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Truk. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Bevölkerung.
3. Europäische Unternehmungen und Verwaltung.
1. Lage und Bodengestaltung. T. oder Ruk,
Hogolu, Ola ist eine
Inselgruppe
der mittleren Karolinen (Deutsch-Neuguinea)
zwischen 151° 22' bis 152° 4' ö. L. und 7° 7' bis 41' n. Br., endgültig
entdeckt von Duperrey (s.d.) 1824. Sie besteht aus einer Anzahl
(etwa 20) basaltischer Inseln von mäßiger Höhe (300 - 400 m) mit 132 qkm
Fläche, und ist umrahmt von einem Riff, dem zahlreiche Koralleninseln aufsitzen. Auf Wola, der
größten
der Basaltinseln, ist auch Amphibohtschiefer festgestellt worden. 6
Durchfahrten
führen durch das Riff hindurch in die Lagune hinein, die etwa 60 km
mittleren
Durchmesser und bis 61 in Tiefe aufweist. (Deutsche Seekarte Nr. 115.)
- Auf Truk befindet sich eine Regierungsstation. Über Klima, Pflanzenund Tierwelt s. Karolinen.

Sapper.
2. Bevölkerung. T. gehört in ethnologischer Hinsicht zum Gebiet der
Zentralkarolinen.
Es ist dies das Kulturgebiet der weiten Inselflur, die sich zwischen Jap
und T. erstreckt und auch die südwestlich von den Palauinseln
gelegenen Koralleninseln Bur, Merir, Sonsol und Tobi,
ferner die südöstlich von Truk gelegenen Nomoiinseln in sich begreift.
Dies Gebiet hat eine nahezu einheitliche Kultur. Diese Einheit gründet
sich auf die Gleichheit der Umwelt, der
Lebensbedingungen auf diesen Inseln und ferner auf den Güter- und
Verkehrsaustausch
zwischen diesen Inselgruppen. Drei Bezirke
lassen sich in diesem Kulturgebiete unterscheiden: 1. Südwestliche
Karolinen:
Bur, Merir, Sonsol, Tobi. Häuptlingsorganisation, große Geisterhäuser,
Menstruationshütten, Tatauierung nach streng vorgeschriebenen Mustern,
Maroweberei für Männer, Mattentracht für Frauen. Indonesische Einflüsse.
- 2. Westliche Zentralkarolinen. Ululssi, Fais, Sorol, Aurepik, Oleai,
lfaluk, Faraulip, Elato,
Lamutrik.
Familienorganisation, Menstruationshütten, Männerhäuser, zu denen Frauen keinen
Zutritt
haben, Tatauierung, züm Teil nach streng vorgeschriebenen Mustern, Weberei breiter, einfach gestreifter Kleidermatten
für Männer und Frauen, ausgedehnte Schiffahrt. 3. Östliche Zentralkarolinen.
Satuwal,
Olol, Piseras, Nomwin, Murilo, Truk,
Poloot,
Pulap, Tamatam, Hok, Nama, Lossop, Namoluk, Nomoiinseln (Satoan, Lukunor). Familienorganisation, große Häuser für
Männer und Frauen, Tanzhäuser, Tatauierung beliebig, Weberei klein
gemusterter
und gestreifter Matten, Männermäntel (ponchoartig), schwerer Ohrschmuck
ausgedehnte Schiffahrt. Die Inselwelt ist mäßig stark bevölkert.
