Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 526 f.

Togo, Apostolisches Vikariat. Schon vor der deutschen Okkupation (1884) hatten Katholische Missionare aus der Lyoner Gesellschaft vom apostolischen Vikariat Dahomé aus, zu dem Togo kirchlich gezählt wurde, Missionsversuche gemacht, und 1886 eröffneten sie bei Atakpame eine Station, die indes bald wieder einging. Am 12. April 1892 übertrug Leo XIII. auf Wunsch der deutschen Regierung Togo als selbständige Präfektur der Steyler Missionsgesellschaft (s. Gesellschaft des göttlichen Wortes). Unter stetem Kampfe mit Fetischismus und Polygamie, auch mit dem ungünstigen Klima, das öfters empfindliche Lücken in die Reihen der Missionare riß, rückte die katholische Mission so rasch vor, daß sie nach drei Jahren schon fünf Hauptstationen umfaßte, die sämtlich an der Küste gelegen waren; seit 1900 drang sie allmählich ins schwierigere Binnenland ein, und 1913 wurde ihr auch das bisher von der Regierung gesperrte Nordtogo erschlossen. 1914 wurde die Mission zu einem apostolischen Vikariat erhoben und P. Franz Wolff zum Bischof ernannt. Nach der Statistik von 1913 arbeiten 47 Priester, 15 Brüder und 25 Schwestern mit 228 Katechisten in 13 Hauptstationen (Lome Sitz des Vikariats mit schöner Herz - Jesu - Kirche [s. Tafel 135], Porto Seguro, Anecho, Atakpame, Palime, Kpandu, Gbin Bla, Agu, Adeta, Assahun, Tsewie, Tablibo, Aledjo) und 197 Nebenstationen. Das Missionsresultat beträgt 17052 katholische Christen und 6425 Katechumenen mit 3942 Jahrestaufen. In 12 Hauptund 197 Außenschulen werden mit Hilfe von 215 schwarzen Lehrpersonen 6764 Knaben und 1699 Mädchen unterrichtet, dank dem großen Bildungsdrang der Togonesen mit nicht geringem Erfolg, wie die 600 Missionsschüler, die jährlich die staatliche Prüfung bestehen, und die Regierungsprämien, von denen zwei Drittel an die katholischen Missionsschulen Fallen, zur Genüge beweisen. Das Verhältnis zur Regierung regelt eine kürzlich erneuerte und modifizierte Abmachung von 1904, wonach der Staat das Aufsichts- und Prüfungsrecht hat und den Lehrplan vorschreibt. Die Mission besitzt seit 1908 ein Lehrerseminar in Gbin Bla nach europäischem Muster mit 42 Schülern, außerdem eine Handwerkerschule 95 mit Lehrlingen und 12 Internate mit 280 Zöglingen. Nicht weniger als 90 000 Schulbücher und 75 000 religiöse Schriften, zumeist von den Missionaren verfaßt, sind für die Mission gedruckt worden. In ihrer eigenen Druckerei zu Lome erscheint seit 1911 eine christliche Monatsschrift "Mia Holo" (Unser Freund). Ferner sammelt sie sich große wirtschaftliche Verdienste durch ihre bedeutenden Mais-, Yams-, Kakao-, Kola-, Ölpalmen-, Sisal- und Teakholzanlagen, besonders aber durch die Ausbildung, der Eingeborenen im Schneider-, Schuster-, Schreiner-, Schlosser-, Maurer-, Ziegler-, Anstreicher- und Buchbinderhandwerk. Nicht minder nützlich machen sich die Steyler Missionsschwestern (Dienerinnen des hl. Geistes) durch ihre Mädchenschulen, Bewahranstalten und Internate.

Literatur: Steyler Missionsbote, besonders 1903. - P. Schwager, Zehn Jahre Missionsarbeit in Togoland und Jahresbericht des apost. Präfekten Schönig 1911 und 1912. - Weißbuch 1909, Missionsberichte 48 ff. -P. Schwager, Die Kath.Heidenmission der Gegenwart II, 971 P. Fischer, Für Christi Reich, 29 f. Steyl 1911. - P. Freytag, Die Missionen der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, 62 ff. Steyl 1912. Schmidlin, Die kath. Missionen. Münster 1913, 57 ff. - Mirbt, Mission u. Kolonialpolitik, 109 ff. Tübingen 1910.

Schmidlin.