Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 565 f.

Ugogo, 22 000 qkm große Landschaft des Hochlandes von Deutsch- Ostafrika, die zum Bezirk Dodoma (s.d.) gehört. Nach NW und SW durch den obern Rand der hier zweiteiligen Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) und den Kisigo (s. Ruaha) begrenzt, reicht U. nach NO erheblich über die etwa 200 m hohe Bruchstufe von Nord - U. hinauf, dort die Pië-Steppe und das Gebiet des Kinjasungwi umschließend, weiterhin diesem periodischen Wasserlauf nach O folgend bis zum Gombosee (s. Mukondokwa). Nach SO wird U. durch die Südhälfte der Marenga mkali (s.d.) abgeschlossen. Innerhalb dieser Grenzen liegt ein kleineres, nach 3 Seiten durch überragende Bruchstufen begrenztes, abflußloses Gebiet, das nur nach SO hin offen ist und dort periodisch durch den Kinjasungwi und den Umerohe (s. Marenga mkali) entwässert wird: die etwa 9000 qkm große Ugogo - Scholle. Deren weite, sehr ebene nördliche Flächen, vom Bubu (s.d.) und Mpondi durchflossen, senken sich von 1100 m bis zur großen Salzsteppe (s. Farbige Tafel ) im SW auf etwa 820 m Mh. Nach dem etwas welligen Ost - U. hin bildet eine Störungszone beim Orte Ilindi die Grenze. Hieran schließt sich nach SO die ebenfalls sehr ebene, aber von Inselbergen (s.d.) überragte Fläche von Süd - U., zum großen Teil ehemaliges Seebecken diluvialen Alters. Zwischen diesen beiden Ebenen schiebt sich von O her das Gneis- Hügelland von Mittel - U. ein, das Höhen bis zu 1250 m ü. d. M. hat. An seiner Nordseite liegt Dodoma (s.d.). Die die U. - Scholle überragenden, randlichen Teile der Landschaft U. sind durchweg von kräftiger Erosion zerschnitten, die durch das starke Gefälle an den Bruchstufen bedingt ist. Ganz U. ist Urgesteinsland, im O herrscht Gneis, im W Granit, dessen Grus sich gelegentlich zu einem neuen Gestein verfestigt hat. Die Verwitterungserden haben vorwiegend graue und gelbgraue Färbungen. Zur größeren Hälfte werden die weiten Senken durch Alluvialböden bedeckt, die recht fruchtbar sind, es weit mehr sein könnten, wenn genug Wasser vorhanden wäre. Aber U. ist ziemlich trocken; es dürfte im Durchschnitt nicht über 550 mm Regen haben, ist dabei recht heiß (s. Dodoma, Kilimatinde, Mpapua). Das Klima ist typisches kontinentales Passatklima. Die Trockenruhe des Tropensteppenlandes tritt in der Vegetation U.s besonders auffällig hervor. Das Land erscheint in dieser Zeit entsetzlich verdurstet. Das Eintreten der Regen verkehrt das Bild fast ins Gegenteil. Die Ernten sind im allgemeinen gut. Bewässerungsanlagen wären an manchen Stellen möglich; sie würden eine erheblich weitergehende wirtschaftliche Nutzung des Landes gestatten. Alle drei Arten der Negerhirse werden angebaut, dazu Maniok (s.d.) und Erdnüsse (s.d.). Busch jeder Art und Dichte ist die wichtigste Vegetationsform; dazu kommt dürftige Buschgrassteppe, Krautsteppe, Hochgrassteppe und Trockenwald, letzterer besonders an den Bruchstufen im NO und SW. Der Wildstand von U. ist nicht mehr groß, jedoch sind Zebra und Strauß noch in Menge vorhanden. Die Zahl der Wagogo (s.d.) dürfte einschließlich der von N her nach U. hineingezogenen Wassandaui (s.d.) schätzungsweise 123 000 betragen, was die Volksdichte 5 1/2 ergibt. Der Viehstand U.s wird auf 200 000 Rinder, nur wenig Kleinvieh geschätzt.

Literatur: W. Busse, Deutsch-Ostafrika I, Zentrales Steppengebiet Ostafrikas. Veget. - Bilder, hgg. v. Karsten und Schenck, V, 7. 1907. - P. Vagler, Bodenkundl. Skizzen aus Ugogo, "Der Pflanzer" VII, Daressalam 1911. - Ders. Ugogo, Beih. z. Tropenpflanzer 1912. - O. E. Meyer, Die Ostafrikanische Bruchstufe s. v. Kilimatinde, Schles. Ges. f. vaterl. Kultur 1912. - F. Tornau, Zur Geol. d. mittl. und westl. Teiles von Deutsch - Ostafrika, Beitr. z. geol. Erforsch. d. d. Schutzgeb. 6. 1913. - Ferner s. Irangi.

Uhlig.