Deutsches Kolonial- Lexikon(1920), Band III, S. 475

Tenchinsel (fälschlich auch wohl Squally- Island genannt), kleine 1781 von Maurelle entdeckte niedrige, bewohnte Koralleninsel unter 1° 38' s. Br. und 150° 41' ö. L, östlich von Mussau (St. Matthias) im Bismarckarchipel (Deutsch-Neuguinea) gelegen. Die T. ist dicht besiedelt. Ihre Bewohner müssen dem Aussehen nach zu den Melanesiern gerechnet werden. Es sind mittelgroße, dunkelbraune und kräftig gebaute Individuen mit überwiegend lockigem Haar, doch fehlt es auch nicht an Leuten mit straffem, schlichtem Haar. - Bemerkenswert ist die Barttracht der Männer, die ihren Kinnbart lang wachsen lassen und ihn in zwei bis vier Zöpfe flechten, die man unten zusammenbindet und bis auf den Nabel herabhängen läßt. - Die Frauen sind kleiner und hellfarbener; sie tragen kurzgeschorenes Haar. - Während die Männer völlig nackt gehen, bekleiden sich die Frauen mit Pandanusblattmatten, die auf dem Webstuh1e hergestellt werden. - Schmuck fehlt völlig. Die Eingeborenen leben in Hütten, deren äußere Form denen von Matthias gleicht, nur sind sie ungleich schlechter hergestellt. Zu jeder Hütte gehört ein Vorratshaus, das auf vier hohen Pfosten ruht, die zum Schutz gegen Ratten mit glatten Pandanusblättern umwickelt sind. . Die Häuser stehen in Doppelreihen und bilden eine lange Straße. Über eine soziale Organisation ist nichts bekannt; es scheint Häuptlinge zu geben. Wichtig ist die Beschneidung beim männlichen Geschlecht, die schon in sehr jungen Jahren vorgenommen wird. - Taro, Kokosnuß und Fische bilden die Nahrung der Leute. Von der materiellen Kultur sind Besonderheiten nicht zu erwähnen; sie ist sehr dürftig. Der Hausrat besteht aus primitiven Kopfbänken, Matten, Körben, beschnitzten Traghölzern, Kokosschabern, Taroschabern, die in ihren Formen von denen auf Matthias nicht abweichen. - Die E ß schalen sind langoval und aus Holz geschnitten. Als Werkzeuge werden Muschelschabeinstrumente und rohgearbeitete Tridacnabeile benutzt, deren Klingen direkt auf den Schaft aufgebunden werden. - Als Waffen bedient man sich im Nahkampfe langer, glatter Holzlanzen und beim Angriff beliebig aufgesammelter Steine. Vielleicht dient der um die Stirn gebundene Strick als Schleuder. Nach den Erfahrungen der Hamburgischen Südsee-Expedition (s.d.) sind die Leute geschickt im Barrikaden- und Hindernisbau. - Die Fischer ei wird mit Netzen, Haken und Speeren betrieben auch der Fischdrache wird verwendet. - Die Fahrzeuge sind plumpe Auslegereinbäume, die mit Paddeln fortbewegt werden. Man kann sie nur zu Fahrten vor dem Riffe benutzen. Die T. unterhält keinerlei Verkehr mit irgendeiner der benachbarten Inseln.

Literatur: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttg. 1907. - Vogel, Eine Forschungsreise im Bismarckarchipel. Hamb. 1911.

Thilenius, Hambruch.