Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 483 ff.

Tierwelt der deutschen Schutzgebiete. 1. Allgemeines. 2. Die Schutzgebiete der Südsee. a) Marshallinseln. b) Karolinen und Marianen. c) Samoa. d) Kaiser-Wilhelmsland. e) Bismarckarchipel und Salomoninseln. 3. Kiautschou. 4. Die afrikanischen Schutzgebiete. a) Deutsch- Südwestafrika. b)Deutsch- Ostafrika. c)Togo. d)Kamerun.

1. Allgemeines. Die Tiergeographie oder Zoogeographie ist diejenige Wissenschaft, welche sich mit der Verteilung der Tiere auf der Erde und mit den diese Verteilung bedingenden Ursachen beschäftigt. Als Fauna bezeichnet man die Gesamtheit aller in derselben Gegend vorhandenen Tierformen. Man muß zwischen den Begriffen "Gelände- Fauna" und "Gebiets-Fauna" unterscheiden. Wald und Feld, Gebirge und Ebene, Moor und Wasser und trockenes Land haben ihre eigentümlichen Arten neben solchen, die in mehreren Geländeformen gefunden werden. Alle in einem und demselben Gelände nachgewiesenen Arten bilden zusammen seine Fauna, die Gesamtheit aller Geländefaunen aber setzt eine Gebietsfauna zusammen. Es hat sich herausgestellt, daß die Tierarten räumlich sehr verschieden weit verbreitet sind, und daß man auf der Erde eine Anzahl von Verbreitungsbereichen unterscheiden muß, deren jedes durch eine Reihe besonderer Tierformen ausgezeichnet ist. In jedem von ihnen lassen sich wieder. kleinere Bezirke unterscheiden, die wiederum durch besondere Formen und dadurch, daß gewisse Arten in besonderen, örtlich verschiedenen Rassen dort auftreten, ein eigentümliches Gepräge haben. So hat z.B. die deutsche Tierwelt mit der in Neuguinea vorhandenen kaum eine Ähnlichkeit; von den bei uns vorhandenen Tiergruppen sind nur wenige dort vorhanden und diese in ganz anderen Arten als hier. Andererseits ist die Tierwelt Deutschlands keineswegs überall gleichartig: im äußersten Norden von Ostpreußen treten Gattungen auf, die sonst nirgends wo in unserem Vaterlande gefunden werden, und im äußersten Südwesten, in den an Frankreich grenzenden Gebieten, kommen wieder andere fremde Gattungen vor, welche von den Mittelmeerländern her bis dort verbreitet sind. Aber auch die über ganz Deutschland verbreiteten Arten mancher Gattungen, die bisher genauer untersucht worden sind, haben im nördlichen Ostpreußen andere Merkmale als im südlichen Elsaß, ja man kann z.B. für viele Säugetiere nachweisen, daß sie innerhalb Deutschlands in mehreren Rassen, deren jede ein kleineres Gebiet bewohnt, vorhanden sind, und daß diese kleinen Gebiete je eine besondere Rasse jeder genauer untersuchten deutschen Säugetierart enthalten. Ähnliche Verhältnisse werden, wie man jetzt immer sicherer vermuten darf, für die ganze Erde gelten. Die Rassengebiete (s.d.) scheinen Mulden der Erdoberfläche zu sein, die in Längs und Querreihen so nebeneinander liegen, daß die ihre Mittelpunkte verbindenden Geraden in Winkeln von 450 zu den Meridianen verlaufen (s. Karte unter Rassengebiete). Diese Rassengebiete sind also scharf begrenzt, während alle weiteren Bezirke, die sog. zoogeographischer Regionen und ihre Unterabteilungen allmählich in einander übergehen. Die an ihren Grenzen liegenden Rassengebiete enthalten auch Gattungen und Arten der Nachbargebiete, und zwar jedes in anderer Verteilung. Man kann eine ganze Anzahl von Verbreitungsherden unterscheiden, in deren Nähe gewisse Gattungen und Arten vorkommen, die von dort aus, eine beschränkte Ausbreitung haben.

2. Die Schutzgebiete der Südsee unterscheiden sich in der Zusammensetzung ihrer Tierwelt von allen übrigen deutschen Gebieten durch das Fohlen vieler Tiergruppen, die sonst weit verbreitet sind. Spitzmäuse, Igel, Raubtiere, Eichhörnchen und Hasen, die in China, Europa und Afrika an geeigneten Stellen überall vorkommen, fehlen dort vollständig, auch Affen, Halbaffen und Huftiere sind nicht vorhanden, und aus der Ordnung der Nagetiere sind nur Mäuse und Ratten vertreten. Die Vogelwelt enthält weder Gänse noch Schwäne, weder Hühner noch Kraniche, weder Spechte noch Wiedehopfe. Und ebenso wenig findet man Finken, Ammern, Lerchen, Meisen und Elstern. Auch Geier und Trappen sind diesen Gegenden fremd. Unter den Kriechtieren vermissen wir echte Eidechsen, unter den Lurchen die echten Kröten und Molche. Dagegen gibt es in der Südsee viele Tiergattungen, die in keinem anderen deutschen Schutzgebiete gefunden werden, allerdings nur sehr wenige, welche allen Südseegebieten gemeinsam sind. –

a) Die Marshallinseln bestehen aus dem Kalk der um untergegangene Bergspitzen versunkener Länder aufgebauten Korallenbänke. Die dort früher heimisch gewesene Tierwelt ist verschwunden oder, wenn etwa noch diese oder jene Art sich erhalten haben sollte, wenigstens noch nicht bekannt. Nur die an den Küsten sich tummelnden Feenseeschwalben Gygis und Fregattvogel Fregatta, der schwarze Tahitikuckuck Eudynamis und die große rotbäuchige Schwarzwarzentaube Globicera deuten auf die Eigentümlichkeit der Südseetierwelt hin. Aber auch diese beiden letzteren Arten sind auf den östlichen polynesischen Inseln weit verbreitet. Was sonst dort an See- und Küstenvögeln lebt, gleicht denen in vielen anderen Gegenden der Tropen und wird im Winter durch Wanderer aus dem Norden ergänzt. Säugetiere fehlen außer den eingeschleppten Mäusen und Ratten und den Haustieren, von denen Katzen und Schweine verwildert sind. 8 verschiedene Gattungen von Geekonen und 3 Arten von Walzenechsen sind auf schwimmendem Holze und mit Schiffsladungen an diese Koralleninseln verschleppt worden. - Auf Nauru, südlich von den Marshallinseln, dessen vulkanischer Untergrund noch nicht ganz vom Meere überflutet ist und unter dem Korallenkalk ansteht, lebt wenigstens eine nur dort eigentümliche Art, ein kleiner, unserem Rohrsänger ähnlicher Vogel, Acrocephalus rehsei, der auf Ponape in den Karolinen und auf den Marianen durch je eine ähnliche Rasse vertreten ist.

