Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 433

Suahelisprache, die Sprache der Suaheli (s.d.) in Deutsch-Ostafrika. Sie wird auch in Britisch- und Portugiesisch- Ostafrika verstanden und hat sich sogar bis tief in den Kongostaat ausgedehnt. Sie ist Handels- und Verkehrssprache in diesem Gebiet, in dem eine große Anzahl anderer, zum Teil mit der S. nicht verwandter Sprachen gesprochen werden. Der Name der Sprache ist arabisch und bedeutet "Küsten(sprache)". Die Sprache selbst ist eine echte Bantusprache, die aber da die Suaheli Mohammedaner sind, eine große Anzahl arabischer Lehnworte enthält. Außerdem hat sie als Handels- und Küstensprache auch persische, indische, portugiesische, englische und schließlich auch deutsche Worte aufgenommen. Die Sprache hat, da sie über ein so weites Gebiet verbreitet ist, eine Reihe von Dialekten, die sich zum Teil zu selbständigen Schriftsprachen entwickelt haben. Die Norddialekte in Britisch - Ostafrika gelten als die feinste S. An den Dialekt von Lamu, das Ki -Amu, lehnt sich die altertümliche poetische Sprache das Ki - Ngozi an. Ihm verwandt ist der Dialekt von Mombasa, das Ki - Mvita, das von der CMS eine eigene Literatur erhalten hat. Der Dialekt von Sansibar liegt der Literatur zugrunde, die vom Bischof E. Steere begründet und von der UMCA weitergeführt ist. Ihm verwandt ist der Dialekt von Deutsch - Ostafrika, das Ki - Mrima. In Portugiesisch-Ostafrika wird wieder ein etwas anderer Dialekt gesprochen. Da das Suaheli sehr viel von Europäern, Arabern, Indern und Afrikanern benutzt wird, die es nicht ordentlich können, gibt es sehr verschiedene Formen der Sprache, die sich von der eigentlichen S. mehr oder weniger weit entfernen. Die Sprache wird von den Suaheli selbst mit arabischer Schrift geschrieben, und die deutsche Regierung hat zunächst diese Schreibart beibehalten, sie hat aber allmählich, wie die Kenntnis der lateinischen Schrift durch die Mission und die Regierungsschulen sich ausbreitete, die arabische Schreibart aufgegeben und bedient sich heute nur der lateinischen, Die arabische Schrift läßt den Lesenden oft stark im Zweifel, was gemeint ist. Die Literatur ist heute sehr ausgedehnt, und ich gebe an dieser Stelle nur das wichtigste.

Literatur: Wörterbücher und Grammatiken: C. G. Büttner, Wörterbuch der Suahelisprache, Stuttg. u. Berl. 1890. - S. Domet, Die Suahelisprache, Jerusalem 1898. - J. L. Krapf, A Dictionary of the Suahili Language, Lond. 1882, - A. C. Madan, English-Suahili, Dictionary, Lond. 1902. - C. Meinhof, Die Sprache d. Suaheli in Deutsch-Ostafrika, Berl. 1911. - Ch. Sacleux, Dictionnaire F rancais Swahili, Zanzibar 1891. - Ch. Sacleux. Grammaire Suahilie, Paris 1909. - W. v. St. Paul Illaire, Suakeli - Handbuch, Stuttg. u. Berl. 1890. - E. Steere, Swahili Exercises, Lond. 1886. - E. Steere, A Handbook of the Swahili Language, Lond. 1875. - C. Velten, Praktische Suaheligrammatik, Berl. 1905. C. Velten, Suaheli - Wörterbuch, Berl. 1910. C. Meinhof, Grundriß einer Lautlehre der Bantusprachen, Berl. 1910, 87 - 112. - Texte: C. G. Büttner, Anthologie aus der Suaheli - Literatur, Berl. 1894. - C. G. Büttner, Suaheli Schriftstücke in arabischer Schrift, Stuttg. u. Berl. 1892. - C. G. Büttner, Das Buch von Herkal, Zeitschrift f. Kolonialsprachen, II., Heft 1 - 4. - E. Steere, Swahili tales, Lond. 1889. - W. E. Taylor, African Aphorisms, Lond. 1891. - W. E. Taylor, Übersetzung der 4 Evangelien (Mombasa - Dialekt), Lond. 1901. - C. Velten, Safari za Wasuaheli, Göttingen 1901. - C. Velten, Märchen u. Erzählungen der Suaheli, - Stuttg. u. Berl. 1898. - C. Velten, Desturi za Wasuaheli, Göttingen 1903. - Übersetzung der Bibel. Weiteres s. in B. Struck, Suaheli - Bibliographie, Lpz. 1909. - Zeitschriften; Habari za mwezi. UMCA, Seit 1895, - Kiongozi. Deutsche Regierungsschule, Tanga. Seit 1905. - Msimulizi. UMCA. Zanzibar. Seit 1904, - Pwani na Bara. Evangelische Mission. Dar - es - Salaam. Seit 1910. - Rafiki yangu. - Katholische Mission. Dar - es Salaam. Seit 1910. - s. C. G. Büttner, - Bantusprachen, Grammatiken.

Meinhof.