| Uhehe, Landschaft des Ostafrikanischen Randgebirges (s.d.). Der
Nordbogen des Großen Ruaha begrenzt sie im
N, die große Bruchlinie im SO gegen Mahenge;
auch von Utemekwira (s. Ubena), im S. trennt der kräftige Steilabfall von Mgololo, während die Abgrenzung nach W gegen das
n. Ubena (s.d.), Ussangu (s.d.) und den Ruaha- (s.d.) Graben weniger
deutlich ist. U. ist Urgesteinsland; neben dem granitähnlichen Gneis, der, soweit die spärlichen Beobachtungen
gehen,
die Streichrichtung N - S, aber auch O - W und sehr steiles Einfallen
zeigt,
ist etwas Granit und Diabas nachgewiesen; auf den Hochflächen, deren
Formen
durch die wechselnde Härte des Gesteins bedingt zu sein scheinen, liegen
mächtige Verwitterungsschuttdecken. Bestimmend für die heutigen großen
Formen
der Rumpfscholle U. sind aber hauptsächlich die jungen Bruchsysteme, in
denen die SW - NO - Richtung durchaus vorherrscht, mehrfach in W - O
übergehend.
Die Hauptrichtung kommt auch in der des Flußnetzes von U. zum Ausdruck.
Die Wasserscheide der U. - Scholle liegt ganz im SO. Kurze Flüsse stürzen
hier zum Kilombero (s. Rufiji). Die Hauptflüsse
von U. gehen nach N zum Großen Ruaha: der Kleine Ruaha und der Lukosse. Die bedeutendste Höhe, vielleicht 2500 m,
erreicht die Unterlandschaft Utschungwe,
ein Teil des SO - Bandes. Der Steilabsturz ist, obwohl gestaffelt, von
überwältigender
Großartigkeit, die Höhenunterschiede mit der Ulanga - Ebene (s. Rufiji) erreichen fast 2000 m.
Die Mgololo - Bruchstufe
(s.o.) hat bis zu 800 m relativer Höhe; der Abfall des besonders wenig
bekannten
Ost - U. ist etwa ebensogroß. An die von der Erosion stark zerschnittene
Randzone U.s schließt sich nordwärts ein Streifen Hochebene mit sanften
Formen und manchmal sumpfigen Tälern. Es folgt eine wiederum tektonisch
zerrüttete Zone, deren Verwerfungen zwar geringeres Ausmaß als die des
Randes
haben, aber Formen und Talrichtungen völlig beeinflussen. Hierher gehört
das Zentrum von U., das Gebiet des Kleinen Ruaha (s.o.). Ob die
Gebirgslandschaft
Mage im Gebiet des Lukosse hierher zu rechnen, oder ob sie als ein Ast des
Utschungwe -Bruchsystems anzusehen ist, erscheint noch unklar. Mage erhebt
sich zu 2335 m Mh. Der nw. Abfall zur Ruaha- (s.d.) Niederung und deren
letzte 100 km oberhalb der Einmündung des Kisigo sind der Teil von U., der
dem übrigen Gebiet am wenigsten verwandt ist. U. gehört dem kontinentalen
Passatklima (s. Deutsch-Ostafrika 4) an und hat am
Südostrand
sehr hohe Regenmengen. In der Station Pommern
(2040 m ü. d. M.) der Berliner
Missionsgesellschaft (s.d.) wurden 1911 2269 mm gemessen. Im Innern
sind die Niederschläge dagegen
recht
gering, vielleicht 600 mm im Durchschnitt (s. Neu-Iringa und Tosamaganga), doch in Anbetracht der
bedeutenden
Meereshöhe genügend. U. ist verhältnismäßig kühl, verglichen mit dem
zentralen
Hochland von Deutsch - Ostafrika. Neu - Iringa (s.d.) in 1570 m Mh. hat
17,6° Jahresmittel der Temperatur; der wärmste Monat, der November, hat
20,0°, der kühlste, der Juli, 15,0°. Die mittlere tägliche Schwankung
beträgt
11,8°. Besonders das Klima der mittleren
Teile
ist auch für Europäer durchaus gesund. Am S- und SORand von U. kommt
tropischer
Höhenwald in geringer Ausdehnung vor. Neben ihm
findet sich Hochgebirgsbusch und Hochweiden, die nordwärts immer mehr
vorherrschen.
Der Nordrand des zentralen U. und die Ruahaniederung sind vorwiegend
Buschland,
mit Baum- und Buschgrassteppe. Hier gibt es noch ziemlich
viel Wild, das sonst in U. durch die Jagd der Eingeborenen selten geworden
ist. Der Viehstand ist recht gut (s. Iringa,
etwa 2/3 des dort aufgeführten Viehs gehören zu U.). Daneben wird von den
Wahehe (s.d.), deren Zahl neuerdings auf nur etwa
23 000 geschätzt wird, etwas Ackerbau
getrieben.
Mais, Bataten, Bohnen,
einige
Hirse aller drei Arten werden angebaut. Die
Bananen wiegen auch an den tieferen Hängen
nicht so vor, wie in andern Teilen des Ostafrikanischen Randgebirges.
Außer
den Wahehe sitzen in U., im S, die Watschungwe
(s.d.) etwa 9000 Köpfe, dazu an allerhand Mischvölkern (z.B. mit den Wassagara, s.d.) etwa 2000. Die Volksdichte des
ungefähr 25 500 qkm großen U. ist danach 1,3, recht wenig für das
fruchtbare
Land. Auch (s.o.) hieraus ergibt sich die Möglichkeit einer Besiedelung
durch, Europäer; ihre Anfänge sind vorhanden. Wenn sich die
Verkehrsverhältnisse
bessern, könnten hier ein paar Tausend Europäer leben. Die 18 Ansiedler
(Ende 1912) des Bezirks Iringa (s.d.) gehören fast alle zu U.
Literatur: P. Fuchs und A. Hautter, Wirtsch. Erkund. im mittl. und
nördl. Deutsch-Ostatrika, Beihefte z. Tropenpflanzer 1907. - E. Battré,
Die Entwicklung und der Stand der geogr. Forschung über Uhehe in
Deutsch-Ostafrika,
Diss. Jena 1911 (mit großem Literaturverzeichnis). Ferner v.
Lindequist's
Bericht unter Njassa.
Uhlig.
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