b) Die übrigen Inseln des deutschen Mikronesiens, die Karolinen und Marianen besitzen nur eine sehr ärmliche Säugetierwelt, Flughunde in je 2 Arten auf den ersteren, in einer Art auf den letzteren, und eine kleine Fledermaus. Vielleicht kommt dort noch eine dort eigentümliche Maus vor. Die Vogelwelt setzt sich, abgesehen von weit verbreiteten Schwimm-, Strand- und Sumpfvogelgattungen aus höchstens 30 Gattungen zusammen, von denen ein Eisvogel, eine Salangane, 3 Fliegenschnäpper, 1 Honigsauger, 2 Brillenvögel, ein Staar, Aplonis, und 3 Tauben über beide Inselgruppen verbreitet sind. Von Kriechtieren sind zwei Arten von Walzenechsen, Lygosoma, und zwei Geckos, Gehyra und Lepidodactylus, auf den meisten dieser Inseln zu finden, Molche und Frösche fehlen anscheinend. Die Kriechtiergattungen sind den malischen, papuanischen und polynesischen Inseln gemeinsam, aber die Arten erscheinen den auf Neuguinea und im Bismarckarchipel vorkommenden am ähnlichsten. - Im Bereiche der Karolinen lassen sich mehrere kleinere Verbreitungsbezirke unterscheiden, in denen die oben genannten Gattungen durch eigentümliche Formen vertreten sind., Ualan ist durch je eine besondere Rasse des Flughundes, Brillenvogels, der Flaumfußtaube und durch eine nur dort lebende Ralle, Aphanolimnas, ausgezeichnet, sonst aber noch sehr wenig erforscht. Ponape und Ruk scheinen sich in der Tierwelt nur wenig von Ualan zu unterscheiden, werden aber von anderen Rassen der Taube und des Brillenvogels bewohnt; sie bilden also gegenüber Ualan vielleicht ein besonderes Rassengebiet. Diese östlichen Karolinen sind durch das Vorkommen von Sittichflinken, Erythrura, Papageien, Eos, und Glanzstaren, Calornis, gegenüber den westlichen ausgezeichnet. Auf Ruk ist auch ein eigentümlicher Singvogel, Metabo1us, allein nachgewiesen worden. Ein wesentlich anderes Bild gewähren die westlichen Karolinen, die wieder unter sich große Verschiedenheiten aufweisen. Auf Jap kommen im wesentlichen dieselben Gattungen wie auf den östlichen Karolmen vor, nur fehlen der Webefink, Papagei, Glanzstar, der Rohrsänger und die Walzenechsen. Dafür treten aber dort zwei nirgendwo sonst vorhandene Gattungen von fliegenfängerartigen Vögeln auf, Pomarea und Edoliisoma, und alle Vogelgattungen, sind dort in anderen, dieser Insel eigentümlichen Rassen vorhanden, der Flughund ist hier und auf den Palauinseln nur in einer Art vertreten. Die Palauinseln zeichnen sich nicht nur durch das Vorkommen besonderer Rassen und durch das Fehlen der für die östlichen Karolinen nachgewiesenen, eben erwähnten Gattungen aus, sondern auch vornehmlich dadurch, daß dort eine ganze Anzahl von Formen auftreten, die weiter östlich nicht mehr gefunden werden, aber in Papuasien, allerdings in anderen Rassen, leben. Dort sind eine kleine Eule, ein Ziegenmelker, die Nikobartaube, ein Purpurhuhn, ein Großfußhuhn, Schwalbenstare, Artamus und Pinarolestes, und eine eigentümliche Grasmückengattung, Psammathia, sowie ein Krokodil nachgewiesen worden. Auf Jap und den Palauinseln lebt auch eine große Eidechse, Varanus. - Auch den Marianen fehlen ebenfalls Papageien, Webefinken und Glanzstare, aber sie besitzen eine Art des Rohrsängers wie die östlichen Karolinen, und ferner eine Krähe, eine dort brütende Wildente und eine merkwürdige Gattung von Honigsaugern, Cleptornis, und außerdem ein Großfußhuhn wie die Palauinseln. Dazu kommen als Zugvögel ein Sperber und eine Eule, insgesamt 55 Arten. Von Säugetieren lebt auf den Marianen nur ein Flughund und eine Fledermaus, außerdem sind dort Ratten und Mäuse eingeschleppt. Auf einigen dieser Inseln leben verwilderte Ziegen, Rinder, Schweine und Hühner, sowie Hirsche, die von den Philippinen eingeführt worden sind. Zwei Walzenechsen und zwei Geckos vertreten die Kriechtiere.

c) Die Samoainseln bieten uns ein wesentlich anderes Bild als Mikronesien dar. Allerdings finden wir auch dort von wild lebenden Säugetieren nur Flughunde, wenige Fledermäuse und Ratten, aber in Arten, die mehr an die melanesischen erinnern. Auch dort gibt es verwilderte Schweine und Katzen und eingeschleppte Wanderratten und Hausmäuse. Außer den auch auf den östlichen Karolinen vertretenen Vogelgattungen, die auf Samoa in besonderen Arten vorkommen, finden sich dort gewisse für Polynesien bezeichnende Formen Wie z.B. ein eigentümlicher Eisvogel, Todirhamphus, und 3 verschiedene bunte Papageien, Coriphilus, Cyanorhamphus und Pyrrhulopsis und zu ihnen treten manche melanesische Formen und zwei nirgendwo sonst gefundene Vögel, die merkwütdige Zahntaube und ein Sumpfhühnchen, Pareudiastes. Nur wenige Kriechtiere leben auf Samoa, ein Gecko, Lepidodactylus, 2 Walzenechsen, Lygosoma, und eine Warzenschlange, Enygrus. Unter den wirbellosen Tieren verdient der sonderbare Palolowurm (s.Samoa 6) Erwähnung. Landschnecken sind nur in geringer Artenzahl vorhanden.

