Sudanneger nennt die Völkerkunde
jene weniger somatisch als sprachlich von, den Bantu
(s.d.) verschiedene Eingeborenengruppe Afrikas, die sich zwischen die
Bantu
im Süden und den Südrand der Sahara einlagert. In westöstlicher
Erstreckung
reicht das Gebiet vom Kap des grünen Vorgebirges bis etwas über den Weißen
Nil. Über den Wüstenrand nach Norden bis tief in deren
Inneres reicht das Gebiet der Teda oder Tibbu (Tibesti). Über einen großen
Teil der Sprachen dieses sehr langgestreckten Komplexes s. Sudansprachen. Die anthropologische
Zusammensetzung
der S. hat lange für einheitlich gegolten, bis die neuere Forschung auch
hier eine anscheinend sehr mannigfaltige Durch- und Übereinanderlagerung
feststellen zu können glaubt: echte Neger (Nigritier) zu unterst; darüber
schwarze und rote Äthiopier; zu oberst weiße Berber und Araber. Ob dieser Aufbau der genauern Untersuchung
standhalten wird, muß die Zukunft lehren. Im Westen bilden die
zahlreichste
und wichtigste Gruppe der S. die Mande oder Mandingo, zu denen außer den
Mandingo im engern Sinne selbst die Bambarra am obern Niger
und Senegal, die Susu an der Rivière du Sud und die Wey gehören. An der
westlichen Küste von Oberguinea sind ferner zu erwähnen die Jolof (Wolof),
Balante und Papel, und die für unsern Schiffahrtsbetrieb bedeutsamen Kru.
Weiter im Osten, an der Gold- und der Sklavenküste folgen die vordem durch ihre
Menschenschlächtereien berüchtigten. Reiche Aschanti und Dahome, zwischen denen sich das
schmale,
aber durch viele Völker und Sprachen
charakterisierte
Togo (s.d., Eingeborenenbevölkerung)
erstreckt.
Eine alte, in ihrer Tiefe noch kaum angeschnittene Kultur beherbergen Joruba
und seine Nachbarländer. Ein Land kraftvoller Staatenbildungen war während
des Mittelalters das Gebiet des mittleren Niger (Ghanata, Melle, Sonrhai).
Im mittleren Sudan ist die Völkerlagerung dem Anschein nach noch
komplizierter. Heute beherrschen hier die Fulbe
(s.d.) die Lage. Vor ihnen waren die Haussa
(s.d.) die Staatengründer und Kulturträger. Vor beiden müssen echte S.
ausschlaggebend
gewesen sein. Noch heute bilden Kanuri, Kanembu,
Tibbu
u. a. sehr wesentliche politische und wirtschaftliche Faktoren. In den
vier
gegenwärtig in Frage kommenden Staatenbildungen des Ostsudans, Bornu, Bagirmi, Wadai
und Dar Fur, tritt als neues Element das arabische hinzu. - An der
Südgrenze
des S.gebiets gegen den Uelle zu sitzen die
merkwürdigen Völker der Asande oder Niam - Niam und die Mangbattu. Diese
rechnet man einstweilen noch zu den S., doch führen beide unzweifelhaft
fremdes, vielleicht hamitisches Blut in sich. Die Ostgruppe der S. fassen
wir rein geographisch als Nilneger oder Niloten
zusammen. Für viele charakteristisch ist der, lange, schlanke Wuchs, der
manchen den Beinamen der Sumpfneger eingetragen hat, zumal sie, einem
Watvogel
ähnlich, beim Stehen das eine Bein im Winkel gegen das andere stützen. Die
nördlichste Gruppe bilden die Schuli mit den Schilluk am linken Nilufer
zwischen 12 und 6° n. Br. Im Winkel zwischen Bahr el Ghasal und Bahr el
Djebel sitzen die Dinka oder Djongeh mit vielen Unterstämmen, weiter oben
die Bari.