Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 441

Swakopmund (s. Tafel 186), der wichtigste Küstenplatz von Deutsc -Südwestafrika. In S., das zugleich der Mittelpunkt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks ist, befinden sich nicht allein ein Hauptpostamt, eine Telegraphenstation und eines der wichtigsten Zollämter, sondern es ist auch Sitz einer Station der Rheinischen Missionsgesellschaft sowie einer solchen der Mission des St. Bonifatiusklosters bei Folge. Ferner bestehen hier eine sehr gut besuchte Regierungsschule und eine Realschule. Die meisten der größeren selbständigen Firmen des mittleren und nördlichen Schutzgebiets sowie eine Anzahl Kolonialgesellschaften haben in S. eine Filiale. Groß ist auch die Zahl der daselbst angesessenen Einzelfirmen. - S. ist gleichzeitig der Ausgangspunkt der nach dem südlichen Hererolande (Windhuk) und der nach Otavi -Tsumeb führenden Hauptbahnen. - S. ist nicht Hafen, sondern offene Reede, deren Wert allerdings durch einen starken Dammbau erheblich gewonnen hat. Vor der Küste steht eine ziemlich lebhafte Brandung. Unangenehm beeinflußt wird der Seeverkehr durch die starken Sandverschiebungen und die damit zusammenhängenden Änderungen der Tiefenlinien auf der Reede. Die Entwicklung S.s ist in erster Linie weniger seiner Reede als der günstigen Lage des Ortes zum Binnenlande zu verdanken. Erst 1892 wurde durch S. M. S. Hyäne die Möglichkeit des Landens endgültig festgestellt, doch erst 1893 begann der Verkehr sich diesem Punkte mehr und mehr zuzuwenden. Die Unmöglichkeit, die immer größer werdenden Ochsenwagenzüge über die wasser- und futterlose Umgebung der Walfischbai hinwegzubringen, haben außer den sehr triftigen politischen Beweggründen in erster Linie dazu beigetragen, den immer schneller aufblühenden Ort zum Ausgangspunkt des Verkehrs zu machen. Auch die Bahn fand auf den das Swakoptal im Norden begleitenden Hochflächen viel günstigere Bedingungen der Anlage vor als sie bei der Wahl einer etwa von Walfischbai ausgehenden Linie, von der man in früheren Zeiten wohl träumte, je zu erreichen gewesen wären. So kam es, daß bereits 1901 in S. etwa die gleiche Zahl von Einzelfirmen tätig war wie in Windhund selbst. Ist auch die Bedeutung von Lüderitzbucht seither ganz erheblich gestiegen, so hat S. gleichwohl alle Aussicht, dauernd den Rang des wichtigsten Tores für den Handel des Schutzgebiets zu behaupten. Klimatabelle s. Deutsch-Südwestafrika.

Literatur: K. Dom Deutsch-Südwestafrika. Gotha 1897. - H. v. Francois, Nama und Damara. Magdebg. - K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch - Südwestafrika. 2. Aufl., Berl. 1904. - L. Schultze, Aus Namaland und Kalahari. Jena 1907. - A. Gülland, Das Klima von Swakopmund, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. Berl. 1907 (wichtig wegen der für die Schiffahrt unentbehrlichen Mitteilungen über Wind, Nebel und Brandung).

Dove.