Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 494

Tikar, großes Sudanvolk in Kamerun, das das ganze Becken des Mbam, im westlichen Hochland von Südadamaua, bewohnt. Zu den T. gehören die Bamum (s.d.) und die Bansso (s.d.), deren Häuptlinge aus dem gleichen T.geschlecht stammen. Außerdem zerfallen die T. noch in eine ganze Anzahl von anderen Stämmen, von denen fast jeder seine befestigte Stadt besitzt. Diese Anlage von befestigten Gauen ist einzig bei den T. in Kamerun ausgebildet. Innerhalb der Umwallung und der Gräben, die oft einen Durchmesser von 20 km besaßen, war der ganze Stamm angesiedelt. Da Felder und Vieh somit innerhalb der Festung waren, so konnten die T. einer Belagerung lange standhalten. Sie konnten sich gegen den Ansturm der Fulbe (s.d.) auf diese Weise verteidigen. So belagerte der Lamido von Tibati die befestigte Stadt Ngambe (s.d.) sieben Jahre lang, ohne sie einnehmen zu können. Solche befestigte Städte sind Gorori und Maharba, am Fuße der Stufe, die zum Kumbohochland hinauf führt, östlich des Mbam, ferner als wichtigste Stadt Ngambe, durch sieben Gräben und Wälle geschützt, am, Kim, einem Nebenfluß des Mbam, gelegen, dann Ngua und Bumbu, nordöstlich und südöstlich von Ngambe, Bankoi, Bandam u.a. Teilweise liegen diese Städte am Fuße oder auf Gebirgen oder Bergen. Heute beginnt eine Auswanderung aus diesen Städten. Da die Ruhe hergestellt ist, herrscht das Bestreben, den engen Raum der Festung zu verlassen. Die T. haben angenehme Gesichter, mehr den Bati als den Wute ähnlich. Die T. stehen teilweise äußerlich schon unter, mohammedanischem Einfluß. Viele Haussahändler wohnen in ihren Farmdörfern, in denen auch schon europäische Faktoreien angelegt sind. - Das T.hochland ist eine wellige Hochebene von 600-700 in Höhe, dem einzelne Berge und Massive von mehreren hundert Metern Höhe aufgesetzt sind. Die Vegetation ist Grasland, nur in den höheren Partien, wie gegen das Dommegebirge hin, gibt es Partien von Wald.

Passarge-Rathjens.