Ausnahmen
machen Tobi mit 1000 und Truk mit 12000 Seelen. Auf den übrigen Inseln
schwankt die Bevölkerungsziffer zwischen 6.0 und 200 auf der einzelnen
Insel; die Gesamtbevölkerungsziffer der Zentralkarolinen ist daher auf
rund 16500 Seelen Anzusetzen. Die Bevölkerung ist nicht einheitlich,
sondern
setzt sich aus sehr verschiedenen Elementen zusammen. Die Grundlage
bilden
wohl kleinwüchsige, kraushaarige Elemeiite, denen man auf allen Inseln
begegnen kann, und die auf den hohen Inseln (s. Jap, Ponape), auch auf
Truk häufiger sind. Dazu kommt eine melanesische Schicht, die nicht mehr
rein angetroffen wird, jedoch in somatischen Merkmalen, im Schädelbau
und vor allem in der Sprache deutliche Merkmale zurückließ (s. Melanesier); sie wich oder vermischte sich mit
der polynesischen Einwanderung, die
in Etappen von den Marshallinseln
und Ponape her die Karolinen überzog (s. Polynesier);
ähnlich verhielt sie sich zur indonesischen Einwanderung, die als
wichtigstes
Kulturelement den Webstuhl brachte. Im vergangenen Jahrhundert fanden
ferner gelegentlich Vermischungen mit verschlagenen schiffbrüchigen
Weißen,
Negern und Japanern statt, die auf den kleinen Inseln deutlich ihre
Spuren
zurückließen. Im allgemeinen sind die Menschen von mittlerer Statur, 160
- 175 cm groß. Die Koralleninsulaner sind stämmiger, kräftiger und 5 -
10 cm größer als die Bewohner der hohen Inseln. Die Hautfarbe ist hell-
bis dunkelbraun; vor allem sind die kleinwächsigen Elemente dunkler
gefärbt.
Das Haar ist schlicht, lockig und auch kraus; bei den Männern wird es
mit einem Kamm zusammengehalten. Frauenhaar ist fast immer schlicht oder
weitwellig; es wird auf dem Kopf gescheitelt und in einen Knoten
zusammengeschlungen.
Es ist schwarz und wird wie der Körper reichlich mit Kokosöl gesalbt.
Schlichtes Haar wird von den Männern heute vielfach abgeschnitten; die
alte Tracht erfordert wie bei den Frauen einen am Hinterhaupt
geschlungenen
Haarknoten. Das krause Haar wird vielfach in einer Haarwolke getragen.
Die Nasenf ormen sind recht verschieden; das Auge ist dunkelbraun. Im
allgemeinen besitzen beide Geschlechter ein ansprechendes Äußere. - Der
Körper selbst erhält unvergänglichen Schmuck. Die Ohrläppchen werden
durchbohrt
und zu großen Schlingen erweitert, in die man schweren Schmuck einhängt.
Ziernarben, Tatauierung, die namentlich in den westlichen Karolinen in
prächtiger Weise ausgeführt werden, erhöhen den persönlichen Eindruck.
- Die Gesundheit der Leute ist leidlich; auf den niederen Inseln ist sie
ungestört, obschon, abgesehen von der harmlosen Ringwurmkrankheit, hier
die Framboesie gelegentlich arg wüstet, auf den
hohen
Inseln haben die eingeschleppte Tuberkulose, Influenza, Syphilis, Gonorrhoe den Gesundheitszustand der Eingeborenen
geschwächt. -Die Sprache der Eingeborenen ist den melanesischen
zuzurechnen,
sowohl nach dem grammatischen Bau wie dem Wortschatze; polynesische
Beimengungen
sind jedoch ebenfalls, wenn auch in der Minderheit, vorhanden. - Die
soziale
Organisation beruht auf dem Sippensystem, den ainangs. Sie ist auf den
niederen Inseln sehr einfach, auf Truk der größeren Volksmenge wegen
etwas
verwickelter. - Etwa 20 Sippen, die sieh
in eine Reihe von Familien sondern, verteilen sich über das gesamte
Gebiet
der Zentralkarolinen, so daß ein und dieselbe Sippe, wie z. B. der
ainang
Sorr oder Panme auf sämtlichen Inseln Angehörige wohnen hat; einige
haben
Familienverbände auf Jap, Ponape, Kusaie,
den Marshallinseln. - Jede ainang hat ihr Oberhaupt, desgleichen die
Familie.
