Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 579

Unterrichtswesen. Das koloniale U. umfaßt zwei Seiten, einmal die Vermittelung kolonialer Kenntnisse in der Heimat, dann den Unterricht in den Kolonien selbst. In ersterer Hinsicht kommt zunächst der Unterricht in den heimischen Schulen in Betracht, der mehr und mehr auch unsere Kolonien berücksichtigt, besonders deren Geographie und Produktion (Mustersammlungen). Besonders ist es die Deutsche Kolonialgesellschaft (s.d.), welche im deutschen Volke das Verständnis und Interesse für die kolonialen Bestrebungen fördert durch Herausgabe guter und billiger Lehrmittel (Deutscher Kolonialatlas, Wirtschaftsatlas d. dtsch. Kol.), Verbreitung von Literatur über die deutschen Kolonien, Unterhaltung einer Bücherei, Veranstaltung von Vorträgen, Verleihung von Lichtbilderserien usw. Mehr und mehr hat auch der Umfang der kolonialen Vorlesungen an den Hochschulen Akademien usw. zugenommen. So umfaßt ein von der kolonialwissenschaftlichen Studienkommission des Seminars für orientalische Sprachen (s.d.) zusammengestelltes Verzeichnis für das Sommersemester 1914 allein an den Berliner Hochschulen 196 Vorlesungen und Veranstaltungen, welche für koloniale Studien von Wichtigkeit sind. Eine Übersicht über die kolonialen Vorlesungen in den größeren deutschen Städten bringt regelmäßig die Deutsche Kolonialzeitung (z.B. 1914 Nr. 13 ff). Neben dem Seminar für orientalische Sprachen (s.d.) in Berlin dient namentlich das Hamburgische Kolonialinstitut (s.d.) der Ausbildung der Kolonialbeamten (s.d.). Der Vorbildung für die praktische koloniale Arbeit als Farmer, Pflanzer usw. dient eine Reihe von Instituten. Es sind dies: die Kolonialschule zu Witzenhausen (s.d.), der Ausbildung von Frauen und Mädchen die Deutsche Frauenschule in Weilbach (s.d.) bei Wiesbaden und die Kolonial - Haushaltungsschule in Karthaus bei Trier. Über die katholische Anstalt in Engelport, das Institut für Schiffs- und Tropenhygiene, in Hamburg, das deutsche Institut für Ärztliche Mission in Tübingen, die Botanische und die Geologische Zentralstelle in Berlin und deren Wirken als Unterrichtsanstalten s. die betreffenden Artikel. Der Unterricht in den Kolonien selbst wurde, soweit die Eingeborenen in Frage kommen, anfänglich nur durch die Missionen (s. Missionsschulwesen), später auch in Regierungsschulen (s.d.) erteilt. Es handelt sich dabei meist um einen Unterricht nach dem Vorbild der heimischen Volksschulen, doch bestehen vereinzelt auch bereits Fortbildungsschulen (Togo, Saipan). Von großer Wichtigkeit sind die Handwerkerschulen und die Landwirtschaftsschulen für Eingeborene, deren Bedeutung mehr und mehr gewürdigt wird. Über die deutsch-chinesische Hochschule für Chinesen in Kiautschou s. Hochschulen u. Kiautschou. Unterrichtsanstalten für europäische Kinder bestehen, soweit rein tropische Kolonien in Betracht kommen, nur in Deutsch Ostafrika, und zwar handelt es sich auch hier wesentlich nur um Schulen niederer Ordnung und um Anfänge. In Samoa besteht eine Volksschule für Ansiedlerkinder, dagegen finden wir in Deutsch -Südwestafrika und Kiautschou bereits Höhere Schulen für europäische Kinder. S. Schulen und Höhere Schulen.

v. König.