Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 497 ff.

Togo. 1. Lage, Größe. 2. Grenzen. 3. Bodengestaltung. 4. Gewässer. 5. Klima. 6. Pflanzenwelt. 7. Tierwelt. 8. Bevölkerung. 9. Eingeborenenproduktion. 10. Die übrigen Kulturverhältnisse. 11. Europäische Unternehmungen. 12. Handel. 13. Verkehrswesen. 14. Geld- und Bankwesen. 15. Verwaltung. 16. Rechtsprechung. 17. Schulen, Missionswesen. Finanzwesen s. Finanzen. 18. Geschichte.

Karten

1. Lage, Größe. Das Schutzgebiet T. liegt an der Westküste Afrikas und zwar an dem "Sklavenküste" genannten Teil des Golfs von Guinea. Es ist nach der kleinen an der Südostecke des T.sees gelegenen Landschaft T. benannt, deren Häuptling der erste war, welcher mit dem deutschen Kommissar Dr. Nachtigal (s.d.) einen Schutzvertrag abschloß. - Die etwas nördlich des 6. Grades n. Br. gelegene Küste hat nur eine Ausdehnung von rund 50 km. Hingegen erstreckt sich das Schutzgebiet in nördlicher Richtung ungefähr 560 km weit ins Innere, etwas über den 11. Grad n. Br. hinaus. Diese Südnordausdehnung entspricht ungefähr der Entfernung von Hamburg bis Metz oder jener von Berlin bis Wien. In seiner Westostausdehnung ist das zwischen dem 1. Grad westlicher und dem 2. Grad östlicher Länge von Greenwich gelegene Gebiet ziemlich beschränkt. Der kurzen Küstenlinie steht eine Ausdehnung der Nordgrenze von rund 120 km gegenüber. Die durchschnittliche Breite des Schutzgebietes, in westöstlicher Richtung gemessen, beträgt ungefähr 175 km. T. hat einen Flächeninhalt von rund 87 200 qkm; seine Größe entspricht ungefähr jener der Königreiche Bayern und Württemberg zusammengenommen, ersteres ohne die Rheinpfalz gerechnet.

2. Grenzen. T. grenzt im Süden an den Atlantischen Ozean, im Osten an das französische Dahomégebiet, im Norden an das französische Gebiet Haut Sénégal et Niger, im Westen an die englische Goldküstenkolonie. Für die Abgrenzung zwischen T. und den östlich und nördlich davon gelegenen französischen Gebieten ist maßgebend das deutsch - französische Abkommen vom 23. Juli 1897 (Beil. z. KBl. vom 25. Okt. 1897) und die Vereinbarung über die Abgrenzung zwischen Togo und den französischen Besitzungen in Dahomé und im Sudan vom 28. Sept. 1912 (KBl. S. 977). Die örtliche Abdeckung der Grenzen ist erfolgt. Bezüglich des Grenzverlaufs s. Karte von T. - Die Grenze zwischen T. und der englischen Goldküstenkolonie ist durch das Abkommen zwischen Deutschland und England vom 1. Juli 1890 (KBl. 1890 S. 120) und das deutsch - englische Abkommen vom 14. Nov. 1899 (KBl. 1899 S. 803) geregelt worden. Durch Notenaustausch zwischen der deutschen und englischen Regierung vom 25. Juni 1904 (KBl. 1904 S. 580) ist für die zwischen der Einmündung des Daka in den Volta und der Südgrenze des französischen Gebietes Haut Sénégal et Niger gelegene Grenzstrecke eine nähere Festsetzung vereinbart worden. Die Grenzlinie zwischen T. und den britischen Besitzungen an der Goldküste ist an Ort und Stelle durch Grenzzeichen kenntlich gemacht worden. Nur auf der zwischen 6° 10' und 6° 20' n. Br. gelegenen Grenzstrecke, welche strittig blieb, ist eine örtliche Absteckung bisher noch nicht erfolgt. Bezüglich des mit der britischen Regierung vereinbarten Grenzverlaufs und des zwischen 6° 10' und 6° 20' n. Br. deutscherseits beanspruchten Gebietes s. Karte von T. S. Grenzfestsetzungen.

3. Bodengestaltung. Zwischen dem in ziemlich gerader Linie sich hinziehenden Strande und der Lagunenniederung, welche im allgemeinen parallel zum Strande und in einer Entfernung von 1 1/4 - 3 km von ihm verläuft, erhebt sich ein sandiges Dünengebiet, welches nur eine Meereshöhe von wenigen Metern erreicht. Bei Anecho verengt sich dieser Dünenstreifen zu einer äußerst schmalen Landbrücke, welche in Jahren außerordentlichen Hochwassers von den vom Haho- und Schiofluß zu Tal geführten Wassermassen durchbrochen wird. Die Neigung des Meeresbodens seewärts ist eine sehr geringe. Die Lagunenniederung selbst durchquert in der Nähe der Küste das ganze Schutzgebiet. Sie bildet das Bindeglied zwischen der auf englischem Gebiet gelegenen Kittalagune und dem Lagunensystem, welches sich quer durch Dahomé bis Lagos und noch weiter nach Osten erstreckt. Während im Westen die Lagunenarme meist ausgetrocknet und nur in regenreichen Jahren größere Tümpel enthalten, wird der mittlere und östliche Teil der Lagunenniederung durch den Schio, Haho- und Monufluß gespeist (s. Lagunen). - An die Lagunenniederung schließt sich nordwärts ein ziemlich ebenes, nach dem Innern zu sanft ansteigendes, im Süden ziemlich flach, im Norden stärker gewelltes Gebiet an, welches sich bis an das T.gebirge ausdehnt. Im östlichen Teil des Schutzgebietes erstreckt es sich weit ins Innere fast bis an das Quellgebiet des Monu, wo es eine Seehöhe von 400 m erreicht. - Im östlichen Teil dieses flachen, nach dem Innern zu ansteigenden Gebietes erheben sich bei Sagada und östlich von Atakpame vereinzelt, weiter im Norden, besonders am linken Ufer des Ogu bei Kamina, zahlreiche Inselberge, deren relative Höhe zwischen 70 und 200 m schwankt. - Das eigentliche zentral gelegene T.gebirge nimmt seinen Ausgang in der englischen Goldküstenkolonie; zwischen Kpong und Anum wird es vom Volta durchbrochen. Die Hauptkette überschreitet die deutsche Grenze zwischen Kpéwe und Bame, wo sie einen bequemen Paß für den Übergang aus dem Dsawoë ins Dajital bietet. Sie zieht sich als schmales Gebirge zunächst in nordöstlicher Richtung, verbreitert sich aber bei den Landschaften Awatime und Kpoëtá zu einem eine größere Hochfläche tragenden Massiv. Dieses findet durch die Kameschlucht einerseits, den Einschnitt des, Ahäbaches, eines Zuflusses des Todschië, andererseits und den beide verbindenen Francoispaß einen gewissen Abschluß. Fast parallel zu dieser Hauptkette, von dieser durch das Tal des Dsawoë getrennt, läuft eine Nebenkette, welche eine Fortsetzung der auf englischem Gebiet gelegenen Akwamukette bildet, die auf deutschem Gebiet zunächst in den Mepe - und Dewúbergen, hauptsächlich aber in dem zwischen Etoë und Wuáme sich hinziehenden Gebirgszug zum Ausdruck kommt. Die letztgenannten Bergzüge bilden keine zusammenhängende Kette, sondern erscheinen als einzelne in sich geschlossene Bergzüge, die sich unmittelbar aus der Ebene erheben. Die genannte Nebenkette schließt sich westlich Wuáme an das Hauptmassiv an, bleibt aber von diesem getrennt durch einen vom Oberlauf des Todschië gebildeten tiefen Einschnitt. Die Ränder der beiden genannten Gebirgszüge Fallen sowohl nach Westen als auch nach Osten ziemlich gleichmäßig steil ab. - An den Francoispaß nördlich anschließend bildet das Gebirge eine Hochfläche, welche die Landschaft Kuma und Teile verschiedener anderer Landschaften umfaßt, deren Grenzen auf ihr zusammenstoßen. Nach Norden zu verbreitert es sich und bildet die Hochfläche von Daji. Die Verbreiterung des Gebirges nimmt nach Norden ganz erheblich zu, der Ostrand d es Gebirges ladet weit nach Osten aus, und an jener östlichsten Stelle sendet das Gebirge einen Rücken in südostlicher, ja sogar südlicher Richtung bis Atakpame vor. Das Gebirge bildet an seiner breitesten Stelle die mächtige Hochfläche von Akposso. Es verengt sich nach Norden zu wieder, verschiedene Hochflächen tragend, welche den Gebieten von Kebu, Adele, Atjuti und Fasau angehören. - Von. der Kameschlucht verläuft der steil abfallende Westrand des Gebirges, unterbrochen durch die tiefen Einschnitte zahlreicher Flüsse, im allgemeinen in nördlicher Richtung bis zu dem zwischen Fólo und Kambambore zungenförmig vorgeschobenen Abfall zum Mo- bzw. Kamassefluß (s. Tafel 189). - Der durch tiefe Einschnitte mehrerer Flüsse unterbrochene Ostrand des Gebirges fällt bis zu seiner südöstliehen in der Richtung nach Atakpame führenden Abbiegung gleichfalls ziemlich steil ab. Von hier ab bildet er keine steile Wand mehr, sondern geht als mannigfaltig gegliedertes Bergland allmählich in die Ebene, zum Teil auch in, das zentrale Gebirge östlich begleitende, vielfach inselartig erscheinende Bergzüge über. - Von der Fasauhochfläche abzweigend dehnt sich zunächst in nordöstlicher, später in nördlicher Richtung, und zwar bis über Tabalo hinaus, das Bergland von Tschaudjo aus; es fällt dort zu einer Senke leicht ab und steigt erneut an zu der in westöstlicher Richtung streichenden Sudu - Dakohochiläche. Das Bergland von Tschaudjo fällt nach. Südosten ganz allmählich zur Monuebene ab. Wesentlich steiler ist der nordwestliche Abfall in die vom Mo und Pémpëu durchflossene Ebene. Geteilt wird das Tschaudjobergland durch den tiefen Einschnitt des Moflusses, der auf der Sudu - Dakohochfläche entspringt und nach Durchquerung der Timebene das Tschaudjobergland in südwestlicher Richtung durchbricht. - Die Sudu - Dakohochfläche fällt ziemlich steil sowohl nach der sie südlich umgebenden Tim-, als auch nach der nördlich gelegenen Karaebene ab. - Die Seehöhe der erwähnten, vom zentralen T.gebirge gebildeten Hochflächen schwankt zwischen 500 und 850 m. Aus den Hochflächen sich erhebende Berge erreichen Höhen bis zu 1000 m. - Das oben beschriebene zentrale T.gebirge wird auf der Ostseite von meist inselartig sich erhebenden Bergen und Bergmassiven begleitet. Als solche sind zu erwähnen die Kadangaberge, der Adaklu, das Agumassiv, zahlreiche kleinere Berge und Bergzüge zwischen dem Agumassiv und der östlichsten Ecke des Hauptgebirges bei Atakpame, der Gibia, die Bergkette westlich Dofoli, der Fupa - bo und die Adjobugruppe, das Korongagebirge und einige nordöstlich davon gelegene Inselberge. - Im Westen dagegen sind dem zentralen T.gebirge vielfach größere zusammenhängende Gebirgsketten vorgelagert. Die südlichste davon ist eine niedrige, zwischen dem Volta und dem Unterlauf des Daji sich hinziehende Bergkette. Auf sie folgt nördlich das Kunjagebirge (von Dr. Gruner nach der Ewe - Bezeichnung Amandeto Sechsherrenstock genannt), neben diesem herlaufend, von ihm durch ein Tal getrennt, die zwei Parallelketten von Santrokofi und Akpafu, Baïka und Tetémang, die sich nordwärts über Gjasekang hinaus bis an den Ménu fortsetzen. Weiter nach Norden folgt der Opránazug, westlich davon der Gebirgszug von Tapa und der zwischen beiden gelegene niedrigere Woraworazug. Nördlich davon schließt sich ein mächtiger Gebirgszug an, der vom mittleren Asuokoko bis zum Tscháï reicht. Von nun ab wird das zentrale T.gebirge im Westen nicht mehr von geschlossenen Bergketten begleitet; doch sind ihm zwischen dem Tscháï und dem Mo vielfach kleinere, inselartig sich erhebende Berge vorgelagert. Die das zentrale T.gebirge westlich und östlich begleitenden Gebirgsketten und Massive erreichen häufig die Höhe des Hauptgebirges; der Agu scheint das Hauptgebirge sogar zu überragen. - Gleichsam als nördliche Fortsetzung des zentralen T.gebirges erscheinen die am nördlichen Ufer des Mo beginnenden, über Bassari, Kabu und weiter nördlich bis zum Kara sich hinziehenden Berge. Ihr Charakter unterscheidet sich aber ganz wesentlich von dem des zentralen T.gebirges. Während letzteres eine durchaus zusammenhängende massive Gebirgskette ist, welche breitere und schmalere Hochflächen trägt, haben erstere den Charakter von Inselbergen oder inselartig sich erhebenden Berggruppen (s. Tafel 189). Die höchste unter ihnen, das Bassarimassiv, erreicht eine Höhe von rund 690 m. Einen ähnlichen Charakter tragen die westlich gelegene, dem Tal des Katscha, eines Nebenflusses des Mo, entlanglaufende Gruppe von Bergen, deren nördlichste Erhebung der bekannte Eisenerzberg Djole (490 m ) bei Banjeli ist, ferner mehrere zwischen der Bassari - Kabugruppe und der Sudu - Dakohochfläche sich erhebende bis hart an den Kara reichende Berggruppen. - Nördlich der Sudu - Dakohochfläche breitet sich die Karaebene aus. - Nördlich des Kara, bei Pesside beginnend, erhebt sich wieder eine in nordöstlicher bis nördlicher Richtung streichende massive Gebirgskette, das aus zwei schmalen Parallelketten bestehende Ánimagebirge, dem östlich die breite Lóssohochfläche angegliedert ist, und das nördlich anschließende Gebirge von Difále, welches gleichfalls aus mehreren Parallelketten besteht, und an das sich das Ujéma- und Mássedegebirge angliedert. Die nördliche Fortsetzung der Ánimaund Difálebergketten ist das Tambermagebirge; in zwei getrennten Ketten überschreitet es die Grenze T.s und geht auf französischem Gebiet in die sog. Atakorakette über. In einem tiefen Einschnitt trennt der Kerang, der Oberlauf des Kumaga, die Tambermaketten von den südlich gelegenen Difáleketten. Östlich des Ánima- und Difálegebirges mit den ihnen angegliederten Hochflächen bzw. Massiven erheben sich inselartig die Ssirka-, Kabure -, Láma-, Téssi-, Bufale (Ssola-) und Pídaberge. Auch im Westen sind der Ánimá-, Difále-, Tambermagebirgskette zahlreiche, jedoch bedeutend kleinere Inselberge vorgelagert. Westlich des das Schutzgebiet fast in seiner ganzen Längenausdehnung von Südsüdwest nach Nordnordost durchziehenden Gebirges, breitet sich eine ungeheure nach Norden zu sanft ansteigende Ebene aus, welche vom Volta und Otifluß durchströmt wird und trotz der vorhandenen Bodenwellen ein weit ausgedehntes Tiefland darstellt. - Im nördlichsten Teil wird dieses Tiefland unterbrochen durch ein aus dem englischen Gebiet von Gambaga her nach Osten riegelartig vorstoßendes Gebirge, welches Höhen von über 500 m erreicht. Während dieses Gebirge nach Süden, zu in schwacher Neigung in die Ebene übergeht, weist es nach Norden zu einen außergewöhnlich steilen Abfall auf. Bei Bog u wird es durch eine tiefe Mulde unterbrochen, welche beiderseits von ziemlich steil abfallenden Wänden begrenzt wird; torartig gewährt diese Mulde einen bequemen Übergang in die nördlich des Gebirges gelegene Ebene. Von Bogu aus streicht das Gebirge mehr in nordöstlicher Richtung weiter und findet in Natjintendi seinen Abschluß.

4. Gewässer. Die bedeutendsten Stromgebiete des Schutzgebietes sind die des Volta (s.d.) und des Monu (s.d.). Getrennt sind sie durch das das Schutzgebiet von Südsüdwest nach Nordnordwest durchstreichende Gebirge, welches im wesentlichen als Wasserscheide zwischen beiden angesehen werden muß. Der Volta durchströmt mit seinen wichtigsten linken Nebenflüssen, dem Daka oder Kulukpene und dem Oti (s.d.) das ungeheure Tiefland, welches sich westlich des erwähnten Gebirges in einer unabsehbaren Fläche bis weit in das Gebiet der englischen Goldküste hinein ausbreitet. Der Monu (s.d.) durchfließt in südlicher Richtung die östlich des T.gebirges bis weit ins französische Dahomégebiet sich ausdehnende Ebene, welche in schwacher Neigung zur Küste abfällt. - Zwischen dem T.gebirge und dem Monu liegen noch die Flußgebiete des Schio (s. d.) und des Haho (s.d.). -Die beiden genannten Flüsse nehmen ihren Ursprung im zentralen T.gebirge und münden in den Togosee (s.d.). - Ferner sind noch die Lagunen (s. d.) zu erwähnen, welche in ihren wesentlichen Linien parallel zur Küste verlaufen. - Was die Meeresverhältnisse betrifft, so steht an der ziemlich geradlinigen Küste jahraus, jahrein eine starke Brandung, welche um die Mitte des Jahres oft eine außerordentliche Heftigkeit erreicht; das Durchfahren der Brandung mit Booten, das auch unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht ganz gefahrlos ist, wird um diese Jahreszeit durch die außerordentlich starken, oft rasch nacheinander aufkommenden Brecher manchmal zur Unmöglichkeit. Ein in früheren Jahren noch nie beobachteter Seegang hat am 17. Mai 1911 eine eiserne Ladebrücke, welche über 300 m weit in die See hinausgebaut war, zerstört. Die Wogen des Meeres waren an jenem Tage so hoch, daß das Brückenende zeitweilig völlig unter dem Wasser verschwand, und daß die hoch über dem normalen Wasserstand liegenden Dächer der auf dem Brückenende stehenden Kräne von, der See weggenssen wurden. Am schwächsten ist die Brandung in der Regel in den Monaten November bis Februar. Längs der Küste streicht fast das ganze Jahr über eine starke südwestliche Strömung. Diese in Verbindung mit der starken Brandung hat zur Folge, daß die vom Wasser bespülten Sandmassen sich in unaufhörlicher Bewegung in östlicher Richtung befinden. Auf die beiden erwähnten Kräftewirkungen ist es zurückzuführen, daß häufig Teile des Strandes an einer Stelle weggespült, an anderer wieder angespült werden. Gewaltig waren die Sandmassen, welche einst an der Stelle angespült wurden, an welcher ein Schiff in Nacht und Nebel in der Nähe des Strandes auf Grund geriet. In kurzer Zeit war so viel Sand angespült, daß man trockenen Fußes vom Strand an den Schiffskörper gelangen konnte. Diese Sandmassen wurden ebenso rasch wieder weggespült, nachdem es gelungen war, das Schiff vom Strand abzubringen. In den Monaten Dezember und Januar setzt der Strom häufig um und kommt aus östlicher Richtung. Der flache Einfall des Meeresbodens und die Brandung zwingen die Schiffe, in einer Entfernung von mindestens 350 - 400 m vom Strande zu ankern. Der Meeresboden bietet an der T.küste überall einen vorzüglichen Ankergrund. Vereinzelt treten in nächster Nähe des Strandes unter Wasser kleine Riffe auf, die aber für die Schiffahrt keine Bedeutung haben, da sie im Bereich der Brandung, also außerhalb des Anker- oder Fahrbereichs der Seeschiffe liegen.

