Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 571

Uluguru, Landschaft des Bezirks Morogoro von Deutsch-Ostafrika, nach der das U. - Gebirge seinen Namen trägt. In dieses teilt sich Ukami (s.d.) mit U.; zu letzterem gehört die größere Südhälfte des Gebirges, dazu die östl. Hänge fast ganz, damit die regenreicheren Teile. Die Zahl der Waluguru (s.d.), die das 1720 qkm große U. bewohnen, dürfte 1913 etwa 55 000 betragen. Die Volksdichte wäre danach 32. Für das ganze U. - Gebirge ist die Zahl wenig geringer. U. ist gut angebaut mit Bananen, Mais, Sorghum (s.d.), Bergreis, Hülsenfrüchten und nicht arm an Vieh; die Zahl der Rinder wurde 1911 auf 4500, die des Kleinviehs auf 31 400 geschätzt. - Der Gneishorst (s. Deutsch-Ostafrika 2 und 5) des U.Gebirges, der etwa 2950 qkm bedeckt, ist ein isoliertes Stück des Ostafrikanischen Randgebirges (s.d.), das durchschnittliche Streichen der Schichten ist wie das der Scholle selbst SSW - NNO mit wenig steilem Einfallen nach OSO; - geringe Faltungen kommen vor. Den Formen nach ist es etwas älter als das, ähnlich gelegene, Usambara. Während die Nordhälfte des Gebirges Kammform hat, deren Grat sich bis zu 2100 (nach andern 2500) m Höhe erhebt, gipfelt der Süden in der kleinen rauhen Lukwangule-Hochfläche, deren höchste Erhebung, der Mtingire, 2650 m Mh. erreicht. Ebenso hoch ist der ssö. 'von ihm gelegene Kimhandu. Bei der Küstennähe und Steilheit des U. - Gebirges sind seine Niederschläge reichlich. Matombo am Ostfuß, etwa 350 m ü. d. M., hat 1410 mm (vierjähr. Mittel); die ehemalige Emin -Plantage in 970 m Mh. am Osthang ist mit 4203 mm (fünfjähr. Mittel) der regenreichste Ort von Deutsch- Ostafrika, verdankt diese überraschende Fülle den Geländeformen der nächsten Umgebung. Am N - Fuß ist die Regenmenge kleiner (s. Morogoro 1). U. wird meist zur Provinz des Monsunklimas (s. Deutsch-Ostafrika 4) gerechnet, hat aber manche Übergänge zum kontinentalen Passatklima. Bis zu 1800 m reicht heute am Osthang die sehr fruchtbare Kulturzone; so weit ist meist der prächtige Regenwald zurückgedrängt, dessen Gewächse denen Usambaras (s.d.) sehr ähnlich sind. Er geht in Höhenwald über, der von kahlen mit Hochweiden und Hochgebirgsbusch bestandenen Flächen überragt wird. Im S ist der Wald, auch in der Höhe, recht dünn geworden, am W- und N - Hang ist er fast völlig verschwunden. Das U. - Gebirge hat in den seinen Gneis durchsetzenden Pegmatitgängen schöne Glimmervorkommen. Deren Abbau ist besonders im NW gut entwickelt und ergab 1912 gegen 150 000 kg Glimmer mit einem Ausfuhrwert von etwa 450 000 M. Die Funde von Uranpecherz sind bisher nur spärlich gewesen. Der Plantagenbau im U. - Gebirge hat sich besonders am Nordfuß seit dem Bau der Zentralbahn (s. Eisenbahnen 1 b) kräftig entwickelt; einstweilen herrscht leider der Kautschuk vor.

Literatur: F. Stuhlmann, Über die Uluguruberge in Deutsch-Ostafrika, M. a. d. Schutzgebieten VIII, 1895. - Demnächst erscheint in den M. a. d. d. Sch.: Sprigade u. Moisel, Die U.Berge, 1: 150 000, hauptsächlich nach A. Lambrecht.

Uhlig.