Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 477

Termiten, Insekten mit unvollkommener Verwandlung, welche sich in mancher Beziehung, was ihren Bau anbetrifft, eng den Schaben anschließen, wegen der Vierzahl der Tarsenglieder aber wohl besser den Geradflüglern angefügt werden (s. Tafel 61/68, Abb. 8- 10). Noch mehr als die Schaben scheuen sie das Licht und besitzen, wie manche ,andern Dunkeltiere eine sehr helle Farbe. Da sie andererseits, wie die Ameisen, in Staaten leben, nennt man, sie vielfach auch Weiße Ameisen. Der T.staat besteht, wie der Ameisenstaat, einerseits aus Geschlechtstieren und andererseits aus Arbeitern mit verkümmerten Geschlechtsorganen. Die Geschlechtstiere sind vor dem Hochzeitsflug geflügelt, werfen nach demselben aber die Flügel nahe an der Wurzel ab. Der Körper des Weibchens schwillt ,durch die Entwicklung der Eier ganz außerordentlich an, so daß die festen Rückenplatten derselben nur als kleine dunklere Querstückchen auf der erweiterten hellen Gelenkhaut erscheinen. Bisweilen wird das Weibchen 10 cm. lang, während der Kopf und die Brust zusammen nur 1 cm lang sind. Stirbt das Weibchen, so wird ein Ersatzweibchen erzogen. Im Gegensatz zu den Ameisen bleibt auch ein Männchen dauernd im Staate und kann, wenn nötig, das Weibchen von neuem befruchten. Die Arbeiter (s. Tafel 67/68 Abb. 8), welche sich durch Zahl und Beweglichkeit auszeichnen, bauen das Nest, füttern und reinigen das Königspaar und ziehen die Brut auf. Die Soldaten (s. Tafel 67/68 Abb. 9 u. 10) verteidigen das Nest und sollen zum Teil auch Polizeidienste tun. Die Soldaten mit großem Kopf (Abb. 10) verwenden ihre Kiefer als Waffe, die sog. Nasuti (Abb. 9) ,das Sekret ihrer Stirndrüse. Das Nest der T. befindet sich bisweilen ganz in der Erde. Oft aber, z.B. in unsern afrikanischen Kolonien, werden förmliche Gebäude von sehr bedeutender Größe aus. Erde und Speichel aufgeführt, die dem stärksten Tropenregen standhalten (s. Tafel 44). Manche Arten legen ihr etwa kopfgroßes Nest am Stamme oder an den Ästen der Bäume an (Afrika, Neuguinea usw.). - Schädlich werden die T. besonders dadurch, daß sie das Holzwerk der Gebäude und sogar die Stämme lebender Bäume ausnagen, bis nur noch die unversehrte Außenwand übrig ist. Die Mittel gegen den T.fraß bestehen mehr in einem Vorbeugen als in einem Töten der Tiere. Da die Tiere von unten in das Holzwerk und sogar durch den Fußboden in Möbel einzudringen pflegen, muß das Holzwerk auf unzugänglicher Grundlage stehen. Die aus Holzwerk hergestellten Häuser müssen auf Zementpfosten stehn und wenn möglich einen Zementfußboden besitzen. Da starkriechende Stoffe von den T. gemieden werden, sind auch frischer Teeranstrich und Asphalt vor ihnen sicher. Sogar Schafdung soll gemieden werden. Von Holzsorten ist Eisenholz (Sideroxylon), zu hart, um angefressen zu werden. Kampferholz, Teakholz usw. werden des Geruches wegen gemieden. Auch mit Chlorzink imprägniertes Holz soll von den T. nicht befallen werden. Von Vertilgungsmitteln hilft nur die äußerst giftige Blausäure gründlich. Sie wird zur Wirkung gebracht, indem im luftdicht geschlossenen Raum Zyankali mit Schwefelsäure begossen wird. T. kommen in allen unsern Kolonien vor.

Literatur: K. Escherich, Die Termiten oder weißen Ameisen. Lpz. 1908.

Dahl