5. Klima. Im südlichsten Teile von T. sind bei Tage südwestliche Winde vorherrschend. Der Seewind setzt in der Regel in den Vormittagsstunden ein; er erreicht im Sommer der Nordhalbkugel oft beträchtliche Stärken. Während der Nachtstunden wird der Seewind in der Regel abgelöst durch schwache, vom Land herwehende Winde, welche wahrscheinlich darauf zurückzuführen sind, daß des Nachts das Land in stärkerem Maße abkühlt als das Meer. In Mittel - T. herrschen von März bis Mai südliche bis südwestliche, von Juni bis Sept. westliche, Okt. und Nov. südöstliche und östliche, von Dez. bis Febr. nordöstliche und östliche Winde vor. Die Gewitterstürme (Tornados [s.d.]) kommen aus östlicher Richtung. In Nord - T. wehen von April bis Aug. vorzugsweise südliche, im Sept. und Okt. südliche, südwestliche und östliche, von Nov. bis März nördliche und nordöstliche Winde. Die in Mittel - T. in den Monaten Dez. bis Febr., in Nord - T. von Nov. bis März herrschenden nördlichen und nordöstlichen Winde sind äußerst trocken. Mit ihnen ist am Tage eine außergewöhnliche Steigerung der Temperatur verbunden. Sie setzen sich nach Süden bis ins Küstengebiet fort, wo sie allerdings unter dem Einflusse des Seeklimas an Intensität verlieren. Diese Winde führen feine Staub-, Ascheund Kohleteilchen mit sich. Die Hauptmasse des Staubes besteht nach einer von Dr. Koert vorgenommenen mikroskopischen Untersuchung aus Trümmern von Diatomeen, also aus den Panzern von Kieselalgen, über deren Herkunft noch keine sicheren Anhaltspunkte vorliegen. Die Ascheund Kohleteilchen rühren von den während der Trockenzeit häufig auftretenden Grasbränden her. Die erwähnten Staub-, Asche- und Kohleteilchen verursachen eine starke Dunstbildung. Des Nachts sinkt die Temperatur um diese Jahreszeit recht empfindlich; besonders bemerkbar ist die nächtliche Abkühlung in leuchten Niederungen, wo die außergewöhnliche Lufttrockenheit die Verdunstung in hohem Grade begünstigt. Die starke Temperatursteigerung am Tage ist eine Folge der intensiven Sonnenbestrahlung, die infolge Fehlens schützender Wolkenbildungen in der außer ordentlich trockenen Luft besonders wirksam ist (s. Harmattan). - Die Monate Juli und August, zeitweise auch noch Sept., sind die kühlste Jahreszeit; vom Sept. bzw. Okt. ab steigt die mittlere Temperatur an und erreicht, in den Monaten Febr. und März zeitweise im April und Mai ihren Höhepunkt, von da ab bis zur kühlen Jahreszeit fällt sie wieder ab. In den Monaten Juli und Aug. beträgt an der Küste die mittlere Temperatur 24 - 25°, im mittleren T. ist sie etwas niedriger, im nördlichsten Teil des Schutzgebietes etwas höher. In den heißesten Monaten schwankt die mittlere Temperatur an der Küste zwischen 27 und 28°, im mittlereren T. zwischen 27 1/2 und 30°, im nördlichsten, Teil des Schutzgebietes zwischen 30 1/2 und 31°. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt an, der Küste 26 bis 26 1/2 °, im Gebirge ist sie etwas niedriger, an nordwestlich des T.gebirges gelegenen Orten, wie Kete- Kratschi, Jendi, Sansane - Mangu, ist sie höher. Die größten täglichen Temperaturschwankungen fallen in die Harmattanmonate Dez., Jan. oder Febr. Die größte Differenz zwischen dem mittleren Jahresmaximum und dem mittleren Jahresminimum zeigt der nördlichste Teil des Schutzgebiets (Sansane - Mangu). Am geringsten ist sie an der Küste. - In den Monaten Juli, Aug. und Sept., also in der kühlen Jahreszeit, ist der Luftdruck am stärksten, im März, also in der heißesten Jahreszeit, am geringsten. Der mittlere Luftdruck, (Jahresmittel) an der Küste beträgt ca. 759 mm, in Bismarckburg (Seehöhe 710 m) 699,3 mm in Sansane - Mangu (Seehöhe 160 m) 746,6 mm. - Die Guineaküste zwischen Lome und Akra ist ein überaus regenarmer Landstrich. Sowohl in östlicher Richtung nach Dahomé und Südnigerien zu, als auch in westlicher Richtung gegen Axim und die Elfenbeinküste zu nehmen die jährlichen Niederschlagsmengen wieder ganz wesentlich zu. Lome stellt mit einer mittleren jährlichen Niederschlagsmenge von 723 mm (Mittel aus 12 - 14 Beobachtungsjahren) den regenärmsten Punkt des Schutzgebietes dar. Die höchsten Regenmengen weisen die im zentralen T.gebirge gelegenen Orte Amedschovhe und Misahöhe auf mit einer mittleren jährlichen Regenmenge von 1658 bzw. 1639 mm (Mittelwert aus 6 - 7 bzw. 14 - 17 Beobachtungsjahren). Weiter nach Norden zu nehmen die Niederschlagsmengen im zentralen T.gebirge etwas ab (Bismarckburg 1389 mm, Mittelwert aus 7 Beobachtungsjahren). Ebenso sind die Niederschläge in den das zentrale Gebirge seitlich begleitenden Bergzügen etwas geringer; sie werden um so geringer, je mehr sich die Beobachtungsorte der Küste nähern, bzw. je weiter sie vom Gebirge ab nach Norden vorrücken; Sansane - Mangu hat eine durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von 1077 mm (Mittelwert aus 6 - 7 Beobachtungsjahren). - Im südlichen Teil von T. sind die Monate April bis Juni in der Regel die regenreichsten Monate; in den Monaten Juli und Aug. fallen sehr geringe Niederschläge; zeitweise sind die genannten Monate sogar völlig trocken; im September nehmen die Regen wieder zu, und im Oktober wird ein zweites Maximum an Regenfällen erreicht, das aber stets geringer bleibt als jenes in den Monaten April - Juni; im November nehmen die Niederschläge ab und bleiben von Dez. bis Febr., also in der Harmattanperiode äußerst gering; erst im März setzen die Gewitter ein und bringen der während der Harmattanzeit ausgetrockneten Natur den ersehnten Regen. - Im mittleren T. ist die Verteilung des Regens ähnlich, nur mit dem Unterschied, daß das zweite Regenmaximum in den Monat Sept. fällt, und daß die Abnahme der Niederschläge im Juli und Aug. nicht so auffallend ist wie in Süd - T.; auch der Unterschied zwischen dem ersten Regenmaximum April-Juni und jenem im Sept. ist nicht so stark wie der Unterschied der beiden Regenmaxima in Süd - T. In Mittel - T. ist das zweite Regenmaximum häufig größer als das erste. - Im nördlichsten Teil von T. ist die Verteilung der Regen wesentlich verschieden von jener in Süd - T. Die Trockenzeit ist ausgedehnter; die Monate Nov. bis Febr. sind häufig absolut trocken, manchmal auch noch der März. Von April ab setzen die Regen ein, welche in den Monaten Juli bis Sept. ihren Höhepunkt erreichen, also gerade in der Jahreszeit, in welcher in Süd - T. eine kleine Trockenperiode eintritt. Im Okt. lassen die Regen wieder nach. - Die absolute Luftfeuchtigkeit ist in der Nähe der Küste hoch. Sie ist am geringsten im Aug., also zur kältesten Jahreszeit; sie nimmt bis zum November, also bis kurz vor Einsetzen der Trockenzeit zu, und nimmt dann bis Februar wieder etwas ab; sie nimmt erneut zu im März, also bei Beginn der ersten Regen, und nimmt von da bis Aug. wieder ab. Im mittleren Teil von T. ist die absolute Feuchtigkeit ebenfalls im Febr. am geringsten; sie erreicht im April ihren Höhepunkt, nimmt bis Juli etwas ab, bis September wieder etwas zu, ohne jedoch die Höhe im April zu erreichen, und nimmt von da ab wieder ab. In Nord - T. erreicht die absolute Feuchtigkeit in den Monaten Juli bis Sept. ihren Höhepunkt, sie ist am geringsten in den Monaten Januar und Februar; ein geringfügiger Rückgang tritt in Nordtogo im August ein. Während die absolute Feuchtigkeit an der Küste zwischen 19 und 23 schwankt, liegt die Schwankung in Nord - T. zwischen 4,1 und 19,6. Die nachstehenden, von Dr. Heidke aufgestellten Tabellen geben über die Klimaverhältnisse von Kpeme, (Südtogo) und Sansane - Mangu (Nordtogo),

sowie über die Niederschlagsverhältnisse von Bassari, Kete - Kratschi, Atakpame und Misahöhe Auskunft.

6. Pflanzenwelt (s. Tafel 193). Nach den bisherigen Forschungen muß angenommen werden, daß T. in der Vorzeit, wenn vielleicht auch nicht ganz, so jedenfalls zum allergrößten Teil mit Urwald bestockt gewesen ist. Daß das Waldgebiet bis in die nächste Nähe der Küste gereicht haben muß, dürfte daraus hervorgehen, daß bei Porto Seguro und bei Bagida heute noch kleinere Waldstücke zu finden sind. Für das Verschwinden früherer Urwaldbestände ist in erster Linie die rodende Hand des Menschen verantwortlich zu machen, der immer größere Flächen für die Bodenbebauung in Anspruch genommen und mit Axt und Feuer die einstmals vorhandenen Waldbestände allmählich vernichtet hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Beginn dieser Waldverwüstung schon in die graue Vorzeit zurückreicht. Die verhältnismäßig große Zahl von Steinperlen und Steinwerkzeugen, welche fast in allen Teilen des Schutzgebiete ' s in der Erde aufgefunden worden sind und noch werden, läßt vermuten, daß T. schon in der sicherlich weit zurückliegenden Steinzeit ziemlich stark besiedelt war. Der Prozeß der Waldverwüstung setzte sich bis in die neueste Zeit fort, und noch in der jüngsten Zeit konnte man beobachten., wie von den vorhandenen Waldresten ein Stück nach dem andern der Anlage von Feldern und Kakaopflanzungen geopfert wurde. - Im Walde saugt die aus Laub und anderen abgefallenen Pflanzenteilen bestehende Bodenbedeckung die Niederschläge schwammartig auf, und der über dem Boden ruhende Schatten schützt die Erde vor den austrocknenden Strahlen der Sonne. In den der Walddecke beraubten Landteilen hingegen laufen auf den mehr oder weniger nackten Böden die Regen rasch ab, die humösen Teile des Bodens mit sieh zu Tal reißend. Die Sonnenstrahlen aber trocknen die im Boden zurückbleibende Feuchtigkeit rasch auf. Die Beseitigung des Waldes übt also sowohl eine sterilisierende als auch eine austrocknende Wirkung auf den Boden aus. Die letztere hat ein allmähliches Sinken des Grundwasserspiegels, wahrscheinlich auch ein Abnehmen der Niederschläge und das Auftreten von Klimaextremen (ausgesprochene Regen- und Trockenzeiten) zur Folge gehabt. Auf die erwähnten Wirkungen ist wahrscheinlich das Entstehen der über den größten Teil von T. verbreiteten Baumsteppe zurückzuführen. Auf dem Dünengürtel zwischen Strand und Lagune sind, wie schon erwähnt, noch einige kleinere Urwaldreste, namentlich bei Bagida und Porto Seguro vorhanden; im übrigen ist er, soweit der Mensch das Land nicht für Kulturen in Anspruch genommen hat, von einem schwer durchdringbaren Gebüsch bedeckt. Am Strande wächst, wo das Gebüsch gerodet wird, eine an das Bermudagras erinnernde Grasart (Sporobolus virginicus). An dem der Lagune zugekehrten Rande des Dünengürtels ist die wilde Dattelpalme (Phoenix spinosa) ziemlich häufig; dort finden sich auch ziemlich sterile, grassteppenartige Flächen (Überschwemmungsgebiete). Große Strecken des Dünengürtels sind mit Kokospalmen und Maniok bepflanzt. Mais wird seltener angebaut; hingegen sind an windgeschützten Stellen öfters kleine Anpflanzungen von Ölpalmen zu finden. Die T.lagunen sind an Mangroven, einer für tropische, im Bereich von Ebbe und Flut liegende Niederungen charakteristischen Baumart, ziemlich arm. Mangroven sind hauptsächlich in der Deltabildung eines Baga benannten, von Agome - Sewa bzw. Agbétsiko nach Süden verlaufenden Wasserarmes zu finden, wo sie in einer, den Wasserverkehr störenden Dichte auftreten. Die in der Lagune befindlichen Inseln, welche häufig Überschwemmungen unterworfen sind, ebenso das an die Lagunenränder sich anschließende Überschwemmungsgebiet ist last nur mit Gras bestanden. Ein am Lagunenufer sehr stark verbreiteter Dornstrauch ist Drepanocarpus lunatus. - Das nördlich an die Lagunen anschließende Gebiet ist auf weiten Strecken unter Kultur genommen. In der Hauptsache wird dort Mais und Maniok angebaut. An den nicht bebauten Stellen ist das Land von einem übermannshohen, dichten, schwer durchdringlichen Busch bedeckt. Baobabbäume sind in jenem Gebiet außerordentlich häufig, ebenso Antiaris africana. Auch der Seidenwollbaum ist vereinzelt anzutreffen, selten Chlorophora excelsa. Das an die Lagune hinter Anecho sich anschließende Gebiet hat eine üppigere Bewachsung als das hinter Lome befindliche. Hainbildungen sind dort infolgedessen häufiger als hier. An dieses Buschland schließt sich nördlich die sog. Ölpalmzone an. In niederen, kümmerlich aussehenden Exemplaren, offenbar unter dem schädigenden Einfluß der Seebrise leidend, treten die Ölpalmen schon unfern der Küste auf. Zu üppigerem Wachstum gelangen sie erst von einem Gebiet ab, welches im Süden ungefähr durch die Linie Aképe - Bogáme - Akumávhe - Awewe begrenzt wird. Die ungefähre Nordgrenze der sog. Ölpalmzone wird gebildet durch die Linie Waja - Batome - Assahun - Ahimáho - Gavhé - Agbeluvhoë - Midégodé. Auf den in diesem Gebiete auftretenden Roterdeplateaux findet die Ölpalme vorzügliche Lebensbedingungen (s. Tafel 193). Sie ist dort häufig in großen zusammenhängenden Beständen zu finden. Waldreste sind in dem umschriebenen Gebiete ziemlich häufig anzutreffen; aber von Norden her, z.B. bei Assahun, bei Gavhé und an anderen Plätzen ragt die T.baumsteppe mit den typischen Vertretern dieser Vegetationsform in die Ölpalmzone herein. Sogar der Schibaum (Butyrospermum Parkii) ist hier, bei Assahun sogar in beträchtlicher Zahl, anzutreffen. Nicht nur an der Nordgrenze, auch innerhalb der Ölpalmzone sind verschiedentlich Baumsteppengebiete, südlich des mit Bado bezeichneten Sumpfgebietes sogar ausgedehnte typische Borassussteppen, d. s. mit zahlreichen Borassuspalmen bestandene Grassteppen (s. farbige Tafel Borassussteppe in Togo), anzutreffen; dort wie überhaupt an den Rändern von Überschwem mungsgebieten kommt auch die wilde Dattelpalme ziemlich häufig vor. In der Ölpalmzone werden von den Eingeborenen neben Mais und Maniok auch Yams und Erdnüsse angebaut. An die Ölpalmzone schließt sich im Norden die typische T.baumsteppe an. Sie reicht bis an das Gebirge heran, im Osten erstreckt sie sich in der Monuebene aufwärts bis tief in das Hinterland. Gegen Ende der Regenperiode ist sie mit übermannshohem Gras bestanden, welches, obwohl es büschelartig wächst, doch so dicht steht, daß es vom Fußgänger nur mit Mühe durchdrungen werden kann. In dieser Grasfläche stehen dichter oder weniger dicht, jedoch nie geschlossene Bestände bildend, zahlreiche Baumund Straucharten. Butyrospermum Parkii, Prosopis oblonga, Bauhinia reticulata, Hannoa undulata, Daniella thurifera, Lophira alata, Sterculia tomentosa, verschiedene Akazienarten, Burkea africana, Detaxium microcarpum, Berlinia Kerstingii, Ormosia laxiflora, Pterocarpus erinaceus, Pseudocedrela Kotschyi, Lannea acida, verschiedene Combretum- und Terminaliaarten sind die wichtigsten Charakterbäume. Auch. die Parkia africana ist hier zu nennen. Es darf aber nicht vergessen werden, daß die Ausbreitung dieses nützlichen Baumes ähnlich wie die der Ölpalme auf die Menschen zurückzuführen ist; findet man ihn doch meistens in der nächsten Umgebung menschlicher Niederlassungen oder in der Nähe verlassener Siedelungen. Während der Trockenzeit dörrt das Steppengras aus. Alljährlich werden ungeheure Flächen des ausgetrockneten Grases teils zu Jagdzwecken, teils zur Erleichterung der Anlage von Feldern, teils aus anderen Gründen von den Eingeborenen in Brand gesteckt; nur Asche und verkohlte Pflanzenteile von schwarzgrauer Färbung bleiben an Stelle des übermannshohen Grases zurück. Die in der Steppe befindlichen Bäume und Sträucher werden durch diese alljährlichen Grasfeuer angesengt und in ihrem Wachstum schwer beeinträchtigt. Nach dem Abbrennen des Grases wird das Gelände außerordentlich übersichtlich, und man kann nun den Habitus der in der Steppe vorkommenden Bäume erst richtig erkennen. Busse bezeichnet den auf regelmäßig abgebrannten Steppen sich herausbildenden Typus der Baumform sehr richtig als Zwetschenbaumtypus. In der Baumsteppe sind vielfach auch noch Vertreter der Waldzone wie Cola. cordifolia, Erythrophloeum guineense, Afzelia africana, Anogeissus leiocarpus, Khaya senegalensis, Chlorophora excelsa, Uapaca togoensis u. a. eingesprengt. Metzger nimmt an, daß Flächen, auf denen sie vorkommen, noch nicht lange des Urwaldes beraubt sind, während. Flächen, die schon seit Jahrhunderten Baumsteppen bilden, fast nur von xerophytischen Holzarten besetzt sind. - In dieser Zone, besonders in der Nähe des Gebirges wie überhaupt an Standorten, welche teils infolge ihrer Bodenbeschaffenheit, teils infolge ihrer größeren Feuchtigkeit der Walderhaltung günstig waren, sind noch größere und kleinere Stücke meist lichten Waldes erhalten. Aber auch ausgedehnte typische Borassussteppen sind öfters anzutreffen, besonders in der Landschaft Agotime und in Anjanga. - Die Maiskultur tritt in dem erwähnten Gebiet gegenüber der Yamskultur schon etwas zurück, die Maniokkultur ist noch sehr verbreitet. In den östlichen Teilen des erwähnten Gebietes beginnt schon von Nuatjä, ab die Kultur von Sorghum, welches 'neben Yams als Volksnahrungsmittel eine um so größere Bedeutung erlangt, je weiter man nach Norden vorrückt. - Im Gebirge ändert sich die Vegetation ganz erheblich. Freilich ist die typische T.baumsteppe in vielen Teilen des das Schutzgebiet in südnördlicher Richtung durchstreichenden Gebirges in größerer Ausdehnung anzutreffen. Im mittleren und nördlichen Teil des Gebirges ist sie sogar die durchaus vorherrschende Vegetationsform; allein tropischer Regenwald ist teils in schmalen, an Gewässer und Schluchten gebundenen Streifen, teils an Gebirgsabhängen, teils an größeren Flächen in breiten Tälern, seltener jedoch auf Bergrücken und Kuppen erhalten geblieben. In den Lichtungen der Waldgebiete tritt an die Stelle des Steppengrases das hohe starke Elefantengras. Größere Waldflächen sind im südlichen Teil des zentralen T.gebirges (s. Tafel 193), ferner in Akposso (s. Tafel 1), im Kunjagebiet, in Buem und Ntribú, kleinere in Adele und Atjuti zu finden. Tropischer Urwald ist als Uferwald an allen Flußläufen auch außerhalb der Gebirgszone in größerer oder geringerer Breite zu finden. Im nördlichsten Teil von T. verschwindet allerdings auch vielfach der Uferwald; beispielsweise sind die nördliche Hälfte des Oti, seine Nebenflüsse Kumaga und Kara, ferner der Mochole, ein nördlich des Gambagagebirges zum weißen Volta gehender Fluß, auf langen Strecken ohne Uferwald. Nach Busse stimmt die floristische Zusammensetzung der in T. vorhandenen Waldbestände im wesentlichen überein mit derjenigen noch bestehender Waldgebiete Obercuineas (Dr. Walter Busse, Das südliche Togo in Vegetationsbildern, herausgegeben von Dr. G. Karsten und Dr. H. Schenck). In den gerodeten Teilen der Gebirgszone, besonders im südlichsten Teil ist die Ölpalme weit verbreitet; Akposso und Kunja sind noch sehr reich an Ölpalmen. Nach Norden zu nimmt ihre Verbreitung ab, besonders tritt dies etwa von Atjuti ab in die Erscheinung. In Tschaudjo ist sie wieder etwas häufiger vertreten. In größerer Zahl ist sie aber im Gebiet von Kabure und Losso, also ziemlich weit im Norden des Schutzgebietes zu finden. - In verschiedenen Teilen der Gebirgszone ist die einen vorzüglichen Kautschuk liefernde Landolphia owariensis verbreitet. Am häufigsten kommt sie noch in Ntribü, Atjuti und Akposso vor, weniger häufig in Adele, Kebu, Buem und Daji. Im Gebirge südlich Daji ist sie selten, ebenso in Fasau, Bo und im Tschaudjoberglande. Pandanus ist last in der gesamten Gebirgszone zu finden. Kolabäume von Cola vera kommen in der Gebirgszone, besonders in Buem und Tapa, teils wild, teils in Kultur vor. - In waldreichen südlichen und mittleren Teil der Gebirgszone tritt zur Kultur von Mais, Yams und Maniok noch die von Reis, Mehlbananen und Taro, im nördlichen Teil der Gebirgszone werden in der Hauptsache Yams, Sorghum und Pennisetumhirse als Volksnahrungsmittel angebaut. - Westlich der Gebirgszone, in dem weiten vom Volta und Oti durchflossenen Tiefland, ebenso in dem vom Gambaga nach Osten vorstoßenden Gebirgsland und in der nördlich davon gelegenen Ebene ist in der Hauptsache die typische T.baumsteppe vertreten. Im Mobagebiet kommt auch eine ausgedehnte Borassussteppe vor. Während im südlichen Teil des erwähnten Tieflandes Yams, Sorghum, Pennisetumhirse und Maniok angebaut werden, tritt in seinem mittleren Teil die Kultur von Maniok, im nördlichen Teil auch die von Yams zurück. Hingegen ist in letzterem der Anbau von Panicum stellenweise sehr verbreitet (s. a. Forstwesen).