Auf jeder der kleinen Inseln ist der Besitz unter 2 - 4 dieser Sippen
oder Familien aufgeteilt, unter denen dann eine wegen des größeren
Landbesitzes
den Vorrang vor den übrigen genießt. Das Oberhaupt dieser Familie, der
älteste männliche Vertreter, ist der tamol. Seine Macht ist nicht
bedeutend,
nur wenn er gleichzeitig die Priester- und Zaubererwürde besitzt, hat
er entsprechenden Einfluß. In den letzten Jahren wurde durch die
deutsche
Regierung. das Ansehen der Häuptlinge
gehoben und die bisher maßgebende Demokratie erheblich eingeschränkt.
- Die tamol der einzelnen Inseln sind im Range nicht gleich, selbst wenn
sie derselben Sippe angehören; in den westlichen Karolinen hat Oleai,
in den östlichen Karolinen Poloot den Vorrang. Oleai wiederum ist Poluat
nachgeordnet. - Die Ehe ist eine Kaufehe und mit wenigen Ausnahmen monogam. Heirat
in der gleichen Sippe und Familie, die jede für sich ein Totem besitzen, ist verboten und wird als Blutschande mit dem Tode bestraft. -
Pubertätsweihen
finden nicht mehr statt; als Rest hat sich bei den Mädchen der
Kleidungswechsel
erhalten. Nach dem Eintritt der ersten Menstruation trägt das Mädchen
die Weibermatte, während vorher in den Gürtel eingeklemmte Blattbüschel
das einzige Bekleidungsstück bilden. Gleichzeitig beginnt man mit der
Tatauierung. - Die Leichenbestattung ist verschieden. Vornehme Tote
werden
im Boden, zum Teil in Steinkistengräbern beigesetzt; gewöhnliche werden
in die See versenkt. Den Leichen werden Beigaben, Schmuck, Lebensmittel
mitgegeben. - Krankheiten heilt der Priester;
er versöhnt den Krankheitsdämon, beschwört ihn mit. Gebeten oder treibt
ihn durch Schlagen des kranken Körpers aus. -Die Religion ist Deismus,
der stark mit animistischen und manistischen Ideen versetzt ist. Diese
Glaubensformen überwiegen in Truk und den südwestlichen Karolinen. - Der einzige
hohe Gott, der einäugige Eluelap (großer Geist), gebietet einer Anzahl
von Untergöttern, von denen jeder einen bestimmten Machtbereich hat. So
gibt es Luftgötter (Vegetationsdämonen), Erde, Unterwelt- und
Seefahrtsgötter.
Das Leben der Menschen steht in der Hand Eluelaps, der den Lebenslagen
des Menschen von einer Frau Litafior Spinnen
und von der Olaigusso abschneiden läßt, was den Tod des Menschen
bedeutet,
dessen Seele dann zum Himmel wandert; hier wird das Totengericht
abgehalten,
das den Verstorbenen zu den himmlischen Freuden oder zur Verdammnis in
der Unterwelt verurteilt. - Die Erzählungen der Eingeborenen sind sehr
zahlreich und phantasievoll; sie enthalten Elemente, denen man in
Zentralpolynesien,
in Hawaii, auch in Melanesien begegnet. In Gestalt von Sagen, M
ythen,
Erzählungen sind die Überlieferungen erhalten; sie werden meist in
freier
Form wiedergegeben, doch gibt es auch eine große Anzahl von Epen und
Gelegenheitsgedichten
in gebundener Form als Totengesang, Gebet, Arbeits- und Beherzigen. Die
Hausform ist in den Zentralkarolinen verschieden. In den westlichen
Zentralkarolinen
überwiegt der Japtypus (s. Jap); allerdings sind die Häuser kleiner,
niedriger
und weniger sorgfältig gebaut, was zumeist an dem spärlichen Baumaterial
liegt. Der Mangel an geeigneten Hölzern ist auch die Ursache für die
recht
primitiven Hütten der östlichen
Zentralkarolinen,
die zum Teil nur aus vier niedrigen Pfosten bestehen, die ein
spitzwinkliges
Dach aus Mattengellecht tragen. Matten bilden auch, die Wandverkleidung.
