Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 454 f.

Tanga (= Segel, Kisuaheli, nach der Form der Toteninsel, s.u.), die nördlichste Hafenstadt von Deutsch-Ostafrika am Indischen Ozean und die zweitwichtigste des Schutzgebietes; es ist Sitz des Bezirksaints für den leichnamigen Bezirk. - 1. Die Stadt T. liegt an der T.bucht, einer Vereinigung der Creeks (s.d.) des Sigi (s.d.) mit dem des kleineren Mkulumusi. Die auf der Grenze beider Gebiete gelegene Toteninsel schließt mit dem Ras (Kap) Kasone zusammen das eigentliche ziemlich geschützte Hafenbecken ein (s. Tafel 187), das Schiffe bis zu 8 m Tiefgang aufnehmen kann. Der Verkehr mit dem geräumigen Pier der Usambarabahn (s. Eisenbahnen I a), in den die Geleise der Bahn münden, wird durch Leichter vermittelt. Der Ort selbst liegt an der südlichsten Stelle der Bucht, oberhalb der etwa 15 m hohen Steilküste, in deren Hang pleistozäne Lehme, Sande und Knollenkalke aufgeschlossen sind, nicht aber eigentlicher Riffkalk. Letzterer tritt an der Toteninsel und weiter nördlich auf. T. liegt im Gebiet des Monsunklimas (s. Deutsch-Ostafrika 4) mit drei Regenzeiten, die freilich gerade hier oft unregelmäßig verlaufen, manchmal ausfallen. Im bisher regenreichsten Jahr fiel über viermal so viel Regen als im trockensten. Im 19jährigen Mittel fielen 1484 mm (Verteilung über das Jahr s. Tabelle unter Deutsch-Ostafrika 4). Die Küste von Deutsch-Ostafrika ist nirgends regenreicher, ihre Vegetation nirgends üppiger. Trotzdem hat T. heute nicht viel Malaria. Die Temperaturen T.s unterscheiden sich von denen Daressalams nur durch die etwas wärmere kühle Jahreszeit. T. ist uralt, die Araber saßen hier, ehe die Portugiesen nach Ostafrika kamen. Von 1889 an begannen Europäer hier zu arbeiten. Deren Zahl betrug 1908: 141 bei einer Gesamtbevölkerung von 5689. Die entsprechenden Zahlen für 1913 sind 298 (252 männliche, 46 weibliche) und ungefähr 12 000. Schon 1893 wurde von T. aus der Bau der Usambarabahn begonnen. Im Ort waren 1913 zwölf Handelsgesellschaften und 26 andere europäische Firmen, etwa fünfzig indische vertreten; es gab in T. 4 Gasthöfe, Hospital, Apotheke, eine Zeitung, Bezirksgericht, Post, Telegraph, Eisenbahndirektion, Hauptzollamt. Der Hafenverkehr betrug 1912: 286 einlaufende Schiffe mit 613 656 Reg. - t, dazu 384 Dhaus mit 10 003 t Rauminhalt. Die Einfuhr hatte 1912 11,994 Mill. M Wert, die Ausfuhr 13,327. In ersterer waren für 2,007 Mill. M Cerealien, 1,233 andere Nahrungsmittel, 0,442 Getränke, 2,575 Textilwaren usw., 3,254 Metall und Metallwaren aller Art; die Ausfuhr enthielt für 1,164 Mill. M Kolonialwaren, meist Kaffee, 4,668 Sisal, 6,503 Erzeugnisse der Forstwirtschaft, wovon das meiste Kautschuk. 2. Der Bezirk T. ist 4600 qkm groß. Abgesehen von Ostusambara und den kleineren Schollen Usambaras (s.d.) gehört sein Gebiet zum Vorrang von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5); die Landschaft Bondei (s.d.), die hier liegt, wird von der Grenze zwischen T. und Pangani (s.d. 3) geschnitten. Die Steppe der Wadigo (s.d.) und die Umbasteppe (s. Umba) gehören je zur Hälfte zu T. Die Zahl der Eingeborenen war Anfang 1913: 108 400; dazu kamen 2393 nichteinheimische Farbige und 581 Europäer. Die Volksdichte betrug also 24. Die Plantagenwirtschaft ist in T. älter und ausgebreiteter als sonstwo in Deutsch - Ostafrika, was nicht zum wenigsten der Usambarabahn zu danken ist. 1908 waren 877 qkm Landes an Pflanzungsunternehmungen vergeben; 1909/12 wurden vom Gouvernement 157 qkm verkauft, 583 verpachtet. Heute ist in T. kaum weiteres Land für solche Zwecke verfügbar. Die Zahl der Plantagen in T. beträgt etwa 70; 24 Gesellschaften, 72 selbständige Pflanzer waren hier 1913 tätig. 17 der Betriebe hatten zusammen 259 Rinder, 239 Stück Kleinvieh, 12 Schweine, 124 Esel, 29 Reittiere. Die Eingeborenen hatten 2400 Rinder, 13 490 Schafe, 27 300 Ziegen, 112 Esel, 20 Schweine. - In T. sind 75 Mann der Polizeitruppe stationiert, in Jassin an der britischen Grenze besteht ein Zollposten.

Literatur: W. Koert und F. Tornau, Zur Geologie und Hydrologie von Daremalam und Tanga, Abh. Preuß. Geol. Landesanst. N. F. 63, 1910.

Karten: Mansa-, Mwambani- und Tangabucht 1: 50 000, D. Admiral. - K. Nr. 184, 1904. Hafen von Amanda 1: 7500, Nr. 124, 1910. - Usambara und Küstengebiet 1: 100 000, hgg. vom Vesuv. 1911/13.

Uhlig.