7. Tierwelt (s. Tafel 110). Dem Umstande, daß in T. die typische Sudanflora und die typische Waldflora Oberguineas zusammentreffen, ist es zuzuschreiben, daß auch die Tierwelt gemischt ist aus Vertretern der Steppe und des Waldes. An Säugetieren sind zu erwähnen der weißschenklige Seidenaffe, der Nonnenaffe, die Weißnasen - Meerkatze. der grüne und der rotbraune Pavian, das Ohrenäffchen, eine Epomophorusart (sehr verbreitet), der Halsbandflederhund, verschiedene Fledermausarten, der Igel, der Löwe, der Leopard, der Togoserval, die Zibetkatze, die Ginsterkatze, eine Ichneumonart, die, gefleckte Hyäne in zwei Abarten, der Hyänenhund, verschiedene Eichhörnchenarten, der Siebenschläfer, verschiedene Mäuse- und Rattenarten, das Stachelschwein, das Erdferkel, eine Hasenart, der Elefant, das große schwarzbraune Flußpferd, das Pinselohrschwein, das Warzenschwein, der Klippschliefer, die Schirr-, Streifen-, Pferd- und Kuhantilope, die Schwarzbindenschopfantilope, die hellbraune Antilope, der Riedbock, die Zwergantilope, der große schwarze Büffel, ein Schuppentier u. a. - An Vögeln sind bisher nachgewiesen: 1 Möwenart, 2 Scharben-, 3 Schwimmentenarten, 12 Arten von Regenpfeifern, 7 Arten Schnepfenvögel, 1 Trappen-, 1 Kranich-, 1 Jacanidenart, 4 Rallenarten, 1 Flughuhn, 1 Ibis-, 1 Schattenvogelart, 11 Reiher-, 12 Tauben,4 Perlhühner-, 3 Frankolinenarten, 1 Wachtelart, 2 Geier-, 33 Falken-, 7 Eulen-, 4 Papagei-, 4 Pisangfresser-, 16 Kuckuck-, 5 Spähvogel-, 8 Bartvogel-, 7 Spechtarten, 1 Art Nageschnäbler, 12 Raken-, 7 Nashornvogel-, 10 Eisvogel-, 6 Bienenfresser-, 3 Hopf-, 2 Nachtschwalben-, 3 Macropterygidenarten, 1 Prachtdrosselart, 7 Schwalben-, 17 Fliegenfänger-, 3 Raupenfresser-, 18 Würger-, 3 Raben-, 2 Dicruridenarten (Drongos), 3 Pirol-, 4 Staren-, 34 Weber-, 6 Finken-, 5 Stelzen-, 4 Lerchen-, 13 Bülbül-,11 Blumensauger-, 2 Meisen-, 22 Timalien- und 9 Sängerarten. - An Reptilien kommen vor verschiedene Wasser- und Landschildkrötenarten, das Keilschnauzenkrokodil, zahlreiche Eidechsenarten, eine harmlose Wühlschlange, verschiedene Wurmschlangen, die als Gottheit verehrte, durch Vertilgung zahlreicher 'Ratten nützliche Python regius, die bissige Python sebae, verschiedene ungiftige Natternarten, verschiedene Trugnatterarten, deren Biß nur auf sehr kleine Tiere tödlich wirkt, endlich die giftige, sehr verbreitete K rötennatter, die Glanznatter, die grüne Otter, die Schwarzhalsbrillenschlange, vielfach auch Spuckschlange genannt, die Bindenbauchbrillenschlange, die Punktbauchviper, die Puffotter und die Nashornviper. - Von Amphibien kommen Kröten und zahlreiche Froscharten vor. Das Meer, die Lagunen und die Flüsse beherbergen zahlreiche Fischarten, ebenso Krabben und Taschenkrebse. Außerordentlich reich ist die Insektenwelt. Von den Insekten verdient hervorgehoben zu werden eine die Malaria übertragende Anophelesmücke, die das gelbe Fieber übertragende Stegomyia fasciata, ferner die Glossina palpalis und morsitans, erstere als Überträgerin der Schlafkrankheit, letztere als Überträgerin der Tsetsekrankheit der Rinder. - An Haustieren sind in T. verbreitet eine kleine zwergartige Ziege, ein kurzhaariges, ziegenähnliches, meist kleines Schaf. Die in Nord - T. manchmal vorkommenden hochbeinigen Schafe und Ziegen sind meist aus dem Norden des Schutzgebietes eingeführt. Rinder sind an der Küste, in der Gegend von Atakpame, hauptsächlich aber in den nördlichen Teilen des Schutzgebietes zu finden. Die ursprünglich einheimische Art ist klein und schwarz. An der Küste kommt sehr häufig eine etwas größere rote Rinderart vor, welche wahrscheinlich ein Kreuzungsprodukt der einheimischen Rasse mit einem von den Kanarischen Inseln oder Marokko eingeführten Bullen darstellt. In Nord - T. ist sehr häufig ein schwarz- und weißgeflecktes Rind, der sog. Konkombatypus, anzutreffen, welcher wahrscheinlich ein Kreuzungsprodukt zwischen der einheimischen kleinen, schwarzen Rinderrasse und einer vom Norden des Schutzgebietes her eingeführten helleren größeren Rasse darstellt (s. Tafel 110). Im nördlichsten Teil des Schutzgebietes sind sehr häufig Einschläge vom Buckelrind anzutreffen. Sehr verbreitet ist im Schutzgebiet ein dunkel gefärbtes Hausschwein. Hühnerzucht wird überall, in Nord - T. auch sehr viel Perlhühnerzucht betrieben. In Nord - T. kommen auch Esel und kleine Pferde vor. S. Tierwelt der deutschen Schutzgebiete.

8. Bevölkerung.

a) Weiße. Die ungünstigen klimatischen Verhältnisse schließen eine Besiedlung des Landes mit Europäern für absehbare Zeit aus. Da die Unterhaltung einer europäischen Kraft in den Tropen wesentlich kostspieliger ist als in Europa, tritt sowohl bei den Privat- als auch bei den Regierungsbetrieben immer mehr das Bestreben hervor, Europäer nur in leitender oder in Aufsichtsstellung, die billigeren eingeborenen Hilfskräfte aber überall da zu verwenden, wo sachliche und politische Rücksichten es gestatten. Anfang 1913 befanden sich im ganzen 368 Europäer im Schutzgebiet, darunter 67 Frauen. 320 waren Deutsche. Von den 300 erwachsenen Män nern waren 94 Regierungsbeamte, 76 Geistliche und Missionare, 8 Pflanzer, 26 Techniker, Bauunternehmer, Ingenieure, 9 Handwerker, 66 Kaufleute, 2 Seeleute, 19 gehörten sonstigen Berufen an. -

b) Farbige. Die eingeborene farbige Bevölkerung wird wie folgt geschätzt:

Ethnologisch sind bei der eingeborenen Bevölkerung T.s folgende Gruppen zu unterscheiden:

1. die Ewegruppe (s. Ewe);

2. die Guanggruppe (s. Guangvölker);

3. die Tschi (Asante) - gruppe (s. Asante). In T. wird die Tschisprache (s.d.) von den, Bewohnern der Landschaft Apai gesprochen, welche von den in der Goldküste ansässigen Okwawuleuten abstammen, ferner von den Bewohnern der Landschaften Tapa (s.d.), Worawora, Guámang und Borada (s. Buem). Die Tschokossi (s.d.) sprechen eine aus der Tschisprache und anderen Idiomen zusammengesetzte Sprache. Daß sich die Tschisprache im westlichen Teil Mitteltogos, vor allem in Tapa und Buem Eingang verschaffte, ist auf den weitgehenden politischen Einfluß des mächtigen Asantereiches zurückzuführen. Aber auch nach dessen Zusammenbruch dauerte die Kulturbeeinflussung durch das Tschigebiet in T. noch fort. Sie wurde gefördert durch die Basler Mission, welche vor Abgabe ihres früheren Missionsgebietes in Süd- und Mittel - T. an die Norddeutsche Missionsgesellschaft und zwar in Kpandu, Kunja, Worawora und Adele die Tschisprache als Schulsprache eingeführt hatte. Aber auch zahlreiche aus dem Tschigebiet der Goldküste nach T. vorgedrungene Händler, insbesondere die Kautschukhändler, trugen zur Verbreitung der Tschisprache bei. Es kann deshalb nicht wundernehmen, daß die Tschisprache im westlichen Teil Mitteltogos neben den einheimischen Idiomen die Bedeutung einer Verkehrssprache erlangt hat. Handelspolitisch erwies sich dies als nachteilig; neigte doch der Handel dazu, der Verkehrssprache zu folgen und eine Richtung nach der tschisprechenden Goldküste einzuschlagen anstatt nach der T.küste. Dies gab der Verwaltung Veranlassung, darauf hinzuwirken, daß in T. die Tschisprache als Schulsprache aus geschaltet wurde.

4. Timgruppe. Ihr gehören an die Bewohner von Tschaudjo (s.d.) einschließlich der Landschaften Bo, Fasau, Dako, Bafilo, Sudu und Adje (Kirikiri), die Kaburestämme (s. Kabure), der Bogongstamm (nördlich Nawuri), der Ntribú (oder Delo- , auch Lölostamm), wahrscheinlich auch noch der die Landschaften Dume und Tschetti bewohnende Stamm. -

5. Die Dagomba - Mossigruppe. Ihr gehören an der Stamm der Nanumba (s.d.), Dagomba (s.d.), Mamprussi (s.d.), Sanga, Kusas (s.d.), Difále, Lósso (s.d.) und Moba (s.d.). -

6. Die Gurmagruppe (s. Gurma). Ihr gehören an die nördlich Sansane - Mangu lebenden Gurmaleute, der Konkombastamm einschließlich Kumongu und Dje, die Bassariten einschließlich Bitjem, die Tschambaleute und wahrscheinlich auch die Ssola und Tambermaleute. -

7. Die Joruba gruppe. Ihr gehören an der Stamm von Atakpame, sowie die Bewohner der, östlich des oberen Ogu zwischen Gubi und Afem gelegenen Ortschaften. -

8. Die in Süd- und Mittel - T. zahlreich vorkommenden, sprachlich meist isolierten Splitterstämme der Adele (s.d.), Akpafu (s.d.), Akposso (s.d.), Awatime (s.d.), Báïka (s.d.), Bakpéle (Likpé) (s.d.), Bogó (Achlo) (s.d.), Borada (s.d. u. Buem), Bowiri (s.d. u. Buem), Guámang (s.d, u. Buem), Kebu (s.d.), Lógba (s.d.), Lólobi (s.d.), Njangbó (s.d.), Santrokofi (s.d.), Tafi (s.d.), Tapa (s.d.), Tetémang (s.d. u. Buem) und Worawora (s.d. u. Buem). Die bisherigen Forschungen lassen noch nicht erkennen, welchen der bekannten größeren Völkergruppen sie ethnologisch zuzuteilen sind. Die Bewohner der Landschaften Njangbó und Tafi haben eine gemeinsame Sprache, die nach Funke eine Mundart der Awatimesprache ist; sie zeigt nach Seidel auch starke Verwandtschaft mit der Sprache der Bewohner von Lógba. Man darf die Bevölkerung der Landschaften Awatime, Njangbó, Tafi und Lógba wahrscheinlich als eine ethnologisch zusammengehörige Gruppe ansehen, die man zweckmäßig Awatime - Gruppe nennt. -

9. Die Ga-Völkergruppe (s. Ga.). Der Hauptteil der Bevölkerung lebt vom Ackerbau, zu dem in Nord -T. noch die Großviehzucht tritt. Verschiedene Stämme haben einen regen Handelstrieb, vor allem die Ewe-, Tschaudjo- und Dagombaleute. Fast in allen Teilen des Schutzgebietes findet man auch mohammedische Händler aus dem Sudan; unter ihnen nimmt der Haussa (s.d.) die wichtigste Stellung ein. - In Süd- und Mittel - T. sind die Eingeborenen politisch in zahlreiche kleine Stämme unter selbständigen Häuptlingen zersplittert. In Nord - T. kommen mehrere Stämme vor, denen eine politische Organisation fehlt, nämlich die Konkomba, Kabure, Lósso und Tamberma. Anderseits kommen dort auch größere Staatenbildungen vor. Die wichtigsten sind das Tschaudjo-, das Dagomba- und das Tschokossireich unter Oberhäuptlingen in Paratau, Jendi und Sansane - Mangu. - Der weitaus größte Teil der Eingeborenen ist heidnisch. Die Zahl der eingeborenen Christen betrug nach dem Stande vom 1. April 1913 rund 23 000. Die Zahl der in T. heimischen Mohammedaner wird auf 14 000 geschätzt.