Ein Unterbau fehlt. Auf der reichen Berginsel Truk sind die Wohnhütten
infolge der Lässigkeit und Faulheit der Eingeborenen noch schlechter
beschaffen als auf den eben genannten
Inseln. Davon stechen die Häuser von Nama, Lassos, Namoluk und den
Nomoiinseln
rühmlich ab, wo man sorgfältig gebaute Häuser mit und ohne Unterbau
findet.
- Jede Insel besitzt ihr Versammlungshaus; es ist eine große und gut
gebaute
offene Halle mit fast bis auf den Boden herabhängendem, spitzwinkligem,
geradgefirstetem Pultdach. Die Seiten werden bei schlechtem Wetter mit Matten verkleidet; die Binder des Dachgerüstes sind bemalt und beschmutzt
mit Ornamenten oder Darstellungen aus dem Eingeborenenleben. - Daneben
gibt es noch eine Reihe von Sonderhäusern; so Gebär-, Menstruations-,
Material-, Feldhütten. Das Versammlungshaus dient gleichzeitig als
Bootshaus.
Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind infolge der Gleichheit der Umwelt
und der Lebensbedingungen einfach und gleichartig. Landbau und Fischerei sind die Haupterwerbszweige der
Bevölkerung,
daneben haben sich infolge von lokal günstigeren Bedingungen einige
Industriezentren
herausgebildet. - Landbau wird von den Frauen betrieben, die Taro, Süßkartoffeln, Bananen und Gelbwurz anbauen, während das Anpflanzen von
Kokospalmen,
Brotfruchtbäumen, Tabak von den Männern
besorgt wird. In Sammelwirts besorgen die Frauen Früchte von Papaya, Fikus, Morinda neben verschiedenen
Blattgemüsen.
-Fischerei ist mit Ausnahme der Riffischerei, die von Frauen und Kindern
betrieben wird, Männerarbeit. Diese Arbeitstrennung wird noch weiter
durchgeführt,
so daß den Frauen die Weberei, Herstellung der Matten, Segel, die Sorge
für den Hausstand, Zubereitung der Speisen
usw. obliegt, während Männer die Seilerei, Bootbau, Hausbau, Herstellung der Gebrauchsgeräte,
Schüsseln usw. ausführen. Schmucksachen stellen sie gemeinsam mit den
Frauen her. - Industriezentren sind Ngula, Fais
für die schwarzweißen Toten- und Tanzgürtel, Sorol
für Holzschalen, Ululssi, Lamutrik, Poloot, Nomoi für Boote, Nomoi, Namoluk
für die Spondylusscheiben, die zu Halsketten, Gärteln, Mantelbesatz über
das Gesamtgebiet der Zentralkarolinen
verhandelt werden, Truk für plüsc,hartie:e Kopfbinden, gegorene Brotfrucht, GelbWurz, Sog für Schildpattschmuck.
Diese Erzeugnisse werden von Insel zu Insel im Tauschverkehr
abgegeben;,als
Geld kommt nur der Teik in Betracht, kegelförmige.
Gelbwurzpakete
verschiedenster Größe, deren Wert zwischen 0,5 - 20 M schwankt. - Die
rechtlichen Verhältnisse sind geregelt. Das in der Männerversammlung
gefällte
Urteil vollstreckt der tamol. Es besteht ein Familien-, Ehe-, Körper-,
Eigentums-, Erb-, Pacht- und Fischereirecht. Blutrache, Frauenraub, gelegentlich auch Expansionsgelüste
führen zu Kriegszügen, die noch bis vor wenigen Jahren auf Truk und in
Poloot viele Menschenleben kosteten. Noch heute sind die Polooter als
Seeräuber im Bereich der Zentralkarolinen gefürchtet. - Dem Spiel ist man nicht abgeneigt, auch nicht dem Tanz,
der meist religiösen Zwecken dient (Brotfruchtreife). Unter den Spielen
ist der auf religiöser Grundlage beruhende Spielbootsport besonders
interessant.
