Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 451

Tabora, Hauptort des zentralen Hochlandes von Deutsch - Ostafrika, Sitz des Bezirksamtes des gleichnamigen Bezirks. - 1. Der Ort T. liegt etwa im Mittelpunkt von Unjanjembe (s.d.) in einer weiten flachwelligen Mulde, die in einiger Entfernung von gerundeten Hügelzügen bis zu 100 m überragt wird. Alles feste Gestein ist Granit, oft in gewaltigen Felsblöcken aufgetürmt. Alles Wasser - abgesehen von der Regenzeit - ist Grundwasser (Klima s. ausführliche Tabelle unter Deutsch, Ostafrika, 4). T. ist 1820, nach andern erst 1846 von Sansibararabern gegründet worden als Stützpunkt für ihre so weit nach Westen ausgedehnten Handel und Raubzüge, etwa gleichweit entfernt von den beiden großen Seen. Von seiner Zerstörung im Jahre 1871 durch den Emporkömmling Mirambo (s.d.) erholte es sich nur langsam. 1890 wurde hier die deutsche Flagge gehißt, und als Ssike von Unjanjembe 1893 im Kampfe fiel, war die deutsche Herrschaft endgültig befestigt. In friedlichen Zeiten hob sich die Bedeutung von T. -wieder. Die Einwohnerzahl des sehr weitläufigen Ortes mit seinen vielen Mangobäumen (s.d.) ist jetzt etwa 30 000. Die neue Lage an der Zentralbahn ist sehr bedeutsam, zumal hier bald die Ruandabahn sich abzweigen wird. Heute ist die stattliche neue Boma (s.d.) auf dem Uleiahügel, 90 m ins Geviert groß (s. Tafel 187), der Mittelpunkt der deutschen Macht im zentralen Hochland. Ihr Boden liegt 1136 m ü. d. M. Hier steht die 8. Kompagnie der Schutztruppe. In der Nähe liegen die Wohnhäuser der Europäer. 110 Mann Polizeitruppe haben ihr Quartier in der Nähe des großen Marktes. 1913 waren in Tabora 26 deutsche Firmen, darunter vier Gasthäuser, eine Apotheke vertreten, ferner etwa 9 indische Firmen; noch 6 Jahre früher waren erheblich mehr Farbige, besonders auch Araber, viel weniger Europäer hier im Handel tätig. Tabora hat ein Bezirksgericht, Hospital, Post, Telegraphen mit Draht nach Daressalam, Kigoma, Muansa, Funkenstation im Bau. Die Bahnstation liegt M km von Daressalam, 1199 m ü. d. M. 2. Der Bezirk T. ist mit 104 000 qkm bei weitem der größte Bezirk von Deutsch - Ostafrika und umfaßt Groß - Unjamwesi (s.d.) nördlich vom Nkurulu - Ugala, (s.d.), abgesehen von der größeren, nördlichen Hälfte von Ussukuma. Außer Wanjamwesi, im weiteren Sinn, sind in T. noch vertreten 2500 Wangoni (s.d.) in der kleinen Landschaft Runsewe (zu Usumbwa, s.d.), 3000 Watussi (s.d.) überall zerstreut, 16 000 Manjema, 5000 Suaheli (s.d.), diese besonders im Ort T. Die Bevölkerung des Bezirks wurde Anfang 1913 auf 437 500 geschätzt, wozu 756 nichteingeborene Farbige (496 Inder, 214 Araber), 336 Europäer kamen. Letztere Zahl war freilich ungefähr zu einem Drittel durch den Bahnbau bedingt. Danach wäre die Volksdichte 4,2. Sie scheint im letzten Jahrzehnt durch die Wirkungen der Sachsengängerei nach den Plantagenbezirken und den Bahnbaustrecken Deutsch - Ostafrikas erheblich zurückgegangen zu sein (s. Unjamwesi). Das Bezirksamt im Ort T. hat zwei Nebenstellen: Schinjanga (s.d.) und Uschirombo (s.d.), denen jeweils eine Anzahl der kleinen Sultanate unterstehen. Es gibt im Bezirk 12 Missionsstationen. - An Europäer waren 1908 3,5 qkm verpachtet und verkauft; 1909/12 wurden vom Gouvernement 4,9 qkm verkauft, 4,3 verpachtet. DerViehstand des Bezirks ist ziemlich gut, wenn auch geringer als in den nördlichen Nachbarbezirken. Die Eingeborenen besaßen 1913 schätzungsweise 217 930 Rinder, 240 850 Stück Kleinvieh, 1460 Esel. Der Besitz der Europäer an Vieh war in 12 Betrieben 846 Rinder, ganz wenig Kleinvieh, 79 Esel und Maultiere.

Uhlig.

Literatur: Zu 1: Karstedt, Deutsch-Ostafrika und seine Nachbargebiete. Bln. 1914.