9. Eingeborenenproduktion.

a) Landwirtschaft. Die Ackerbaumethoden der Eingeborenen sind im allgemeinen noch ziemlich primitiv. Brachwirtschaft ist vorherrschend. Düngung wird nur in beschränktem Maße ausgeübt. Die Bedeutung des Fruchtwechsels ist den Eingeborenen bekannt. Es wird ausschließlich Hackbau getrieben. Die Handhabung des Pfluges ist den Eingeborenen unbekannt. Die Bestrebung der Verwaltung, die Pflugkultur einzuführen, ist bisher zahlreichen Schwierigkeiten begegnet. Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung der landwirtschaftlichen Produktion der Eingeborenen bietet die Ausfuhrstatistik. Es werden aber nicht alle Arten von Landeserzeugnissen, welche von den Eingeborenen hervorgebracht werden, ausgeführt; ein großer Teil wird im Schutzgebiet selbst verbraucht; er ist aus der Statistik nicht ersichtlich; hierunter fallen die für Ernährungszwecke hervorgebrachten Feldfrüchte, wie Sorghum, Pennisetumhirse, Reis, Taro, Erderbsen, Bohnen u.a. m. Aber auch von den in der Ausfuhrstatistik namhaft gemachten Landeserzeugnissen wie Mais, Maniok, Yams, Palmkerne, Palmöl, Erdnüsse usw. ist in der Ausfuhrstatistik nur der wirklich zur Ausfuhr über die Landesgrenzen gelangende Teil in Anrechnung gebracht, nicht aber der im Lande selbst konsumierte Teil, welcher die exportierten Mengen zuweilen erheblich übertrifft. Es ist also schwer, sich von der gesamten landwirtschaftlichen Produktion der Eingeborenen ein einigermaßen zuverlässiges Bild zu machen. Untenstehende Tabelle zeigt eine Übersicht der Ausfuhr der wichtigsten Landeserzeugnisse nach Mengen und Wert. Die wegen ihrer Beziehungen zum Mutterlande wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Eingeborenen sind:

I. Palmkerne und Palmöl. Sie werden aus den Früchten der Ölpalme (s.d.) gewonnen. Die Ölpalmen sind in Süd- und Mittel - T. in der sog. Ölpalmzone, sowie im südlichen Teil der Gebirgszone sehr stark, im Kabureund Lóssogebiet ziemlich stark verbreitet (s. 6. Pflanzenwelt). Die vorhandenen Ölpalmbestände verdanken ihre Existenz in erster Linie dem Eingriff des Menschen in die Natur; sie sind in größerer Menge überall da zu finden, wo der Eingeborene früher vorhandene Waldgebiete zu Bebauungszwecken gerodet hat. Ihre Vermehrung auf den Rodungen ist zum Teil auf natürlichem Wege erfolgt, und es bedurfte nur der schonenden Hand des Menschen, um die Schößlinge zur Entwicklung zu bringen. Zum Teil haben die Eingeborenen selbst durch Auspflanzen junger Ölpalmschößlinge zur Vermehrung der Ölpalmbestände beigetragen. Vor nicht sehr langer Zeit wurden Palmkerne und Palmöl über die Seegrenze überhaupt nicht ausgeführt; der Handel mit Europa war damals noch so wenig entwickelt, daß alkoholhaltige Getränke nur in verhältnismäßig geringen Mengen nach Westafrika gelangten. In jener Zeit wurde wahrscheinlich sehr viel mehr Palmwein verbraucht, als es heute der Fall ist. Der aus den Ölpalmen gewinnbare Palmwein dürfte die Eingeborenen veranlaßt haben, den Anbau und die Schonung von Ölpalmen in einem Maßstabe zu betreiben, der ihren Haushaltsbedarf an Palmöl und Palmkernen weit übertraf. Aus der obigen Übersicht ist zu ersehen, daß die Ausfuhr von Palmkernen und Palmöl, und man darf mit Sicherheit annehmen, auch die Produktion, ganz erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Im wesentlichen sind diese Schwankungen zurückzuführen auf die Verschiedenheit der Niederschläge in den einzelnen Jahren. Die Erfahrung hat gezeigt, daß auf ein regenreiches Jahr immer ein Jahr mit guten Erträgen an Kernen und Öl folgt. Besonders günstig wirken auf die Ertragsfähigkeit der Ölpalmen mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit großen Niederschlägen. Umgekehrt folgen auf Trockenjahre Jahre mit geringen Erträgen an Kernen und Öl. -

II. Mais. Der zur Ausfuhr gelangende Mais wird hauptsächlich in den Gebieten zwischen der Lagunenniederung und der Ölpalmzone, teils in dieser selbst, teils auch noch in Gebieten nördlich davon produziert. Wie aus der obigen Übersicht hervorgeht, hat die Maisausfuhr im Jahre 1908 eine erstaunliche Höhe erreicht und ist seitdem auffallend zurückgegangen. Der Rückgang der Ausfuhr ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Eingeborenen in den auf das Jahr 1908 folgenden Jahren durch die Produktion von Palmöl und Palmkernen bzw. durch den Zwischenhandel mit diesen Erzeugnissen so viel verdient haben, daß sie nicht genötigt waren, Mais in dem Umfange anzubauen, wie es der Fall war in den Jahren, welche auf die an Palmöl und Palmkernen außerordentlich ertragsarmen Jahre 1905 und 1906 folgten (Graf Zech, Togo, im Jahrbuch über die deutschen Kolonien, Essen 1912). Zum Teil dürfte der Rückgang der Maisausfuhr auch darauf zurückzuführen sein, daß dem Boden durch den außerordentlich intensiven Maisbau in den Jahren 1907 - 1908 zu viel Nährstoffe entzogen worden sind. -

III. Baumwolle (s.d.) wird von den Eingeborenen meist als Zwischenkultur zwischen anderen Feldfrüchten, seltener in besonders angelegten, meist kleinen Baumwollfeldern hervorgebracht. Die Beteiligung der verschiedenen Landesteile des Schutzgebietes an der Baumwollproduktion ist aus der nebenstehenden tabellarischen Übersicht erkennbar. Die Zahlen dieser Tabelle enthalten auch geringfügige von europäisch geleiteten Pflanzungsunternehmungen erzeugte Baumwollmengen. Die in den Jahren 1907/08 und 1908/09 im Bezirk Lome - Land erzeugten Baumwollmengen sind in den Zahlen der Bezirke Anecho und Atakpame enthalten. -Näheres über den Baumwollbau in T. s. KBl. 1911 S. 229 und 282. -

IV. Kakao (s.d.) wird hauptsächlich in den waldigen Gebieten der Gebirgszone angebaut. Da Kakao für seinen Anbau Waldboden erfordert, seine Kultur also waldfeindlich ist, hat die Verwaltung angesichts des geringen Bewaldungsprozentes des Schutzgebietes vermieden, die Eingeborenen zum intensiveren Anbau von Kakao, anzuregen. Durch eine derartige Anregung würde die wahllose Vernichtung auch solcher Waldbestände verursacht worden sein, deren Schonung im Interesse des Wasserhaushalts des Schutzgebietes geboten ist. Nach Inkrafttreten der Waldschutzverordnung und Freigabe solcher Gebiete, deren Entwaldung ohne Einfluß auf den Wasserhaushalt ist, wird der Kakaobau Rascher entwickelt werden können. -

V. Kopra. Die Kokospalme (s.d.) wird hauptsächlich auf dem schmalen Dünenstreifen zwischen Strand und Lagunenniederung angebaut. Wohlhabende und intelligente Eingeborene haben sich sogar der plantagenmäßigen Kultur der Kokospalme mit Erfolg gewidmet. Von den in der obigen Ausfuhrübersicht angegebenen Kopramengen rührt nur ein Teil von Eingeborenenpflanzungen her; von der Pflanzungsgesellschaft Kpeme (s. 10. Europäische Unternehmungen) sind folgende Kopramengen ausgeführt worden, welche in der obigen Übersicht mitenthalten sind: 1906 5 t, 1907 18 t, 1908 25 t, 1909 60 t, 1910 85 t, 1911 127 t, 1912 133 t. -

VI. Erdnüsse (s.d.) werden fast überall angebaut. Ihre Ausfuhr über die Seegrenze hat bisher noch keine Bedeutung erlangen können; da Nord - T. durch eine Bahn noch nicht erschlossen ist, konnten bisher nur Erdnüsse aus Süd - T. auf den europäischen Markt gebracht werden. In Süd - T. fällt die Reife der Erdnüsse in eine Zeit, in welcher die Luftfeuchtigkeit einen besonders hohen Grad erreicht, und in der der Himmel im allgemeinen bewölkt ist, so daß das Trocknen der Erdnüsse Schwierigkeiten begegnet. Feucht verschiffte Erdnüsse werden aber während des Seetransportes leicht ranzig und gelangen dann in verdorbenem Zustande im europäischen Hafen an. Die Erdnußausfuhr wird voraussichtlich eine größere Bedeutung erlangen, sobald die trockneren Gebiete Nord - T.s durch eine Bahn erschlossen sein werden. -

VII. Kautschuk (s.d.) wird von den Eingeborenen faßt ausschließlich von wildwachsenden Kautschukpflanzen gewonnen. Kautschukkultur wird bisher kaum betrieben. Kautschuk wird hauptsächlich aus den in der Gebirgszone vorkommenden Lianen und seit einer Reihe von Jahren auch aus den in Süd - T. zahlreich vorkommenden Ficus Vogelii sowie aus Clitandra elastica gewonnen. Der Lianenkautschuk kommt meist in kleinen Bällen in den Handel und ist ein hochwertiges Erzeugnis. Der aus dem Ficusbaume und aus der Clitandra elestica gewonnene Kautschuk. kommt in Kuchenform in den Handel; er ist von geringerer Güte. In einzelnen Gegenden des Schutzgebietes, besonders im südlichsten Teil der Gebirgszone sind die Lianenbestände infolge Raubbaus vernichtet oder wenigstens reduziert worden; doch scheinen die Bestrebungen der Verwaltung, den Raubbau zu verhindern, teilweise erfolgreich gewesen zu sein. -

VIII. Groß- und Kleinvieh, Geflügel. Die Rindviehzucht wird hauptsächlich in dem tsetseärmeren Nord - T. getrieben. Der Gesamtbestand des Schutzgebietes an Rindern beträgt rund 77 000 Haupt. Sie werden vielfach von Seuchen, wie Rinderpest, Milzbrand, Lungenseuche und Tsetsekrankheit heimgesucht. Die Möglichkeit, Rinder als Arbeitstiere sowohl für Pflugkultur als auch für Lasttransporte zu verwenden ist abhängig von der Möglichkeit, Rinder gegen Tsetsekrankheit zu immunisieren oder sie vor ihr zu schützen. Schweine, Ziegen, Schafe und Geflügel werden last überall gezüchtet; eine Schätzung der vorhandenen Bestände liegt nicht vor.

b) lndustrie. Von weit geringerer Bedeutung als die landwirtschaftliche Produktion der Eingeborenen ist ihre industrielle Betätigung. Die verschiedenen Handwerke, vor allem das Maurer-, Zimmer-, Tischler-, Schlosser-, Schmiede-, Goldschmiede- und Schneiderhandwerk, die Gerberei, die Bearbeitung von Leder, die Weberei, das Färben von Garnen und Tüchern ist im Schutzgebiete ziemlich verbreitet. In der Gegend von Banjeli (s.d.) ist sogar die Eisenverhüttung in hoher Blüte; für die Beziehungen des Schutzgebiets zum Mutterlande haben all diese Gewerbe eine wesentliche Bedeutung noch nicht erlangen können.

v.Zech.