d) Kaiser-Wilhelmsland unterscheidet sieh von allen bisher erwähnten Gebieten durch die viel größere Zahl der dort vorkommenden Arten. Während die Inseln als Bergspitzen eines versunkenen Erdteils nur einen Teil der einstigen Tierwelt, diejenige der Gebirge, besitzen konnten, ist hier die ursprüngliche tierische Bevölkerung noch erhalten. Wenn man liest, daß in Australien und in Neuguinea außer Mäusen nur die Kloaken- und Beuteltiere vorkommen, wie es z.B. in der neuen Auflage von Brehms Tierleben steht, so ist das ein bedauerlicher Irrtum. Aus Deutsch-Neuguinea hat man bisher viel mehr Arten Säugetiere kennen gelernt, die nicht zu den Beuteltieren gehören als Vertreter dieser Ordnung, und auch in Australien können für kein Gebiet mehr als die Hälfte aller vorkommenden Arten zu den Beuteltieren gerechnet werden. Wir kennen aus Kaiser- Wilhelmsland und den angrenzenden Gebieten nicht mehr als 30 Beuteltierarten, daneben aber 10 Arten von Flughunden, 23 von Fledermäusen, 21 von Ratten und Mäusen und 2 Arten von Wildschweinen. Dazu kommen die als Dugong bekannten Seekühe und mehrere Arten von Walen. Die beiden Wildschweine sollen von zahmen Schweinen abstammen; dies ist aber noch keineswegs erwiesen, und man kennt vorläufig kein Wildschwein, dessen Schädelmärkmale mit den Neuguineaformen übereinstimmen. Neuerdings ist auf Neuguinea auch ein Wildhund, der dem australischen Dingo ähnlich ist, entdeckt worden. Unter den Flughunden sind die meisten sehr eigentümlich und manche westlich von Papuasien überhaupt nicht bekannt. Von den Nagetieren leben die großen Ratten, Limnomys, die langhaarige, schwarze Mallomys und die ebenso große Hyomys, ferner die Uromysarten nur auf Neuguinea und sind gewiß nicht eingeschleppt. Von Beuteltieren werden die kleinen Känguruhs, die in 3 Arten vorhanden sind, gejagt. Auch den Baumkänguruhs, Dendrolagus, von deren 3 Arten eine sehr lebhaft und grell gefärbt ist, sowie den Baumbären, Phalanger, und den sog. Beuteldachsen, Perameles, die aber mit Dachsen nichts zu tun haben und viel mehr Igeln, die statt der Stacheln Borsten oder Haare haben, gleichen, stellen die Eingeborenen eifrig nach. Manche Beuteltiere erinnern, in der Gestalt an Flugeichhörnchen, wie der kleine Flatterbeutler Petaurus, andere, an Mäuse, Siebenschläfer, Halbaffen, Spitzhörnchen und Iltisse. Vielleicht wird in Kaiser- Wilhelmsland einmal auch eine der beiden für Neuguinea bekannten Gattungen der Ameisenigel, Echidna und Proechidna, gefunden. Die Vogelwelt hat, abgesehen von einer Anzahl nur auf dem Zuge dort verweilender Gattungen, dem Kukkuck, Segler, der Rauchschwalbe, Bachstelze und vielen Strand- und Sumpfvögeln ebenfalls kaum eine Ähnlichkeit mit derjenigen Deutschlands oder der afrikanischen Schutzgebiete. Besonders zahlreich sind bunte oder eigentümlich gestaltete Tauben, darunter die riesigen Kronentauben, Goura, die Fasanentauben, Otidiphaps, und die glänzende Kragentaube, Caloenas. Auch Papageien sind in zahlreichen Gattungen vertreten, von denen die Kakadus, Edelpapageien, Specht- und Zwergpapageien zu nennen sind. Dazu kommen die merkwürdigen Wallnister, Megapodiidae, hühnerartige Vögel, die wegen ihrer sonderbaren Brutpflege auffallen, Nashornvögel, die straußenartigen Kasuare, viele Honigfresser und Fliegenfänger, eine ganze Reihe prächtiger Paradiesvögel, bunte, langläufige und kurzschwänzige Pittas und zahlreiche, unserem Eisvogel ähnliche Lieste. Sehr eigentümliche Formen finden sich auch unter den Kriechtieren. In den Flüssen leben sonderbare Schildkröten, Chelodina, Emydura und Carettochelys, und ein Krokodil. 4 Gattungen von Haftzehern oder Geekonen in 8 Arten, 2 Arten großer Warane, der merkwürdige, stachelbewehrte Krokodilskink, bunte Schillerechsen, Lygosoma, blindschleichenartige Tiere, Ablepharus und Lialis und Tribolonotus, Kehlsackaffamen, Gonyocephalus und Physignathus, und der fußlose kleine Trugskink, Dibamus, setzen die Eidechsenwelt zusammen. Die Schlangen gehören nur 3 Familien an; 1 Wurmschlange, 2 Riesenschlangen und Nattern, von denen ein Drittel Giftdrüsen hat. Darunter sind die im Wasser lebenden Warzenschlangen, Acrochordus und Chersydrus, Baumschlangen, Wassernattern und sehr viele Giftnattern, von denen die Plattschweife, Platurus, Plättchenschlangen, Hydrus, und Ruderschlangen, Distira, auchimMeere leben. Die Lurche sind nur durch Frösche und krötenartige Tiere, die aber mit den deutschen Kröten nichts zu tun haben und der Familie der Engmäuler, Engystomatidae, angehören, vertreten. Besonders zahlreich sind Laubfrösche und Knoblauchkreten, Batrachopsis, Asterophrys und Ranaster. Die Tierwelt von Deutsch-Neuguinea ist, noch nicht so weit erforscht, daß man schon mit Sicherheit erkennen könnte, ob überall dieselben Rassen vorhanden sind, oder ob man mehrere Gebiete unterscheiden muß. Aus der Verteilung der Paradiesvögel und einzelner Beuteltiere kann man aber, jetzt schon die Vermutung aufstellen, daß an der Küste nicht weniger als fünf verschiedene Rassengebiete zu unterscheiden sein werden: die um den Huongolf gelegenen Länder, die um die Astrolabebai liegenden Gebiete, die Becken des unteren Ramu, des Kaiserin-Augustaflusses und die Küste nordwestlich von Berlinhafen.

e) Die Tierwelt des Bismarckarchipels und der Salomoninseln kann man als eine verarmte Neuguineatierwelt ansehen. Man kennt von dort bisher Baumkänguruhs, Ameisenigel, Pirole und Paradiesvögel noch nicht, die Känguruhs und Beuteldachse sind nur durch je eine Art vertreten, von den kleineren Beuteltiergattungen und den Nagern fehlen vorläufig auch noch viele. Die Giftnattern sind ebenfalls nur in wenigen Arten vorhanden, fußlose .Eidechsen fehlen. 1 Krokodil, 6 Geckonen, 3 Agamen, darunter die nur dort lebende Gattung Diptychoura, 1 Waran, 9 Walzenechsen, 3 Wurmschlangen, 5 «Riesenschlangen, 6 ungiftige. Nattern und 2 Giftnattern" 4 giftige Seeschlangen, 3 Frösche und 2 Laubfrösche bilden die Kriechtierwelt. Unter den Vögeln sind 12 Taubenarten auf keiner anderen Inselgruppe vorhanden. Insgesamt sind 178 Vogelarten bisher nachgewiesen, darunter etwa 40 Strandvögel. Auf Neupommern kommt ein Kasuar vor, der aber schon auf Neumecklenburg zu fehlen scheint, auch Eisvögel, Webefinken, Pittas sind von dort bisher nicht bekannt geworden. Auf den Salomoninseln gibt es keine Känguruhs und Beuteldachse, aber eigentümliche große Ratten und 2 nur dort vorkommende Flughundgattungen, Nesonycteris und Pteralopex, während die sonst im Bismarckarchipel vorhandenen Flughunde der Gattungen Syconyoteris und Melonyeteris von dort vorläufig noch nicht bekannt sind. Auch eine sonderbare Blattnasen-Fledermaus, nthops, ist diesen Inseln eigentümlich. Nur eine einzige Froschart ist bekannt, ferner ein Krokodil, 2 Geckonen, 1 Agame, 1 Waran, 4 Walzenechsen, 1 Warzenschlange und 4 andere Schlangen. Von den übrigen Inseln wissen wir bis jetzt so wenig, daß über die dortige Tierwelt kein Urteil gefällt werden kann. Wahrscheinlich haben wir 6 Rassengebiete zu unterscheiden: die nördlichen Salomoninseln, Neumecklenburg außer Käwieng und Neuhannover, Neupommem, Käwieng mit Neuhannover und St. Matthias, die Admiralitätsinseln und endlich die Ninigo- und Lufinseln. Diese Vermutung. gründet sich vorläufig nur darauf, daß von jedem dieser Gebiete einzelne nur hier vorkommende Tierformen beschrieben sind.

