| Trypanosomen sind protozoische Parasiten zahlreicher Warm- und
Kaltblüter. Der Name T. bedeutet Bohrkörper und ist wegen der Art der
Bewegung
gewählt worden. Nicht alle Arten sind Krankheitserreger. Es handelt sich
um Flagellaten, d.h. geißeltragende Protozoen (s.d.), von schlankem Bau,
die hauptsächlich in den flüssigen Geweben ihrer Wirte (Blut, Lymphe,
Knochenmark,
Gehirn - Rückenmarkflüssigkeit, Herzbeutelflüssigkeit usw.) leben. Sie
dringen,
im Gegensatz zu anderen parasitisehen Protozoen (z.B. Malariaparasiten,
s. Malaria), nur ausnahmsweise in Körperzellen ein und
schwimmen meist frei in der Flüssigkeit umher. Hier können sie sich
ungeheuer
- meist durch Zweiteilung - vermehren; aber sie wirken nicht durch ihre
Menge allein krankheitserregend, da wir Arten kennen, die, trotzdem sie
oft im Blute zahlreicher sind wie manche Blutzellen, keinerlei Schädigung
des Wirtes verursachen, z.B. Ratten - T. (T. lewisi). Die T. die Krankheiten
verursachen,
müssen daher im Körper Gifte hervorbringen,
die wir aber noch nicht näher kennen. Der Nachweis der T., die in der
Körperlänge
ungefähr dem Durchmesser von 3 - 6 roten Blutkörperchen entsprechen, kann
nur durch das Mikroskop erfolgen, entweder im frischen ungefärbten
Zustande,
wobei sie durch ihre Bewegung kenntlich werden, oder nach Antrocknen und
entsprechender Färbung. Die krankheiterregenden Formen sind dabei
morphologisch
oft kaum zu unterscheiden, und man hat daher bei der Einteilung in
besondere
Arten das Wesen der Krankheit, die Verbreitung des Vorkommens und auch die
Übertragungsweise berücksichtigt. Ein großer Teil ist auf tropische
Gebiete
beschränkt, was hauptsächlich dadurch erklärt wird, daß sie durch
bestimmte
Insekten übertragen werden, die nur in den Tropen leben können; nur wenige werden durch direkte
Berührung überimpft.
Die wichtigsten krankheitserregenden T. sind:
1. Trypanosoma gambiense, entdeckt 1901 von Dutton, Erreger der menschlichen
Trypano. somiasis, der Schlafkrankheit
(ausführlicher unter dieser) (s. Farbige Tafel
Erreger der Tropenkrankheiten I Abb.
5). Der Überträger. ist Glossina palpalis (s.
auch Tsetsefliegen). Eine Varietät von ihm
ist wahrscheinlich Trypanosoma rhodesiense, das als Schlafkrankheitserreger
entdeckt wurde, in Gegenden, wo Glossina palpalis fehlt und nur morsitans und
brevipalpis vorkommen, von denen wohl die erstere der übertrager ist -
2. Trypanosoma brucei, entdeckt 1895 von Bruce, Erreger der Tsetsekrankheit der Haustiere, Nagana, in Afrika (s.d). Überträger sind Gl.
morsitans,
brevipalpis und ev. andre Glossinen. -
3. Eine Reihe anderer in Afrika vorkommender, für Säugetiere pathogener T., über deren
Artverschiedenheit noch nicht allgemeine Übereinstimmung herrscht. Hierher
gehören Trypanosoma congolense, dimorphon, pecaudi, pecorum, nanum, vivax,
cazalboui, frobeniusi, uniforme, togolense, soudanense, bovis, caprae, suis,
somaliense, cellii.
4. Trypanosoma evansi, 1880 von Evans als Erreger der "Surra" (s.d.)
der Haustiere Indiens entdeckt. Inzwischen nachgewiesen in Indien,
Indochina,
HolländischIndien, Philippinen, Austral en, Afrika u.a. Orten. Die
Übertragung
geschieht durch verschiedene Stechfliegen (Tabanus, Stomoxys)
wahrscheinlich
rein mechanisch, d. h. ohne daß eine Entwicklung in diesen stattfindet.
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5. Trypanosoma equinum, entdeckt 1901 von Elmassian als Erreger einer nur bei
Equiden (Pferden, Maultieren) Südamerikas vorkommenden Seuche, genannt Mal de
Caderas. Überträger wahrscheinlich auch Stechfliegen. Die in Mittelamerika
gefundenen Trypanosoma hippicum und venezuelense sind wohl nur Varietäten von
ihm. -
6. Trypanosoma equiperdum, entdeckt 1894 von Rouget als Erreger der Beschälseuche (Dourine) der Pferde,
die in Europa, Asien, Nordafrika und Amerika vorkommt. Es ist das einzige
bekannte pathogene T., das regelmäßig ohne Überträger, sondern durch direkten
Kontakt, nämlich den Geschlechtsakt, übertragen wird.
7. Trypanosoma theileri, entdeckt 1903 von Theiler, ist ein nur bei Rindern vorkommendes T.
von besonderer Größe, das neuerdings bei Rindern der ganzen Welt vorgefunden
wurde und meist einen harmlosen Parasiten darstellt. -
8. Schizotrypanum cruzi, entdeckt 1909 von Chagas als Erreger einer im
Staate Minas Geraes in Brasilien vorkommenden menschlichen Seuche, die
Entwicklungshemmungen, Herzstörungen und allgemeine Blutarmut verursacht und oft tödlich endet. Der
Überträger ist eine Wanzenart: Triatoma conorhinus. Dies T. ist
wissenschaftlich
wegen besonderer Entwicklungsformen im Säugetier und Überträger von
höchstem
Interesse. Wirksame Heilmittel gegen die T. sind in völlig
befriedigender
Form noch nicht gefunden; am besten bewährt haben sich bis jetzt einige
Arsenikalien (Atoxyl, s.d., Arsenophenylglycin, s.d.), Salvarsan, Tartarus stibiatus, Auripigment und
einige Farbstoffe. Eine Gewinnung von
spezifischen Immunsera ist bisher in praxi auch noch nicht gelungen,
wenn
auch bei Laboratoriumsversuchen einige Erfolge erreicht wurden.
Literatur: Laveran und Mesnil,
Trypanosomes et Trypanosomiases. Paris 1912. - Z. Mayer, Pathog. Trypanosomen:
v. Prowazeks Handbuch d.
pathog. Protozoen, Leipzig 1912. M. Mayer,
Trypanosomen als Krankheitserreger in Kolle- Wasserm. Handbuch d. pathog.
Mikroorganismen, Jena 1912.
Martin Mayer.
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