10. Die übrigen Kulturverhältnisse (s. farbige Tafel u. Tafel 195). Trotzdem die Bewohner T.s über den eigentlichen Hackbau nicht hinausgelangt sind, zeigen etliche ihrer Feldbaugeräte doch bereits Anläufe zu höheren Wirtschaftsformen. So bedeutet die Haussahacke (s. Tafel 195 Abb. 2) unzweideutig den Übergang zum Pfluge, denn ein wirkliches Hacken ist mit diesem Gerät kaum noch möglich, wohl aber eine ziehende Fortbewegung in der Richtung des Heftes. Auch die durchbrochene Form der Klinge mit ihrer Folgewirkung der erhöhten Lockerungsfähigkeit für die berührte Erdstelle erinnert bereits an die Pflugschar. Man -kann das Gerät demgemäß bereits als Pflughacke bezeichnen. Auch die Bassarihacke (s. Tafel 195 Abb. 12) weicht recht erheblich von der sonst allgemein gebräuchlichen afrikanischen Feldhacke ab. Ist deren Blatt fast stets mit Hilfe eines durch das Heft getriebenen konischen Dorns befestigt und daher schwer auswechselbar, so liegt es hier zwischen drei Zapfen, was ein Auswechseln natürlich im höchsten Maß erleichtert. Die kreisrunden Eisenklingen sind deswegen inter1 essant, weil sie, von Bassari aus in großen Massen gewerbsmäßig vertrieben, früher, ganz wie die Jemben von Tabora in Deutsch-Ostafrika, im ganzen Land als Wertmesser galten. - Einen Ausblick auf den Zusammenhang von Religion und Feldkultur gewährt das auf far1 biger Tafel Togo Abb. 9 wiedergegebene Zaubermittel: ein gegabelter, profilierter Pfahl, der mit Antilopenkiefern und Fruchtketten behängt ist und den man im südlichen Togo auf die Felder stellt, um diese vor Wildschaden zu bewahren. - Von den Techniken ist die Töpferei allgemein verbreitet; sie wird, wie überall auf niederen Kulturstufen, von der Frau ausgeübt und liefert besonders im Süden des Landes sehr hübsche Erzeugnisse (s. farbige Tafel Togo Abb. 14). Außer den Gefäßen für den Haushalt liefert sie auch solche für Kultuszwecke, wie Opfergefäße oder gar Töpfe, die als zeitweiliger Aufenthaltsort der Geister und Seelen gedacht werden (s. farbige Tafel Togo Abb. 5). Auch die vor und in den Dörfern Südtogos so außerordentlich häufig vorhandenen, aus Lehm gefertigten Fetischfiguren (s. Tafel 195 Abb. 16) gehören hierher, ebenso wie die verschiedenen Systeme von Feuerherden, von denen die Tafel 195 Abb. 19 - 21 einige Typen aus Mitteltogo wiedergibt. Ebenso allgemein ist die Holzschnitzkunst, doch blüht sie besonders im Voltagebiet. Die beiden Gruppen farbige Tafel Togo Abb. 4, 11, sowie die sehr naturalistisch gehaltene Kostümfigur Abb. 13 ebenda bieten ein paar Belege aus dem küstennahen Gebiet; die Trommeln Abb. 1 u. 12 solche aus den Landschaften Akposso und Adele. Auch der Raubtierkopf der als Blitzableiter dienenden Axt Abb. 7 und der Hahn in Abb. 10 ebenda sind als technische Leistungen ganz bemerkenswert. - An Webstühlen gibt es zwei Formen im Lande: den vertikalen Halb- oder Griffwebstuhl, der nur von Frauen bedient wird und in mühsamer Arbeit sehr breite Stoffe liefert, und den wagerechten Trittwebstuhl, der von Männern bedient wird und nur handbreite Stoffstreifen zu fertigen gestattet. Jener ist zweifellos die ältere, dieser die jüngere Form. In der Tracht tritt der Unterschied in der Weise zutage, daß den breitliegenden Stoffen des Griffwebstuhls die Tobe des südlichen Togo entspricht, während die schmalen Stoffe des Trittwebstuhls zwar eine wirkliche Schneiderarbeit bedingen, dafür aber auch sehr stoffreiche Gewänder liefern. Die bekannte, stets sehr reich bestickte Haussatobe (s. farbige Tafel Togo Abb. 3) mit dem dazu gehörigen, ungeheuer weiten Beinkleid sind. die am meisten in die Augen fallenden Symbole dieses Stoffreichtums. Nach Webetechnik und Färbung stehen viele der in Togo und seiner Nachbarschaft gefertigten Baumwoll- und Wollstoffe auf einer nicht geringen Stufe (s. farbige Tafel Togo Abb. 2 u. 3), trotzdem der Faden oft grob und ungleich ist. Wie der Trittwebstuhl sind auch die höheren Bearbeitungsmethoden der Tierfelle sicher neu und eingeführt, wohl mit Sicherheit vom Norden her. Am höchsten stehen i n dieser Beziehung die Haussa, deren Lederarbeiten denen der Mandingo im Westen kaum nachstehen (s. farbige Tafel Togo Abb. 8 u. Tafel 195 Abb. 17). - Die Metalltechnik ist gegenwärtig auf bestimmte Gegenden der Landesmitte, Bassari, Banjeli, Santrokofi, Akpafu usw. beschränkt. Das Gebläse hat im allgemeinen die Form des Gefäßblasebalgs (s. Tafel 195 Abb. 10); als Hammer und Amboß benutzen die Bassarileute zum Schmieden noch heute sehr schwere Steine (s. Abb. 6 ebenda). Erzeugnis ist alles zum Wirtschaftsbetrieb Notwendige, also Hackenklingen (s. Abb. 2 u. 12), Axtklingen (s. Abb. 5), Dolche (Abb. 4), Messer (s. farbige Tafel Togo Abb. 16) und Armschienen (s. Tafel 195 Abb. 7), Speer- und Pfeilspitzen usw. Gold- und Silberschmiedekunst sind besonders an der Küste hoch entwickelt. - Unter den Waffen nehmen gerade die der entlegensten Gegenden, nämlich des Gebirgslandes von Kabure und seiner Nachbarschaft, das meiste Interesse in Anspruch. Der von den Wute (s. d.) her bekannte Spanndolch mit seinem hohlen Griff ist auch hier zuhause. An altägyptische Formen erinnert die Barte (s. Tafel 195 Abb. 5); an nordindische die, Armschiene Abb. 7. Vielleicht ist auch die Form der kauribesetzten Tanz- und Kriegshelme Abb. 8 von außen her beeinflußt; sicher sind es das gerade Haussaschwert (s. farbige Tafel Togo Abb. 16) und der Munitionsgürtel (s. Tafel 195 Abb. 17). Das Gewehr ist selbstverständlich eine moderne Errungenschaft. Dem wüsten Zauber- und Fetischglauben seiner Besitzer entsprechend, wird es gern mit Dutzenden von Jagdzaubermitteln in Gestalt von Tierschwänzen, Tierkrallen, Kaurischnecken u. dgl. behängt (s. Tafel 195 Abb. 1). - Unter den Musik- und Lärminstrumenten ist auch hier die Trommel am weitesten verbreitet. Sie ist aus Holz, Leder und Ton gefertigt und schwankt in ihren Abmessungen zwischen den mannshohen Staats- und Kriegstrommeln von Akposso, Kunja und Adele (s. farbige Tafel Togo Abb. 1 u. 12) und dem unter dem Arm getragenen Instrument von der Form einer Sanduhr bei den Ewe. Trommeln mit Besatz von Menschenschädeln und -knochen (s. farbige Tafel Togo Abb. 12 und Tafel 195 Abb. 14) sind auf den Südwesten des Landes beschränkt; sie sind rein äußerlich Trophäenträger, indem die Skeletteile von erschlagenen Feinden stammen, bergen aber sonst sicherlich präanimistische und manistische Züge. Ohne die Absicht einer bestimmten Wirkung auf die Außenstehenden wird man sie keinesfalls an diesen Instrumenten befestigt haben. Auch die Kiefer an den Trompeten (s. Tafel 125 Abb. 11) deuten auf dieselbe Richtung. -Haussaarbeit ist die merkwürdige, aus Pflanzenstengeln gefertigte Zither (s. Tafel 195 Abb. 13); Einfuhr der Kru die Harfe (Abb. 3 ebenda). Die Kürbisrassel mit Behang von Schlangenwirbeln oder Samenkörnern bestimmter Pflanzen (Abb. 9 ebenda) wird als Lärminstrument bei Fetischtänzen gebraucht. - Die religiösen Anschauungen sind bisher nur bei den Ewe genauer erforscht worden; im ganzen Norden ist man über das bloße Sammeln von Kultattributen noch kaum hinausgekommen. Der Befund bei den Ewe geht, wie fast immer bei den Naturvölkern, dahin, daß sich über den präanimistischen Zauberglauben eine vielgestaltige Schicht von Animismus, Manismus und Animalismus gelagert hat, mit der Endwirkung, daß es heute recht schwer, wenn nicht unmöglich ist, diese so verschiedenartigen Elemente noch scharf auseinanderzuhalten. Rein äußerlich unterscheidet Spieth, dem wir die umfangreichsten Studien auf diesem Gebiet zu verdanken haben, Himmels-, Erden- und persönliche Schutzgötter. Himmelsgötter sind Dawu, Sogble, Sodza und Sowlui; die Erdengötter (trowo) zerfallen in altüberkommene Stammes- oder Erbgötter und von außen, namentlich von Aschanti und Dahomé herübergekommene Wandergötter. Jene wohnen in der Natur, in Bäumen, Steinen, Quellen usw., diese in Kunstgegenständen irgendwelcher Art, besonders in Hütten und unter Schutzdächern. Die persönlichen Schutzgötter endlich wohnen in Amedzowe, der Seelenheimat der Ewe. - Alle diese Gottheiten werden durch Darbringung von Opfern verehrt, meist Tieren (Schafen, Hühnern) und Feldfrüchten. Auch kleine Lehmfiguren (s. Tafel 195 Abb. 16) bringt man ihnen als Weihegaben dar. Nebenher opfert man auch den Ahnen, und schließlich zaubert man mit Hilfe von tierischen Körperteilen, Holzstückchen u. dgl. mehr so außerordentlich stark, daß das Gegenmittel des Ordals oder Gottesurteils in Togo stärker im Schwange ist als anderswo in Afrika. Einen guten Einblick in die Vorstellungen der Ewe über das Seelenleben gewährt der Fetisch (s. farbige Tafel Togo Abb. 6). Die Eingeborenen der Landschaften Kratschi und Ntschumuru verehren die menschliche Seele und bringen ihr Opfer dar. Jedermann hat zwei Seelen: Okra und Kanakra (diese im Himmel). Wird in der Familie jemand krank, stirbt ein Kind, geht der Handel schlecht oder kommt ein Unglück, so geht man zum Fetischpriester oder zur Priesterin und fragt nach der Ursache. Diese ziehen gewöhnlich den Fetisch Odente (s. unten) zu Rate, der dann zur Antwort gibt, ihre Okra oder Kanakra, oder beide zusammen hätten das Übel verursacht und verlangten ein Opfer. Die Leute lassen sich nun von einer Fetischpriesterin Figuren aus Lehm von der Art der auf der farbigen Tafel Togo Abb. 5 wiedergegebenen formen und stellen diese in ihrer Hütte auf einer etwa 20 cm hohen Lehmstufe an der Wand auf. Jede der Figuren wird mit einem Lehmdeckel versehen. Gewöhnlich sieht man 3 Figuren: die Okra des Mannes, die Okra der Frau, die Kanakra der beiden. Je und je, aber im allgemeinen recht selten, findet man auch nur eine Figur in den Hütten, die Okra oder Kanakra. - Die Leute müssen nun ein Huhn oder Schal schlachten. Das Blut der Tiere wird auf die Lehmfiguren gesprengt. Hierauf werden einige Haare oder Federn in das Blut getaucht und auf den Figuren festgedrückt, auf deilen sie dann kleben bleiben. Durch diese Opfer soll das Übel beseitigt werden resp. nicht wiederkehren; z. B. wenn ein Kind gestorben ist, will man hierdurch den Tod eines andern verhindern. Nachdem das Opfer dargebracht ist, wird das Fleisch des Opfertieres von den Hausgenossen gekocht und gegessen. Stirbt der Mann, so wird seine Okra in den Busch geworfen, gewöhnlich in der Nähe des großen Fetisches Odente, der bei jedem Dorfeingang steht. Beim Todesfall der Frau geschieht mit deren Okra dasselbe. Sterben beide, so werden die beiden Okra und die Kanakra in den Busch geworfen. - Ein paar Belege für den Glauben an die Beseeltheit der Natur gewahren wir an der Hand der farbigen Tafel Togo Abb. 7 u. Tafel 195 Abb. 18. Die letztere stellt in der unteren Figur eine der zahlreichen geschliffenen Steinbeilklingen dar, die man im Ewegebiet gefunden hat. Die Leute nennen sie, ganz wie wir auch, Donnerkeil, sie bewahren sie in ihren Hütten im Dachstroh und schreiben ihnen schützende Eigenschaften gegen Blitzschlag zu. Auch als Heilmittel gelten sie, indem man kranken Kindern Pulver vom Stein in den Heiltrank tut und diesen zu trinken gibt. Das seltsam gestaltete Beil (s. farbige Tafel Togo Abb. 7) gilt seltsamerweise ebenfalls als Blitzableiter; man befestigt es in hohen Bäumen ganz in der Nähe des Hauses und vertraut seiner Wirkung. Vielleicht ist der Hergang so zu erklären, daß man ursprünglich die Steinbeile als Blitzableiter ansah, daß man aber den Glauben auch beibehielt, als an die Stelle des Steins die Eisenklinge trat. - Hinweise auf den Ahnenkult gewähren die Abb. 12 der farbigen Tafel Togo und Abb. 11 u. 14 der Tafel 195. Mit den Schädeln der Feinde besitzt man das Verfügungsrecht auch über ihre Seelen; gleichzeitig verhindert man durch Beiseiteschaffung der Unterkiefer den Welten- und Menschenschöpfer an der Erschaffung neuer Feinde. - In das weite und wirre Gebiet des Schaden- und Abwehrzaubers begeben wir uns mit den Abb. 2, 9, 15 der farbigen Tafel Togo und Abb. 1 Tafel 195. Die Koranamulette des Kriegsrocks sollen nichts anderes als den Träger im Gefecht schützen; der Feldfetisch (s. farbige Tafel Togo Abb. 9) durch die Macht der Tierkiefer die gleichen Tiere fernhalten; der Jagdfetisch (s. farbige Tafel Togo Abb. 15) in umgekehrter Denkweise durch seine Schädel die gleichen Tiere herbeizaubern. In beiden Fällen handelt es sich um ausgesprochenen Analogiezauber. Naheliegenderweise auch bei der zauberbewehrten Flinte. Unter den eingewanderten Fetischen sind Odente und Jewe die bedeutendsten und einflußreichsten. Odentes Symbol ist ein 2 m hoher, blutbeschmierter Erdkegel. Über Jewe s. Jeweorden. Der Gott Nayo besteht in einem kleinen Holzschemel von der allgemein gebräuchlichen Form, auf dem zwei an ihrem einen Ende zusammengebundene Stäbe liegen (s. Tafel 195 Abb. 15). Er ist der Hauptfetisch der Adele und hatte früher seinen Sitz in Pereu, westlich Bismarckburg. Fofie (s. farbige Tafel Togo Abb. 6) stammt aus Djaki bei Kumase an der Goldküste. Vor mehr als 100 Jahren ist er in die Gegend von Kete - Kratschi gebracht worden. Dort hat er bis in die Neuzeit vielen Leuten in allen möglichen 1 Verlegenheiten geholfen. Besonders Frauen, die unfruchtbar waren oder denen die Kinder früh starben, wandten sich an ihn um Hilfe. Er entschied, ob man Krieg führen solle oder nicht, und wußte, ob man siegen oder unterliegen werde. Packt man so einen Fetisch aus seiner Umhüllung heraus, so erstaunt man über die Unzahl seiner Teile. Fofie z. B. besteht aus 8 Personen, die je durch verschiedene Gefäße, Tonklumpen, Kürbisschalen u. dgl. wiedergegeben sind; dazu treten Dutzende von Amuletten in Gestalt von Wedeln, Schnüren usw., Löffel, Armbänder, Halsketten, Schwerter, Glocken, Rasseln, Lampen, Körbe, Becher, Schemel usw., die alle beim Nayokult verwendet werden (s. Antze, Fetische und Zaubermittel aus Togo, Jahrb. des Mus. f. Völkerkunde zu Leipzig, Bd. 2, 1907, Lpz. 1908). -Nach Osten, nach Joruba, deuten die Opferschale (s. farbige Tafel Togo Abb. 10) und der Afa - Fetisch (s. Tafel 195 Abb. 16). Beide gehören zu dem alten Ifakult jenes Landes, jene sicher als Aufbewahrungsort für die Wahrsagesteine, dieser als ins Ewe umgemodelte, nicht mehr erkennbare Figur. -Der schön geformte rote Tontopf endlich mit seinen Aufbauten und Nebengefäßen (s. farbige Tafel Togo Abb. 14) zielt in das Gebiet des westafrikanischen Tierkults. Schlangen sind plastisch auf seinem Deckel angebracht; zum Schlangenkult des alten Togo dürfte er also wohl in irgendwelcher Beziehung stehen. - Noch nicht erklärter Art sind schließlich die sog. So - Steine (s. Tafel 195 Abb. 18). Es sind Quarzitscheiben von etwa Talergröße mit einem feinen Loch in der Mitte, die, ganz wie die neolithischen Steinbeilklingen, durch starke Regen aus dem Boden herausgewaschen werden. Man hat sie als Netzsenker angesehen; H. Schurtz sieht in ihnen Trittbretter für den wagerechten Trittwebstuhl; andere halten sie für ein altes Kultgerät.

Weule.

11. Europäische Unternehmungen.

a) Pflanzungsunternehmungen: I. Die Pflanzungsgesellschaft Kpeme DKG. Das Gesellschaftskapital von 640 000 M ist voll eingezahlt, davon sind 480 000 M Stammanteile, 160 000 M Vorzugsanteile. Die Hauptpflanzung befindet sich bei Kpeme (rund 500 ha), ein Vorwerk bei Bagida (rund 166 ha). Es sind ausgepflanzt 68 000 Kokospalmen und auf 79 ha 119 000 Sisalagaven. Die Gesellschaft betreibt eine Sisalaufbereitungsanlage und eine Baumwollentkernerei. Zur Verschiffung gelangten im Jahre 1912/13 122 t Kopra und 22,6 t Sisalhanf. II. Die Agu - Pflanzungsgesellschaft DKG., gegründet 1907. Das volleingezahlte Kapital beträgt 750 000 M. Die Hauptpflanzung befindet sich bei Tafië (Besitz rund 212 ha), ein Vorwerk bei Njangbó (Besitz rund 425 ha). Nach dem Geschäftsbericht für das Jahr 1911/12 waren bei Tafië 196,1 ha, bei Njangbó 186,8 ha, im ganzen also 382,9 ha bepflanzt, und zwar 162,6 ha mit Kakao, 117,4 ha mit Manihot, 24,5 ha mit Kickxien, 10,7 ha mit Ficus und Hevea, 58,6 ha mit Ölpalmen in Reinkultur, 0,4 ha mit Kola, 8,3 ha mit Agaven und 0,4 ha mit Verschiedenem. Nach dem Geschäftsbericht 1912/13 wurden verschifft 365 dz Kakao, 383 kg Kautschuk, 22 1/4 t Palmöl und 13 1/2 t Palmkerne. Die Gesellschaft betreibt eine Aufbereitungsanlage für Ölpalmprodukte. III. Die T. - Pflanzungs - Aktiengesellschaft, gegründet 1911 mit einem Kapital von 850 000 M, davon eingezahlt 475 000 M. Grundbesitz rund 7500 ha. Bisher sind bepflanzt 542,9 ha mit Sisal, 6,3 ha mit Manihot und 5 ha mit Kapok. - Außer den vorgenannten Pflanzungsunternehmungen betreibt Kaufmann O. Wallbrecht in der Nähe von Lome eine kleine Kokospalmen- und Sisal - Agavenpflanzung und Vermessungstechniker Burbulla je eine Kakaopflanzung bei Kpeme und bei Wurupong, beide im Verwaltungsbezirk Misahöhe. -

b) Handelsunternehmungen: Im Schutzgebiet sind ansässig 10 deutsche Handelshäuser, nämlich die Bremer Kolonial - Handelsgesellschaft vorm. F. Oloff & Co., A. - G. (Aktienkapital 1 250 000 M voll eingezahlt), Boedecker & Meyer, die Deutsche T. - Gesellschalt DKG. (s. d.), die Deutsch - Westafrikanische Handelsgesellschaft DKG. (Aktienkapital 2 250 000 M voll eingezahlt), C. Goedelt, Alfred Kulenkampff, Luther & Seyfert G.m.b.H., Friedr. M. Vietor Söhne, J. K. Vietor, Wallbrecht & Co. und 1 englisches Handelshaus F. & A. Swanzy Ltd. -

c) Industrielle Unternehmungen: Das Gouvernement läßt durch die Deutsche Kolonial - Eisenbahnbauund Betriebsgesellschaft die fiskalische Landungsbrücke in Lome sowie die fiskalischen Eisenbahnen Lome - Anecho, Lome - Palime und Lome - Atakpame und die fiskalischen Eisenbahnwerkstätten betreiben. Außerdem unterhält das Gouvernement in Lome einen größeren Werkstättenbetrieb, in dem Zimmer-, Tischler-, Schlosser-, Schmiede- und Schneiderarbeiten ausgeführt werden. Baumwollentkernereien halten in Betrieb das Gouvernement 2, die Deutsche T. -Gesellschaft 5, die T.baumwollgesellschaft m.b.H. 2, die Pflanzungsgesellschaft Kpeme 1. Aufbereitungsanlagen für Ölpalmprodukte betreiben die Agupflanzungsgesellschaft, die Deutschwestafrikanische Handelsgesellschaft und das Togo - Palmölwerk G.m.b.H. je eine. Die Pflanzungsgesellschaft Kpeme betreibt auch eine Aufbereitungsanlage für Sisalhanf. Das Gouvernement baut ein Kalklager bei Tokpli ab und hat dort einen Kalkofen in Betrieb. Die Katholische Mission unterhält in Lome 1 größere Werkstätte mit Tischlerei, Schmiede, Schlosserei, Schneiderei, Druckerei und Buchbinderei. Ferner sind im Schutzgebiet im Betriebe 1 Seifenfabrik, 1 Hotelunternehmen mit Bäckereibetrieb, 1 Baugeschäft, 1 Tischler- und Wagenbauwerkstätte.

12. Handel. Im Schutzgebiet ist zu unterscheiden zwischen dem Umtausch von Landeserzeugnissen verschiedenster Art zum Zweck des Verbrauches im Inlande bzw. in den Nachbargebieten, dem sog. Binnenhandel und dem Umtausch von über See eingeführten, meist europäischen Erzeugnissen gegen meist nach Europa auszuführende Landeserzeugnisse des Schutzgebietes, dem sog. Außenhandel. -

a) Binnenhandel. Er liegt ausschließlich in den Händen der Farbigen und erstreckt sich sowohl auf Erzeugnisse der Landwirtschaft wie Mais, Yams, -Maniok, Palmfrüchte, Pfeffer, Erdnüsse, Bohnen, Ochro, Schafe, Ziegen, Geflügel, fertig zubereitete Speisen, kurzum auf Viktualien aller Art, als auch auf Erzeugnisse der einheimischen Industrie, wie Hacken, Hackenstiele, einheimische Zeuge und Garne, Matten, Töpfereien, Schnitzwerk u.a. m. Dieser Handel wickelt sich auf äußerst zahlreichen, im ganzen Schutzgebiet zerstreut liegenden Märkten ab, und zwar in der Hauptsache gegen Barzahlung. Von großer Bedeutung bei diesem Binnenhandel ist der Handel mit afrikanischem Salz, welches in den Lagunen von Adda und Kitta im englischen Goldküstengebiet gewonnen wird. Ferner der Handel mit getrockneten und geräucherten Fischen. Erstere stammen hauptsächlich aus Kitta im englischen Goldküstengebiet, letztere aus dem Lagunengebiet von Dahomé. Ein Teil der Fische wird auch im Schutzgebiet selbst sowohl an der Küste als auch in den Lagunen gefangen und für den Handel zubereitet. - Dem Binnenhandel zuzuteilen ist auch der sog. Sudanhandel. Er ist für das Schutzgebiet in der Hauptsache Durchgangshandel und beruht auf dem Austausch von Kolanüssen, welche hauptsächlich in Akim und Asante hervorgebracht werden, gegen Groß- und Kleinvieh, Schibutter, Bittersalz, einheimische Gewebe und Geflechte des Sudans. Der Sudanhandel wird ausschließlich durch Eingeborene, meist Mohammedaner, vermittelt, welche sowohl einzeln als auch in Karawanen häufig mit Lasttieren reisen. Tschokossi-, Dagomba- und Tschaudjoleute sind hieran häufig als Zwischenhändler beteiligt. Der Sudanhandel durchquert das Schutzgebiet von Nordost nach Südwest und umgekehrt. Die Zentren, in welchen sich der Aufkauf von Kola und demnach auch die Hauptumsätze an Sudanhandelswaren abspielen, liegen in der englischen Goldküstenkolonie, dem Hauptproduktionsgebiet der Kolanüsse; sie wechseln zuweilen je nach den Maßnahmen der englischen Verwaltung. Ein wichtiges solches Zentrum ist Salaga. Die wichtigsten Durchgangsplätze in T. für den Sudanhandel sind Bassari (s.d.), Sansane-Mangu (s.d.), Jendi (s.d.) und Sokode (s.d.). - Den Gesamtumfang des Binnenhandels abzuschätzen ist bisher nicht möglich gewesen. -

b) Außenhandel. Er liegt ausschließlich in den Händen europäischer Handelshäuser (s. 10. Europäische Unternehmungen). Diese haben in Lome, Anecho, Palime und Atakpame größere Faktoreien, meist unter Leitung von europäischen Angestellten, seltener unter Leitung intelligenter Farbiger. Diese Faktoreien unterhalten größere Lager europäischer Waren, in welchen die Eingeborenen ihren Bedarf decken. Hier wird meist auch der Aufkauf von Landeserzeugnissen bewirkt, welche nach Europa verschifft werden. Außer den in den oben genannten Orten vorhandenen größeren Faktoreien unterhalten die Handelshäuser, besonders an größeren Orten und Märkten, zahlreiche kleinere Nebenfaktoreien und Läden, welche meist unter Leitung von Farbigen stehen. Zum Einkauf von Landeserzeugnissen halten sich die Handelshäuser zahlreiche farbige Einkäufer. Der Einkauf europäischer Waren in den Faktoreien und Läden durch die Konsumenten und der Ankauf von Landeserzeugnissen durch die Aufkäufer von den Produzenten erfolgt meist gegen Barzahlung. Die europäischen Handelshäuser bedienen sich zu ihren Umsätzen ferner noch zahlreicher farbiger Händler, welche aus den Faktoreien Waren vielfach auf Vorschuß erhalten und Zahlung nach Absatz teils in Geld, teils in Landeserzeugnissen leisten. Haupteinfuhrartikel für die Eingeborenenbevölkerung sind: Reis, Mehl, Backwaren, Zuckerwaren, Tabak, Branntwein, Salz, Petroleum, Seife, Zündhölzer, Glasperlen, Baumwollgarne und -gewebe, Ton- und Porzellanwaren, Bleistangen, Buschmesser und andere landwirtschaftliche Geräte, Steinschloßgewehre und Handelspulver. Dazu treten die von den Europäern benötigten Nahrungs- und Genußmittel, Getränke und Kleidungsstücke, ferner: Maschinen und Material für Verkehrs- und industrielle Anlagen, sowie für Bauzwecke. Die Entwicklung des Gesamtaußenhandels des Schutzgebietes, einschließlich des Handels über die Landgrenzen, soweit dieser statistisch faßbar war, geht ans der nachstehenden Übersicht hervor. In dieser Übersicht sind bis einschließlich 1905 die Einfuhrwerte berechnet nach dem Preis der Waren im Herkunftslande, zuzüglich der bis zum Einfuhrhafen entstandenen Spesen und zuzüglich der im Einfuhrhafen erhobenen Eingangszölle, vom Jahre 1906 ab ebenso, jedoch ohne die entrichteten Eingangszölle; das ein- und ausgeführte Bargeld ist in den vorstehenden Zahlen enthalten.

