Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 577 f.

Unjanjembe.

1. U. ist die in der Mitte des zentralen Hochlands von Deutsch - Ostafrika gelegene Landschaft, zugleich das Zentrum von Groß-Unjamwesi (s. Unjamwesi), der wichtigste Teil von Unjamwesi im engeren Sinne. Der Name U. ist jung, denn er bedeutet Land der Emben (Mango, s.d.), die erst von Arabern und Wasuaheli dort angepflanzt wurden (s. Tabora). Auch andere erst neuerdings eingeführte Kulturpflanzen sind hier zu treffen, wie Reis, Weizen, Dattel, Zitrone usw. Die Banane ist hier von größerer Bedeutung als sonst in Unjamwesi (s. d., Anbau). Das ganz flache U. ist fast überall sorgfältig angebaut. Die Wanjamwesi (s.d.) samt den Fremden (s. Unjamwesi) dürften das 4480 qkm große U. in einer Dichte von etwa 25 bewohnen, wobei die Hauptstadt Tabora (s.d.) eingerechnet ist.

Uhlig.

2. Das Apostolische Vikariat U. wurde vom Bezirk Tanganjika (s.d.) abgegrenzt, nachdem schon seit 1881, allerdings mit wenig Erfolg, dort missioniert worden war. Die Sklavenräubereien und andere Schwierigkeiten ließen vor 1891 keine guten Resultate aufkommen. 1897 wurde das Gebiet zum Vikariat erhoben. Die Grenzen bewegen sich nördlich zwischen dem 2. und 4., südlich zwischen dem 5. und 6. Grad s. Br.; die Ostgrenze zieht vom 36. nach Süden zum 35. Grade; im Westen endet das Gebiet, mit der Kolonie. Doch sind 1912 die Landschaften Urundi und Uha losgetrennt und dem neuen Vikariat Kiwu zugeteilt worden. (In 8 Hauptstationen [Ushirombo, Msalala, Ndala, Tabora, Ulungwa, Iraku, Turu, Usambiro] zählt man 4493 Christen und 2336 Katechumenen. Für diese sind 33 Priester, 6 Brüder und 11 Schwestern tätig. In 30 Schulen mit 534 Knaben und 195 Mädchen sind noch 48 Katechisten tätig. Für Heranbildung der letzteren besteht in Ushirombo ein Seminar [30 Schüler]). In der Erziehung, vor allem aber für die Krankenpflege, arbeiten die Weißen Schwestern (s.d.) im Vikariat. Hier wie in den anderen Missionen der Weißen Väter (s.d.) in Ostafrika wird neben Deutsch das Kisuaheli betrieben; für Unterrichtsbücher sorgen die Missionare selbst. Die aufstrebende Handelsstadt Tabora bietet wegen der Abneigung der dort herrschenden Araber leider noch keine festen Aussichten. Einstweilen muß die Liebestätigkeit vorbauen. (Das Vikariat besitzt 10 Spitäler, 12 Asyle, 10 Armenapotheken, die Zahl der verpflegten Kranken im Jahre 1913 war 81 247.)

Literatur zu 2: Afrikabote. Trier, fortlaufend. Schwager, Die kathol. Heidenmission äer Gegenwart II, 195 ff., Steyl 1908. - Schmidlin, Die kathol. Missionen, Münster 1913, 149 ff. - Heimbucher, Die Orden u. Kongregationen d. Kath. Kirche, III , 504 ff. Paderborn 1908. Bericht über die Missionsgesellschaft der Weißen Vater. Trier 1904.

Schmidlin.