Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 434

Sudan, Gesamtname des mittleren Afrika zwischen dem tropischen Urwald und den Wüstengebieten des Nordens. Im Arabischen bedeutet S. "die Schwarzen", es ist das Land "der Neger". Man teilt ihn in West - S., Mittel - S. und Ost - S. Zum West - S., der die Flußgebiete des Senegal und Niger umfaßt, gehört die Kolonie Togo, während der Norden von Kamerun zum mittleren S. gehört, der die alten Reiche von Bornu, Sokoto, Bagirmi, Wadai umfaßt. Im allgemeinen herrscht im ganzen S. der Steppen- und Savannencharakter vor, nur im Westen tritt tropischer Urwald oder Parklandschaft hinzu. - Fast das ganze Gebiet des S. steht unter dem Einfluß des Islams (s.d.). Entweder sind die Neger vertrieben, oder sie sind Mohammedaner geworden oder stehen unter der Herrschaft von Mohammedanern. - Im mittleren und westlichen S., der für unsere Kolonien allein in Betracht kommt, haben wir als Stromsysteme das abflußlose Becken des Tsadsees, in das vor allem der Schari fließt, das Nigersystem mit dem Nordkamerun entwässernden Benue und das Senegalsystem. Der Niger, der ganz in der Nähe der Westküste entspringt, macht einen großen Bogen durch den westlichen S. und mündet in die Bucht von Guinea. Innerhalb dieses Bogens entwässert das zur Küste fließende System des Volta den größten Teil von Togo. - Der S. verdankt seinen Steppencharakter dem Übergangsklima mit langer winterlicher Trockenheit. Der Urwaldgürtel der Guineaküste verdankt seine Entstehung den feuchten Südwestwinden, die durch das stets über dem heißen Afrika bestehende Luftdruckminimum angezogen werden. Im ganzen S. haben wir eine Trockenzeit und eine Regenzeit und zwar tritt letztere mit dem höchsten Stand der Sonne ein, es sind sog. Zenitalregen. Die Temperatur ist die für Steppengebiete charakteristische, große Temperaturschwankungen, sowohl jahreszeitlich wie täglich. - Die semitischen oder hamitischen Völkerschaften sind von Norden gekommen, und so ist es natürlich, daß auch die Haupthandelsstraßen nach Norden die Sahara durchqueren, zumal im Süden der Urwaldgürtel verhinderte, leicht die Küste zu erreichen. Erst infolge der Besitznahme durch die Europäer beginnen sich die Verhältnisse zu ändern. - Die politischen Verhältnisse des S. sind heutzutage folgende: Frankreich besitzt den Hauptteil des westlichen S., seine Herrschaft reicht aber auch von Senegambien und dem mittleren Niger bis zum nördlichen Tsadsee und Wadai. England sitzt am oberen Volta und beherrscht das. alte Sokoto- und Bornureich. Deutschlands Togokolonie liegt im Voltagebiet, und dazu kommt in Kamerun Adamaua und das Gebiet südlich des Tsadsees.

Passarge - Rathjens.