13. Verkehrswesen.

a) Schiffahrtsverbindungen. Den Verkehr zwischen T. und der Heimat bewirken die Woermann-Linie, die Hamburg-Amerika-Linie und die Hamburg-Bremer- Afrika-Linie. Zwischen Hamburg und Lome verkehren ferner Dampfer der African Steamship Company und The British and African Steam Navigation Co. Die letztgenannte Linie vermittelt auch den Verkehr zwischen dem Schutzgebiet und England. Die Dampfer zweier französischer Linien, nämlich der Fraissinet - Linie und der Chargeurs - Réunis, vermitteln endlich noch den Verkehr zwischen Lome und Marseille bzw. Bordeaux. Der Verkehr mit Segelschiffen, welche früher ausschließlich zwischen der westafrikanischen Küste und Europa bzw. Amerika verkehrten, hat fast gänzlich aufgehört. Im Kalenderjahre 1912 ist T. angelaufen worden von 176 Dampfern unter deutscher Flagge mit 414 731 Registertonnen, von 82 Dampfern unter nichtdeutscher Flagge mit 157 101 Registertonnen, im ganzen von 258 Dampfern mit 571 832 Registertonnen. Segelschiffe liefen in dem genannten Kalenderjahre das Schutzgebiet nicht an. Ein Schifffahrtsverkehr zwischen einzelnen Küstenplätzen des Schutzgebietes findet nicht statt. S.a. Postverbindungen und Dampfschiffahrt.

b) Hafenverhältnisse. Die Küste des Schutzgebietes bildet eine offene Reede. Ein geschützter Hafen befindet sich nirgends. Die das Schutzgebiet anlaufenden Seeschiffe sind genötigt, auf der offenen Reede zu ankern. Der Transport von Personen und Waren von den Seeschiffen nach dem Land und umgekehrt erfolgt durch Vermittlung von Booten, welche mit eingeborenen Bootsleuten bemannt sind. Ein schweres Hindernis für den Verkehr zwischen Schiff und Land bildet die jahraus, jahrein an der Togoküste anstehende starke Brandung (s. 4. Gewässer). Wenngleich die eingeborenen Bootsleute in dem Durchfahren der Brandung eine außerordentliche Geschicklichkeit an den Tag legen, so sind doch bei hohem Seegange häufig Verluste an Menschenleben und Gütern entstanden. Um dieses Hindernis auszuschalten, hat die Verwaltung vom Strande aus eine eiserne Landungsbrücke so weit in die See hinausbauen lassen, daß die Beförderung von Menschen und Gütern gefahrlos über die Brandung hinweg auf der Brücke erfolgen kann und daß die den Verkehr zwischen Schiff und Land bewirkenden Boote nur noch zwischen dem in die See hinausragenden Brückenende und den auf der Reede ankernden Seeschiffen zu fahren haben. Die erwähnte Landungsbrücke wurde am 27. Jan. 1904 dem öffentlichen Verkehr übergeben. Am 17. Mai 1911 hob ein schwerer Seegang, wie er in der Vorzeit noch nie beobachtet worden war, die Pendelstützen mehrerer Joche, mit drei daraufstehenden Dampfkränen in die Höhe und drückte sie mit der Fahrbahn zur Seite, so daß die Joche mit der Fahrbahn und einigen daraufstehenden beladenen Eisenbahnwagen seitlich in die See stürzten. Die Wiederinstandsetzung der teilweise zerstörten Landungsbrücke wurde im Dezember 1911 begonnen, die Wiederinbetriebnahme der Landungsbrücke erfolgte a m 1. Nov. 1912. Den Schiffsverkehr auf den Reeden von Togo regelt eine GouvV. vom 6. Febr. 1909 (ABl. T. 1909 S. 28). Den Verkehr auf der Landungsbrücke regelt die GouvV. vom 5. Juni 1909 (ABl. T. 1909 S. 157); die letztere ist durch die GouvV. vom 26. April 1910 u. vom 22. Okt. 1912 (ABl. T. 1910 S. 174 u. 1912 S. 341) geändert worden. Die Landungsbrücke ist Eigentum des Schutzgebietsfiskus und zusammen mit den Eisenbahnen als Verkehrsanlagen des Schutzgebietes an die Deutsche Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft in Berlin verpachtet; letztere bewirkt ihren Betrieb. Bezüglich des Vertrages zwischen dem Fiskus von T. und der genannten Gesellschaft, betr. die Verpachtung der Verkehrsanlagen vom 12. März 1908 vgl. die Landesgesetzgebung des Schutzgebietes T. Berl. 1910 S. 486 ff. Bezüglich des Landungsbrückentarifs vgl. das von den Verkehrsanlagen des Schutzgebietes T. herausgegebene Tarifbuch (Eisenbahntarif und Landungsbrückentarif), Berlin 1912, gedruckt in der Reichsdruckerei mit Nachträgen (bis Dezember 1913 sind 8 Nachträge erschienen).

c) Wasserstraßen. Natürliche Wasserwege, welche für den Verkehr nutzbar gemacht werden können, sind in T. nur in sehr beschränktem Maße vorhanden. In erster Linie kommen hierfür die im südöstlichsten Teil des Schutzgebietes, in der Nähe der Küste gelegenen Lagunen (s.d.) sowie der Togosee (s.d.) in Betracht. Die Lagunen und der Togosee sind nur für die Kanus der Eingeborenen und für sehr flachgehende Boote fahrbar, gleichwohl sind sie für den lokalen Marktverkehr der Eingeborenen sowie für das Zubringen von Ausfuhrerzeugnissen von den Produktenmärkten nach Anecho von wesentlicher Bedeutung. Die Verwaltung hat zur Austiefung des Fahrwassers an flachen Stellen des Lagunennetzes einen Handbagger in Betrieb. Mit dem Lagunennetz steht in Verbindung der Monu (s.d.). Er ist nur auf seiner südlichsten Strecke zwischen Agbanake und Awewe das ganze Jahr über fahrbar und je nach den Regenverhältnissen während 4 - 6 Monaten im Jahre bis Tokpli unter günstigen Verhältnissen sogar bis Togodo. Auch der Monufluß kann nur von den Kanus der Eingeborenen und von flachgehenden Booten befahren werden. Ein Versuch der französischen Regierung, zwischen Grand- Popo und Athiémé einen Raddampferverkehr einzurichten, scheiterte an den ungünstigen Wasserverhältnissen. Immerhin ist auch der Monu auf seinen fahrbaren Strecken, ebenso wie die Lagunen, für den Handelsverkehr von Bedeutung. Der Volta (s.d.), welcher eine Strecke weit das Schutzgebiet im Westen begrenzt, würde als Wasserstraße eine gewisse Bedeutung haben, wenn nicht das linke (deutsche) Ufer die Grenze bilden, und wenn nicht die Verwaltung der englischen Goldküstenkolonie dem Befahren des Flusses durch die deutschen Anwohner Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Der Oti (s.d.) wird als Wasserstraße erst dann in Betracht kommen, wenn es gelingt, den Wasserstand zu regulieren und die noch vorhandenen Schiffahrtshindernisse zu beseitigen. -

d) Fahrbare Wege. Vor dem Eingreifen der europäischen Verwaltung wurde der Transport der Güter innerhalb des Schutzgebietes ausschließlich durch eingeborene Lastträger bewirkt, welche Lasten im Gewicht von etwa 30 kg auf ihren Köpfen beförderten. In der ersten Zeit, in welcher die deutsche Verwaltung in T. tätig war, entsprach das Angebot an eingeborenen Lastträgern nicht immer der Nachfrage. Infolgedessen waren die Trägerlöhne hoch; diese Art des Güterverkehrs war naturgemäß außerordentlich teuer. In späteren Jahren entwickelten sich diese Verhältnisse bei Zunahme des Geldbedarfs unter den Eingeborenen wesentlich günstiger, so daß sich für die am häufigsten begangenen Wege-strecken feste Trägerlohnsätze herausbildeten. Immerhin betrugen die Transportkosten, welche der Lastträgerverkehr verursachte, 80 - 90 Pf. für das Tonnenkilometer. Die Überzeugung, daß nur die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse eine Verbilligung der Frachten und damit eine Ausdehnung des Handelsverkehrs ermöglichen konnte, drängte sich der Verwaltung schon sehr bald auf. Da aber bei den gesetzgebenden Körperschaften wenig Neigung bestand, größere Mittel für den Bau von Bahnen zu bewilligen, so mußte sich die Schutzgebietsverwaltung zunächst darauf beschränken, die von wichtigen, Handelszentren nach der Küste führenden Negerpfade durch besser ausgebaute Wege zu ersetzen. Zunächst wurde an dem Ausbau eines Weges von Lome nach Palime, später an dem eines Weges von Lome von Atakpame gearbeitet. Im Jahre 1901 wurde zum ersten Male versucht, auf dem Wege von Lome nach Palime Güter mit von Rindern gezogenen W agen und Karren zu befördern. Die Fahrbahn wies aber verschiedene Mängel auf, insbesondere erwiesen sich die vorhandenen Brücken als völlig unzulänglich. Die Zugtiere erlagen vielfach der Tsetsekrankheit. Die an der Straße vorgefundenen Mängel wurden allmählich beseitigt, und an Stelle der Zugtiere versuchte man, das Ziehen der Wagen durch eingeborene Menschenkraft bewirken zu lassen. Der Versuch gelang, und alsbald entwickelte sich auf dem fahrbar gemachten Wege zwischen Lome und Palime ein regelrechter Wagenverkehr. Die Transportkosten stellten sich auf 55 - 60 Pf. für das Tonnenkilometer. Durch die Einführung des Wagenverkehrs entwickelte sich der Handelsplatz Palime, sowie verschiedene an der Wegestrecke Lome-Palime gelegene Märkte zusehends, und dieses Moment war schließlich auch ausschlaggebend für die spätere Bewilligung von Anleihen zum Bau von Eisenbahnen. Ähnlich wie auf der Strecke Lome - Palime mußte auch der Weg von Lome nach Atakpame fahrbar gemacht werden, und auch dort entwickelte sich in gleicher Weise ein Wagenverkehr wie auf der erstgenannten Straße. Die beiden genannten Fahrwege büßten naturgemäß ihre Bedeutung ein, nachdem sie durch Eisenbahnen ersetzt worden waren. Fahrwege, auf welchen heute Lastwagenverkehr stattfindet, sind die Straßen Assahun - Ho, Ho-Palime, Palime - Kpandu (s. Tafel 194), Kewe - Sokpe, Noëpe - Kota, Tsewie - Avhegame, Nuatjä - Sagada und Atakpame - Sokode. Auf der Straße Palime -Kpandu ist von einem Privatunternehmer ein Lastautomobilverkehr eingerichtet worden. Tafel 194 zeigt einen Teil der im Bau begriffenen Fahrstraße von Atakpame nach Akposso. -

e) Eisenbahnen (s.d.). Es bestehen die Eisenbahnen von Lome nach Anecho, 44 km lang, von Lome nach Palime, 119 km lang und von Lome nach Atakpame, 167 km lang. Die Eisenbahnen sind Eigentum des Schutzgebietsfiskus. Sie sind ebenso wie die Landungsbrücke in Lome an die Deutsche Kolonial - Eisenbahn - Bau- und Betriebsgesellschaft in Berlin verpachtet, welche ihren Betrieb bewirkt. Über den Vertrag zwischen dem Fiskus von T. und der genannten Gesellschaft, betr. die Verpachtung der Verkehrsanlagen, vom 12. März 1908 siehe die Landesgesetzgebung des Schutzgebietes T. (Berl. 1910 S. 486 ff .). Den Verkehr auf den Eisenbahnen regelt die Kolonialeisenbahn Bau- und Betriebsordnung (RKV. vom15. Juli 1912, KolBl. S. 679) u. die Kolonialeisenbahn - Verkehrsordnung (RKV. vom 26. Febr. 1913, KolBl. S. 179.). Bezüglich des Eisenbahntarits s. das von den Verkehrsanlagen des Schutzgebietes T. herausgegebene Tarifbuch (Eisenbahntarif u. Landungsbrückentarif) Berlin 1912, gedruckt in der Reichsdruckerei, mit Nachträgen (bis Dezember 1918 sind 8 Nachträge erschienen). Die Fahrpläne für die Eisenbahnen werden von der Betriebsleitung im ABl. T. veröffentlicht. -

f) Post- und Telegraphenwesen (s.d.). Im Jahre 1912 bestanden insgesamt 16 Postanstalten mit Telegraphenbetrieb und 6 Telegraphenhilf sstellen (ohne Postbetrieb), davon 3 an der Küste, die übrigen im Innern. Ortsfernsprechnetze befanden sich in 7 Orten. Im gleichen Jahre wurden befördert: 488 606 Briefsendungen, 25 047 Postanweisungen mit einem Gesamtbetrag von 3 395 854 M., 60 Wertbriefe, 15 106 Pakete, 7 271 Nachnahmesendungen, 113 296 Zeitungsnummern, 39 695 Telegramme und 54 285 Ferngespräche. In Lome befindet sich eine Kabelstation der Deutsch - Südamerikanischen Telegraphengesellschaft, A. - G. Das Kabel Monrovia - Lome - Duala ist seit 20. Jan. 1913 im Betrieb; es ist durch das Kabel Teneriffa - Monrovia an das Kabel Emden - Sta. Cruz auf Teneriffa und somit an die Heimat angeschlossen. In Kamina bei Atakpame befindet sich eine große, bei Togblekovhe, 18 km nördlich von Lome, eine kleinere Telefunkenstation.

14. Geld- und Bankwesen. Im Schutzgebiet gilt die Reichsmarkrechnung. Sämtliche Münzen, welche auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen im Deutschen Reiche gesetzliche Zahlungsmittel sind, gelten auch in T. als solche. Auch Reichskassenscheine werden bei allen amtlichen Kassen zu ihrem Nennwert in Zahlung genommen. Von den öffentlichen Kassen des Schutzgebietes werden auch englische Gold- und Silbermünzen in Zahlung genommen, und zwar nach dem Wertverhältnis von 1 Pfund Sterling = 20 M. Mariatheresientaler, welche in früheren Jahren im Sudan eine gangbare Münze waren, dürfen nur mit Genehmigung des Gouverneurs eingeführt, aber weder in Zahlung gegeben noch genommen werden. Im Jahre 1905 hat die Deutsch - Westafrikanische Bank (s. Bankwesen) eine Niederlassung in T. gegründet. Im Jahre 1912/13 betrug der Gesamtumsatz der Bank 31 Mill. M, der Umsatz an Wechseln nach Europa insgesamt 2 272 460 M, an Solawechseln 668 343 M. Beim Inkassogeschäft betrugen die Aufträge 120 000 M. Der Gesamtumsatz beim Kontokorrentverkehr betrug: Einzahlungen 8 573 000, Auszahlungen 8 479 000 M, Depotinhaber waren 160 Personen, davon 102 Eingeborene. -Am 1. Juli 1910 wurde die Sparkasse der Deutsch - Westafrikanischen Bank in Lome eröffnet. Ende Dez. 1912 hatten 291 Einleger ein Guthaben von 72 727 M in der Kasse liegen. Von den Einlagen entfielen 29 793 M auf 26 Europäer und 42 934 M auf 265 Eingeborene. Deutsches Geld wird in allen Teilen des Schutzgebietes auch von Eingeborenen in Zahlung genommen. Die früher als Zahlungsmittel unter Eingeborenen überall gebräuchliche Kaurimuschel ist in Süd - T. vollständig verdrängt; ein gleiches Schicksal steht ihr in Mittel- und Nord - T. bevor. S.a. Geld und Geldwirtschaft.

