Surrakrankheit, eine durch ein Trypanosoma (Tr. evansi)
verursachte,
seuchenhaft auftretende Erkrankung der Pferde,
Maultiere und Kamele in Indien (s.a. Trypanosomen).
Außer den genannten Tieren erkranken auch Rinder
einschließlich der Zebus, die jedoch für die Krankheit weniger empfänglich
sind. Ferner seheinen auch wilde Tiere (Füchse,
Schakale und Hyänen)
bei der Krankheit insofern eine Rolle zu spielen, als sie den Erreger der
Krankheit in ihrem Blute beherbergen können, ohne selbst zu erkranken. Die
Übertragung der S. geschieht wie bei der Tsetsekrankheit
durch Stechfliegen, und zwar durch Tabanus tropicus, T. lineola, Stomoxys
calcitrans und die Hämatopotafliege. Fleischfresser sollen sich auch durch
die Aufnahme von Blut oder Fleisch kranker oder gefallener Tiere
infizieren
können. Die Seuche herrscht in Ost- und Westindien sowie in den
angrenzenden
chinesischen Gebieten; außerdem wurde sie an der Küste des persischen
Meerbusens,
auf Mauritius, auf den malaiischen und philippinischen Inseln, auf Java
und Sumatra festgestellt. Die als "Mbori"
und "el Debab" bezeichnete Trypanosomeninfektion der Kamele soll mit S.
identisch und aus Indien nach Nordafrika eingeschleppt worden sein. Durch
indische Rinder ist die S. nachweislich nach Mauritius eingeschleppt
worden
und hat hier 70 - 80 % des einheimischen Viehs zugrunde gerichtet. Ferner
ist die Seuche mit indischen Zebus im Jahre 1906 nach der
Quarantäneanstalt
bei Newyork verschleppt worden. Die S. herrscht überall, besonders während
der warmen Jahreszeit, in sumpfigen Gegenden, und rafft namentlich Einhufer
und Kamele dahin, während Rinder und Hunde
weniger heftig ergriffen werden. Sie besitzt große Ähnlichkeit mit der Nagana
(s.d.). Bei den Einhufern stellen sich 4 - 13 Tage nach der Infektion Fieber, große Abgeschlagenheit und kleine Blutungen
in den sichtbaren Schleimhäuten, namentlich Lidbindehäuten,
quaddelförmige,
teigige Anschwellungen der Haut, letztere namentlich an den Gliedmaßen,
den Geschlechtsteilen, am Unterkiefer und Unterbauch ein. Die Tiere können
schon wenige Tage nach dem Ausbruch der Krankheit zugrunde gehen; in der
Regel aber treten intermittierendes Fieber, zunehmende Blutarmut, Entkräftung und starke Abmagerung
trotz
guten Appetites ein. Der Tod erfolgt bei diesem Verlaufe gewöhnlich in 1
- 2 Monaten; der Verlauf kann sich aber auch auf 3 - 4 Monate erstrecken.
Bei Rindern verläuft die S. unter weniger auffälligen Erscheinungen,
intermittierendem
Fieber und einer sich allmählich entwickelnden Blutarmut und Abmagerung
und in den meisten Fällen mit Genesung. Bei Kamelen nimmt die Krankheit
in den meisten Fällen einen tödlichen Verlauf, und zwar wie bei den
Einhufern
schnell unter schweren Erscheinungen oder langsam unter intermittierendem
Fieber und allmählicher Abmagerung und Entkräftung. Von Hunden erkranken
in der Regel Jagdhunde; die Krankheitserscheinungen bestehen in zeitweilig
auftretendem Fieber, Anschwellungen des Kopfes, der Rachengegend, der
Gliedmaßen
und Störungen der Bewegungen. Bezüglich der Behandlung und Vorbeuge gilt
dasselbe wie für die Nagana (s.d.). Für die Kolonien, die diese Seuche
noch nicht haben, ist
die Fernhaltung durch Einfuhrverbot für Tiere aus den verseuchten Ländern
oder jedenfalls durch Einrichtung einer Quarantäne (s.d.), in der das Blut der aus
gefährdeten
Gegenden kommenden Tiere vor der Einfuhr sorgsam (mikroskopisch und durch
Verimpfung
auf Versuchstiere) auf das Vorhandensein der spezifischen Trypanosomen
untersucht
wird, notwendig.