3. Kiautschou. Das Pachtgebiet Kiautschou liegt an der Küste des Gelben Meeres in demjenigen Teile von China, dessen Tierwelt nur wenig von der Yangtsekiang- Tierwelt beeinflußt wird und im allgemeinen als ein Gemisch mandschurischer und mongolischer Formen sich darstellt. Hier finden wir sehr viele Gattimgen, allerdings in besonderen Arten oder Rassen, die auch in Sibirien und im nördlichen und mittleren Europa vorhanden sind, aber meistens mit eigentümlicher, an mitteljapanische Formen erinnernder Färbung. Dahin gehören der Hase, Wolf, Fuchs, Dachs, Igel, Fischotter und viele Vögel. Sehr abweichend sieht die Wildkatze aus, die viel lebhafter als die europäische gefärbt ist, die Nörze und Iltisse sind gelbbraun wie die japanischen Formen, die Fasanen gehören dem mongolischen Formenkreise an, der Kranich ist unserm europäischen sehr wenig ähnlich. Leider ist in Kiautschou noch verhältnismäßig wenig gesammelt worden, so daß man ein abschließendes Bild der dortigen Tierwelt noch nicht hat gewinnen können. Die Säugetierwelt ist sehr ärmlich, weil ursprüngliche Wälder fehlen und das Land ziemlich stark angebaut ist. Darum sind die meisten in den angrenzenden Teilen Chinas vorhandenen eigentümlichen Säugetiergattungen wie der Tiger, der Leopard, das chinesische Wildschwein, der Obstfuchs, der Kurzschwanzaffe, das Eichhörnchen, der Pfeifhase und andere Gattungen dort nicht vorhanden. Wenigstens kennt man sie noch nicht aus Kiautschou. Von den dort lebenden Vogelarten. gehören die meisten Gattungen an, die auch in Deutschland. leben. Dazu kommen viele in südlicheren Gegenden weit verbreitete Formen wie ein Pelikan, ein Sporenkiebitz, ein Ibis, Löffelreiher, Steinhuhn, eine Blauelster, Grunddrossel und wenige mandschurische Arten wie die Mandarinenente.

4. Die afrikanischen Schutzgebiete besitzen eine Säugetierwelt, die in mancher Hinsicht mit der deutschen übereinstimmt, aber doch wieder eine große Anzahl eigentümlicher Formen beherbergt. Spitzmäuse, Fledermäuse, Hufeisennasen, Mäuse, Fischotter, Siebenschläfer gibt es dort wie in Deutschland. Auch Hasen, Igel und Wildkatzen sind überall außer in den Waldgebieten des Westens vorhanden. Dagegen fehlen dort allgemein Hirsche, Iltisse, Nörze, Marder, Ohrenfledermäuse, Kaninchen, Haselmäuse, Hamster, Biber, echte Wühlmäuse, Wasserspitzmäuse. Auch Bären, Wölfe, Steinböcke, Gemsen, Murmeltiere, Ziesel gibt es dort nicht. Füchse, Wildschweine, Dachse, Maulwürfe, Wiesel, Luchse sind dort durch Gattungen vertreten, die äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit mit ihnen haben, aber sich durch anderen Schädelbau und anderes Gebiß auszeichnen. Außerdem kommen dort viele Säugetiere vor, die Deutschland fremd sind. In allen deutsch-afrikanischen Schutzgebieten leben Büffel, Antilopen, Elefanten, Paviane, Meerkatzen, Flußpferde, Ichneumons, Ginsterkatzen, Leoparden, Servalkatzen, Flughunde, Blattnasen-Fledermäuse, Hohlnasen (Nycteris) und Flügeltaschenflatterer (Taphozous). Überall außer in den Urwaldgebieten sind Warzenschweine, Erdferkel, Hyänen, Giraffen, Wüstenluchse, Schakale, Löwen, Geparden, Stachelschweine, Rohrrüßler, Rennmäuse (Gerbillus) und Bandiltisse vertreten. Die Vogelwelt der deutschen Schutzgebiete in Afrika ist während unserer Wintermonate reich an Arten, die auch in Deutschland leben und als Zugvögel dort erscheinen. Noch nicht nachgewiesen sind dort Alken, Eistaucher, Säger, Eiderenten, Graugänse, Schwäne, Bachamseln, Zaunkönig,. Goldhähnchen, Kleiber, Gimpel, Kreuzschnabel, Hänflinge, Stieglitz, Buchfink, Kernbeißer und Tannenhäher, d.h. solche Gattungen, die im Winter bei uns zu finden sind. Andere deutsche Vogelgruppen bewohnen auch die afrikanischen Länder, aber in anderen Untergattungen oder Arten wie die der Möwen, Seeschwalben, die Wachtel, der Kuckuck, die Mandelkrähe, der Wiedehopf, der Ziegenmelker, Segler, die Schwalben, Würger, Ammern, Sperlinge, Girlitz, Zeisig, die Pieper, Bachstelzen, Lerchen, Spechte, Kraniche, 'Reiher, Wendehals, Enten und der Kormoran. Groß ist die Zahl derjenigen Formen, die Afrika im Gegensatz zu Deutschland auszeichnen. , Überall kommen. Scherenschnäbel, Rhynchops, Schlangenhalsvögel, Pelikane, Zwerggänse, Nettapus, Baumenten, Dendrocygna, Lappenkiebitze, Lobivanel1us, Purpurhühner, Ibisse, Schattenvogel, Scopus, Flamingos, Perlhühner, Frankoline, Papageien, Mausvögel, Colius, Klaffschnäbel, Anastomus, Marabus und Sattelstörche, Glanzkuckucke, Nashornvögel, Honigsauger, Weber und Webefinken, Brillenvögel, Zosterops, Haarvögel, Pycnonotidae, Tima- 1 lien, Kuhvögel, Bup aga, Glanzstare, Drongos, Dicruridae, Raupenfresser, Campephagidae, Spähvögel, - Indicatoridae, Bartvögel, Capitonidae, Bienenfresser, Meropidae, und Gaukleradler, Helotarsus, Schopfadler, Spizaetus, Elsterwürger, Urolestes, vor, überall, außer in dem mit Urwald bestandenen Gelände, der Strauß, die Nilgans, Chenalopex, die Spaltfußgans, Plectropterus, Flughühner, Pterocles, der Sekretär, Gypogeranus, Gänsegeier, Gyps, und andere. - Von den in Deutschland vorhandenen Kriechtiergattungen ist über alle afrikanischen Schutzgebiete keine einzige verbreitet, und die Sumpfschildkröte, Blindschleiche und Kreuzotter sind in Afrika, südlich der Sahara, überhaupt nicht vertreten, eine echte Eidechse kommt in Kamerun vor, Ratten der Gattung Tropidonotus in Togo, Kamerun und Deutsch- Ostafrika, fehlen aber anscheinend in Deutsch- Südwestafrika, Glattnattern, Coronella, finden sich auch nur in Togo und Deutsch- Ostafrika. Von den Lurchen sind echte Frösche, Rana, und Kröten, Bufo, in allen afrikanischen. Schutzgebieten vorhanden, auch Laubfrösche, die aber anderen Gattungen angehören; dagegen gibt es dort weder Unken noch Geburtshelferkröten noch Molche. In allen diesen Schutzgebieten kommen Krokodile, Land- und Wasserschildkröten, Geckonen, Agamen, Warane, Wühlechsen, Ringelechsen und Chamäleons, Wurmschlangen, Riesenschlangen, giftige und ungiftige Nattern, Giftschlangen, Krahenfrösche und Engmäuler vor. - Über die Fische und niederen Tiere Afrikas Wolle man unter den betreffenden Stichworten nachlesen. - Früher hat man ein westliches Waldgebiet einem östlich-südlichen Steppengebiet gegenübergestellt und geglaubt, Ober- und Niederguinea mit dem Kongobecken von dem übrigen Afrika als gesondertes Verbreitungsgebiet abtrennen zu müssen. Durch die neueren Forschungsreisen hat es sieh aber herausgestellt, daß die Steppenformen. auch in Westafrika in den Grasländern vorkommen und viele der westlichen Urwaldformen auch in Ostafrika an geeigneten Stellen aufgefunden worden sind. Dagegen ist nunmehr erwiesen worden, daß gewisse Gattungen eine sehr beschränkte Verbreitung haben und für ein ganz bestimmtes kleineres Gebiet bezeichnend sind, daß die Verbreitung sehr vieler Gattungen und Arten ungleich groß ist, und daß man bei vielen Arten das Vorhandensein zahlreicher Rassen namentlich bei Säugetieren und Vögeln annehmen muß. So ergeben sich zahlreiche kleinere Verbreitungsherde, deren Bereiche teilweise übereinander greifen, und anderseits noch viel mehr kleinste Rassengebiete, die sich dadurch auszeichnen, daß die in ihnen vorkommenden Arten örtlich begrenzt bestimmte unterscheidende Merkmale besitzen. Nach meiner allerdings vorläufig noch nicht allgemein anerkannten Ansicht muß man innerhalb der deutschen Schutzgebiete mindestens 6 gleichwertige Verbreitungsgebiete unterscheiden: in Deutsch- Ostafrika je einen von Mozambique, vom oberen S ambesi, vom Somalilande, vom Massailande, vom Kongo ausstrahlenden, in DeutschSüdwestafrika einen vom oberen Sambesi und dem Becken des Okawango, einen vom Kaplande und einen vom Oranjebecken ausstrahlenden, in Kamerun einen von Oberguinea, Niederguinea, dem Kongo, dem Tsadsee und dem Benue ausstrahlenden, und in Togo einen von Oberguinea, dem Benue und dem oberen Niger ausstrahlenden Herd. Eine Abgrenzung nach solchen größeren Verbreitungsgebieten ist nur möglich, wenn man die Verbreitung weniger Gattungen zur Bildung der Grenzen benutzt. Dadurch wird immer ein falsches Bild gezeichnet. Bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnis muß es deshalb genügen, im großen und ganzen die in jedem Schutzgebiete auffallenden Unterschiede, die sich in der Tierverbreitung ergeben, kurz zu kennzeichnen.