15. Verwaltung. Die Zentralverwaltung des Schutzgebietes befand sich unmittelbar nach der Erklärung der deutschen Schutzherrschaft in Bagida, später in Sebe bei Anecho. Seit 1897 befindet sie sich in Lome. An der Spitze der Zentralverwaltung des Schutzgebietes steht der Gouverneur, dem zugleich konsularische Befugnisse für die englische Goldküstenkolonie und Französisch - Dahomi übertragen sind. Ihm sind ein erster Referent, zugleich Stellvertreter in Abwesenheitsfällen, sowie eine Anzahl Hilfsarbeiter beigegeben. Je einer von ihnen bearbeitet die allgemeinen wirtschaftlichen Angelegenheiten (dazu die Eingeborenen - Politik das Schul- und Missionswesen und die Personalien), die Rechtsfragen (dazu die Konsulatsangelegenheiten und die den Landbesitz des Fiskus betreffenden Sachen), das Finanzwesen, das Zollwesen, das Gesundheitswesen, die landwirtschaftlichen Angelegenheiten, die forstwirtschaftlichen Fragen, die bautechnischen Angelegenheiten, die maschinentechnischen und die die Verkehrsanlagen betreffenden Angelegenheiten, das Militärwesen, das Vermessungswesen (dazu die den meteorologischen Dienst betreffenden Angelegenheiten). Der Referent für das Finanzwesen ist zugleich Kommissar des Gouverneurs zur Beaufsichtigung des Geschäftsbetriebes der Deutsch - Westafrikanischen Bank und der bei ihr errichteten Sparkasse. Dem Referenten für das Zollwesen obliegt die Oberleitung des gesamten Zolldienstes, dem forstwirtschaftlichen Referenten die Leitung der Aufforstungen (s. Forstwesen) dem Referenten für das Bauwesen die Oberaufsicht über den Werkstättenbetrieb des Gouvernements, dem Referenten für das Verkehrswesen die Aufsicht über den Betrieb der fiskalischen Verkehrsanlagen, welche an die Deutsche Kolonial - Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft verpachtet sind. Der landwirtschaftliche Referent führt zugleich die Oberaufsicht über das landwirtschaftliche Versuchswesen und die Tätigkeit der Bezirkslandwirte. Der Referent für die Vermessungsangelegenheiten und den meteorologischen Dienst ist zugleich der Vorstand der beim Gouvernement errichteten Bergbehörde. Außer den vorbezeichneten Hilfsarbeitern steht dem Gouverneur auch das erforderliche Bureaupersonal zur Verfügung. Bei allen Behörden des Schutzgebietes werden, soweit die dienstlichen Interessen es gestatten, farbige Hilfskräfte zur Erledigung der Geschäfte herangezogen. - Im Schutzgebiete befindet sich eine Polizeitruppe in Stärke von 2 Offizieren, 6 Unteroffizieren und rund 550 Farbigen. Von diesen befindet sich eine Kompagnie unter einem Offizier und einem Unteroffizier in Lome zur Verfügung des Gouverneurs, während die übrigen den Lokalverwaltungen zugeteilt sind. T. ist in folgende Verwaltungsbezirke eingeteilt: Lome - Stadt, Lome - Land, Anecho, Misahöhe, Atakpame, Kete - Kratschi, Sokode und Sansane - Mangu. Den Leitern der Lokalverwaltungen (Bezirksamtmännern oder Bezirksleitern) obliegt neben der Gerichtsbarkeit über die Eingeborenen die Ausübung der Polizeigewalt, der Ausbau bzw. die Unterhaltung der Wege, die Einwirkung auf die Eingeborenen in hygienischen und wirtschaftlichen Fragen, sowie die Leitung der fast in allen Bezirken vorhandenen Versuchspflanzungen. Den Bezirksamtmännern oder Bezirksleitern sind da, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse es erheischen, Bezirkslandwirte beigegeben. Über die Aufgabe der letzteren: ABl. Togo 1912 S. 333 und 334. - Der ordentliche Etat des Schutzgebietes für das Jahr 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 40 57 136 M. Seit dem Jahre 1903 hat T. einen Reichszuschuß nicht mehr erfordert. Die wichtigsten Einnahmen sind die Zölle, welche nach dem vorläufigen Rechnungsabschluß für 1912 rund 1 863 000 M betrugen. Von den im Schutzgebiet eingeführten Waren wird, soweit nicht spezifische Zölle vorgesehen und soweit sie nicht von Einfuhrzöllen befreit sind, ein Wertzoll von 10% erhoben. Spezifische Zölle bestehen für Spirituosen, Tabak, Salz, Zucker, Petroleum, Feuerwaffen, Pulver und Fische afrikanischen Ursprungs. Von Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von 50 % Tralles wird ein Zoll von 0,80 M für das Liter erhoben. Dieser Zoll steigt, bei einem Alkoholgehalt von mehr ab 50 % Tralles für jedes Prozent um 1,6 ? und sinkt bei einem Alkoholgehalt von weniger als 50 % Tralles für jedes Prozent um 1,6 ?. Im Bezirk Sansane - Mangu sowie in dem größten Teil des Bezirkes Sokode dürfen Spirituosen zum Zweck des Verkaufs oder Abgabe an Eingeborene überhaupt nicht eingeführt werden. In den Städten Lome und Anecho ist eine direkte Besteuerung der Eingeborenen eingeführt; diese hat im Jahre 1912 rund 22 000 M erbracht. In allen übrigen Landesteilen sind die arbeitsfähigen männlichen Eingeborenen verpflichtet, für die Regierung an 12 Tagen des Jahres Steuern in Form von Arbeit zu leisten, aber berechtigt, die Arbeitsleistung durch eine Geldabgabe abzulösen. Die Ablösung der Steuerarbeiten durch Geld hat im Jahre 1912 rund 696 000 M erbracht. Nennenswerte Steuereinnahmen erbringt endlich noch die Spirituosen - Schank- und Verkaufs - Steuer (1912 rund 68 000 M), die Abgabe vom Handelsgewerbe (1912 rund 32 000 M) und die Gummihandel- Erlaubnisschein- Steuer (1912 rund 34 000 M). An sonstigen Abgaben, Gebühren und verschiedenen Verwaltungseinnahmen, wie Gerichtskosten, Gerichts- und Polizeistrafen, Betrieb der Krankenhäuser und Polikliniken, Wegegebühr u. dgl. sind im Jahre 1912 rund 258 000 M eingegangen. -Der vom Pächter der Verkehrsanlagen (Landungsbrücke in Lome, Küstenbahn Lome - Anecho, Inlandbahn Lome - Palime und Hinterlandbahn Lome-Atakpame) zu entrichtende Pachtzins beträgt für das Jahr 1912 547 500 M. -Aus den erwähnten Einnahmen deckt das Schutzgebiet sämtliche Verwaltungskosten einschließlich der Kosten für die Polizeitruppe und die Verzinsung und Tilgung der vom Reich zum Zweck der Eisenbahnbauten gewährten Darlehen und der Schutzgebietsanleihen. - Zur Beratung der Haushaltsentwürfe und der Entwürfe der zu erlassenden Verordnungen beruft der Gouverneur den Gouvernementsrat (s.d.), außerdem bespricht der Gouverneur in besonders dazu anberaumten Beratungen mit den Leitern der örtlichen Verwaltungsbehörden, mit den Vertretern der Missionen und mit der Kaufmannschaft alle wichtigeren kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Schutzgebietes.

16. Rechtsprechung.

a) Weiße. Zur Ausübung der Gerichtsbarkeit erster Instanz ist der Bezirksrichter in Lome bzw. das aus dem Bezirksrichter und den von ihm ernannten Beisitzern zusammengesetzte Bezirksgericht in Lome, zur Ausübung der Gerichtsbarkeit zweiter Instanz der Oberrichter in Buea (Kamerun) bzw. das aus dem Oberrichter und Beisitzern zusammengesetzte Obergericht in Buea zuständig. Der Bezirksrichter in Lome hat seemannsamtliche Befugnisse (V. des RK. vom 27. Sept. 1903, KolBl. S. 609). Zur Zuständigkeit des Bezirksrichters gehört auch die Bearbeitung der Grundbuchsachen für den Umfang des gesamten Schutzgebietes. Der Bezirksrichter ist endlich noch zur Eheschließung und zur Beurkundung des Personenstandes innerhalb des Schutzgebietes, ausschließlich der Bezirke Anecho und Misahöhe, ermächtigt; für letztere sind die Bezirksamtmänner in Anecho und Misahöhe zuständig. Beim Bezirksgericht ist ein in Lome ansässiger deutscher Rechtsanwalt zugelassen.

b) Farbige. Die Gerichtsbarkeit über die Farbigen steht den Leitern der örtlichen Verwaltungsbehörden (Bezirksamtmännern und Bezirksleitern) zu. Für geringfügige Straftaten, sowie für geringfügige bürgerliche Rechtsstreitigkeiten sind die Eingeborenenhäuptlinge zuständig, unterliegen aber in der Ausübung ihrer Tätigkeit der Aufsicht der örtlichen Verwaltungsbehörde. Die Rechtsprechung erfolgt seitens der örtlichen Verwaltungsbehörden in Anlehnung an das Reichsstrafgesetzbuch und die übrigen Reichsgesetze, jedoch unter Berücksichtigung der von den europäischen Verhältnissen abweichenden Verhältnisse des Landes (ABl. Togo 1907 S. 50). Die besonderen Verhältnisse in T. haben dort auch zur Einrichtung sog. Besserungssiedlungen (s.d.) geführt (ABl. Togo 1909 S. 330).

17. Schulen, Missionswesen (s. Tafel 132,135). Die Verwaltung verfolgte durch Errichtung von Schulen den Zweck, E ingeborene in der deutschen Sprache so weit auszubilden, daß sie sowohl im Bereich der Verwaltung, als auch bei Privatunternehmern als farbige Hilfskräfte wie Dolmetscher, Schreiber, Zollaufseher, Heilgehilfen, Handlungsgehilfen u. dgl. verwendet werden konnten. Die Heranbildung solchen Personals ermöglichte der Verwaltung sowie den Privatunternehmern Ersparnisse an kostspieligem Europäerpersonal, den Eingeborenen den Eintritt in verhältnismäßig gut bezahlte und sozial gehobene Stellungen. - Dieser Zweck wurde zu erreichen versucht durch Einrichtung von Volksschulen, in welchen sich die Eingeborenen die deutsche Sprache, ferner elementare Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in einigen anderen nützlichen Fächern aneignen konnten. Mit der Entwicklung des Schutzgebietes traten aber erhöhte Anforderungen an das farbige Hilfspersonal heran, so daß die in den Volksschulen erworbenen Kenntnisse nicht mehr ausreichten; es trat das Bedürfnis hervor, die Eingeborenen noch gründlicher für ihre Berufe vorzubilden und sie mit weiteren Kenntnissen zu versehen als mit der elementaren Volksschulbildung. Zu diesem Zweck ist eine Fortbildungsschule mit zweijährigem Lehrgang als Oberstufe für die Volksschulen des Schutzgebietes eingerichtet worden. Neben diesen praktischen Zwecken verfolgte die Verwaltung aber auch ein wichtiges nationales Ziel, nämlich die Verbreitung deutscher Art und deutscher Sprache unter den Eingeborenen, welche infolge ihrer früheren Handelsbeziehungen und des regen Verkehrs nach benachbarten, unter britischer Oberhoheit stehenden Gebieten englischen Einflüssen stark ausgesetzt waren. Schickten doch angesehene Eingeborene ihre Söhne mit Vorliebe nach den "High Schools" englischer Kolonien. Um der deutschen Sprache die ihr gebührende Stellung zu verschaffen, wurde im Verordnungswege die Erteilung fremdsprachlichen Unterrichts an den Schulen T.s verboten. Regierungsvolksschulen unter Leitung je eines europäischen Lehrers, dem eine Anzahl farbiger Hilfslehrer zur Seite steht, befinden sich in Anecho und in Lome. Erstere wurde 1891, letztere 1902 gegründet. Seit 1. April 1912 besteht unter Leitung eines Farbigen eine weitere Regierungsschule auf der Regierungsstation Sokode, welche einen ähnlichen Ausbau erfahren soll wie die Schulen in Anecho und Lome. Der Lehrgang der Regierungsvolksschulen ist sechsjährig. Nach Beendigung des sechsjährigen Lehrganges werden die Schüler einer Abgangsprüfung vor einer Prüfungskommissien des Gouvernements unterzogen. Anstellung im Regierungsdienste erhalten nur solche Schüler, welche die Abgangsprüfung bestanden haben; auch der Eintritt in die Regierungsfortbildungsschule wird vom Bestehen der Prüfung abhängig gemacht. Am Ende des Schuljahres 1912 befanden sich in der Regierungsschule in Anecho 148, in der Regierungsschule in Lome 133 eingeborene Schüler. Die Regierungsschule in Sokode wurde von 23 Schülern besucht. - Ende Januar 1911 wurde in Lome die Regierungsfortbildungsschule eröffnet. Sie hat mit Januar 1912 ihr zweites Schuljahr begonnen und wurde von 37 Schülern besucht, die sich auf 2 Klassen verteilen. 1903 wurde in Verbindung mit den Werkstätten in Lome eine Regierungshandwerkerschule errichtet, in welcher Eingeborene im Tischler-, Schlosser- und Schneiderhandwerk ausgebildet werden. Im Lehrjahre 1911 betrug die Zahl der Handwerksschüler 17 davon waren 13 Tischler-, 4 Schlosserlehrlinge. 1912 wurde die Handwerkerschule aufgehoben, weil 3 leistungsfähige Privatbetriebe in Lome sich mit der Heranbildung farbiger Handwerker beschäftigen. Die Verwaltung unterhielt in Nuatjä (s.d.) ferner noch eine Ackerbauschule, welche aus einer 1904 auf Anregung des Gouverneurs vom Kolonialwirtschaftlichen Komitee gegründeten Baumwollschule hervorgegangen ist. Sie wurde im Jahre 1912 in einen Musterbetrieb für die im Lande angebauten Produkte umgewandelt (ABl. Togo 1912 S. 241 u. 242). In T. sind 4 Missionsgesellschaften tätig, die evangelische Norddeutsche Missionsgesellschaft (s.d.), die katholische Gesellschaft des Göttlichen Wortes (s.d.), die Basler Missionsgesellschaft (s.d.) und die Wesleyanische Mission (s.d.).

a) Die Norddeutsche Missionsgesellschaft unterhält in T. an europäischem Personal 16 ordinierte Missionare, 3 nichtordinerte Missionare, 11 Missionsfrauen und 2 Schwestern. An farbigem Personal 90 Lehrer(darunter 6 Pastoren) und 12 Lehrerinnen. Die Zahl der aus der norddeutschen Missionsgesellschaft hervorgegangenen eingeborenen Christen beträgt 7112. Sie unterhält: 147 Knabenschulen, 1 Mädchenschule, 6 Kleinkinderschulen, 1 Fortbildungsschule, 1 Lehrerseminar. -

b) Die katholische Gesellschaft des göttlichen Wortes (Steyler Mission), die seit 1892 die Apostolische Präfektur T. (seit 1914 Vikariat) versieht, unterhält an europäischem Personal 44 Priester, 14 Laienbrüder, 22 Schwestern, an farbigem Personal 205 Lehrer und 10 Lehrerinnen. Die Zahl der aus der Steyler Mission hervorgegangenen Christen beträgt 14657. Sie unterhält. 181 Knabenschulen, 14 Mädchenschulen, 2 Kleinkinderschulen, 1 Fortbildungsschule, 1 Lehrerseminar, 1 Handwerkerschule (s.a. den folgenden Art. Togo, Apostolisches Vikariat). -

c) Die Basler Mission begann erst 1912 ihre Tätigkeit in Nordtogo; sie baut bei Jendi eine Station. Die beiden dorthin entsandten Missionare beschäftigen sich vorläufig nur mit der Erlernung der Eingeborenen - Sprache. -

d) Wesleyanische Methodistenmission. Sie unterhält kein europäisches Personal, an farbigem Personal 16 Lehrer und 3 Lehrerinnen. Die Zahl der aus ihr hervorgegangenen Christen beträgt 830. Sie unterhält 7 von Knaben und Mädchen besuchte Schulen. Der Personalstand ist angegeben nach dem Stande vom 31. Dez. 1912, die Zahl der Schulen nach dem Stande vom 1. April 1913. S. Mission, evangelische u. Mission, katholische.

