Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 434 f.

Sudanneger nennt die Völkerkunde jene weniger somatisch als sprachlich von, den Bantu (s.d.) verschiedene Eingeborenengruppe Afrikas, die sich zwischen die Bantu im Süden und den Südrand der Sahara einlagert. In westöstlicher Erstreckung reicht das Gebiet vom Kap des grünen Vorgebirges bis etwas über den Weißen Nil. Über den Wüstenrand nach Norden bis tief in deren Inneres reicht das Gebiet der Teda oder Tibbu (Tibesti). Über einen großen Teil der Sprachen dieses sehr langgestreckten Komplexes s. Sudansprachen. Die anthropologische Zusammensetzung der S. hat lange für einheitlich gegolten, bis die neuere Forschung auch hier eine anscheinend sehr mannigfaltige Durch- und Übereinanderlagerung feststellen zu können glaubt: echte Neger (Nigritier) zu unterst; darüber schwarze und rote Äthiopier; zu oberst weiße Berber und Araber. Ob dieser Aufbau der genauern Untersuchung standhalten wird, muß die Zukunft lehren. Im Westen bilden die zahlreichste und wichtigste Gruppe der S. die Mande oder Mandingo, zu denen außer den Mandingo im engern Sinne selbst die Bambarra am obern Niger und Senegal, die Susu an der Rivière du Sud und die Wey gehören. An der westlichen Küste von Oberguinea sind ferner zu erwähnen die Jolof (Wolof), Balante und Papel, und die für unsern Schiffahrtsbetrieb bedeutsamen Kru. Weiter im Osten, an der Gold- und der Sklavenküste folgen die vordem durch ihre Menschenschlächtereien berüchtigten. Reiche Aschanti und Dahome, zwischen denen sich das schmale, aber durch viele Völker und Sprachen charakterisierte Togo (s.d., Eingeborenenbevölkerung) erstreckt. Eine alte, in ihrer Tiefe noch kaum angeschnittene Kultur beherbergen Joruba und seine Nachbarländer. Ein Land kraftvoller Staatenbildungen war während des Mittelalters das Gebiet des mittleren Niger (Ghanata, Melle, Sonrhai). Im mittleren Sudan ist die Völkerlagerung dem Anschein nach noch komplizierter. Heute beherrschen hier die Fulbe (s.d.) die Lage. Vor ihnen waren die Haussa (s.d.) die Staatengründer und Kulturträger. Vor beiden müssen echte S. ausschlaggebend gewesen sein. Noch heute bilden Kanuri, Kanembu, Tibbu u. a. sehr wesentliche politische und wirtschaftliche Faktoren. In den vier gegenwärtig in Frage kommenden Staatenbildungen des Ostsudans, Bornu, Bagirmi, Wadai und Dar Fur, tritt als neues Element das arabische hinzu. - An der Südgrenze des S.gebiets gegen den Uelle zu sitzen die merkwürdigen Völker der Asande oder Niam - Niam und die Mangbattu. Diese rechnet man einstweilen noch zu den S., doch führen beide unzweifelhaft fremdes, vielleicht hamitisches Blut in sich. Die Ostgruppe der S. fassen wir rein geographisch als Nilneger oder Niloten zusammen. Für viele charakteristisch ist der, lange, schlanke Wuchs, der manchen den Beinamen der Sumpfneger eingetragen hat, zumal sie, einem Watvogel ähnlich, beim Stehen das eine Bein im Winkel gegen das andere stützen. Die nördlichste Gruppe bilden die Schuli mit den Schilluk am linken Nilufer zwischen 12 und 6° n. Br. Im Winkel zwischen Bahr el Ghasal und Bahr el Djebel sitzen die Dinka oder Djongeh mit vielen Unterstämmen, weiter oben die Bari.

Literatur: s. Sudansprachen.

Weule.