a) Deutsch-Südwestafrika besteht aus zwei in der Tierwelt sehr verschiedenen Teilen. Der eine umfaßt die zum Okawango abwässernden Gebiete, den Caprivizipfel und die östlich vom Waterberg gelegenen Gegenden; der andere das übrige Deutsch- Südwestafrika. In den nordöstlichen Landesteilen kommen viele Gattungen vor, die dem übrigen Deutsch-Südwestafrika fehlen, z.B. der Wasserbock, die Mpala- Antilope, die Poku- Antilope, der Sumpfbock, Buschbock, die Rappenantilope, das Flußschwein, das Bindeneichhörnchen, der Streifenschakal, die Zibetkatze, die Hamsterratte, die auch in Deutsch-Ostafrika gefunden werden und zum Teil sogar in Kamerun und Togo vertreten sind, allerdings überall in anderen Rassen. Dazu kommen noch zwei Antilopenformen, die Mond- oder Sessebyantilope, Damaliscus lunatus, das Bastard- Hartebeest der Buren, eine Art, die vorläufig nur aus dem Ngamibecken und vom oberen Sambesi bekannt, und die Inya- Antilope, Onotragus leche, die von den Zuflüssen des Ngami bis, zu denen des Mwerosees gefunden worden ist. Beide Arten sind also für das Becken des oberen Sambesi bezeichnend. Leider liegen aus diesen Gegenden nur sehr wenig umfangreiche Sammlungen vor, so daß vorläufig ein annähernd richtiges Bild der dortigen Tierwelt nicht gewonnen werden kann. Die übrigen Teile von Deutsch-Südwestafrika zeichnen sich durch das Fehlen der eben genannten Gattungen aus; dafür treten dort andere auf, die sonst in deutschen Schutzgebieten nicht vorkommen: der Bärenpavian, Chaeropithecus, die Fleckenkatze, Felis nigripes, die braune Hyäne, Hyaena brunnea, der Silberfuchs, Vulpes chama, das Scharrtier, Suricata, die Fuchsmanguste, Cynictis, der Springbock, Antidorcas, das kurzohrige Erdeichhörnehen, Euxerus, und die Felsenratte, Petromys. Dort kamen früher auch diejenigen Großwildarten vor, die über weite Stoppengebiete Afrikas verbreitet sind, der Elefant, das Nashorn, der Büffel, die Elenantilope, die Pferdeantilope, die Kuhantilope, welche von den das Wild zerstörenden Buren Hartebeest genannt wird, und die Giraffe. Heute sind diese wertvollen Wildarten nur noch an wenigen Stellen vorhanden, die hier aus guten Gründen nicht erwähnt werden sollen. Eine durch harte Strafen verbürgte Schonung dieser Wildarten ist in Deutsch-Südwestafrika dringend erforderlich, wenn man sie nicht der Vernichtung überliefern will. Auch der Löwe ist jetzt schon in vielen Teilen von Deutsch-Südwestafrika ausgerottet, er scheint nur noch im Damaralande bis Rehobot nach Süden vorzukommen. Die Pferdeantilope, von der W. L. Sclater in seinem Buche The Mammals of South Africa, das im Jahre 1900 erschienen ist, noch sagte, "still fairly abundant in German South Africa", scheint jetzt außerhalb des Ovambolandes und Caprivizipfels ausgerottet zu sein. Anscheinend ist die Namib, das Küstengebiet, in ihrer Tierwelt etwas von den zum Oranje abwässernden Gegenden verschieden. Das Gnu, die Giraffe, die Kudu- Antilope sind in diesen Gegenden niemals bekannt geworden, und dort lebt auch ein anderes Zebra als im Innern, das Bergzebra, das in dem Oranjegebiet durch ein nicht bis zu den Fußwurzeln gestreiftes, gewöhnlich aber fälschlich Quagga genanntes, und in den Okawangogebieten durch ein bis zur Fußwurzel gestreiftes, mit dunklen Zwischenbinden geziertes ersetzt wird. - Es hat sich ergeben, daß eine ganze Reihe von Wildarten innerhalb des Küsten- und des zum Oranje abwässernden Gebietes wieder je nach der Gegend gewisse besondere Merkmale aufweist, und es scheint, daß eine ziemlich große Anzahl von Rassengebieten unterschieden werden muß. Vorläufig kann man folgende unterscheiden: 1. das Kunenebecken, 2. die Etoschapfanne mit ihren Zuflüssen, 3. das Kaokoveld bis zum Ugab etwa, 4. das Becken des Swakop, 5. die südliche Namib bis Lüderitzbucht, 6. die Sandwüste. südlich von Lüderitzbucht, 7. das obere Aubbecken, 8. das obere Nossobbecken, 9. das Becken des Oranje bis ungefähr Warmbad, 10, die äußerste Südostecke des Schutzgebietes, 11. das Okawangobecken, 12. Omaneke und das Kaukauveld, 13. das Linjantibecken. Wahrscheinlich werden aber alle auf dem Kärtchen eingezeichnete Kleingebiete je eine besondere Rasse jeder Säugetierart beherbergen. Diese Einteilung beruht vorläufig noch auf Vermutungen, die aber gestützt werden durch einzelne Tatsachen. Es sind für manche Nagetiere und Raubtiere schon von mehreren Stellen des Schutzgebietes besondere Rassen beschrieben worden. Auf den Inseln an der Küste leben Pelzrobben (s. Ohrenrobben) und Pinguine (s.d.), Tölpel, auch Malagasvögel genannt, und Kormorane. Pelikane und Flamingos sind dort zu gewissen Zeiten in großen Mengen. Die auffallendsten Vogelgattungen sind dieselben, welche man auch in Deutsch- Ostafrika beobachten kann, nur wenige sind allein dem Süden von Afrika eigentümlich, wie der Siedelsperling, der Blutschnabelweber, eine Felsendrossel, Chaetops, der Paradieskranich, Kahlkopfibis und an der Küste Pinguine, der als Kaptaube bezeichnete Sturmvogel und der Albatros. Papageien sind nur in 2 Arten, Spechte in geringer Zahl vertreten. Viele Arten brüten dort in der Regenzeit und ziehen in der Trockenzeit nordwärts. Über die Vögel des Okawangobeckens und des Caprivizipfels weiß man noch verhältnismäßig wenig. Auch Kriechtiere sind in dem Okawango- Ngamibecken und Caprivizipfel noch nicht wissenschaftlicher Forschung zugänglich gemacht worden. Aus den übrigen Landesteilen sind bisher 177 Arten bekannt geworden, ein Krokodil, 11 Schildkröten, 83 Eidechsen, 72 Schlangen und 10 Frösche. Auffallend ist die große Zahl der Landschildkröten, durch eigentümliche Formen sind namentlich die Haftzeher oder Geckos, die Sandeidechsen und Wühlechsen vertreten, die etwa zwei Drittel aller dort vorkommenden Arten umfassen; dazu kommen 12 Gürtelechsen und Seitenfalter, Gerrhosauridae, 2 Warane, 4 Agamen, 4 Chamäleons, 5 Ringelechsen und 4 Trugskinke. Von den Schlangen sind 38 giftig, 1 Riesenschlange, 19 Nattern, 8 Wurmschlangen und 6 kleine Blindschlangen ungiftig; 9 Gattungen kommen nur in Deutsch-Südwestafrika vor, Blindwühlen scheinen dort zu fehlen.