18. Geschichte. Schon vor der Besitzergreifung durch das Deutsche Reich waren Bremer und Hamburger Kaufleute in T. ansässig. Sie hatten durch Vertrag mit einem Häuptling in Anecho das Recht erworben, dort Handel zu treiben. Mehrere von ihnen vermittelten den Warenverkehr zwischen Deutschland und den Faktoreien in Afrika auf eigenen Segelschiffen. 1882 richtete die Woermann -Linie einen regelmäßigen Verkehr zwischen Hamburg und Westafrika mit Dampfschiffen ein, die auch T. anliefen. Ein von dem englischen Distriktskommissar in Kitta unternommener Versuch, Anecho durch Truppen besetzen zu lassen, schlag fehl. Hingegen erbaten mehrere Häuptlinge in Anecho deutschen Schutz. Der zum Reichskommissar für die afrikanische Westküste ernannte Generalkonsul Dr. Gustav Nachtigal (s.d.) schloß am 5. Juli 1884 mit dem Vertreter des Häuptlings Mlapa einen Schutzvertrag ab und hißte am gleichen Tage die deutsche Flagge in Bagida und am folgenden Tage in Lome, der jetzigen Landeshauptstadt, welche damals nur ein von drei Weißen bewohntes ärmliches Fischerdorf war. Am 5. Sept. 1884 schloß der zum Kaiserlichen Konsul mit dem Amtssitz in Lome ernannte Kaufmann Randad mit dem Häuptling Mensah von Porto Seguro einen Schutzvertrag ab. Die deutschen Ansprüche auf Anecho wurden französischerseits bestritten. Anecho wurde vorübergehend von Franzosen besetzt, von diesen jedoch wieder aufgegeben, nachdem die französische Regierung durch Protokoll vom 24. Dez. 1885 das deutsche Protektorat über Anecho anerkannt hatte. 1885 wurde Ernst Falkenthal (s.d.) zum Kaiserlichen Kommissar von T. ernannt. Er schlug seinen Amtssitz zunächst in Bagida auf. Auf seine Veranlassung wurde am 30. Nov. 1885 die Polizeitruppe in T. errichtet. Näheres über ihren Entwicklungsgang und ihre Unternehmungen: G. Trierenberg, Togo, die Aufrichtung der deutschen. Schutzherrschaft und die Erschließung des Landes, Berl. 1914, 3. - 5. Teil. 1886 wurde der Sitz der Zentralverwaltung nach -Sebe bei Anecho verlegt. Falkenthal und dessen Sekretär Grade erwarben im Jahre 1886 die Landschaften Towe, Kewe, Agotime und Agome-Palime, Dr. Ernst Henrici 1887 auch die Landschaft Liati. Am 14. und 28. Juli 1886 wurde durch je einen deutschen und englischen Kommissar die Grenze zwischen dem neu erworbenen deutschen Gebiet und der Goldküstenkolonie westlich von Lome an der, Küste durch ein Grenzzeichen festgelegt. Im Jahre 1887 erfolgte eine ähnliche Abgrenzung östlich Anecho bei der Insel Bayol (s.d.) durch je einen deutschen und französischen Kommissar. Durch das Abkommen vom 27. April 1887 einigten sich Deutschland und Frankreich dahin, daß die Grenze zwischen T. und Dahomé bis zum 9. Grad n. Br. hinauf durch den Meridian von Bayol gebildet werden sollte. Durch ein im Jahre 1888 geschlossenes Abkommen verabredeten Deutschland und England, im Hinterlande von T. und der Goldküste eine Neutrale Zone zu schaffen, innerhalb welcher beide Mächte darauf verzichteten, ausschließlichen Einfluß geltend zu machen. Im gleichen Jahre hatte der damalige Hauptmann Curt von Francois (s.d.) einen kühnen Zug ins Hinterland von T. unternommen, auf dem er bis ins Mossigebiet vordrang und zahlreiche Schutzverträge mit eingeborenen Häuptlingen abschloß; mit, Ausnahme eines einzigen, in Mamprussi abgeschlossenen Schutzvertrages wurden diese Verträge durch das in der Zwischenzeit geschlossene Abkommen betreffend Schaffung einer neutralen Zone gegenstandslos. Am 2. Juni 1888 gründete Stabsarzt Dr. Ludwig Wolf die Station Bismarckburg (s.d.), welche verschiedenen Expeditionen als Stützpunkt diente. 1889 unternahm Wolf von Bismarckburg aus einen Zug in das nordöstliche Hinterland von T.; am 7. Mai 1889 schloß er mit dem Häuptling von Tschaudjo (s.d.) einen Schutzvertrag ab. Wolf starb bei der Fortsetzung seines Zuges im Hinterlande von Dahomé. Am 7. Mai 1890 wurde die Station Misahöhe (s.d.) gegründet. Durch Abkommen vom 1. Juli 1890 einigten sich Deutschland und England über die Grenze zwischen T. und der Goldküstenkolonie; zwischen dem 1888 an der Küste gesetzten Grenzzeichen und der Mündung des Daka in den Volta (s.d.), wo die Südgrenze der neutralen Zone begann, wurde die Grenze durch dieses Abkommen in ihren wesentlichen Zügen festgesetzt. 1889 übernahm Jesko von Puttkamer (s.d.) an Stelle Falkenthals die Leitung des Schutzgebiets. Am 12. Dez. 1891 schloß Hauptmann Kling mit dem Häuptling von Suburuku, der eine Landschaft des Sugureiches beherrschte und am 19. Dez. des gleichen Jahres mit dem Häuptling von Bafilo Schutzverträge ab. 1893 wurde dem Leiter der Zentralverwaltung an Stelle der Bezeichnung Reichskommissar der Titel Landeshauptmann verliehen. Am 8. Juni 1894 schloß der damalige Stationsleiter von Bismarckburg, Oberleutnant von Doering einen Schutzvertrag mit dem Oberhäuptling von Bassari ab. 1894 wurde die Station Bismarckburg in eine Nebenstation umgewandelt; sie entbehrt seit jener Zeit die dauernde Besetzung durch einen Europäer. An ihrer Stelle wurde am 31. Dez. 1894 Kete-Kratschi als Europäerstation gegründet. In der Zwischenzeit betrieb die französische Regierung eine weitausschauende Politik und ließ durch systematisch angeordnete, mit reichen Mitteln ausgestattete Expeditionen mit eingeborenen Häuptlingen im Hinterlande von Dahoné und im westlichen Sudan Schutzverträge abschließen in der Absicht, in Westafrika ein großes zusammenhängendes Kolonialreich zu gründen. Deutscherseits brach im November 1894 die sog. Togohinterlandexpedition von Misahöhe auf, deren Führung in den Händen des damaligen Stationsleiters von Misahöhe, Dr. phil. Hans Gruner und des Oberleutnants von Carnap - Quernheim lag. Die zur Durchführung dieser Expedition erforderlichen Mittel waren in der Hauptsache von privater Seite aufgebracht worden. - Am 16. Jan. 1895 schloß Dr. Gruner mit dem Oberhäuptling von Sansane - Mangu einen Schutzvertrag ab, desgleichen von Carnap am 14. Jan. 1895 mit dem Häuptling von Pama und am 21. Jan. desselben Jahres mit dem Häuptling von Matschakuale in Kankantschari; die Häuptlinge von Pama und Matschakuale beherrschten Provinzen des Gurmareiches. In jener für die Erwerbung des Hinterlandes außerordentlich wichtigen Zeit erfolgte ein Wechsel in der Leitung des Schutzgebietes; an Stelle des mit den Verhältnissen des Landes vertrauten Landeshauptmanns von Puttkamer, der nach Kamerun versetzt wurde, übernahm August Köhler (s.d.), in T. Neuling, die Leitung der Zentralverwaltung. Um die im Hinterlande erworbenen Rechte, insbesondere jene in Sansane -Mangu, auch äußerlich zur Geltung zu bringen, ordnete die heimische Regierung die Errichtung einer Station in Sansane - Mangu an, welche Anfang Februar 1896 durch den damaligen Leutnant Frhr. von Seefried unter Oberleitung des Oberleutnants von Carnap erfolgte. Infolge widriger Umstände mußte die Station jedoch bald einem farbigen Aufseher zur Verwaltung übergeben werden. Die französische Regierung war demgegenüber nicht untätig geblieben; sie entsandte immer neue Expeditionen und suchte durch militärische Besetzung verschiedener Punkte imHinterlande die sog. Occupation effective zum Ausdruck zu bringen. Als Ende 1895 und Anfang 1896 Nachrichten in Kete - Kratschi eintrafen, daß französische Expeditionen in von Tschaudjo abhängigen Gebieten, mit dessen Oberhäuptling Dr. Wolf einen Schutzvertrag abgeschlossen hatte, die französische Flagge gehißt und Besatzungen stationiert hätten, unternahm der damalige Stationsleiter von Kete -Kratschi, Oberleutnant Graf von Zech, einen Zug nach Tschaudjo und Sugu. In Sugu schloß er am 10. Febr. 1896 mit dem dortigen Oberhäuptling einen Schutzvertrag ab und errichtete in Paratau, der damaligen Hauptstadt des Oberhäuptlings von Tschaudjo, eine kleine Station. Diese wurde 1897 nach Sokode (s.d.) verlegt und in größerem Maßstäbe ausgebaut. Als im November 1896 in Kete - Kratschi neuerdings Nachrichten über die Tätigkeit französischer Expeditionen im Hinterlande von T. eintrafen und als insbesondere festgestellt war, daß Frankreich durch Errichtung von Stationen in Kirikiri, Bafilo, Kabu und Pama T. einzuschnüren und vom Hinterlande abzuschließen gedachte, entschloß sich Graf Zech durch eine von Paratau in der Richtung nach Sugu vorgestoßene Postenkette die französischen Maßnahmen zu erwidern. Er entsandte den Leutnant Frhr. von Seefried über Bassari, Dako, Bafilo und Semere nach Sugu mit dem Auftrage, in Sugu eine Station zu errichten und an geeignet erscheinenden Punkten Schutzverträge mit eingeborenen Häuptlingen abzuschließen. Frhr. von Seefried schloß am 8. Dez. 1896 in Semere einen Schutzvertrag ab und errichtete am 10. Dez. 1896 eine kleine Station in Sugu in der Nähe des Hauptortes Wangara. Graf Zech, der dem Frhr. von Seefried über die Ostgrenze T.s folgte, schloß am 1. Jan. 1897 mit dem Häuptling von Tschamba und am 5. Jan. des gleichen Jahres mit dem Häuptling von Agulu Schutzverträge ab, errichtete am 10. Jan. 1897 in Semere eine Station, schloß sodann mit dem Häuptling der Landschaft Logba, welche zu dem damals noch ziemlich unzugänglichen Kaburegebiet gehörte, einen Schutzvertrag ab und errichtete zudem noch Stationen in Sudu und in Bassari, erstere als Gegengewicht gegen die französische Besetzung von Bafilo, letztere als Gegengewicht gegen die französische Besetzung von Kabu. Frhr. von Seefried wurde in Sugu stationiert und später durch einen von der Küste erbetenen weißen Beamten ersetzt. Infolge der feindseligen Haltung des Oberhäuptlings von Dagomba (s.d.) in Jendi und des in Kpembi bei Salaga residierenden Oberhäuptlings des Gondjareiches (s. Gondja) war die Verbindung zwischen Kete - Kratschi und der Station Sansane- Mangu, welche, wie erwähnt, nur von Farbigen besetzt war, unterbrochen. Ende 1896 erhielten Dr. Gruner und Oberleutnant Thierry den Auftrag, die Station Sansane - Mangu zu besetzen. Der Vormarsch dorthin von Kete-Kratschi aus konnte aber nur unter Aufgebot beträchtlicher Machtmittel bewerkstelligt werden. Um den Durchmarsch nach Sansane- Mangu erzwingen zu können, wurde die Polizeitruppe unter Oberleutnant von Massow und dem Polizeimeister Heitmann. über Kete-Kratschi, Jendi nach Sansane - Mangu entsandt. Dieser schloß sich Dr. Gruner und Oberleutnant Thierry an. Nach heftigen Kämpfen bei Bimbila und Adibo, in welchen der Widerstand der Nanumba und der Dagomba gebrochen wurde, traf die Expedition am 11. Dez. 1896 in Sansane - Mangu ein. In der Zwischenzeit hatten die Franzosen in Gurma eine rege Tätigkeit entfaltet und insbesondere die Häuptlinge von Pama und Matschakuale abgesetzt, welche in Sansane Mangu Schutz suchten. Dies veranlaßte den damaligen Stationsleiter von Sansane Mangu Dr. Gruner, den Oberleutnant Thierry nach Gurma zu entsenden, um die deutschen Ansprüche auf Pama und Matschakuale zur Geltung zu bringen. Oberleutnant Thierry besetzte Pama und errichtete einen Posten in Matschakuale. Naturgemäß ergaben sich sowohl auf der Postenkette Paratau - Sugu als auch auf der Sansane- Mangu- Matschakuale allerlei Reibungen mit französischen Beamten und Angestellten. Die Errichtung der beiden Postenketten beschleunigten jedoch die Verständigung zwischen der deutschen und französischen Regierung, welche durch das deutsch - französische Abkommen vom 23. Juli 1897 ihr Ziel fand. Durch das erwähnte Abkommen wurde Frankreich Gurma, Sugu und. Semere zugesprochen, während Deutschland Sansane- Mangu und Tschaudjo und die von ihnen abhängigen Gebiete, sowie einen großen Teil der nördlich des Kara gelegenen, unabhängigen Heidengebiete und endlich das sog. Monudreieck zwischen dem Bayolmeridian, dem Monufluß und der Lagune erhielt. Zwei Jahre später einigten sich auch Deutschland und England über die Aufteilung der neutralen Zone. Durch Vertrag vom 14. Nov. 1899 fielen das Gondjareich, der westliche Teil des Dagombareiches und Mamprussi an England; der östliche Teil des Dagombareichs mit der Hauptstadt Jendi und Tschokossi an Deutschland. Über die zur Abgrenzung des Schutzgebiets unternommenen Expeditionen s. Grenzfestsetzungen, Grenzregulierungen und Grenzexpeditionen. Im Jahre 1897 wurde der Sitz der Zentralverwaltung von Sebe bei Anecho nach Lome verlegt. Dies geschah teils aus gesundheitlichen Rücksichten, teils aber auch wegen der besseren Verbindungen, die Lome nach dem Hinterlande bot. 1898 wurde dem Chef der Zentralverwaltung, welcher bis dahin die Bezeichnung Landeshauptmann führte, der Titel Gouverneur verliehen. Gouverneur Köhler, der, wie oben erwähnt, 1895 als Landeshauptmann nach T. gekommen war, starb am 19. Jan. 1902 in Lome und wurde durch Waldemar Horn ersetzt, der nur bis Oktober 1903 die Geschäfte leitete. Ihm folgte, erst stellvertretend, dann seit 1905 endgültig Graf Zech (s. d.). Er trat 1910 zurück. 1911 - 1912 war Edmund Brückner, seit 1912 ist S. H. der Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg (s. d.) Leiter des Schutzgebiets. Nachdem das Schutzgebiet in wesentlichen Zügen seine äußere Umgrenzung gefunden hatte, konnte auch dem inneren Ausbau des Landes größeres Augenmerk zugewendet werden. 1898 wurde die Verwaltungsstation Atakpame gegründet. Die einzelnen Verwaltungsbezirke innerhalb des Schutzgebiets, bis dahin sieben, wurden abgegrenzt. Die örtlichen Verwaltungsbehörden entwickelten eine rege Tätigkeit auf dem Gebiete der Landesbefriedung, des Wegebaues, der Eingeborenengerichtsbarkeit und Eingeborenenerziehung und auf wirtschaftlichem Gebiete. Dem Ausbau fahrbarer Straßen und später von Eisenbahnen wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Näheres über den Ausbau der Verkehrsanlagen s. 13. Verkehrswesen. Die sich mehrenden kulturellen Aufgaben erforderten erhöhte Geldmittel. Wiederholt wurden durch Erhöhung der Zölle höhere Einnahmequellen erschlossen, und schließlich wurde 1907 zur direkten Besteuerung der eingeborenen Bevölkerung übergegangen (s. 15. Verwaltung). Über die Entwicklung des Schulwesens s. 17. Schulen, Missionswesen. Auf die Entwicklung der Landwirtschaft wurde schon bald nach der Besitzergreifung des Landes durch Errichtung von Versuchspflanzungen seitens der Verwaltung Einfluß zu nehmen getrachtet. In Sebe bei Anecho wurde nach Einrichtung der Zentralverwaltung dortselbst ein Versuchsgarten angelegt, in dem Baumwolle, verschiedenene Gemüsesorten, Kaffee u. dgl. angebaut wurden. Gleich n ach der Gründung der Station Bismarckburg wurden dort im Jahre 1889 Versuche mit dem Anbau von Baumwolle, später auch von Kaffee, Tabak, Kola u. a. angestellt. Im Jahre 1890 wurde ein Sachverständiger nach dem Schutzgebiet entsandt, der durch praktische Versuche feststellen sollte, ob die Vorbedingungen zu einer lohnenden Baumwollkultur im Schutzgebiet vorhanden seien. Dieser nahm die schon vor seinem Eintreffen in Sebe in Angriff genommenen Baumwollkulturversuche in die Hand und legte noch weitere Versuchsfelder in Porto Seguro und Lome an. Wegen Beschränktheit der verfügbaren Mittel wurden diese Baumwollkulturversuche wieder aufgegeben. Ähnlich wie in Bismarckburg wurde auch in Misahöhe bald nach Gründung dieser Station eine Versuchspflanzung angelegt, welche später in größerem Umfange ausgebaut wurde. Gleiches geschah nach der Gründung der Stationen Kete - Kratschi, Sansane - Mangu, Sokode und Atakpame auch an diesen Orten und in späteren Jahren auch in Bassari, Jendi, Kpandu und Ho. Bald nach Verlegung der Zentralverwaltung von Sebe bei Anecho nach Lome wurde in dem letztgenannten Ort ebenfalls ein größerer Versuchsgarten errichtet. Zusammenfassende Berichte über die Versuchsgärten in Sokode und Bassari im Jahresbericht über die Entwicklung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee 1006/07, Teil D. Togo, über die Versuchsgärten in Lome und Aatakpame desgl. 1907/08 und über die Versuchsgärten in Anecho, Sansane -Mangu und Kete - Kratschi desgl. 1908/09. Über die Geschichte des Baumwollbaues in T. vgl. KolBl. 1911 S. 229 ff und 282 ff. Im Jahre 1903 wurde auf Veranlassung des Gouvernements vom Vertreter des Kolonialwirtschaftlichen Komitees in T. eine sogenannte Baumwollschule eingerichtet. 1906 wurde ein land- und forstwirtschaftlicher Beirat beim Gouvernement argestellt. Am Ende des gleichen Jahres erfolgte die Umwandlung der Baumwollschule in eine Acker bau schule, deren Organisation durch Verfügung des Gouverneurs vom 29. Dez. 1906, ABl. T. 1907 S. 1, festgesetzt wurde. 1908 wurde beim Gouvernement ein besonderer landwirtschaftlicher Beirat angestellt und diesem zugleich die Oberleitung der Ackerbauschule übertragen, die im gleichen Jahre vom Gouvernement übernommen wurde. 1911 wurde eine Baumwollsaatzuchtstelle, 1912 zwei weitere solche errichtet. Die Ackerbauschule in ihrer bisherigen Organisation wurde 1912 aufgehoben und in eine Landeskulturanstalt umgewandelt. Im gleichen Jahre wurden auch Bezirkslandwirtstellen geschaffen; die Obliegenheiten der Bezirkslandwirte sind durch eine Dienstanweisung vom 6. Mai 1912 ABl. T. S. 333 festgelegt worden; seit 1912 sind drei, seit 1913 fünf Bezirkslandwirte in T. tätig; drei von ihnen leiten zugleich die Baumwollsaatzuchtstellen. Über die Geschichte der europäischen Pflanzungen s. 11. Europäische Unternehmungen, a) Pflanzungsunternehmungen. Über die Entwicklung der Forstwirtschaft s. Forstwesen. Auch der Gesundheitspflege wurde vermehrtes Augenmerk zugewendet. Während nach der Besitzergreifung T.s nur ein Regierungsarzt in dem 1894 gegründeten Nachtigal-Krankenhaus in Anecho tätig war, wurde nach der Verlegung der Zentralverwaltung nach Lome auch dort ein Regierungsarzt stationiert. 1905,wurde in Lome eine Krankenbaracke für Europäer, 1909 das Königin-Charlotte-Krankenhaus, mit dem ein Eingeborenenkrankenhaus verbunden ist, eröffnet. 1907 erfolgte die Stationierung eines Regierungsarztes in Palime, 1912 eines er solchen in Atakpame. Die Bekämpfung d. Pocken und des Aussatzes wurde teils durch Regierungsärzte, teils durch Verwaltungsbeamte mit wechselndem Erfolge durchgeführt. Seit 1906 besteht ein Aussätzigenheim bei Bagida. Seit 1912 erfolgt die Pockenbekämpfung durch besondere Impfärzte. 1908 wurde die systematische Bekämpfung der Schlafkrankheit in die Wege geleitet. Wiederholt sind Forscher mit der Bekämpfung der Genickstarre, des Gelbfiebers und der Tsetsekrankheit der Rinder beschäftigt worden. Die hygienischen Verhältnisse wurden endlich noch durch systematische Bekämpfung der Stechmücken, Regelung der Städtebebauung, Zuschütten von Sümpfen, Erschließung von Wasser, Bau von Brunnen und Aborten nach, Möglichkeit verbessert.

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v. Zech.