Tenchinsel (fälschlich auch wohl Squally- Island genannt),
kleine
1781 von Maurelle entdeckte niedrige,
bewohnte
Koralleninsel unter 1° 38' s. Br. und 150° 41' ö. L, östlich von Mussau
(St. Matthias) im Bismarckarchipel
(Deutsch-Neuguinea) gelegen. Die
T. ist dicht besiedelt. Ihre Bewohner müssen dem Aussehen nach zu den
Melanesiern
gerechnet werden. Es sind mittelgroße, dunkelbraune und kräftig gebaute
Individuen mit überwiegend lockigem Haar, doch fehlt es auch nicht an
Leuten
mit straffem, schlichtem Haar. - Bemerkenswert ist die Barttracht der
Männer,
die ihren Kinnbart lang wachsen lassen und ihn in zwei bis vier Zöpfe
flechten,
die man unten zusammenbindet und bis auf den Nabel herabhängen läßt. - Die
Frauen sind kleiner und hellfarbener; sie tragen kurzgeschorenes Haar. -
Während die Männer völlig nackt gehen, bekleiden sich die Frauen mit
Pandanusblattmatten,
die auf dem Webstuh1e hergestellt werden. - Schmuck fehlt völlig. Die
Eingeborenen
leben in Hütten, deren äußere Form denen
von Matthias gleicht, nur sind sie ungleich schlechter hergestellt. Zu
jeder
Hütte gehört ein Vorratshaus, das auf vier hohen Pfosten ruht, die zum
Schutz
gegen Ratten mit glatten Pandanusblättern
umwickelt sind. . Die Häuser stehen in Doppelreihen und bilden eine lange
Straße. Über eine soziale Organisation ist nichts bekannt; es scheint Häuptlinge
zu geben. Wichtig ist die Beschneidung beim männlichen Geschlecht, die
schon in sehr jungen Jahren vorgenommen wird. - Taro,
Kokosnuß und Fische bilden die Nahrung der
Leute. Von der materiellen Kultur sind Besonderheiten nicht zu erwähnen;
sie ist sehr dürftig. Der Hausrat besteht aus primitiven Kopfbänken, Matten, Körben, beschnitzten Traghölzern,
Kokosschabern,
Taroschabern, die in ihren Formen von denen auf Matthias nicht abweichen.
- Die E ß schalen sind langoval und aus Holz geschnitten. Als Werkzeuge
werden Muschelschabeinstrumente und rohgearbeitete Tridacnabeile benutzt,
deren Klingen direkt auf den Schaft aufgebunden werden. - Als Waffen
bedient
man sich im Nahkampfe langer, glatter Holzlanzen und beim Angriff beliebig
aufgesammelter Steine. Vielleicht dient der um die Stirn gebundene Strick
als Schleuder. Nach den Erfahrungen der Hamburgischen
Südsee-Expedition (s.d.) sind die Leute geschickt im Barrikaden- und
Hindernisbau. - Die Fischer ei wird mit Netzen, Haken und Speeren
betrieben
auch der Fischdrache wird verwendet. - Die Fahrzeuge sind plumpe
Auslegereinbäume,
die mit Paddeln fortbewegt werden. Man kann sie nur zu Fahrten vor dem Riffe
benutzen. Die T. unterhält keinerlei Verkehr mit irgendeiner der
benachbarten
Inseln.
Literatur: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttg. 1907.
- Vogel, Eine Forschungsreise im Bismarckarchipel. Hamb. 1911.