gefangenschaft wenig gute Federn lieferten. Diese Mißerfolge geben indes keinen Grund zu der Annahme, daß Deutsch- Ostafrika für S. ungeeignet ist, sie sind vor allem auf den Mangel an erfahrenen Züchtern und geeigneten Anlagen zurückzuführen. In Kamerun kommt der Strauß südlich des Tsadsees in beträchtlicher Zahl wild vor. Er wird dort von den Arabern gejagt, die Federn werden an die Faktoreien am Benue verkauft. Eine rationelle Zucht wird nicht betrieben. In Togo kommt der Strauß wild nur im Norden und auch dort verhältnismäßig selten vor. Im Voltagebiet wird der Strauß von begüterten Eingeborenen als Luxustier gehalten. Im Jahre 1900 wurde von einem Europäer in Kete der Versuch gemacht, Strauße zu züchten und zu diesem Zweck 20 Strauße aus der etwa 300 km westlich vom Say am Niger gelegenen Landschaft Libtako eingeführt. (S.a. Strauße, Straußenfedern, Straußenkrankheiten.)

Literatur: A. Douglas, Ostrich farming in South Africa. London 1881. - Mosenthal and Hasting, Ostrich and Ostrich farming. London 1877. - Prof. Dr. Duerden, Experiments with Ostriches: The Agricultural Journal of the Cape of Good Hope. Kapstadt 1907/12. Dr. W. Bassermann, Der Strauß und seine Zucht. Berl. 1912. - D. W. Allen, Ostrich farming in a Nutshell. Cradock 1912. H. Scherer, Wie wollen wir unsere Straußenzuchtbetriebe in Deutsch - Südwestafrika einrichten? Berlin 1912.

Neumann.