Sitz-, Reigen-, Stab-, Maskentänze
gibt es nur noch auf den Mortlockinseln,
sie werden mit Musik begleitet; dazu dienen gesungene Lieder und
Melodien,
die auf der Querpfeile, der Mund- und Nasenflöte
geblasen werden. Das Tritonshorn wird als Signalinstrument benutzt. -
Die materielle Kultur ist sehr einfach. Die Kleidung besteht bei den
Männern
aus einer Kleidmatte, die zu einer Maro zusammengefaltet ist. Auf den
östlichen Zentralkarolinen bekleidet man sich außerdem mit einem
ponchoartigen
Mantel, der oft prächtig mit roten Spondylusscheiben benäht wird. Frauen
und heiratsfähige Mädchen bedecken sich mit breiten gewebten
Kleidmatten;
die kleinen Kinder geben nackend. Größere Knaben tragen einen Maro und
Mädchen eine Hüftschnur, in die vorn und hinten ein Blattbüschel
eingeklemmt
wird. Auch benutzen sie Grasschurze. - Schmuck ist reichlich vertreten.
Das dazu verwendete Material ist spärlich, doch weiß der Eingeborene
durch geschickte Zusammenstellung der Materialien sich reizvolle
Halsketten,
Ohrgehänge, Armringe, Brusthänger,
Leibgürtel
usw. herzustellen. Verwendet werden Kümmerformen der Kokosschale,
Schildpatt,
Tridacna, Conus, Trochus, Peeten. und die am meisten geschätzte
Spondylusmuschel.
Frischer, stark duftender Blumenschmuck wird in die Ohrschlingen
gesteckt;
desgleichen verarbeitet man ihn zu Hals- und Haupt.kränzen. Als
Körperbemalung,
die zum Schmuck und gleichzeitig als Abwehrmittel gegen die Mücken
dient, benutzt man das Gelbwurzpräparat, den erwähnten Teik. Die Tatauierung wurde eingangs besprochen.- Das
Hausgerät
ist einfach. Die Gefäße bestehen aus Brotfruchtholz. Ihre Formen sind
sehr mannigfach, typisch sind die kurzen, nasenähnlichen Handgriffe. In
Truk stellt man Schüsseln von 1 - 1 1/2 ccm Inhalt her, die bei
festlichen
Gelegenheiten in feierlichem Umzuge einhergetragen werden. Sie sind rot
bemalt und dauerhaft lackiert. Löffel und Messer
stellt man sich aus Kokosschalen, Perlmutter,
Nautilus und Knochen her, wenn man nicht
europäische
Waren verwendet, die im übrigen auch die alte Kleidung, Schmuck -und
Hausgerät
verdrängen. Schemelartige Kokosschaber, Trinkschalen aus Kokosnuß, Körbe
und Matten vervollständigen den Hausrat,
in dem das gewebte Moskitonetz
besonderes
Interesse verdient. Gekocht wird im polynesischen Ofen. Das
Handwerksgerät
ist völlig europäisch; die alten Muschelbeile, Knochen- und
Muschelmesser,
Pfriemen, Haizahndrillbohrer usw. sind wie der Feuerhobel fast
verschwunden.
Technisch intertssant ist die Gewinnung eines Lacks und Firnisses aus
Parinariumnüssen. Mit ihm. werden die verwendeten roten und schwarzen
Erd- und gelben Ingwerfarben widerstandsfähig gemacht. Schutzwaffen sind
unbekannt. Unter den Angriffswaffen steht die Schleuder obenan, dann
folgen
Zackenkeulen, die auf haizahnbewehrte Keulen zurückgehen, glatte Keulen, glatte oder
gezähnte
Holzspeere, Rochenstachelspeere; für den Nahkampf wurden Reißdolche und
zahnbewehrte Schlagringe benutzt. -Die Fischerei (s.d.) ist den
Lebensbedürfnissen
der Eingeborenen entsprechend vorzüglich ausgebildet. Man kennt gegen
80 Fischereimethoden, die mit Handnetzen, Schleppnetzen, Streichnetzen,
Hamen, Fischspeeren, Reusen, Wehren und Gift betrieben werden. Der
Vogellang
mit Netzen, Schleudern und Leimruten
hat eine untergeordnete Bedeutung. - Als Fahrzeug verwendet man das
Auslegerkanu.