b) Die Tierwelt von Deutsch- Ostafrika zeigt in den verschiedenen Teilen des Landes große Unterschiede, die namentlich bei den Säugetieren sehr auffallend sind. In den Küstenländern und am Njassa kommen einige Formen vor, die sonst nur an der Mozambiqueküste und im Limpopobecken gefunden werden, z.B. der Wasserbock mit heller Hüftbinde, das Moschusböckehen, Nesotragus, das rote Rüsselhündchen, Rhynchocyon, das Rotschwanzeichhörnchen, Funisciurus der palliatus- Gruppe, die beiden Iltisichneumons, Bdeogale, und die langbeinigen, gelbgrauen Paviane der Babuingruppe. Andere Gattungen, wie die Kuhantilopen mit doppelt geknicktem Gehörn der Bubalis lichtensteinii- Gruppe und die Rappenantilopen sind auch im oberen Becken des Sambesi vorhanden und reichen nach DeutschOstafrika bis an den Südrand der Wambäre- und Massaisteppe nach Norden. In diesen Teilen des Landes findet sich aber der Wasserbock in einer anderen Gestalt, in der Hirschantilope, welche keinen hellen Hüftstrich hat. Hier findet sich ferner die Leierantilope, Damaliscus, welche auch in den um den Victoria-Njassa gelegenen Länderteilen lebt; dagegen fehlt das Gnu, das über die Küstenländer und die Massaisteppe verbreitet ist. Vom Somali- und Gallalande her strahlen eigenartige Einflüsse nach Deutsch- Ostafrika hinein; sie lassen sich zum Teil bis in die zwischen Iringa und Kilimatinde liegenden Gebiete erkennen. Nur in der Nähe des Kilimandscharo, im Kibaja-Massailande und in Ugogo sind bisher die Giraffengazelle, Lithocranius, das Zwergkudu, Strepsicerastes, der Spießbock, Oryx, und das rote Erdeichhörnchen, Xerusderrutilus- Gruppe, das Tapirböckchen, Rhynchotragus, und das Kongoni, Bubalisdercokei- Gruppe, gefunden worden. Ganz andere Einflüsse reichen vom südlichen Abessinien her in die Hochländer von Deutsch-Ostafrika bis an den Südrand des Massailandes, von Gebirgsformen der Guerezaaffe. mit langem Schwanzbehang, der dunkelolivengraue Pavian, die große Gazelle, die Zwerggazelle, die Wurzelratte, Rhizomys, in den westlichen Massailändern der Husarenaffe Erythrocebus. In den am Kiwu und am Nordende des Tanganjika gelegenen Ländern kommen Gattungen vor, die vom Kongobecken, ja von Kamerun und Oberguinea bis hierher verbreitet sind und deren Zahl nach Westen hin immer mehr zunimmt. Hierher gehören der Grauschulteraffe, Cercocebus der albigena- Gruppe, die Weißohr-Meerkatze, Cercopithecus der stuhlinanni- Gruppe, die Weißnasen- Meerkatze, Cerco pithecus der schmidti- Gruppe, der Schimpanse, Gorilla, der Rotbüffel. und der Weißbauch-Flughund. In Ruanda fehlen anscheinend die Giraffe, das Gnu, die Elenantilope und Kudu- Antilope, das Gnu scheint auch im Rukwabecken und in den zum Tanganjika abwässernden Gegenden nicht vorhanden zu sein. Im Bereich der Kiwusee- Zuflüsse vermißt man auch das Zebra, Nashorn und die Mpalaantilope, die Kuhantilope in Karagwe und Ruanda. Der Gorilla ist vom Vulkangebiete nördlieh des Kiwusees nachgewiesen, der Schimpanse von dort, aus dem Bugojewalde und den zum nördlichen Tanganjika abwässernden Gebieten bis Udjidji nach Süden. In den Gebirgswäldern am Njassa, in Uhehe, in Usambara sind manche Gattungen vertreten, die sonst nur aus Westafrika bekannt sind, wie der Fleckenroller, Nandinia, das Stachelschwanzhörnchen, Anomalurus, und eine schwarze Schopfantilope, Cephalophops. Von ungefähr 165 Gattungen und Untergattungen der Säugetiere, die in jeder Gegend vorkommen, sind etwa 40 Nager, 33 Huftiere, 32 Raubtiere, 35 Flughunde und Fledermäuse, 6 Affen, 4 Halbaffen, 9 Insektenfresser, und dazu kommen das Schuppentier, das Erdferkel und an der Küste der Dugung. Die Vogelwelt von Deutsch- Ostafrika ist besonders reich an Raubvögeln, von denen 61 Arten nachgewiesen sind, darunter der Sekretär, Hühnervögeln. (18 Arten), Regenpfeifern und Schnepfen (46 Arten), Würgern (32 Arten), Webern, und Webefinken (87 Arten), Blumensaugern (21 Arten) und Timalien (61 Arten). Viele Gattungen sind weit über die afrikanischen Steppenländer verbreitet. Am Tanganjika, im Osten und Westen- des Victoria- Njansa kommen mehrere Gattungen vor, die sonst nur aus Westafrika bekannt sind, so der Graupapagei, der Riesenturako, der Bananenfresser und die Pitta. Von, den ungefähr 240 Kriechtier- und Lurcharten, die für Deutsch- Ostafrika bisher nachgewiesen worden sind, gehören 5 zu den Schildkröten, 72 zu den Eidechsen, 118 zu den Schlangen, 45 zu den Lurchen, außerdem ist ein Krokodil häufig. Unter den Schildkröten gibt es eine im Wasser lebende Pelomedusa. Von den Eidechsen sind weit über die Hälfte Geckonen, Wühlechsen und Chamäleons, von den letzteren sind 18 Arten bisher aus Deutsch. Ostafrika bekannt. Mit Deutsch- Südwestafrika gemeinsam sind unter vielen anderen die Gruppen der Seitenfalter und Gürtelechsen. Unter den Schlangen sind nicht weniger als 18 Wurmschlangen, 2 Riesenschlangen, 34 ungiftige und 48 giftige Nattern und 16, Vipern. Es gibt also, ähnlich wie in Deutsch- Südwestafrika, dort sehr viel mehr giftige als ungiftige größere Schlangen, wenn man die kleinen Wurmschlangen nicht mitrechnet. Aus verschiedenen Teilen von Deutsch- Ostafrika sind besondere Rassen derselben Gattung beschrieben worden; die Verteilung der einzelnen Arten und er größeren Gruppen ist, wie hier schon angedeutet wurde, sehr verschieden. Es lassen sich zahlreiche kleinere Rassengebiete jetzt schon mit immer größerer Sicherheit unterscheiden, deren Grenzen auch in Deutsch- Ostafrika gesetzmäßig angeordnet zu sein scheinen. Indem ihre Mittelpunkte in Reihen liegen, die um 45° gegen die, Meridiane gedreht sind. Diese Rassengebiete sind nach vorläufiger Schätzung folgende: 1. Unterer Rovuma bis Mikindani; 2. Küstenflüsse bis Klima; 3. Küste bis Daressalam; 4. Küste bis Tanga; 5. Umbaebene; 6. mittlerer Pangani bis Schumewald; 7. mittlerer Wami; 8. Matandu; 9. mittlerer Rovuma; 10. oberer Rovuma; 11. Luvegu; 12. Ulan, Ga; 13. mittlerer Ruaha; - 14. Lukosse; 15. oberer Ruaha; 16. Kisigo; 17. Njombe; 18. Ruhuhu; 19. oberer Mpangali; 20. Ost - Kondeland; 21. West- Kondeland; 22. Süd- Rukwa; 23. Nord- Rukwa; 24. Süd- Tanganjika; 25. Uwende; 26. Ugalla; 27. Unterer Mlagarassi; 28. Gombe; 29. Nkarulu; 30. Utindi; 31. Msalala; 32. Nord-Tanganjika; 33. Akanjaru; 34. Mittlerer Kagera; - 35. unterer Kagera; 36. Mpororo; 37. Kiwu; 38. westliches Vulkangebiet; 39. Siid- Victoria- Njansa; 40. Simiju; 41. unterer Mara; 42. Mbalageti; 43. Natronsee; 44. Manjarasee; 45. Simbiti; 46. Wambäre; 47. Bubu; 48. Mukondokwa; 49. oberer Pangani; 50. Tsavo. Jeder Flußname bezeichnet das zu diesem Flusse abwässernde Gebiet. So groß die Zahl der hier angenommenen Rassengebiete auch erscheint, so wird es doch zweckmäßig sein, sie vorläufig alle zu prüfen und die Behauptung zu widerlegen, daß in jedem alle dort vorkommenden Säugetierarten durch je eine besondere in der Färbung, Gestalt und Schädelform verschiedene Rasse vertreten sind.

