Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 572

Umberfische, Sciaenidae, sind der Familie der Serranidae oder Seebarsche (s.d.) sehr nahe verwandt. Die kammförmigen Schuppen bedecken den ganzen Kopf und auch einen Teil der senkrechten Flossen. Die Afterflosse ist sehr kurz, der Kopf hat auffallend stark entwickelte Hautgruben. In hohem Grade ist bei diesen Fischen die Fähigkeit Töne hervorzubringen entwickelt, und im Zusammenhang damit steht zweifellos die auffallende Größe der Gehörsteine, welche früher geschätzt und gegen allerlei Krankheiten gebraucht wurden, vielleicht auch die Bildung der Schwimmblase, welche oft zahlreiche Ausbuchtungen besitzt. - Die Familie der U. ist für die Fischerei von hervorragender Bedeutung, da viele ihrer Angehörigen eine bedeutende Größe erreichen und als Tafelfische geschätzt sind. Der vornehmste Vertreter der Familie ist der Adlerfisch (s.d.), Sciaena aquila Risso, der sich über die südwesteuropäischen und die westafrikanischen Küsten - mit Ausnahme des eigentlichen Tropengebiets - bis zum Kap der guten Hoffnung verbreitet. Er gehört in den westafrikanischen Kolonien Frankreichs zu den Prämienfischen. Ihm nahe stehen die weniger hoch geschätzten Rabenfische Corvina nigra Bl. und Corvina nigrita C. V. - "nyenndi" der Duala -, welche durch dunkelbraune Körperfärbung und tiefschwarze Flossen ausgezeichnet sind, und von denen wenigstens der letztere auch im Kamerungebiet zu den häufigen Fischen gehört. - Ferner gehört hierher die wirtschaftlich sehr wichtige Gattung Ototlithus, die mit einer Reihe ansehnlicher Formen in den Gewässern Kameruns vertreten ist, z.B. O. brachy gnathus Bleek., "bokimanyendi" der Duala, O. senegalensis C. V., "nyendi - mazungall (s. Tafel 79/80 Abb. 2) und O. aequidens C. V., davon letzterer speziell südafrikanisch. Auch diese Fische, gehen, obwohl eigentlich Meeresfische, zum Teil in das Brackwasser hinein und scheinen dort erheblichere Größen zu erreichen als draußen in See. Sie geben ein sehr gutes Material zur Herstellung von Salz- und Trockenfischen (s. Fischindustrie).

Lübbert.