Der bei Jap. (s.d.) beschriebene Typus des Gabelschwanzkanus ist bis
Truk
hin verbreitet. In Truk sind die Bootaufsätze anders; sie verkörpern
hier
das Wappen: zwei sich schnäbelnde Seeschwalben. - Die Zentralkaroliner sind
ausgezeichnete
Seefahrer (s. Schiffahrt der Eingeborenen),
die vorzügliche astronomische Kenntnisse besitzen und sich das
Strömungssystem,
die Richtungen der Dünung für ihre nautischen Zwecke zunutze machen. Zur
Zeitbestimmung benutzen sie die Mondphasen. Größere Zeitabschnitte
werden
nach Gestirnen benannt (s. Schiffahrt der Eingeborenen).
Thilenius, Hambruch.
3. Europäische Unternehmungen und Verwaltung. T. gehört zum Bezirk der
Ostkarolinen (s.d.) und ist demgemäß dem Bezirksamtmann in Ponape unterstellt. Die
lokale Verwaltungstätigkeit auf T. übt ein Stationsleiter aus, der auf der Insel Toloas
seinen Sitz hat. Seit einiger Zeit ist auch ein Regierungsarzt in der
Inselgruppe stationiert. Die Missionierung von T. lag bis vor kurzem
ausschließlich
in den Händen der protestantischen Liebenzeller Mission (s. d.).
Neuerdings
haben aber auch die katholischen Kapuziner (s.d.), die ihren Hauptsitz auf Ponape
haben, ihre Missionstätigkeit daselbst aufgenommen. Die Missionen haben
auf den Inseln an ihre Stationen Schulen angeschlossen. Regierungsschulen befinden sich auf der
Gruppe noch nicht, es soll aber eine solche 1915 errichtet werden. Die
weiße Bevölkerung auf T. beläuft sich auf 5 Regierungsbeamte, 11 Missionare, einige Kaufleute und Händler. Außerdem sind noch 3 Japaner ansässig.
Hinsichtlich der Eingeborenen sind die Zählungen noch nicht vollständig
abgeschlossen. Gezählt sind im ganzen 8449 Menschen auf den Inseln Udot,
Eot, Ojal, Eten, Wola, Romolum, Wela - Tolos, Tol, Falabenas, Pwele,
Pata,
Tatu, Perem, Tsis, Fefän. Es fehlen noch die Inseln Pis mit annähernd
300, Toloas mit etwa 1500, Uman mit ca. 700
Menschen, so daß die Gesamtbevölkerung auf rund 11 000 Personen
geschätzt
werden kann (Amtsblatt für DeutschNeuguinea vom 1. Dez. 1913 S. 271).
An europäischen Unternehmungen befindet sich auf T. nur die Agentur der
Jaluit-Gesellschaft, außerdem ist daselbst
noch eine Zweigniederlassung der japanischen Südsee-Handelsgesellschaft.
Der Haupthandelsartikel ist die Kopra.
Daneben
werden noch in geringem Maße Erzeugnisse des Meeres, wie Perlschalen,
Schildpatt u. dgl., eingehandelt. Die Gruppe hat mit der Außenwelt einen
regelmäßigen Verkehr durch den etwa
sechsmal
jährlich vorlaufenden Dampfer "Germania" der Jaluit - Gesellschaft. Am
Sitz der Regierungsstation befindet sich auch eine Postagentur.
Telegraphen-
oder drahtlose Stationen befinden sich auf T. noch nicht.
Krauß.
Literatur: Ergebnisse der Südseeexpedition der
Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung,
1914 ff.
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