c) Die Tierwelt von Togo ist noch nicht gut bekannt; sie stimmt im allgemeinen, abgesehen von.den nördlich des 11. Grades gelegenen Gebieten, welche anscheinend sehr erhebliche Einflüsse der Sudan Tierwelt zeigen, mit derjenigen von Oberguinea überein; aber sie weist doch eine Reihe von Gattungen auf, die in den afrikanischen Steppen weit verbreitet sind. Es ist vorläufig noch unmöglich, ein klares Bild der Verteilung der einzelnen Gruppen zu gewinnen; immerhin darf man jetzt schon behaupten, daß außer in dem Küstengebiet, wo wahrscheinlich die Goldküstenformen sehr überwiegen, neben westafrikanischen Gattungen eine ganze Reihe von Steppentieren vorhanden ist. So haben wir z.B. schon bei Bismarckburg die grüne Meerkatze, den Husarenaffen, den Pavian, den Igel, den Serval, die gefleckte Hyäne, das Erdeichhörnchen, das Stachelschwein, die Pferdeantilope, die Kuhantilope und die Grasantilope. Von Guineagattungen sind der Schimpanse bei Atakpame, drei Arten von Seidenaffen, ein schwarzweißer, ein schwarz-weiß-roter und ein brauner, drei Meerkatzen, ein Mangabenaffe, der Potto, der Ohrenmaki, drei Arten von Stachelschwanzhörnchen, eine Anzahl von Eichhörnchen und Schopfantilopen, die riesige Streifenantilope und die Kletterschuppentiere besonders hervorzuheben. Für einige Säugetierarten lassen sich jetzt schon mehrere Rassen in Togo feststellen; es ergeben sich daraus folgende Rassengebiete: 1. Küste westlich des Hadosumpfes; 2. Küste östlich. des Hadosumpfes; 3. Volta bis Kratji; 4. Volta bis nördlich von Yendi; 6. mittlerer Monu; 6. oberer Monu; 7. oberer Oti; 8. das nördlichste Togo. - Die bisher aus Togo bekannten Vogelaxten sind denen ähnlich, welche in Oberguinea, leben, aber es kommen auch Steppenformen vor wie der Sporenkiebitz, Lobivanellus, der Kronenkranich, der Sattelstorch und der Hornrabe. Die auffallendsten Urwaldgattungen werden bei der Betrachtung von Kamerun genannt werden; sie sind aber in Togo durch andere Arten als in Kamerun vertreten. Im äußersten Norden des Schutzgebietes kommen manche Sudanformen vor, wie der Halsbandsittich, Palaeornis, und eine Haubenlerche, Galerita. Die Kriechtiere, welche in Togo leben, gehören zum größten Teile denselben Gattungen an, welche auch für Kamerun nachgewiesen worden sind; zu ihnen kommen einige für die Steppen bezeichnenden, auch in Deutsch- Ostafrika oder in Deutsch- Südwestafrika vorhandenen, wie z.B. die Glattnatter, Coronella, die Sandschlange, Eryx, und die Gattungen Homalosoma, Amplorhinus, Elapechis und die Blindschlangen, Glauconiidae, die in Kamerun fehlen, und die giftige Efa oder Sandviper, die sonst nur aus dem Sudan und Nordafrika bekannt ist.

