Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 567 f.

Uhehe, Landschaft des Ostafrikanischen Randgebirges (s.d.). Der Nordbogen des Großen Ruaha begrenzt sie im N, die große Bruchlinie im SO gegen Mahenge; auch von Utemekwira (s. Ubena), im S. trennt der kräftige Steilabfall von Mgololo, während die Abgrenzung nach W gegen das n. Ubena (s.d.), Ussangu (s.d.) und den Ruaha- (s.d.) Graben weniger deutlich ist. U. ist Urgesteinsland; neben dem granitähnlichen Gneis, der, soweit die spärlichen Beobachtungen gehen, die Streichrichtung N - S, aber auch O - W und sehr steiles Einfallen zeigt, ist etwas Granit und Diabas nachgewiesen; auf den Hochflächen, deren Formen durch die wechselnde Härte des Gesteins bedingt zu sein scheinen, liegen mächtige Verwitterungsschuttdecken. Bestimmend für die heutigen großen Formen der Rumpfscholle U. sind aber hauptsächlich die jungen Bruchsysteme, in denen die SW - NO - Richtung durchaus vorherrscht, mehrfach in W - O übergehend. Die Hauptrichtung kommt auch in der des Flußnetzes von U. zum Ausdruck. Die Wasserscheide der U. - Scholle liegt ganz im SO. Kurze Flüsse stürzen hier zum Kilombero (s. Rufiji). Die Hauptflüsse von U. gehen nach N zum Großen Ruaha: der Kleine Ruaha und der Lukosse. Die bedeutendste Höhe, vielleicht 2500 m, erreicht die Unterlandschaft Utschungwe, ein Teil des SO - Bandes. Der Steilabsturz ist, obwohl gestaffelt, von überwältigender Großartigkeit, die Höhenunterschiede mit der Ulanga - Ebene (s. Rufiji) erreichen fast 2000 m. Die Mgololo - Bruchstufe (s.o.) hat bis zu 800 m relativer Höhe; der Abfall des besonders wenig bekannten Ost - U. ist etwa ebensogroß. An die von der Erosion stark zerschnittene Randzone U.s schließt sich nordwärts ein Streifen Hochebene mit sanften Formen und manchmal sumpfigen Tälern. Es folgt eine wiederum tektonisch zerrüttete Zone, deren Verwerfungen zwar geringeres Ausmaß als die des Randes haben, aber Formen und Talrichtungen völlig beeinflussen. Hierher gehört das Zentrum von U., das Gebiet des Kleinen Ruaha (s.o.). Ob die Gebirgslandschaft Mage im Gebiet des Lukosse hierher zu rechnen, oder ob sie als ein Ast des Utschungwe -Bruchsystems anzusehen ist, erscheint noch unklar. Mage erhebt sich zu 2335 m Mh. Der nw. Abfall zur Ruaha- (s.d.) Niederung und deren letzte 100 km oberhalb der Einmündung des Kisigo sind der Teil von U., der dem übrigen Gebiet am wenigsten verwandt ist. U. gehört dem kontinentalen Passatklima (s. Deutsch-Ostafrika 4) an und hat am Südostrand sehr hohe Regenmengen. In der Station Pommern (2040 m ü. d. M.) der Berliner Missionsgesellschaft (s.d.) wurden 1911 2269 mm gemessen. Im Innern sind die Niederschläge dagegen recht gering, vielleicht 600 mm im Durchschnitt (s. Neu-Iringa und Tosamaganga), doch in Anbetracht der bedeutenden Meereshöhe genügend. U. ist verhältnismäßig kühl, verglichen mit dem zentralen Hochland von Deutsch - Ostafrika. Neu - Iringa (s.d.) in 1570 m Mh. hat 17,6° Jahresmittel der Temperatur; der wärmste Monat, der November, hat 20,0°, der kühlste, der Juli, 15,0°. Die mittlere tägliche Schwankung beträgt 11,8°. Besonders das Klima der mittleren Teile ist auch für Europäer durchaus gesund. Am S- und SORand von U. kommt tropischer Höhenwald in geringer Ausdehnung vor. Neben ihm findet sich Hochgebirgsbusch und Hochweiden, die nordwärts immer mehr vorherrschen. Der Nordrand des zentralen U. und die Ruahaniederung sind vorwiegend Buschland, mit Baum- und Buschgrassteppe. Hier gibt es noch ziemlich viel Wild, das sonst in U. durch die Jagd der Eingeborenen selten geworden ist. Der Viehstand ist recht gut (s. Iringa, etwa 2/3 des dort aufgeführten Viehs gehören zu U.). Daneben wird von den Wahehe (s.d.), deren Zahl neuerdings auf nur etwa 23 000 geschätzt wird, etwas Ackerbau getrieben. Mais, Bataten, Bohnen, einige Hirse aller drei Arten werden angebaut. Die Bananen wiegen auch an den tieferen Hängen nicht so vor, wie in andern Teilen des Ostafrikanischen Randgebirges. Außer den Wahehe sitzen in U., im S, die Watschungwe (s.d.) etwa 9000 Köpfe, dazu an allerhand Mischvölkern (z.B. mit den Wassagara, s.d.) etwa 2000. Die Volksdichte des ungefähr 25 500 qkm großen U. ist danach 1,3, recht wenig für das fruchtbare Land. Auch (s.o.) hieraus ergibt sich die Möglichkeit einer Besiedelung durch, Europäer; ihre Anfänge sind vorhanden. Wenn sich die Verkehrsverhältnisse bessern, könnten hier ein paar Tausend Europäer leben. Die 18 Ansiedler (Ende 1912) des Bezirks Iringa (s.d.) gehören fast alle zu U.

Literatur: P. Fuchs und A. Hautter, Wirtsch. Erkund. im mittl. und nördl. Deutsch-Ostatrika, Beihefte z. Tropenpflanzer 1907. - E. Battré, Die Entwicklung und der Stand der geogr. Forschung über Uhehe in Deutsch-Ostafrika, Diss. Jena 1911 (mit großem Literaturverzeichnis). Ferner v. Lindequist's Bericht unter Njassa.

Uhlig.