Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 432

Suaheli, Wa-, Gesamtbezeichnung für die Bevölkerung der Ostküste Äquatorial-Ostafrikas von Lamu bis fast nach Mozambique hinunter. Die S. sind ein Mischvolk durch und durch, stecken doch in ihnen außer den alten Bewohnern der Küste und der Inseln selbst ungezählte Sklavengenerationen aus allen Teilen des Innern und Karawanenleute bis weit über den Tanganjika hinaus. Das alles aber hat sich in mehr als tausendjähriger Geschichte mit Arabern, Persern, Beludschen, Indern, Komorensern und Europäern gemischt. S. ist dabei von Haus aus der Name eines Stammes an der Lamuküste, der sich von dort aus über die ganze Küste ausgebreitet und allen übrigen Küsten- und Inselstämmen seine Sprache und seine Sitten gebracht hat. Ein, einheitlicher Typus ist angesichts einer solchen Mischung nicht zu erwarten, sondern die Hautfarbe wechselt vom hellen Gelbbraun bis zu Dunkelbraun. Die Kleidung der Männer wird charakterisiert durch das lange weiße Hemd (kansu) und die weiße gestickte Mütze (s. Tafel 183) oder den stets ohne Quaste getragenen Fes; die der Frauen und Mädchen durch lebhaft gemusterte eingeführte Kattune, von denen der eine um den Leib geschlungen (schucka), der andere als Toga über die Schulter geworfen wird (s. Tafel 183). Alle S. sind Moslim, doch stecken sie des alten Negeraberglaubens noch recht voll. Ihre aus lehmverschmiertem Stangengeflecht hergestellten, in Reihen angeordneten rechtwinkligen Häuser besitzen an einer Längsseite je eine Veranda (barása), auf der sich das tägliche Leben abspielt. Auf der Feldern baut der S. sehr zahlreiche Nutzpflanzen afrikanischer und ausländischer Herkunft, doch lieben die Männer mehr den Fischfang in den Küstengewässern. Geräucherter, geradezu fürchterlich stinkender Haifisch (papa) ist ihre Lieblingsspeise. - Charaktergrundzüge der S. sind: Geselligkeitstrieb, Genußfreude, heiterer Sinn und geistige Beweglichkeit auf der einen, Unbeständigkeit, Mißtrauen und Unwahrhaftigkeit auf der anderen Seite. Das Handwerk ist entweder Frauenarbeit im eigenen Hause, oder Sache gelernter ,,Fundi''. Zimmern, Mauern und Bootbau liegt den Männern ob, die Herstellung der feinen Matten und der keramischen Erzeugnisse der Frau. Männersache ist sodann der gern geübte Handel. -Von sehr großer verkehrspolitischer Bedeutung ist das Kisuaheli geworden, indem es sich zur Verkehrssprache auch für Innerafrika entwickelt hat, soweit dieser Verkehr von der Ostküste ausreicht (s. Suahelisprache).

Literatur: Burton, Zanzibar. Lond. 1872. - v. d. Decken, Reisen in Ostafrika in den Jahren 1859/65. Lpz. u. Beidelberg 1869. - K. W. Schmidt, Sansibar. Lpz. 1888. - O. Baumann, Der Sansibararchipl. Wiss. Veröff. d. Ver. f. Erdk. z. Lpz. 1897. - G. Meinicke, Aus dem Lande der Suaheli. I. Teil. Berl. 1895. - Leue, Daressalam. Berl. 1903. - Arning, Daresalam. Deutsch. Kol - Zeit. 1906. - Weule Negerleben in Ostafrika. Lpz. 1908. - Strandes, Die Portugiesenzeit v. Deutsch- u. Englisch - Ostafrika. Berl. 1899. - Guillain, Documents sur I'histoire, la géographie et le commerce de l'Afrique orientale. Par. 1856.

Weule.