Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 552

Tschaudjo, Landschaft im Bezirk Sokode in Nordtogo, welche die um Sokode und Parataon gruppierten Städte und die Bewohner des nördlich davon gelegenen Korongagebirges umfaßt. Die Bevölkerung gehört dem Timstamm an, nach dem die, Tim - Völkergruppe benannt ist. Die T.leute sind Ackerbauer und Viehzüchter und fleißige Händler. Sie sind Heiden; doch hat der Islam schon vielfach Eingang bei ihnen gefunden. Der wichtigste Mohammedanerort in T. ist Sokode. - Der Oberhäuptling von T. hat seinen Sitz in Paratau. Vor dem Eingreifen der deutschen Verwaltung wechselte die Oberhäuptlingswürde zwischen den Häuptlingen von 8 Ortschaften und damit auch der Oberhäuptlingssitz. Thronwechsel gaben stets Veranlassung zu heftigen Bürgerkriegen. Der 1898 verstorbene Oberhäuptling von T., Uro Djabo, hat seinen politischen Einfluß weit über die engere Landschaft T. hinaus zur Geltung zu bringen verstanden, so daß alle von Timstämmen bewohnten Landschaften oder Gruppen von Ortschaften, nämlich Fasau, Bo, Dako, Bafilo, Aledjo - Kadara, Sudu und Adje mehr oder weniger in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm standen. Die Tim - Leute bewohnen runde Hütten, die mit kegelförmigen Grasdächern gedeckt sind; auf der Spitze der Dächer sind meist am Boden durchschlagene Kochtöpfe befestigt, welche verhindern sollen, daß Winde das Gras, welches in der Spitze zusammenläuft, abrollen. Mehrere Hätten, die mit Lehmmauern miteinander verbunden sind, bilden ein Gehöft, in dessen Innere man in der Regel nur durch eine etwas größere Eingangshütte gelangen kann. Ein Gehöft wird in der Regel nur von einer Familie bewohnt. Da die Gehöfte meist. dicht zusammengebaut sind, so machen die Tim - Niederlassungen den Eindruck geschlossener Dörfer und Städte. Einzelne Städte, wie Kirikiri, sind zum Schutze gegen äußere Feinde mit einer Lehmmauer umgeben. Die Eingangshütten zu den Gehöften der Häuptlinge und der Großen überragen weit die übrigen Hütten des Ortes. Die dünne Spitze der Dächer dieser Eingangshütten ist bei Häuptlingen in der Regel von einem Straußenei, bei Großen von einer aus Lehm gebrannten Kappe gekrönt, die die Form einer Zuckerhutspitze oder eines kleinen Gefäßes hat (s. Tafel 53).

Literatur: Müller, Beitrag zur Kenntnis der Tim -Sprache, Mitt. d. Orient. Sein. 1905. F. Wolf, Totemismus, soziale Gliederung und Rechtspflege bei einigen Stämmen Togos, Anthropos, Internationale Zeitschr. f. Völker- und Sprachenkunde, Bd. VI, Wien 1911. - B. Groh, Sprachproben aus zwölf Sprachen des Togo - Hinterlandes, Mitt. d. Orient. Sein. 1911.

v. Zech.