Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 601 f.

Vegetation. 1. Allgemeines. 2. Deutsch-Ostafrika. 3. Togo. 4. Kamerun. 5. Deutsch-Südwestafrika. 6. Schutzgebiete der Südsee.

1. Allgemeines. Die Darstellung der V. eines Landes soll sich nicht darauf beschränken, die Pflanzenarten aufzuführen, die in ihm vorkommen, sondern soll auch deren Häufigkeit oder Seltenheit ins Auge fassen, ihren Zusammenschluß zu Genossenschaften (Formationen), ihre Verteilung nach Höhenlagen (Regionen), bevorzugten und gemiedenen Standorten, ihr Verhältnis zu der Flora von Nachbargebieten usw. Ihren vollendetsten und dabei gedrängtesten Ausdruck findet die Darstellung in dem Entwurf von Vegetationskarten. Solche müssen aber, um ein umfassendes Bild zu geben, nach den mannigfaltigsten Gesichtspunkten hergestellt werden. Man kann aus der Fülle der Pflanzenformen besonders ihre charakteristischen herausgreifen und durch Linienführung auf einer als Unterlage gewählten geographischen Karte die Grenzen ihrer Verbreitung festlegen. Man kann auch von den Einzelpflanzen absehen und nur die Formationen berücksichtigen, indem man durch Farbentönung, durch verschiedene Schraffierung und dgl. die Wälder, die Steppen, die Sumpflandschaften, die alpinen Matten usw. in ihrer Lagerung über die Fläche darstellt. Noch manche andere Gesichtspunkte lassen sich ausdenken und haben für botanisch genauer durchforschte Gebiete auch in entsprechenden Karten ihren Ausdruck gefunden. Für die deutschen Kolonien hat Engler (s.d.) den zweiten oben erwähnten Gesichtspunkt erwählt und in seinem Werk: Die Pflanzenwelt Afrikas zur Darstellung gebracht. Die folgenden Ausführungen gründen sich auf diese.

2. Deutsch-Ostafrika. Den größten Raum nehmen Steppen ein, die aber bald als Miombowald, als Baumsteppen, als Parklandschaften, bald als offene Grasländer oder Buschgehölze entwickelt sind. Echte tropische Regenwälder treffen wir nur in den Ulugurubergen, in Usambara, am Kilimandscharo und Meru, Nebelund Höhenwälder reichlicher auf den Steilrändern des ostafrikanischen Grabens, am Gurue - Vulkan, auf den Kuppen der Gebirge Usagaras, Uhehes, Ruandas und der sich an das Nordost- und Nordufer des Njassa lagernden Landschaften. Hochweide, Hochgebirgssteppe und Hochgebirgsbusch in größerer Ausdehnung kennzeichnet das Winterhochland und die südlich daran grenzenden Bezirke, ferner Uhehe, Usagua, das Kondeland und Livingstone-Gebirge, vor allem aber Ruanda, Urundi und die Hochländer östlich vom Tanganjika. Strichweise Mangroven an der Küste, vereinzelte Salzsteppen in der Wembäre -Niederung und in Ugogo, Uferwälder in den Alluvionen der Flüsse vervollständigen das Bild.

3. Togo. Die ganze Kolonie kann man als Baumund Buschsteppe bezeichnen, die namentlich binnenwärts der schmalen Mangrovenzone, aber auch sonst auf Flächen größeren und kleineren Umfangs den Charakter einer Parklandschaft annimmt. Galerieund ärmlicher immergrüner Regenwald, dieser besonders in den Gebirgen, sind nur lokal eingestreut, alpine Formationen fehlen ganz, Sumpfgebiete sind selten von größerer Ausdehnung.

4. Kamerun. Den Süden längs des ganzen Verlaufes der Grenze, einschließlich des von Frankreich erworbenen Zuwachses, bedeckt tropischer Regenwald, ebenso ein breites Band landeinwärts der Küste, häufig im unmittelbaren Anschluß an die Mangrove, die an den Mündungen aller Flüsse besonders umfangreich auftritt. Im Gegensatz zu diesem Waldland bezeichnet man gewöhnlich das ganze übrige Kamerun als Grasland. Richtiger zu sagen wäre Steppenland., denn weites offenes Grasland herrscht nur streckenweise vor, trockene Buschgehölze, Parklandschaften, Busch- und Baumgrassteppen mit meist laubwerfenden Holzgewächsen, im äußersten Norden Dornbusch, sind die Regel. Nebel- und Höhenwald kommt nur vereinzelt in Gebirgen vor, -Hochweiden umfassen größere Flächen in den Manenguba-, Bambuttu-, Bansso- und Genderobergen, auch in Ngaundere. Galeriewälder sind weit verbreitet. Gewaltige Sumpfgebiete, über deren botanische Zusammensetzung wir aber noch wenig wissen, sind der Neuerwerbung eigen, die der Marokkovertrag brachte.

5. Deutsch-Südwestafrika fällt ganz unter den Begriff Steppenland, wenn man nicht etwa dem äußersten Norden als Trockenwald eine besondere Stellung zuweisen will; Mangroven fehlen. Sand- und Steinwüsten mit zerstreuten Gräsern, Sukkulenten und wenigen Sträuchern nehmen fast den ganzen Küstengürtel ein; im Innern wechseln grasreichere und grasärmere Steppen bald mit, bald ohne Durchsetzung von Halbsträuchern, Sträuchern, Dornbusch und Bäumen miteinander ab. Das temporäre Weideland der Hochflächen birgt nach den Regen eine verhältnismäßig reiche Grasflur, in die Standen, Sträucher und Halbsträucher eingestreut sind. Eine größere Salzwüste ist die Etosapfanne, Ufergehölze mit breitblättrigem Laub werden besonders an den Wasserläufen zwischen dem 18. und 20. Längengrad entwickelt. Einzelheiten über die V. der afrikanischen Kolonien sind dem oben erwähnten, mit zahllosen Abbildungen versehenen Werk Englers zu entnehmen. Es enthält auch die gesamte Literatur bis auf die neueste Zeit, nur die Arbeit Ledermanns: Eine botanische Wanderung nach Deutsch-Adamaua (Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1. Heft 1912) wäre noch hinzuzufügen.

6. Schutzgebiete der Südsee. Die V. der Schutzgebiete in der Südsee kennen wir im großen und ganzen bisher nur nach ihrer floristischen Seite, siehe darum unter Flora.

Volkens.