d) Die Tierwelt von Kamerun ist ebenso wenig einheitlich wie diejenigen der übrigen afrikanischen Schutzgebiete. In allgemeinen macht sich ein großer Unterschied geltend zwischen Urwald- und Steppenformen. In den waldreichen Gebieten der Küstenländer und in den zum Ogowe und Kongo abwässernden Gebieten leben viele Säugetiergattungen, die auch in Togo vorkommen, wie der Schimpanse, der rotbeinige und der schwarze Seidenaffe. Weißnasen-Meerkatzen, Mangabenaffen, der merkwürdige Potto- Halbaffe, der Zwergmaki, der Blattlippenflughund und ähnliche Gattungen, der Langzungenflughund, der Graupanther, Felis celidogaster, der Fleckenroller, dunkle Ichneumons, die Kusimanse, Crossarchus, Stachelschwanzhörnchen, zahlreiche Arten von Eichhörnchen, die Borstenratte, der Quastenstachler, das Pinselohrschwein, der dunkle Baumschliefer, Dendrohyrax, das Wassermoschustier, Hyemoschus, die Schirrantilope, die Streifenantilope, ein halbes Dutzend verschiedener Schopfantilopen, der Rotbüffel, das Erdschuppentier und zwei Arten von Kletterschuppentieren. An der Küste lebt die Seekuh. Dazu kommen weit über Afrika verbreitete Formen, wie der Elefant, das Flußpferd, der Leopard, die Zibetkatze, Ginsterkatze, der Fischotter, der Siebenschläfer, Fledermäuse, Spitzmäuse, Mäuse und Ratten. Endlich leben in diesen Urwaldgebieten noch Gattungen, die in Oberguinea nicht gefunden werden, wie die stummelschwänzigen Paviane (Drill und Mandrill), der Avantibo- Halbaffe, Arctocebus, der Flatterbilch, Idiurus und der Leopardenroller, Poiana, und die später zu besprechenden für Südkamerun, Nordkamerun und das Kongogebiet bezeichnenden Formen. In den Ländern, die von Bantu der Bakundugruppe bewohnt werden, also von der englischen Grenze bis etwa zum Kamerunberg, kommt die auch für Togo bekannte Monameerkatze vor, ferner die dunkelbäuchige Weißnasenmeerkatze mit weißer Brust, die Rotnasenmeerkatze, das Weißschwanzflughörnchen und der Drill. Der letztere ist nach Süden bis zum Njong verbreitet und wird südlich davon durch den Mandrill ersetzt. Südlich von Victoria treten Formen auf, die entweder nur in den Küstengebieten oder bis Gabun oder Loango nach Süden verbreitet sind, wie die, Schnurrbartmeerkatze, Cercopithecus cephus, die Zwergmeerkatze, Miopithecus, die Halsbandmeerkatze, Cercocebus collaris, der Spitzotter, Potamogale, der Satansaffe, Stachycolobus, oder auch in dem Kongobecken vorhanden sind, wie die dunkelbrüstige Weißnasenmeerkatze, Cercopithecus nictitans, die Scheitelbindenmeerkatze, Cercopithecus der grayi- Gruppe, das rote Stachelschwanzeichhörnchen, Anomalurus, der Stachelschwanzbilch, Zenkerella, die dunkle Ginsterkatze, Genetta der aubryana- Gruppe, der Sumpfbock, Tragelaphus gratus, die Schwarzsteißschopfantilope, Cephalophus callipygus, und die Zwergböckchen, Neotragus und Hylarnus. In der Höhe des Njong treten dann noch andere Formen auf, die vom Kongobecken bis hierher ausstrahlen, der Mandrill, die Rotschwanz-Weißnasenmeerkatze, die Grauschultermeerkatze, Cercocebus der a1bigen- Gruppe, die Weißbartmeerkatze, Cercopithecus der brazzae- Gruppe, der Grünmangabenaffe, Cercocebus der agilis- Gruppe, und das Urwaldschwein, Hylochoerus. In den Grasländern nach Nordwesten bis Gatschaka und Tibati sind, wo Urwaldinseln vorkommen, viele der ebengenannten Gattungen vorhanden, neben ihnen aber Steppenformen, wie der Löwe, die gefleckte Hyäne, der Pavian, der Wasserbock, die Kuhantilope, die Grasantilope und das Erdferkel. Außer dem Löwen kommen diese Gattungen auch innerhalb des Kongobeckens an den Nebenflüssen des Bumba vor. Ein ähnliches Bild, ein Gemisch von Urwald- und Graslandgattungen geben wahrscheinlich auch die zum Benue abwässernden Landschaften. In Adamaua machen sich aber schon die Einflüsse des Tsadseegebietes geltend. Hier treten reine Steppenformen gemischt mit solchen des Graslandes auf, wie das Nashorn, der Hase, der Husarenaffe, die graue Meerkatze, Pferdeantilopen, Leierantilopen und Zebramangusten. In den zum Tsadsee abwässernden Gebieten zeigt sich eine reine Sudantierwelt; dort erscheint die Giraffe, die Streifenhyäne, das Stachelschwein, die Gazelle, das Warzenschwein, der Steppenluchs, der Steppenfuchs, der Streifenschakal, der Gepard, die graue Meerkatze und der Hyänenhund. Aus der Vogelwelt sind nur in den Steppenländern der Strauß, Halsbandsittich, die Trappe, der Spornkuckuck, die Nügans und Spaltfußgans, die Gänsegeier, der Pfauenkranich und die Lerchen nachgewiesen worden. Für die Urwaldgebiete sind die Nacktfußeulen, Scotopela, der Graupapagei, der Bananenfresser, Musophaga, der Riesenturako, Corythaeola, die Nacktkopfhühner, Phasidus und Agelastes, und der Fettkuckuck, Tachycoccyx, bezeichnend. Von 660 für Kamerun nachgewiesenen Vogelarten sind 32 Zugvögel aus Europa. In den Urwaldgebieten der Elstenländer sind 222 Singvogelarten nachgewiesen, 31 Raubvögel und Eulen, 16 Kuckucke, 18 Spechte, 26 Eisvögel und Bartvögel, 11 Tauben, 13 Reiher, 4 Papageien usw. Von 229 für Kamerun festgestellten Arten von Kriechtieren und Lurchen sind 3 verschiedene Krokodile, 9 Schildkröten, 15 Geckonen, 12 Wühlechsen, 8 Chamäleons und die übrigen Gruppen von Eidechsen nur in wenigen Arten vertreten; Zonuridae und Gerrhosauridae sind noch nicht bekannt. Von den Schlangen hat man Blindschlangen, Glauconiidae, noch nicht festgestellt. Unter den Riesenschlangen ist die nur dort vorkommende Calabaria zu erwähnen. Giftlose Nattern sind zahlreich; man kennt bis jetzt 41 Arten. 22 Giftnattern und 10 Vipern hat man sicher, nachgewiesen. Sehr groß ist die Zahl der Lurche; nicht weniger als 78 Arten von Fröschen und Kröten und 4 von fußlosen Caecilien sind beschrieben. Aus den Grasländern und Steppen hat man vorläufig nur sehr ungenügende Sammlungen zum Vergleich erhalten; es ist aber anzunehmen, daß auch die Kriechtierwelt in ähnlicher Weise wie die Säugetiere und Vögel dort Sudaneinflüsse zeigen werden. - Vorläufig haben sich folgende Kleingebiete durch besondere Rassen derselben Arten kenntlich erwiesen. An der Küste: 1. das Gebiet der Zuflüsse des Rio del Rey; 2. Küste bis Malimba; 3. Küste bis zur Kampomündung; 4. Gebiet der Zuflüsse des oberen Cross; 5. das des oberen Wuri; 6. das des Sanaga zwischen Edea und den Nachtigal-Schnellen; 7. des mittleren Kampo; 8. des oberen Kampo; 9. des Ajene; 10. des Donga; 11. des Nun; 12. des oberen Sanaga; 13. des mittleren Dscha; 14. des unteren Dscha; 15. des Taraba; 16. des oberen Mbam; 17. des Djerem; 18. des Dume; 19. des Kadei; 20. des unteren Ssanga. Aus den übrigen Gegenden wissen wir noch sehr wenig. Jedenfalls haben aber die von der Expedition Seiner Hoheit des Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg gesammelten Säugetiere ergeben, daß auch im Tsadseegebiete eine ganze Reihe von Rassengebieten vorhanden sind, deren jedes für die bis jetzt dort nachgewiesenen Säugetiere; je eine besondere Rasse aufweist.

Literatur s. Zoologie.

Matschie.