Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 462

Tauschhandel. Die einfache Form des Handels ist der Austausch der angebotenen gegen die gewünschte Ware. Er kann sich als sog. stummer Handel vollziehen, wenn z.B. Pygmäen nachts in der Pflanzung des Negers Fleisch niederlegen und dafür etwa Bananen entnehmen. Ähnlich verläuft der Handel Fremden und Feinden gegenüber, wenn eine Partei ihre Waren auslegt, sich zurückzieht, während die andere ihr Angebot dazulegt, um dann ihrerseits zurückzugehen, damit die erste es prüfen kann. Durch Wiederholung des Verfahrens wird dann schließlich meist die Zufriedenstellung beider erreicht. Wo Märkte (s.d.) oder doch regelmäßige Kaufgelegenheiten bestehen, bildet sich leicht ein Durchschnittspreis für die üblichen Waren, zumal für die Nahrungsmittel aus. Auf der anderen Seite kann der T. zur Preistreiberei und Verschleuderung führen, wenn etwa die Verkäufer von leicht verderblichen Waren nur einen oder wenige Käufer finden, die haltbare Waren im Austausch bieten. Ein besonderer Nachteil des T. liegt in seiner Umständlichkeit. Wünscht A die Ware des C, während dieser die des B haben will, so muß A erst die des B eintauschen, um sie dann an C weiterzugeben. Das führt zur Verständigung über Tauschmittel, wie Salz, Tabak, Hacken, Wurfeisen usw., deren jeder bedarf, die rasch zu Wertmessern und Geld (s. Geld der Eingeborenen) werden. S.a. Handel.

Thilenius.